Kontroversen zulassen, gemeinsam diskutieren

Es ist wichtig, dass wir immer wieder Dinge hinterfragen. Auch Dinge, die wir mittlerweile als gegeben hinnehmen. Zum Beispiel, dass es den Klimawandel gibt. Nichts ist falsch daran, Thesen und Argumente zu hinterfragen. Wieso auch? Daraus wird man nur schlauer.

Deshalb beschäftigen wir uns mit der Frage:

Was bedeutet Klimawandel? Ist dies nicht eigentlich nur der natürliche Zyklus der Erde? Welchen Einfluss hat der Mensch tatsächlich?

Wir haben uns dazu mit den Statements von Klimaskeptikern auseinandergesetzt. Wir möchten die Argumente verstehen, uns vielleicht selber hinterfragen und  Kontroversen zuzulassen.

Skepsis  ist  wichtig  und  ein  essenzieller  Teil  der  Wissenschaft

Um uns konkret an einer Argumentationskette entlangzuhangeln, nehmen wir Bezug auf eines der neuesten und vielgeklickten Youtube-Videos: Prof. Dr. Kirstein, Klimatologe, spricht in einem Interview über den Klimawandel – in dem Sinne, dass dieser nicht existiert. (Prof. Kirstein im Interview „Fakten vs. Klimahysterie“)

Gehen wir der Sache mal auf den Grund. Direkte Aussagen als solche sind als Zitat formatiert.

 

1. Prof. Kirstein: „Den CO2 Treibhauseffekt gibt es nicht.“

Prof. Kirstein erklärt den atmosphärischen bzw. CO2-Treibhauseffekt als Lüge.

Um dieser These auf den Grund zu gehen, müssen wir tiefer in das Thema einsteigen und möchten euch nun die Ergebnisse unserer Recherchen kurz, plausibel und hoffentlich verständlich darlegen. (Fragt gerne nach, wenn ihr etwas nicht versteht!)

Zusammensetzung der Atmosphäre

Unsere Atmosphäre besteht zum Großteil aus Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2), außerdem Argon (Ar). Daneben enthält sie auch Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Wasserdampf (H2O) und weitere Gase.

Diese drei- oder mehratomigen Moleküle, also CO2, CH4, H2O (aber auch völlig neue Stoffe wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die ausschließlich durch den Menschen erzeugt werden) lassen die von der Sonne kurzwellige Sonnenstrahlung passieren. Die Erde nimmt diese Energie auf und strahlt langwellige Wärmestrahlung ab. Diese langwellige Wärmestrahlung wird von den Gasen absorbiert und wiederum in alle Raumrichtungen zurückgestrahlt. Entsprechend gelangt ein großer Teil dieser Wärmestrahlung wieder zurück zur Erde (Gegenstrahlung). (Graphik zum Strahlungshaushalt der Erde)

Treibhausgaseffekt ist (über)lebensnotwendig für uns und sorgt für eine stabile und angenehme Mitteltemperatur von 15 Grad auf der Erde.

Genau diese Eigenschaft der Gase, kurzwellige Strahlung ungehindert durchzulassen, aber langwellige Strahlung zu absorbieren, bedingt den Treibhauseffekt: Und dieser ist (über)lebensnotwendig für uns und alle Lebewesen auf der Erde, denn ohne den Treibhauseffekt wäre die Erde ein Eisball mit einer mittleren Temperatur von minus 18 Grad.

(Anmerkung: Den größten Effekt hat allerdings der Wasserdampf (Wolken). Er trägt zum natürlichen Treibhauseffekt bei. Das Problem: Der Anteil von Wasserdampf in der Atmosphäre hängt von der Temperatur ab. Mehr CO2 führt zu steigenden Temperaturen, das führt zu mehr Wasserdampf und verstärkt den Treibhauseffekt.)

Gegenbeispiel Mond: Ohne Atmosphäre herrschen Temperaturschwankungen von über 250 Grad.

Schauen wir uns den Mond an, der nicht wie die Erde eine Atmosphäre mit solchen (Treibhaus) Gasen hat. Die Sonnenstrahlung heizt die Oberfläche tagsüber auf mehr als 100 Grad Celsius auf, nachts fällt sie auf etwa minus 160 Grad.

Ohne die Atmosphäre würde ähnliches auch für die Erde gelten. Die Atmosphäre und damit der Treibhauseffekt sorgen für lebensfreundliche klimatische Bedingungen auf der Erde: Statt eisigen minus 18 Grad haben wir eine mittlere Temperatur von 15 Grad, also 33 Grad mehr.

Der natürliche Kohlenstoffkreislauf wird durch menschliche Emissionen belastet. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist so hoch wie nie zuvor.

Per se ist der Treibhauseffekt also wichtig für unser Überleben auf der Erde – solange wie sich das CO2 in einem natürlichen Kreislauf befindet. Ozeane, Böden und Vegetation nehmen CO2 auf und geben CO2 wieder ab. Pflanzen benötigen CO2, um Photosynthese zu betreiben; dabei geben sie Sauerstoff ab, der wiederum lebensnotwendig ist für andere Lebewesen.

Dieser natürliche Kreislauf wird durch zusätzliche Emissionen vom Menschen gestört. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie liegen im enormen Anstieg des Energieverbrauchs und der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl oder Erdgas sowie in der Ausweitung der industriellen Produktion, Landnutzung und Viehwirtschaft.

Die Natur nimmt zwar einen Teil der menschverursachten Emissionen auf, doch etwa die Hälfte bleibt in der Erdatmosphäre und führt zu einem Nettozuwachs des CO2-Gehalts. Dieser Effekt wird begünstigt durch Abholzung, welche den natürlichen CO2-Puffer bedeutend dämmen. Jährlich geraten durch menschlichen Einfluss 42 Gigatonnen extra in die Atmosphäre (Milliarden Tonnen). (Seite 471 in Kapitel 6 von Teil 1 des Fünften IPCC-Sachstandsberichts )

Dies hat zur Folge, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre so hoch ist wie nie zuvor. Dies geht aus den CO2-Messungen in Eisbohrkernen hervor und lässt sich auf die letzten 10.000 Jahre rück vollziehen – und ist damit auch unabhängig von Walt- und Warmzeiten zu sehen. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist von circa 250 auf über 400 ppm – parts per million gestiegen und liegt damit heute rund vierzig Prozent über dem Niveau in der vorindustriellen Zeit (vor 1750).

Weiter begünstigt wird der Treibhausgaseffekt durch die neben CO2 emittierten anderen „Klimagase“, welche unterschiedlich starke Klimawirkungen und unterschiedlich lange Verweildauern in der Atmosphäre haben, wie Methan (CH4), und Lachgas (N2O) sowie die fluorierten Treibhausgase (F-Gase).

Fazit:

Der Treibhauseffekt spielt eine (über)lebenswichtige Rolle auf der Erde. Zusätzlich durch Menschen eingebrachte Treibhausgase bringen die natürlichen Kreisläufe allerdings aus dem Gleichgewicht und verstärken den Erwärmungseffekt mit negativen Folgen für Umwelt und Mensch.

 

2. Prof. Kirstein: „Schon wenn das Wort Klimawandel fällt, fließt Geld.“

Warum sollte die Regierung „Klimawandelstudien“ gesondert unterstützen? Mit welcher Begründung werden seiner Meinung nach nur solche Wissenschaftler unterstützt?

Leider belegt Prof. Kirstein seine Aussage nicht, um einen Eindruck über das Ausmaß zu vermitteln. Daher fehlt hier leider jeglicher Hintergrund und jede Datengrundlage.

Hier wäre eine Abgrenzung wünschenswert: Wie kommt er zu der Aussage und welche Fälle zieht er zur Unterstützung der These heran? Wo genau fließt beim Wort Klimawandel mehr Geld, als in anderen Branchen?

Der Förderkatalog des Staates stellt Finanzen zur Beforschung verschiedener Themen bereit. Dies ist wichtig und richtig in der Wissenschaft, um Erkenntnisse über Weltall, Geologie und auch den menschlichen Einfluss auf die Erde zu bekommen.

Seinen Bezug zu Al Gore, der mit dem Thema gutes Geld verdienen mag, schließt nicht auf zu seiner These, dass sofort Geld fließt, wenn es um Klimawandel geht. Generell eröffnet sich uns hier die Frage, ob Menschen, die in diesem Bereich tätig sind, pauschal nur am Hungertuch nagen dürfen und kein Geld verdienen dürfen?

Wie wir auch selber erfahren, sehen sich Akteure im Tätigkeitsfeld Nachhaltigkeit oder Klimawandel eher noch größeren Herausforderungen gegenüber als im konventionellen Markt – da mit diesen Themen ein unangenehmes Feld aufgemacht wird, welches das System des Überkonsums und von Wachstumsparadigmen infrage stellt.

Diffamierungen von Klimaforscher*innen sind der Alltag

Entsprechend seien an dieser Stelle nur zwei Beispiele von Diffamierungen hochangesehener Klimafoscher*innen genannt. So erfahren Wissenschaftler unter US-Präsident Trump enorme Diffamierungen im Parlament in Washington. (mehr dazu 1, 2)

Auch innerhalb Deutschlands spielt Diskreditierung eine Rolle: So führte die kritische Einstellung des Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann gegen(über) der Autoindustrie zur Ausladung und Streichung seiner Rede bei der Eröffnung der IAA diesen Jahres. (mehr dazu)

Darüber hinaus ziehen viele Klimawissenschaftler*innen private Konsequenzen aus ihren Forschungen und schränken freiwillig ihren Komfort ein, so u.a. Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (u.a. kein Auto, keine Flugreisen etc.). Diese Konsequenzen werden wohl kaum deshalb gezogen, um mehr Forschungsmittel zu bekommen.

Fazit:

Der Klimawandel bildet keinen Anspruch auf gesonderte Fördermittel und hat kein Privileg und keine Lobby.

3. Prof. Kirstein: „[Als] Sündenbock [für den Klimawandel] ist der Mensch [dargestellt], derweile ist es ein ganz natürlicher Vorgang. […] Die Wissenschaft leugnet die Warm- und Kaltzeiten bzw. Eiszeiten“

Dies ist eine ziemlich irreführende und absurde Unterstellung: Es gibt wohl keinen Klimawissenschaftler, der behaupten würde, dass das Klima je in einem stabilen Gleichgewichtszustand gewesen wäre. Auch gibt es eine Reihe von Ursachen für vergangene Klimawandel. CO2 ist nur einer von mehreren Einflussfaktoren und war in der Vergangenheit keinesfalls immer der stärkste. So gibt es laut Umweltbundesamt vereinfacht folgende Ursachen für Klimaveränderungen:

  • Veränderungen geoastrophysikalischer Parameter (zum Beispiel Solarkonstante, Erdbahnelemente),
  • Veränderungen der Erdoberfläche (zum Beispiel Kontinentaldrift, Änderung der Landnutzung) und
  • Änderungen des Stoffhaushaltes der Atmosphäre (zum Beispiel Gehalt an Treibhausgasen und kleinen, schwebenden Teilchen, den Aerosolen).

(mehr dazu)

In der Vergangenheit gab es bei den Warm- und Kaltzeiten (welche von der Wissenschaft zweifellos bestätigt sind) teils stärkere Einflussfaktoren aufs Klima als das CO2.

Bei  einem  Vergleich  der  derzeitigen  globalen  Erwärmung  mit  früheren  Klimaänderungen  müssen  zwei  wichtige  Unterscheidungen  gemacht  werden. 

  1. Globale Klimaänderungen müssen von  lokalen unterschieden  werden:  Lokale  Klimaschwankungen  sind  in  der  Regel  viel  größer  und  können  etwa  durch  Änderungen  in  der  atmosphärischen  oder  ozeanischen  Zirkulation  verursacht werden.  Dies ist örtlich begrenz und hat auf  die  globale  Mitteltemperatur  keinen bzw. geringen  Einfluss. So  gibt  es auch derzeit  Regionen,  die  sich  entgegen  dem  allgemeinen  Trend  abkühlen oder in denen die Gletschermassen wachsen. Wissenschaftlich  aussagekräftig  für das „globale Klima“ ist jedoch  nicht  der  Blick  auf  einzelne Stationen, sondern die globale Gesamtschau.

Allen Temperaturrekonstruktionen gemeinsam ist die Tatsache, dass derzeit die wärmsten Temperaturen zumindest der abgelaufenen tausend Jahre herrschen.

  1. Zeitskalen müssen angemessen berücksichtigt werden: Klimaänderungen über Jahrmillionen  oder  über  viele  Jahrtausende  können  erheblich  größer  sein  und  auch  andere Ursachen haben (z. B. der Drift der Kontinente oder sich ändernde Erdbahnzyklen) als diejenigen über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Für die Auswirkungen auf Ökosysteme  und  Gesellschaft  kommt  es  zudem  nicht  nur  auf  die Intensität der Veränderung,  sondern  auch  sehr  auf  die  Geschwindigkeit  an,  da  eine  langsamere  Klimaänderung  eine  Anpassung wesentlich erleichtert.

Zweifellos  haben die  Eiszeiten mit einer Veränderung der globalen  Mitteltemperatur um ca. 4-6 ºC die größten Klimaveränderungen mit sich gebracht. Im Vergleich dazu ist die bisherige globale Erwärmung um 0,8ºC im 20. Jahrhundert zwar gering, allerdings tritt diese Veränderung innerhalb weniger Jahrzehnte auf, die Veränderung in den Eiszeiten dauerte jeweils mehrere  Jahrtausende. Ein so abrupter Temperaturanstieg bzw. -abfall hat also nie zuvor stattgefunden, wie es heute der Fall ist. Wissenschaftlich ist dieser nur durch die atmosphärische Veränderung der Treibhausgase zu begründen, welche durch Menschen verursacht wird. (mehr dazu)

Fazit:

Die Wissenschaft belegt, dass es aufgrund ganz unterschiedlicher Ursachen stets Warm- und Kaltzeiten auf der Erde gab (nicht zwangsläufig durch Treibhausgase). Fakt ist, dass es nie einen so drastischen Temperaturanstieg in so kurzer Zeit gab. Dieser ist nur durch den anthropologischen Einfluss des Menschen auf den CO2 Gehalt der Atmosphäre zu begründen.

Möglichkeiten sich für konsequenten Klimaschutz einzusetzen gibt es viele. Der persönliche Konsum und Lebensstil kann mittels CO2-Fußabdruckrechner getestet werden. Daraus kann jede*r für sich selbst ableiten, wie man den eigenen Impact verringern kann. 

Politische Forderungen können auf Demos, z.B. von fridaysforfuture artikuliert werden. Ebenso gibt es den Weg über Engagement in Verbänden, NGOs oder direkt in politischen Parteien um sich für die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und des 1,5°C-Ziels stark zu machen.

Nicht zu vergessen sind Unternehmen, welche für eine nachhaltige Entwicklung unbedingt mit in die Pflicht genommen werden müssen. Hinterfragt Produzenten oder eure eigene Firma, inwiefern ein nachhaltiges Wirtschaften bereits verfolgt wird. Fordert und fördert Transparenz und umweltschonende Angebote. 

Weiterlesen dazu in unserem Blog…


Quellen und weiterführende Artikel:

https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2018/05/ar4_wg1_full_report-1.pdf

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/klima-treibhauseffekt#textpart-1

https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/ist-nicht-der-menschliche-beitrag-treibhauseffekt

https://www.nzz.ch/wissenschaft/klimawandel-forscher-antworten-auf-die-argumente-von-skeptikern-ld.1468011

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimasystem/umsetzungen/energiebilanz-der-erde

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase

https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/welche-treibhausgase-verursachen-die-erderw%C3%A4rmung

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimasystem/umsetzungen/energiebilanz-der-erde

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimasystem/geosphaeren/atmosphaere

https://www.geo.fu-berlin.de/v/pg-net/klimaschwankungen/ursachen/ursachen_natuerliche/ursachen_terrestrisch/atmosphaerenzusammensetzung/index.html

https://www.nzz.ch/wissenschaft/klimawandel-forscher-antworten-auf-die-argumente-von-skeptikern-ld.1468011

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/klima-treibhauseffekt#textpart-1

https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/so-eine-grosse-wirkung-hat-so-wenig-co2/

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/klimaskeptiker.html

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