Klimaschutz im Tourismus: 4 Strategien, die auf dem Weg helfen

Dieser Blogbeitrag erläutert Gründe, warum Klimaschutz im Tourismus wichtig ist. Er zeigt Ansätze für Klimaschutzstrategien, welche Wege aufzeigen, wie touristische Akteure zum Klimaschutz beitragen können.

Inhalt:

Warum sollten sich Tourismusunternehmen im Klimaschutz engagieren, auch wenn sie keine Airline sind?

Welche Emissionen entstehen im Tourismus und woher kommen sie?

Eine Studie der University of Sydney zeigt, dass die vom Tourismus verursachten Emissionen höher liegen als bisher gedacht: Rechnet man neben Gebäuden und Verkehr auch Lieferketten, wie CO2-Fußabdrücke von Speisen und Getränken ein, so rangiert der Tourismus nicht bei wie bisher angenommen „nur“ 5% der globalen Emissionen, sondern 8%. Im Zeitraum von 2009 bis 2013 ist der Treibhausgasausstoß durch den Tourismus von 3,9 auf 4,5 Milliarden CO2-Äquivalente gestiegen. Das entspricht einem Wachstum von 3,3% jährlich. Hauptverursacher der Emissionen ist mit 75% der Verkehr. (Quelle: UNEP/ UNWTO 2008) Ein weiterer großer Teil von 15-20% geht auf Gebäude zurück. (Klimafakten, 2016) Kleinere Anteile entfallen auf mit dem Tourismus verknüpfte Lieferketten, wie gastronomische Angebote, Einzelhandel und Co, welche sich in Summe jährlich auf mehrere Millionen Tonnen CO2-Äquivalente kumulieren. Hebel für mehr Klimaschutz im Tourismus bestehen also auch weit abseits des Verkehrs. (Zeit Online, 2018)

Klimaschutz ist Pflichtaufgabe, um die Zukunft des Tourismus zu sichern

Gleichzeitig ist der Tourismus wie kaum eine andere Branche auf ein funktionierendes ökologisches und soziales Umfeld angewiesen. Klimaveränderungen können schnell zum Verlust von touristischem Angebot führen, wie Beispiele aus den Alpen oder dem Spreewald zeigen. Der Klimaschutz ist ein wichtiges Instrument, um letztlich das ökologische und soziale Umfeld zu erhalten, auf welches der Tourismus so stark angewiesen ist. Wie zuvor gezeigt, hat jedes Tourismusunternehmen einen Einfluss auf den Klimawandel und kann und sollte somit auch seine Verantwortung für Klimaschutz wahrnehmen. Neben Klimaschutzmaßnahmen sollten auch Maßnahmen zur Klimaanpassung ergriffen werden, um Risiken zu minimieren, die sich aus den nicht abwendbaren Folgen des Klimawandels ergeben. (mehr dazu in unserem Blogbeitrag Klimawandel und Tourismus: Welche Regionen sind betroffen und was kann getan werden?)

Nachfrage-Wachstum nach klimafreundlichen Angeboten

Sehr spannend und interessant sind für Tourismusunternehmen außerdem die Entwicklungen der Nachfrage. Was wollen Kunde und Kundin? Das Bewusstsein für nachhaltige und klimafreundliche Angebote in der Öffentlichkeit steigt. Auch die Klimawirkung des Reisens ist längst in den Köpfen von Verbraucher*innen angekommen. Neue Wortschöpfungen der vergangenen 5 Jahre sind Ausdruck dieses Wandels. So ist Flugscham mittlerweile ein gängiger Begriff in Bevölkerung und Medien. Dieser neuartige Sprachgebrauch schlägt sich nicht nur in Worthülsen nieder, sondern weist auf einen tatsächlichen Wandel der Gesellschaft hin. Während die Kompensation von Emissionen durch Reisende im Jahr 2010 noch omnipräsent war, realisieren Reisende heute immer häufiger und intensiver solche CO2-Ausgleichszahlungen. Daneben etablieren sich Zugreisen und Sharing Modelle für Räder, Autos usw. Klimaschutz ist ein immer wichtigerer Kaufgrund. Es ist eine Frage der Zeit, bis klimafreundliche Angebote auch abseits der Mobilität den Markt weiter erobern.

Klimaschutz ist nicht nur im Tourismus immer wichtiger

Unternehmens-Beispiele für Klimaschutz im Tourismus

Erste Unternehmen erkennen diesen gesellschaftlichen Wandel greifen ihn aktiv auf. So setzen diverse Gastronomen auf bio-regionale Beschaffung und weisen den Fußabdruck ihrer Speisen und Getränke aus, so z.B. die Eine-Welt-Cafés. Jene sind Pioniere im Markt. Sie gehen erste Schritte aus intrinsischer Motivation heraus. Andere sind gezwungen, Maßnahmen für Klimaschutz zu treffen aufgrund regulatorischer oder finanzieller Anforderungen oder dem Druck der Öffentlichkeit. Flugzeugbauer wie Airbus forschen inzwischen am grünen Fliegen und streben an, bis 2035 erste emissionsfreie Großraumflugzeuge auf den Markt zu bringen. (Aero, 2020) Außerdem ist das Thema Klimaschutz auch bei Destinationen angekommen: Die ostfriesische Insel Juist will künftig klimaneutral sein. (FAZ, 2018) Auch in Kulturbetrieben, wie dem Helsingborger Symphonieorchester, sind Wege hin zur Klimaneutralität in die Tagesordnung übergegangen. (3Sat, 2019)

Tourismusunternehmen können Klimaschutz als Marktpotenzial erkennen

Noch sind diese Beispiele Einzelfälle und können ein Alleinstellungsmerkmal sein. Dies ist interessant für Marketing und Vertrieb. Tourismusakteure, die Klimaschutz verfolgen, können Marktanteile gewinnen. Schon in wenigen Jahren könnte dieses heutige Verkaufsargument „klima- und umweltfreundlich“ eine Pflichtaufgabe werden, welche besser schon heute als Chance erkannt wird.

Zukünftige Entwicklung von tourismusbedingten Emissionen

Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung ist auch mit einer stark wachsenden globalen Mittelschicht zu rechnen, welche sich bis 2035 verdoppeln soll. (City Loops, 2020) Die Nachfrage nach Reisen wird wachsen und das sogar schneller als der Konsum anderer Produkte und Dienstleistungen, so die Studie der University of Sydney. „Sollte sich der gegenwärtige Trend [hin zu mehr Reisen] nicht ändern, werde der tourismusbedingte klimaschädliche Ausstoß [in 2025] 6,5 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente betragen.“ Dies entspricht einem Wachstum von über 40% seit 2013. Kaum vorzustellen, wie sich die Werte bis 2035 verändern werden. Unter optimistischen Bedingungen können diese auf 5 Milliarden Tonnen begrenzt werden. (Zeit Online, 2018) Doch welche Möglichkeiten für Klimaschutz im Tourismus gibt es?

Tourismus und Klimaschutz im Spannungsfeld

Was kann der Tourismus für den Klimaschutz tun?

Wie identifizieren Sie, wo Sie wirklich Auswirkungen aufs Klima haben?

Zunächst einmal muss analysiert werden, wo im Unternehmen oder in der Kommune überhaupt CO2-Emissionen entstehen. Welche Geschäftsbereiche sind wesentlich in der Klimawirkung? Ein Carbon Management zielt auf die systematische Erfassung, Vermeidung, Reduzierung und Substitution bzw. Kompensation von Treibhausgasen ab. Es schließt ebenso eine Kommunikation dieser Aktivitäten mit ein. In unserem Blogbeitrag Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Klimaschutz erklären wir, welche Tools sich eignen, um den CO2-Fußabdruck zu berechnen und Hebel zu identifizieren.

Strategien für Klimaschutz im Tourismus

Klimaschutz-Strategien durch innerbetriebliches Managements

Es gibt unterschiedliche Ansätze, um Klimaschutz im Tourismus zu verfolgen. Ein Ansatz ist die Veränderung des innerbetrieblichen Managements. Wo gibt es Optimierungspotenzial? Wo kann Energie effizient genutzt werden? Wie können beispielsweise Lieferketten und Logistik klimafreundlich verbessert werden? Welche Marketing-Instrumente können extern Gäste und intern Mitarbeitende sensibilisieren? Welche Schulungen eignen sich, um eine Verhaltensänderung im Betrieb anzustoßen, durch welche Emissionen eingespart werden können?

Hier bestehen Überschneidungspunkte zur Verkehrsmittelwahl. Gerade im Tourismus gibt es diverse Hebel, angefangen von der Mobilität der Mitarbeitenden über die Mobilität der Gäste hin zur Mobilität der Lieferanten, Partner oder andere Akteure in der Wertschöpfungskette, wie Agenturen. Wie kann ein Leistungsträger jeweils Einfluss ausüben auf deren Verkehrsmittelwahl?

Klimaschutz-Strategien durch Produktveränderung

Wie kann ein Leistungsträger mit der Zusammenstellung der eigenen Produkte, also Übernachtungen oder Paketangeboten, einer Pauschalreise, etc., Einfluss ausüben? Die Strategie der Produktveränderung zielt genau auf die Optimierung bestehender Produkte auf ihre Klimawirkung ab. Wie können Sie das Angebot so verändern, dass es von Kund*innen nachgefragt wird und eine positivere Wirkung auf das Klima hat? Wie können Sie das Verhalten der Gäste beeinflussen, also eine Verhaltensänderung durch Angebotsänderung schaffen? Beispiele für eine klimafreundlichere Gestaltung der Produkte sind z.B. der Ersatz von motorisierten Aktivitäten mit nicht-motorisierten wie Fahrrad, Förderung von Naherholungsangeboten oder Verlängerung der Aufenthaltsdauer durch z.B. bessere Vermarktung des Zielgebiets. Projektionen zeigen, dass sich mittels Verhaltensänderungen die höchsten Emissionseinsparungen erzielen lassen.

Klimaschutz-Strategien durch Produktinnovation

Noch stärker können diese positiven Wirkungen bei vollständigen Produktinnovationen sein, so z.B. Virtual Reality Reisen, welche Nutzer*innen im Nu an andere Orte der Welt teleportieren. Gerade unter momentanen Covid-19-Reisebeschränkungen könnte diese Art des Reisens verstärkt nachgefragt werden – einhergehend mit enormen Einsparungen an Treibhausgasen im Vergleich zum Reisen.

Klimaschutz-Strategien durch technologischen Wandel

Beim technologischen Klimaschutz steht das Thema Effizienz im Vordergrund. Wie kann man mittels technologischem Fortschritt die Energieeffizienz erhöhen? Beispiele hierzu sind die Entwicklung und Nutzung alternativer Treibstoffe für Airlines, regenerativer Energien in Pensionen oder die Sanierung von Hotelgebäuden hin zur Energieeffizienz. Kompensationsinitiativen zur Kompensation des CO2-Fußabdrucks unterstützen häufig die Weiterentwicklung von Technik.  

Dabei kann Kompensation von Nachfragern als auch Anbietern verfolgt werden, z.B. indem durch das Hotel verursachte Emissionen oder Reisen von Reiseleitungen kompensiert werden. Wichtig ist, dass zunächst eine Verringerung der Emissionen im Produkt oder Unternehmen selbst angestrebt werden sollte und damit auf eine Verbesserung der Klimaleistung hingewirkt wird, bevor eine Kompensation möglicherweise (noch) nicht auszuschließender Emissionen stattfindet.

Sie suchen nach konkreten Klimaschutz-Maßnahmen im Tourismus?

Nützliche Klimaschutzmaßnahmen für touristische Akteure haben wir in unserem Blogartikel Klimaschutz im Tourismus umsetzen: 40 wertvolle Maßnahmen zusammengestellt für

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Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

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