Social Entrepreneurship Monitor 2019 veröffentlicht und kommentiert

SEND e.V. veröffentlicht Social Entrepreneurship Monitor für das Jahr 2019. Wir nehmen Social Business in Sachsen in den Blick.

Im Februar 2020 wurde der Deutsche Social Entrepreneur Monitor für 2019 (DSEM 2019) veröffentlich. Mit der Erhebung wurden Akteur*innen des Social Business befragt und um ihre Einschätzungen sowie Erfahrungen gebeten. Die Veröffentlichung ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion und ermöglicht erste Rückschlüsse auf Trends und Besonderheiten.

Die Ergebnisse haben sich Sophia Kiefl (Leiterin der SEND Regionalgruppe Sachsen und tätig im Impact Hub Dresden) und Steve Grundig (plant values) genauer angeschaut, eingeordnet und gemeinsam kommentiert. 

Der Social Entrepreneurship Monitor 2019

(c) SEND e.V. 2019


Mini-Exkurs: Was ist eigentlich Social Business?
Was ist heißt Social Entrepreneuship?

Mit dem Begriff „Social Business“ werden Unternehmen bezeichnet, welche als Unternehmensziel das Lösen von gesellschaftlichen (soziale und/oder ökologische) Herausforderungen verfolgen. Dabei wird explizit auf eine unternehmerische Denkweise gesetzt. Im Unterscheid zu „klassischen“ Unternehmen steht dabei nicht der finanzielle Erfolg an erster Stelle, sondern die positive Wirkung auf Mit- und Umwelt. Klassische Unternehmen versuchen typischerweise Schäden zu minimieren, Social Business hingegen versuchen deren gemeinwohlorientierte Wirkung zu erhöhen.

Ein „Social Entrepreneur“ ist entsprechend der/die Unternehmer*in, d.h. die Person die im Sinne des Social Business Ansatzes agiert.
„Social Entrepreneurship“ beschriebt demnach zufolge das gemeinwohlorientierte Unternehmertum. Social Business und Entrepreneurship sind daher fast synonym nutzbar.

Damit orientieren wir uns am Verständnis und der Definition vom SEND e.V. Mehr dazu könnte ihr beim SEND e.V. auf deren Seite oder im DSEM 2019 (S. 11-13) lesen.


Was lässt der DSEM 2019 offen?

Die Datengrundlage von 212 Antworten im Deutschen Social Entrepreneurship Monitor (DSEM) sind u.a. auf Grund der geringen Zahl an Antwortenden sowie deren geografische Verteilung nicht als repräsentativ zu betrachten. (DSEM 2019 S. 13, 16).

Die geografische Verteilung der Antworten zeigt, dass einige wenige Hotspots (allen voran Berlin) die Social Business Szene – oder zumindest diese Umfrage – dominieren. Immerhin 61 Antworten kamen aus Berlin (28,8 %). Aus Sachsen sind dagegen nur 9 Antworten eingegangen (4,2 %). Aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Bremen und dem Saarland fanden keine oder jeweils nur eine Antwort Eingang in die Auswertung (DSEM 2019 S. 16).

Das bedeutet, dass für regionale (länderspezifische) Ableitungen die Antworten wenig geeignet sind. So lassen sich beispielsweise politische Empfehlungen für die sächsische Staatsregierung oder Hinweise für regionale Akteure im Sinne des Social Entrepreneurships nicht fundiert begründen.

Umfrage zu Social Business in Sachsen 2020

An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass 2020 eine Umfrage zur Erhebung von Bekanntheitsgrad und Unterstützungsbedarfen für Social Entrepreneurship in Sachsen stattfand. Die Ergebnisse sollen den DSEM sinnvoll ergänzen und der Regionalgruppe Sachsen neue Impulse geben. Hier ergeben sich regionalspezifische Perspektiven. In der Folge sollen konkrete Handlungsmaßnahmen für das Social Business Ökosystem, die Akteur*innen und die Regierung im Freistaat abgeleitet werden.

Die Ergebnisse zur Social Entrepreneurship-Umfrage der Regionalgruppe Sachsen sind hier zu finden: LINK ZU DEN ERGEBNISSEN

Social Business in Sachsen

Bleiben wir kurz noch beim Fokus auf Sachsen. Als zentrale Orte für Gründerökosysteme werden im DSEM 2019 Leipzig und Dresden genannt (S. 71). Dem ergänzend sei gesagt, dass es natürlich auch darüber hinaus bereits Aktivitäten in anderen Städten sowie den ländlicheren Regionen gibt. Hier finden sich ebenso Beratung, Netzwerk, Bildungsangebote sowie Vorbilder. Gute Beispiele dafür sind Chemnitz oder Görlitz. Ferner ist es gerade auch das explizite Anliegen der sächsischen Regionalgruppe des SEND e.V. (Deutscher Dachverband für Social Entrepreneurship) den Fokus nicht nur auf die Großstädte des Freistaates zu lenken.

Wichtig ist, dass die Förderung von Social Entrepreneurship auch als wichtiges Werkzeug zur regionalen Entwicklung verstanden wird. Gerade im ländlichen Raum mit seinen Mittelzentren und Kleinstädten. Social Entrepreneurship wird gerade auch außerhalb der urbanen Zentren ein wichtiger Baustein bei der Transformation unserer Wirtschaft sein und neue Impulse setzen.“ – so die Meinung von Steve Grundig.

Um sich über die Regionalgruppe Sachsen zu informieren oder sich dort einzubringen, empfehlen wir den Newsletter der Regionalgruppe Sachsen. Einfach zu abonnieren hier: Link für Newsletter-Anmeldung

Social Business in Sachsen

Einige Zahlen des DSEM stimmen besonders erfreulich. Hier lassen sich bereits Tendenzen ablesen, welche sich auch mit den persönlichen Beobachtungen der Beitragsautor*innen Sophia Kiefl und Steve Grundig decken.
Erfreulich ist, dass die Zahl der Gründungen von Social Startups in den letzten Jahren zugenommen hat. Dies zeigt, dass die Idee mehr und mehr Fuß fasst. Gründungswillige Menschen werden zunehmend inspiriert ein Geschäftsmodell im Sinne des Social Business zu entwickeln.

Mehr Diversität bei Social Business-Gründer*innen

Ebenso zeigt die hohe Anzahl an weiblichen Social Entrepreneurinnen, sie liegt bei rund 45 % (DSEM 2019 S. 76), dass hier „klassische“ Bilder des Unternehmertums aufgelöst werden. So sind bspw. bei konventionellen Gründungen Frauen klar in der Minderheit (laut Deutschem Startup Monitor von 2019 auf S.31 sind nur rund 15 % der Gründenden weiblich) oder im Schnitt seltener unternehmerisch aktiv (so erwähnt bspw. im BMWI-Dossier „Frauen in der Wirtschaft“).
Insgesamt sind die Gründer*innen diverser. In der Social Business Branche finden sich auch zunehmend mehr Menschen mit Migrationshintergrund oder in der Altersgruppe 50+, welche sonst auch eher Ausnahmen in der klassischen Gründungsszene bilden.

Es zeigt sich: Das gemeinwohlorientierte Motiv der unternehmerischen Tätigkeit spricht offensichtlich neue Bevölkerungsgruppen an, die sonst unternehmerisch eher passiv bleiben. Die Motivation sich mit einem Unternehmen zu probieren steigt, wenn nicht allein die Generierung finanzieller Mehrwerte im Vordergrund steht. Die Tendenz, dass mehr Frauen, ältere Menschen sowie Personen mit Migrationshintergrund sich unternehmerisch betätigen ist neben dem Verfolgen gesellschaftlich-ausgerichteter Unternehmensziele ein weiterer positiver Beitrag des Social Entrepreneur Ansatzes.

Hinzu kommt, dass es insbesondere die Zusammenarbeit mit NGOs und dem sozialen Sektor zu intensivieren gilt, findet Sophia Kiefl: „NGOs und Social Enterprises arbeiten am gesellschaftlichen Wandel, aber mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Gerade bei der Ideenentwicklung für soziale Themen, die sich wirtschaftlich angehen lassen, ist die unternehmerisch-lösungsorientierte Perspektive sehr wertvoll. Im Austausch zwischen NGO und Social Enterprises ist allerdings noch viel Luft nach oben.

Dankeschön und
mehr Erfahren über Social Entrepreneurship

Abschließend möchten Sophia Kiefl und Steve Grundig ihren großen Dank an die Autor*innen des DSEM 2019, allen Mitwirkenden und Teilnehmenden aussprechen.

Beide freuen sich, 2020 mit den Ergebnissen aus der Umfrage der Regionalgruppe Sachsen ebenfalls einen Beitrag zur Entwicklung von Social Business leisten zu können.

Social Business in Sachsen: Umfrageergebnisse veröffentlicht
Social Business in Sachsen: Umfrageergebnisse veröffentlicht

Wer mehr zum DSEM 2019 oder zu Social Business Szene Deutschlands erfahren möchte findet im Blog vom SEND e.V. die kommentierte Ergebnisse und aktuelle Debatten. Schaut mal rein!

Die Partner*innen dahinter:

SEND e.V. – Social Entrepreneurshoip Netzwerk Deutschland

Um Sozialunternehmer*innen (Social Entrepreneurs) zu stärken und soziale Innovationen mit dem erforderlichen Nachdruck voranzutreiben, hat im Juni 2017 das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. gegründet. Inzwischen gibt es zahlreiche Regionalgruppen, u. a. in Sachsen. Link für Newsletter-Anmeldung

Impact Hub Dresden

– Das Impact Hub Dresden ist Teil eines weltweiten Netzwerks zur Förderung sozialer Innovationen. Nach dem Leitgedanken “Think global, act local” unterstützten die lokalen Impact Hubs in Dresden und Leipzig Gründer*innen in Sachsen, die mit Ihrer Idee einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten. Gemeinsam schaffen sie hier Prototypen für neue Wege des verantwortungsvollen Wirtschaftens, indem Wissen und Know How geteilt und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden.

plant values | Beratung und Coaching für Nachhaltigkeit

– Das Team von Nachhaltigkeitsentwickler*innen unterstützt etablierte Unternehmen und Gründer*innen von Green Startups und Social Business Gründungen. Ziel ist es stets, die Befähigung zu schaffen ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen und zu etablieren. Damit wird ein Beitrag zu einer ganzheitlichen Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft hin zur Nachhaltigkeit geschaffen.

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