Klimaschutz in Unternehmen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Klimaschutz wird auch für Unternehmen ein immer wichtigeres Thema. Die Proteste von Fridays for Future zeigen, dass entschlossenes Handeln für Klimaschutz gefordert ist. Nicht nur von der Politik sondern auch von Unternehmen. Mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens von 2015 hat sich Deutschland dazu verpflichtet engagierte Klimaziele einzuhalten. Und auch immer mehr Investoren sehen im Klimawandel nicht zuletzt eine finanzielle Bedrohung und setzen auf klimafreundliche Investments.

Dies und andere sind Entwicklungen, die darauf hindeuten, dass das Thema Klimaschutz in Unternehmen zunehmend relevanter wird. Aber wie genau können Unternehmen Klimaschutz umsetzen? In unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigen wir Ansätze und mögliche Mittel auf.

Inhalt des Beitrags

Was ist Klimaschutz in Unternehmen und was nicht?

Das Wort Klimaschutz wird viel und in verschiedenen Kontexten genutzt. Klimaschutz ist ein umfassendes Thema, da das Klima selbst einen Großteil der Prozesse unserer Erde beeinflusst und auch von vielen beeinflusst wird. Deswegen ist es wichtig, klar abgrenzen zu können, ob von Klimaschutz oder anderen Nachhaltigkeitsthemen die Rede ist.

Betrachten wir unsere Handlungen als Menschheit, dann bedeutet Klimaschutz zum Großteil zwei Punkte:

  • die Vermeidung von klimaschädlichen Emissionen und
  • den Erhalt von sogenannten CO2-Senken wie Wäldern.

Natürlich wird das globale Klima von weiteren Faktoren beeinflusst wie z.B. dem Wasserdampfgehalt unserer Atmosphäre oder Meeresströmen. Aber auf diese haben wir nur marginalen Einfluss. Deswegen sind sie in dem Kontext vernachlässigbar.

Wir wollen auch sensibilisieren, dass andere Themen wie fairer Handel, Wassereinsparungen, etc. zwar enorm wichtig sind, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Aber sie haben maximal indirekt mit Klimaschutz zu tun.

Auf der anderen Seite wollen wir betonen, dass Klimaschutz in Unternehmen mehr ist als Energieeffizienz und Öko-Strom. Der Verbrauch von Energie ist zwar einer der Hauptverursacher für klimaschädliche Emissionen. Und Öko-Strom als vermeintlich klimaneutraler Strom ist auch Teil der Lösung. Allerdings decken die Produktionskapazität von Wind, Solar und anderen Formen unseren Bedarf noch längst nicht. Entsprechend brauchen wir innovative und mutige Ansätze. Wollen wir Klimaschutz nur durch die Steigerung der Energieeffizienz unserer eingesetzten Maschinen, Produkte etc. umsetzen, dann werden Veränderungen immer nur inkrementell sein. Um engagierte Klimaziele zu erreichen, müssen wir Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle neu denken. Und zwar so, dass sie von Anfang an darauf ausgelegt sind klimaneutral oder sogar klimapositiv zu sein. 

Wollen Unternehmen also Klimaschutz umsetzen, sollten sie sich bewusst sein, was Klimaschutz bedeutet und welche Maßnahmen und Probleme dazu gehören. Solch eine klare Orientierung erleichtert der Erfahrung nach den gezielten Aufbau von Klimaschutzprogrammen.

Wie sieht der Weg zu Klimaschutz im Unternehmen aus?

Schritt 1: CO2-Fußabdruck berechnen

Die Grundlage für jede Verbesserung des Klimaschutzes im Unternehmen ist die Berechnung des CO2-Fußabdrucks. Mit diesem wirkungsvollen Instrument analysiert ein Unternehmen, wie viel CO2-Äquivalente es emittiert. Außerdem wird ersichtlich, wo im Unternehmen und der Lieferkette die größten Emittenten sind.

Die Berechnung des CO2-Footprints ist mittlerweile ein standardisierter Vorgang. Üblicherweise werden die Emissionen in den Scopes 1, 2 und 3 berechnet und die Berechnung selbst erfolgt idealerweise nach dem Greenhouse Gas Protocol (GHG P). Mittlerweile prüft auch der TÜV nach einer ISO-Norm (ISO 14064) zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks. Nach dieser können Unternehmen ihre Berechnung durchführen und zertifizieren lassen.

Klimaschutz CO2 Scopes
Quelle: Greenhouse Gas Protocol

Die Berechnung selbst kann sowohl intern erfolgen, durch eigene Berechnungen oder die Nutzung gängiger Tools. Alternativ wird sie durch externe Dienstleister umgesetzt.

Schritt 2: Hebel identifizieren

Der CO2-Footprint verrät nicht nur die reine Größe der Emissionen. Sondern auch in welchem Wertschöpfungsschritt oder Unternehmensbereich wie viel CO2-Äquivalente emittiert wird. Dies kann bei Unternehmen enorm unterschiedlich sein.

  • Für ein Maschinenbauunternehmen wird der Stromverbrauch in der Produktion der größte Emittent sein.
  • Für ein Chemieunternehmen können es die direkten Emissionen (Methan, Lachgas und andere CO2-Äquivalente) aus chemischen Produktionsprozessen sein.
  • Bei Beratungsunternehmen sind es in der Regel die Dienstreisen.

Ein detaillierter CO2-Fußabdruck gibt also individuell Auskunft über die größten Emittenten. Auf diese sollte das Unternehmen den größten Fokus legen, um engagierte Schritte Richtung Klimaschutz zu gehen. Dabei sollte ein Unternehmen den CO2-Fußabdruck in regelmäßigen Abständen (ca. alle 2 Jahre) berechnen. So kann es auf Änderungen und Fortschritte eingehen.

Im fortlaufenden Klimaschutzprogramm des Unternehmens spielen dann auch die kleineren Emittenten eine wichtigere Rolle. Sie sind wichtig, um dem möglichen Ziel der Klimaneutralität näher zu kommen.

Schritt 3: Stakeholderdialog

Der CO2-Fußabdruck gibt also eine quantitative Einschätzung zu den wesentlichen Ursachen für Klimaschutz im Unternehmen. Ein Stakeholderdialog wiederum ermöglicht eine qualitative Einschätzung.

Hierbei ist gemeint, dass ein Unternehmen mit den Stakeholdern ins Gespräch tritt. Dabei soll im Dialog erschlossen werden, welche Hebel aus Sicht der jeweiligen Stakeholder am relevantesten sind, um Klimaschutz umzusetzen. Diese Einschätzung ist aus zwei Gründen so wichtig:

  • Einerseits weil die rein quantitative Bewertung nur das bestehende System Unternehmen betrachtet. Stakeholder mit ihrer Sicht und Expertise können den Blick weiten. Sie können Impulse über den rein quantitativen CO2-Footprint hinaus geben.
  • Andererseits gibt ein CO2-Footprint immer nur eine rückblickende Analyse. Stakeholder wiederum können die geplanten Geschäftstätigkeiten in ihre Bewertung einbeziehen.

Nicht zuletzt können die Aussagen der Stakeholder eine Validierung des CO2-Footprints selbst sein.

Ein Beispiel zum Wert des Stakeholderdialogs:

Eine Bio-Kaffeemarke hat durch einen CO2-Fußabdruck berechnet. Sie hat herausgefunden, dass sie die größten Emissionen durch die Umstellung von konventionellem auf biologisch-integrierten Anbau gekürzt haben. Die nächstgrößten Emissionen entstehen beim Transport des Kaffees von Südamerika bis zur Kund*in. Im Stakeholderdialog stellt sich jedoch heraus, dass ein enormer ökologischer Fußabdruck bei der Kaffeezubereitung bei den Konsument*innen liegen könnte. Eine neue Analyse wird durchgeführt. Sie zeigt, dass der größte Hebel bei der Sensibilisierung der Nutzer*innen für eine energiesparende Zubereitung liegt. Diesen Punkt hat die Kaffeemarke in der ersten CO2-Berechnung nicht berücksichtigt und konnte ihn nur durch den Stakeholderdialog offengelegen.

Schritt 4: Maßnahmen für Klimaschutz im Unternehmen sammeln

Der CO2-Footprint und der Stakeholderdialog haben nun die wichtigsten Hebel offengelegt. Jetzt gilt es Maßnahmen aufzustellen, um die Emissionen zu senken. Es bietet sich an bei der Maßnahmenfindung strukturiert vorzugehen. Dafür sollte die Organisation für jeden Hebel einzeln mögliche Maßnahmen sammeln. Die Maßnahmen finden sich oft durch die Expertise der Mitarbeitenden selbst. Darüber hinaus hilft es nach Best Practices zu recherchieren oder externe Expert*innen einzubeziehen.

Wir wollen zudem darauf hinweisen, dass Klimaschutz-Maßnahmen verschieden geartet sein können. Wir unterscheiden häufig drei Arten von Maßnahmen:

  • Effizienz-Maßnahmen: Sie helfen den Ressourcenverbrauch im bestehenden System zu verringern. Das sind häufig Prozessveränderungen, technologische Neuerungen oder das Ändern von Gewohnheiten.
  • Effektivitäts-Maßnahmen: Sie reduzieren den Ressourcenverbrauch, indem das System an sich verändert wird. Dazu gehören Produktinnovationen, Änderungen des Geschäftsmodells oder das komplette Hinterfragen von Prozessen.
  • Maßnahmen mit positivem Extranutzen: Diese dienen nicht der Veränderung der Systeme oder Prozesse, sondern sie sollen zusätzlich zur oder integriert in die Tätigkeit CO2 binden. Das sind oft Projekte zu Baumpflanzungen, Finanzierung von Wildflächenerhalt oder Unterstützung alternativer Energien.

Es empfiehlt sich zunächst so viele Maßnahmen wie möglich zu sammeln und sie anschließend zu selektieren. Oft bietet es sich an jene Maßnahmen zuerst umzusetzen, die bei geringem Aufwand großen Nutzen liefern.

Verfügt ein Unternehmen bereits über eine Nachhaltigkeitsstrategie oder entwickelt es aktuell eine Nachhaltigkeitsstrategie, sollten die Maßnahmen so gewählt sein, dass sie sich in diese Strategie einfügen.

Wenn Sie selbst im Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln wollen, lohnt sich ein Blick in unser Leistungspaket Nachhaltigkeitsstrategie START. Wir haben mit effektiven Tools und einem schlanken Prozess eine wertvolle Unterstützung entwickelt. Sie richtet sich an Unternehmen, die eine Nachhaltigkeitsstrategie aufbauen oder die bestehende neu ordnen wollen.

Schritt 5: Umsetzen

Die Umsetzung der Klimaschutz-Maßnahmen erfolgt meist nach den üblichen Managementprozessen des Unternehmens. Wichtig ist in jedem Fall klare Verantwortlichkeiten festzulegen. Außerdem gegebenenfalls Budgets einzuplanen und die Kapazitäten für die Umsetzung freizugeben.

Die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt möglichst viele Mitarbeitende in die Umsetzung von Klimaschutz im Unternehmen einzubeziehen. So bekommt das Thema eine bessere Dynamik und läuft mit mehr Motivation und Eigenorganisation.

Auch kann es sich anbieten lokale Initiativen und andere Organisationen einzubeziehen. Durch den Austausch werden erfahrungsgemäß neue Nachhaltigkeitsthemen sichtbar, die für die lokale Gesellschaft relevant sind. So wie die etablierten Unternehmensnetzwerke tragen gerade auch die entstehenden Nachhaltigkeitsnetzwerke dazu bei, dass wertvolle Erfahrungsaustausche entstehen. Ein gutes Beispiel sind viele Lokale Agenden 21 in Deutschland.

Schritt 6: Controlling

Wie bei allen Maßnahmenpaketen ist auch im Klimaschutz das Controlling enorm wichtig. Sowohl am Ende der Umsetzungszeit als auch in festgelegten Meilensteinen dazwischen, sollte der Grad der Umsetzung überprüft werden. Je nach Unternehmensgröße reichen einfache Kennzahlen und ein Dashboard oder eben die Implementierung ins bestehende Managementsystem.

Oft finden sich gerade nach den ersten größeren Maßnahmen neue Erkenntnisse zu dem speziellen Thema zu Klimaschutz im Unternehmen. Die umsetzenden Mitarbeitenden eignen sich mehr Expertise an und können damit die Maßnahme durch Änderungen noch effektiver umsetzen. Entsprechend sollte ein regelmäßiges und ergebnisorientiertes Controlling diesen Gewinn an Expertise ermöglichen und fördern.

Am Ende der Umsetzungszeit sollte die Organisation überprüfen, ob sie die Ziele zur Reduzierung der CO2-Emissionen erreicht hat.

Schritt 7: Kompensation

Nur die wenigsten Unternehmen können ihre CO2-Emissionen durch ihren Klimaschutzplan auf Null senken. Gegebenenfalls wurden ambitionierte Ziele nicht erreicht. Oder das aktuelle Geschäftsmodell erlaubt es noch nicht klimaneutral zu wirtschaften.

Wenn ein Unternehmen einen entschlossenen Beitrag zu Klimaschutz leisten möchte, muss das Ziel Klimaneutralität sein. Dafür muss es die verbleibenden Klimaemissionen durch geeignete Maßnahmen kompensieren.

Der gängige Weg ist die finanzielle Unterstützung von Projekten, die CO2 binden oder die Reduktion fördern. Solche Projekte sind zum Beispiel:

  • Aufforstungsprojekte
  • Projekte zum Schutz alter Wälder und anderer Ökosysteme
  • Projekte zum Zugang zu sauberer Energie für Entwicklungsländer
  • Der Aufbau von Erneuerbaren Energieproduktionen
  • Technische Speicherung von CO2 aus der Luft

Bei allen seriösen Anbietern ist die Berechnung der Kompensation einsehbar und das Unternehmen bekommt ein Zertifikat über die Höhe der eingesparten Emissionen.

Zusatzschritt: Transparenz zu Klimaschutz im Unternehmen

Ein enorm wichtiger Faktor bei Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen ist die Transparenz. Auch beim Klimaschutz für Unternehmen spielt es eine große Rolle offen mit den Ausgangsannahmen, den ergriffenen Maßnahmen, den Fortschritten und den noch offenen Baustellen umzugehen.

So gut wie immer führt eine transparente Kommunikation, z.B. in einem Klimabericht, zu positiver Resonanz. Regionale Akteure aber auch nationale NGOs sind deutlich positiver und unterstützender, wenn ehrlich berichtet wird. Je abstrakter und unkonkreter ein solcher Bericht oder andere Kommunikation unternommen wird, desto skeptischer sind solche Organisationen.

Qualifizierung für dauerhafte Verankerung von Klimaschutz im Unternehmen

Alle Bemühungen um Klimaschutz bedürfen einer gewissen Kontinuität. Die Erfahrung zeigt, dass Klimaschutz wichtiger Teil des Unternehmens wird, wenn die Mitarbeitenden dahinter stehen. Dann können Maßnahmen mit der entsprechenden Motivation und der Neugier auf Neues umgesetzt werden.

Um die Mitarbeitenden zu befähigen Klimaschutz und Nachhaltigkeit voran zu bringen, sollten die Themen sich in der Qualifizierung und Weiterbildung wiederfinden. Mit Schulungen, Workshops oder Exkursionen wird sowohl Begeisterung geweckt als auch die fachliche Grundlage geschaffen.

Fazit

Klimaschutz ist für viele Unternehmen noch ein neues Thema. Durch die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen lohnt es sich allerdings mehr Energie hineinzustecken, als die Gesetzeslage es verlangt.

Mit ein paar klaren Schritten kann jedes Unternehmen Klimaschutz bei sich umsetzen und damit ganz individuelle Mehrwerte schaffen. Von Arbeitgeberattraktivität über Marktvorteile bis Stärkung des Images. Klimaschutz wird in den kommenden Jahren ein stärker werdendes Thema und Unternehmen, die sich jetzt auf den Weg machen, werden deutliche Vorteile haben.

Hält ein Unternehmen sich an die grundlegenden Schritte, die gezeigt wurden, kann Klimaschutz gut umgesetzt werden. Insbesondere zwei Punkte wollen wir abschließend betonen:

  1. Die Einbindung der Mitarbeitenden ist ein enorm wertvoller Punkt. So bildet sich Motivation und Expertise und das Thema wird effektiv vorangebracht und verankert.
  2. Der Dialog mit Stakeholdern kann nicht hoch genug geschätzt werden. Die externe Sicht und die sich bildenden Kontakte sind für ein komplexes Thema wie Klimaschutz enorm hilfreich.

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