Social Business in Sachsen: Umfrageergebnisse zeigen Handlungsbedarf

Die Entwicklung von Social Business in Sachsen wird immer interessanter, birgt es doch gewaltige Potentiale für Gesellschaft und Wirtschaft. Um die Situation in Sachsen zu untersuchen, wurde die bisher größte Umfrage dazu vom Impact Hub, plant values und dem SEND e.V. jetzt veröffentlicht.

2020: Umfrage zu Social Business in Sachsen gestartet

Wir haben uns gefragt, wo Social Entrepreneurship in Sachsen steht? Ist das Prinzip bekannt? Welche Unterstützungsbedarfe für Social Business in Sachsen gibt es konkret?

Daher haben wir, der SEND e.V., Impact Hub Dresden und plant values, 2020 eine Umfrage genau zu dem Thema gestartet. Das Ziel war es, einen Ist-Stand von Social Business in Sachsen zu erfassen. In der Folge soll das eine Grundlage zur Weiterentwicklung der Branche in Sachsen liefern. Wir geben aktuelle Einschätzungen wieder und zeigen Bedarfe auf.

Die ausgewerteten Ergebnisse präsentieren wir nun hier: Hier kannst du die Ergebnisse DOWNLOADEN!

Social Business in Sachsen: Umfrageergebnisse veröffentlicht
Social Business in Sachsen: Umfrageergebnisse veröffentlicht

Die wichtigsten Erkenntnisse über Social Entrepreneurship in Sachsen:

  • 106 jungen Teilnehmende (45 % im Alter von 25 – 34 Jahren, 15 % im Alter von 18-25 Jahren) zeigen sich zu drei Viertel (76 % ) offen gegenüber der Social Business Idee.
  • 77 % wollen einen „Beitrag für eine bessere Welt leisten“, so die Abfrage für den Haupttreiber für ein Gründungsvorhaben.
  • Suche nach Sinnstiftung: Knapp 18 % der Befragten geben an, keine*n Arbeitgeber*in zu finden, mit dessen Werten sie sich identifizieren.
  • Der überwiegende Teil der Befragten schätzt die Qualität der Unterstützungsangebote für Social Entrepreneurship in Sachsen eher negativ ein. 45,3 % antwortet mit „wird überhaupt“ bzw. „wird eher nicht unterstützt“.

Handlungsbedarfe und Entwicklungschancen für Social Entrepreneurship in Sachsen

Wir stellen fest, bisher gibt es kein ausgeprägtes Umfeld für Social Entrepreneurship in Sachsen. Hier besteht noch viel Entwicklungsraum. Es kann z.B. mit Förderprogramme, die auf Social Startups oder Sozialen Innovationen ausgelegt sind, eine Hilfe für Gründer*innen und Social Entrepreneurs geschaffen werden. Ebenso braucht es für eine Fortentwicklung sichtbare und gut erreichbare Unterstützungsnetzwerke. Diese sollen Social Entrepreneurs für Informationsgewinnung, Beratung und Erfahrungsaustausch offenstehen. Dazu schreiben wir auf Seite 15 & 16.
Da Sachsen durch Megatrends wie Digitalisierung, Alterung der Bevölkerung, Migration und der Herausforderung der Nachhaltigen Entwicklung im Allgemeinen sowie den Strukturwandel im Besonderen betroffen ist, kann Social Entrepreneurship in Sachsen als ein mögliches Instrument verstanden werden. Damit kann auf gesellschaftliche Probleme reagiert werden. Mit unternehmerischen Mitteln sind folglich neue Lösungen (Soziale Innovationen) zu generieren. Die Potentiale für Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm, wie eine Studie von McKinsey und Ashoka zeigt. Dazu schreiben wir in der Auswertung auf Seite 17 & 18.

Was ist ein Social Business?

Das sind Unternehmen, welche als Hauptziel das Lösen von sozialen oder ökologischen Herausforderungen verfolgen. Auf der einen Seite werden nachgefragte Jobs geschaffen. Dies ist angesichts des Fachkräftemangels auf dem Markt hochinteressant, denn nachhaltige Unternehmen haben es leichter, Bewerber*innen zu rekrutieren und Mitarbeitende zu halten, wie Studien von Königsteiner und Accenture zeigen. Auf der anderen Seite wird an der Lösung gesellschaftlicher Probleme (Langzeitarbeitslosigkeit, Chancenungleichheit, Hunger, Umweltverschmutzung etc.) gearbeitet.

Daher wirkt ein Social Business gleich mehrfach. Gesellschaftlicher Mehrwert und damit die Senkung sozialer Kosten gehen einher mit wirtschaftlicher Wertschöpfung.

Mini-Exkurs: Den Unterschied zwischen Social Business und Social Entrepreneurship erklärt und

Mit dem Begriff „Social Business“ werden Unternehmen bezeichnet, die mit unternehmerischen Mitteln gesellschaftliche Probleme lösen wollen. Orientierung dafür sind die 17 SDGs. Im Unterscheid zu klassischen Unternehmen steht dabei nicht der finanzielle Erfolg an erster Stelle, sondern die positive Wirkung auf Mit- und Umwelt. Ein „Social Entrepreneur“ ist entsprechend ein*e Unternehmer*in, welche*r im Sinne des Social Business Ansatzes agiert. „Social Entrepreneurship“ beschriebt demnach zufolge das gemeinwohlorientierte Unternehmertum. Die Worte Social Business und Social Entrepreneurship sind daher fast synonym nutzbar.

„Social“ übersetzt heißt in diesem Zusammenhang sinngemäß „gemeinwohlorientiert“ und bezieht sich daher in dem Kontext auf die Gesellschaft.

Damit orientieren wir uns am Verständnis und der Definition vom SEND e.V. Mehr dazu findet man beim SEND e.V. online.

Beispiele für Social Business

Deutschlandweit bekannte Beispiele sind:

  • Heyho soziale Müslirösterei: Menschen, die auf Grund derer Biografien sonst ohne echte Jobchance sind, können in der Bio-Müsli-Herstellung Arbeit und damit einen Weg zurück in die gesellschaftliche Teilhabe finden.
  • Ecosia: Die Web-Suchmaschine, die Bäume pflanzt und damit das Klima schützt.
  • Discovering hands: Menschen mit Sehbehinderung nutzen ihre Tastbegabung für die Früherkennung von Brustkrebs. Dadurch ergeben sich neue Jobmöglichkeiten und durch bessere Vorsorge sinkt das Gesundheitsrisiko.
  • Sirplus und Zur Tonne: Beide Initiativen haben der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Sirplus bestückt daher Supermärkte mit abgelaufenen Lebensmittel. Zur Tonne hingegen lädt zu Kochkursen, Workshops und Catering mit geretteten Lebensmittel ein, um dazu über das Problem zu informieren und Tricks zu zeigen, wie man gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen kann.
  • Start Next: Mittels Crowdfunding bekommen Projekte und Startups mit gesellschaftlich positiver Wirkung Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.
  • Payactive: Ein Zahlungsdienstleister mit social payback. D.h. der erzielte Gewinn aus dem Angebot wird nicht ausgeschüttet, sondern fließt anschließend in soziale und ökologische Projekte.

Start Next, Payactive und zur Tonne sind drei Beispiele für Social Business aus Sachsen. Bisheriger Hotspot für Social Entrepreneurship ist aber eindeutig Berlin. Darüber haben wir bereits im Februar 2020 geschrieben, als die Ergebnisse des Deutschen Social Entrepreneurship Monitor 2019 (DSEM19) veröffentlicht wurden. Folglich haben wir uns gefragt, wie die Situation in Sachsen ist.

Mehr erfahren und weiterlesen:

Zu Social Entrepreneurship in Sachsen:

Zu den Partner*innen hinter der Umfrage:

SEND e.V. – Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland

– Um Sozialunternehmer*innen (Social Entrepreneurs) zu stärken und soziale Innovationen mit dem erforderlichen Nachdruck voranzutreiben, hat sich das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. gegründet. Inzwischen gibt es zahlreiche Regionalgruppen, u. a. in Sachsen.
Hier der Link für die Newsletter-Anmeldung.

Impact Hub Dresden

– Das Impact Hub Dresden ist Teil eines weltweiten Netzwerks zur Förderung sozialer Innovationen. Nach dem Leitgedanken “Think global, act local” unterstützten die lokalen Impact Hubs in Dresden und Leipzig Gründer*innen in Sachsen, die mit Ihrer Idee einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten. Gemeinsam schaffen sie hier Prototypen für neue Wege des verantwortungsvollen Wirtschaftens, indem Wissen und Know How geteilt und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden.

plant values | Beratung und Coaching für Nachhaltigkeit

– plant values will Nachhaltigkeit in die Wirtschaft bringen. Dazu unterstützt das Team etablierte Unternehmen, Nachhaltige Startups und Social Business Ansätze mittels Beratung, Begleitung und schulenden Workshops. Damit formen und fördern wir nachhaltige Unternehmen und leisten folglich einen Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft und Wirtschaft.



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