Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und ESG-Software im Nachhaltigkeitsmanagement ist ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt – besonders für mittelständische Unternehmen, die mit der Herausforderung kämpfen, die teils komplexen Anforderungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung (u.a. nach CSRD/ESRS und VSME) und ESG-Compliance zu meistern. Doch wie sinnvoll ist der Einsatz von KI in der praktischen Umsetzung? Welche echten Potenziale bietet sie, und wo wird sie möglicherweise überbewertet?
Um diese Fragen zu beantworten, haben wir vier Anbieter von ESG-Software-Tools interviewt: aitark, COBACK, Dina und ESGbot.
Sie haben mit uns ihre Erfahrungen und Perspektiven zu den Vor- und Nachteilen des KI-Einsatzes im Nachhaltigkeitsmanagement geteilt. Dabei ging es um Themen wie Datenanalyse, automatisierte Berichterstattung, die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine sowie die Datensicherheit und den ökologischen Fußabdruck von KI.
Lesen Sie weiter, um herauszufinden, welche praktischen Einsichten die ESG-Tool-Anbieter in den Einsatz von KI im Nachhaltigkeitsmanagement geben – und was Unternehmen bei der Implementierung beachten sollten.
Inhalt
- Kurzvorstellung der befragten ESG-Software-Anbieter
- 1. Potenzial und Überbewertung von KI im Nachhaltigkeitsmanagement
- 2. Ideale Arbeitsteilung zwischen KI und Mensch im Nachhaltigkeitsmanagement
- 3. Zeitersparnis durch KI im Nachhaltigkeitsmanagement
- 4. Notwendigkeit von Schulungen und Know-how für die Nutzung von KI im Nachhaltigkeitsmanagement
- 5. Informationssicherheit und gesetzliche Anforderungen im Rahmen der KI-Nutzung
- 6. Der ökologische Fußabdruck von KI
- 7. KI als strategisches Werkzeug im Nachhaltigkeitsmanagement
- Zusammenfassung
Kurzvorstellung der befragten ESG-Software-Anbieter

Kurzbeschreibung:
“Wir machen Nachhaltigkeitsmanagement einfach. aitark hilft Unternehmen und Beratungen, ESG-Daten zu erfassen, zu strukturieren und Berichte in Minuten statt Wochen zu erstellen. Mit einer Oberfläche, die jede:r versteht, klaren Vorlagen und automatischer Emissionsberechnung wird Nachhaltigkeitsarbeit intuitiv – nicht komplex. Ein System für alles, was du brauchst. Upload, Prüfung, Berichtserstellung – und bald: Antworten und Automatisierung per KI-Chat. Wir bauen die Zukunft des Nachhaltigkeitsmanagements: Einfach, zugänglich und bereit für jede neue Anforderung.”
Website: aitark.io

Kurzbeschreibung:
“COBACK ist eine Plattform für Nachhaltigkeitsberichterstattung in KMU. Wir unterstützen Unternehmen dabei, komplexe regulatorische Anforderungen wie CSRD/VSME effizient zu erfüllen – durch eine einzigartige Kombination aus Schulung, Automatisierung und Dateneingabe. Während herkömmliche Software nur wenig Einarbeitung bietet und Alternativen oft kostspielig sind, befähigt COBACK Mitarbeitende, selbst zu Nachhaltigkeitsexperten zu werden. Dies gewährleistet die Einhaltung von Vorschriften und sichert gleichzeitig die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Mit dem COBACK Finder haben wir zudem die erste B2B-Vergleichsplattform für Nachhaltigkeits-Startups entwickelt und damit ein breiteres Ökosystem für Nachhaltigkeit und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben im KMU-Sektor geschaffen.”
Website: COBACK.ai

Kurzbeschreibung:
“Strukturiertes ESG-Management – verständlich, nachvollziehbar, modulbezogen: Dina schafft einen digitalen Arbeitsraum für das Nachhaltigkeitsmanagement von Unternehmen. Die Saas-Softwarelösung leitet dich einfach und strukturiert durch eine fundierte Wesentlichkeitsanalyse, unterstützt die Ableitung eurer Nachhaltigkeitsstrategie, erstellt eure betriebliche Klimabilanz und erleichtert dir die Verwaltung und Steuerung eurer ESG-Daten. Damit unterstützt Dina die strategische Verankerung von Nachhaltigkeit und die vorbereitende Berichterstattung im Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK) nach VSME oder ESRS.”
Website: Dina-Tool.de

Kurzbeschreibung:
“Der ESGbot ist eine KI-basierte Lösung, die umfassendes Wissen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie zu weiteren ESG-Gesetzen und Dokumenten bietet. Durch gezielte Fragestellungen unterstützt der ESGbot sowohl beim Verständnis und Erlernen der gesetzlichen Vorgaben als auch bei der praktischen Umsetzung und Bearbeitung.”
Website: ESGbot.de
1. Potenzial und Überbewertung von KI im Nachhaltigkeitsmanagement
Folgende Frage haben wir den ESG-Software-Anbietern gestellt:
“Aus eurer Beobachtung: Wo liegt derzeit das größte Potenzial von KI-Einsatz in der Nachhaltigkeitstransformation bei mittelständischen Unternehmen? Und umgekehrt: Wo wird KI von Unternehmen überbewertet oder zu enthusiastisch eingesetzt?”
Die Antworten kurz zusammengefasst:
Die ESG-Software-Anbieter sehen das größte Potenzial von KI in der Datenanalyse und -strukturierung, besonders wenn Unternehmensdaten wie Lieferketten- oder Produktinformationen eingebracht werden. Doch Vorsicht bei der Überbewertung: KI ersetzt keine Expert:innen. Sie kann die Daten zwar schnell auswerten, aber sie erfordert immer noch menschliches Fachwissen, um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und strategische Entscheidungen zu treffen.
Die Antworten im Wortlaut:

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?
Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.
Matthias Damert
Themenbereiche Nachhaltigkeits-, Klima- und Energiemanagement
2. Ideale Arbeitsteilung zwischen KI und Mensch im Nachhaltigkeitsmanagement
Folgende Frage haben wir den ESG-Software-Anbietern gestellt:
“Wie sollte eurer Meinung nach die ideale Arbeitsteilung zwischen KI und menschlicher Expertise im Nachhaltigkeitsmanagement aussehen? Wo seht ihr klare „rote Linien” – also Bereiche, in denen KI nicht eingesetzt werden sollte?”
Die Antworten kurz zusammengefasst:
Bei der Arbeitsteilung zwischen KI und menschlicher Expertise sind sich die ESG-Software-Anbieter weitgehend einig: KI sollte als Assistenzsystem verstanden werden. Sie übernimmt das Sammeln und Sortieren von Daten, während die menschliche Expertise für die Interpretation und strategische Entscheidung verantwortlich bleibt. Rote Linie gibt es insbesondere bei der Verantwortung für entscheidungsrelevante Themen. KI kann keine strategischen Entscheidungen treffen und darf nicht als Ersatz für menschliches Urteilsvermögen dienen. Ihre Aufgabe ist es, Unterstützung zu bieten, aber nicht die Verantwortung zu übernehmen
Die Antworten im Wortlaut:
3. Zeitersparnis durch KI im Nachhaltigkeitsmanagement
Folgende Frage haben wir den ESG-Software-Anbietern gestellt:
“In welchen konkreten ESG-Prozessen kann KI heute nachweislich Zeit sparen – und wo sind die Grenzen? Welche Versprechungen von KI-Effizienzgewinnen sind haltbar, welche eher Marketing?”
Die Antworten kurz zusammengefasst:
Die ESG-Software-Anbieter stimmen darin überein, dass KI Zeit spart, vor allem bei datenintensiven Prozessen wie der Datenaufbereitung und der Berichterstellung. Besonders bei der Identifikation von Normen oder der Zusammenstellung von Nachhaltigkeitsberichten kann KI große Zeiteinsparungen erzielen. Aber die Grenzen der Effizienzgewinne sind klar: KI ist ein Werkzeug zur Datenverarbeitung, aber sie kann nicht die Qualität der nachfolgenden Entscheidungen garantieren. Wo primäre Daten fehlen oder qualitative Bewertungen erforderlich sind, stößt sie an ihre Grenzen. Der Wunsch nach einem „One-Click“-Report bleibt vielfach ein Marketingversprechen, das nicht die komplexen Anforderungen eines Nachhaltigkeitsberichts abdeckt.
Die Antworten im Wortlaut:
Methoden und Best Practice zu Nachhaltigkeit ins Postfach

4. Notwendigkeit von Schulungen und Know-how für die Nutzung von KI im Nachhaltigkeitsmanagement
Folgende Frage haben wir den ESG-Software-Anbietern gestellt:
“Braucht es spezifisches Know-how oder Schulungen für die Mitarbeiter*innen, um den vollen Nutzen aus KI im Nachhaltigkeitsmanagement zu ziehen?”
Die Antworten kurz zusammengefasst:
Die Anbieter sind sich einig, dass Schulungen für Mitarbeitende unerlässlich sind. Es geht nicht darum, technisches KI-Wissen zu vermitteln, sondern um das Verständnis für Datenqualität, Prozesslogik und Verantwortlichkeiten. KI ist ein hilfreiches Werkzeug, aber der Mehrwert entsteht nur, wenn Mitarbeitende die Daten richtig verstehen und wissen, wie sie Korrekturen und Verantwortung für die Ergebnisse übernehmen können. Schulungen zur richtigen Anwendung von KI und zur kritischen Prüfung der Ergebnisse sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Nutzung im Nachhaltigkeitsmanagement
Die Antworten im Wortlaut:
5. Informationssicherheit und gesetzliche Anforderungen im Rahmen der KI-Nutzung
Folgende Frage haben wir den ESG-Software-Anbietern gestellt:
“Tools mit KI werden bei KMUs aus Gründen der Informationssicherheit teilweise kritisch betrachtet. Woraus sollten KMUs achten, um KI gesetzeskonform zu implementieren (z.B. DSGVO, NIS 2)?”
Die Antworten kurz zusammengefasst:
Die Informationssicherheit ist ein zentrales Thema bei der Einführung von KI, insb. für KMUs. Die befragten ESG-Tool-Anbieter betonen die Wichtigkeit, dass Daten DSGVO-konform verarbeitet werden und dass Transparenz über Datenflüsse besteht. Insbesondere bei sensiblen Unternehmensdaten wie Lieferketteninformationen oder Emissionsdaten ist gesetzeskonforme Implementierung entscheidend. Verantwortung und Kontrolle über die Datenverarbeitung müssen klar geregelt sein, und die Rückverfolgbarkeit der KI-Ergebnisse muss gegeben sein, um Risiken zu minimieren
Die Antworten im Wortlaut:
6. Der ökologische Fußabdruck von KI
Folgende Frage haben wir den ESG-Software-Anbietern gestellt:
“KI selbst hat einen nicht zu verachtenden ökologischen Fußabdruck – Energie und Ressourcenverbrauch sind real. Wie sollten Unternehmen mit diesem Paradox umgehen: KI für Nachhaltigkeit vs. die Nachhaltigkeit der KI selbst?”
Die Antworten kurz zusammengefasst:
Ein großes Paradoxon bleibt der ökologische Fußabdruck von KI. Sie spart zwar durch automatisierte Prozesse Energie und Ressourcen, aber die Technologie selbst ist energieintensiv. Der entscheidende Punkt für die ESG-Software-Anbieter ist, dass KI nur dann sinnvoll eingesetzt wird, wenn sie Messgrößen verbessert oder Prozesse effizienter gestaltet. KI muss gezielt und effizient eingesetzt werden, damit der Nutzen den Ressourcenverbrauch rechtfertigt. Der Energieverbrauch sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden und unnötiger Rechenaufwand sollte vermieden werden.
Die Antworten im Wortlaut:
7. KI als strategisches Werkzeug im Nachhaltigkeitsmanagement
Folgende Frage haben wir den ESG-Software-Anbietern gestellt:
“KI selbst hat einen nicht zu verachtenden ökologischen Fußabdruck – Energie und Ressourcenverbrauch sind real. Wie sollten Unternehmen mit diesem Paradox umgehen: KI für Nachhaltigkeit vs. die Nachhaltigkeit der KI selbst?”
Die Antworten kurz zusammengefasst:
Langfristig könnte KI zumindest indirekt eine strategische(re) Rolle im Nachhaltigkeitsmanagement spielen, indem sie operative Aufgaben wie Reporting und Datenanalyse übernimmt, damit Nachhaltigkeitsmanager:innen mehr Kapazität für strategische Aufgaben wie Szenarioanalysen und Risikomanagement gewinnen. Allerdings wird KI die Arbeit von Nachhaltigkeitsmanager:innen wahrscheinlich nicht ersetzen, sondern als hebendes Instrument ihre strategische Position stärken, indem z.B. wichtige Muster in großen Datenmengen aufgedeckt und für strategische Insights genutzt werden. Die Verantwortung für die strategische Ausrichtung wird jedoch nach wie vor beim Menschen gesehen. KI hilft bei der Datenverarbeitung, aber sie wird vielleicht nie die Vision und Führung eines Menschen ersetzen.
Die Antworten im Wortlaut:
Zusammenfassung
In diesem Artikel haben wir uns mit den Chancen und Risiken des KI-Einsatzes im Nachhaltigkeitsmanagement auseinandergesetzt. Vier Anbieter von ESG-Software-Tools haben unsere Fragen beantwortet und ihre Perspektiven zu den praktischen Anwendungen von KI wiedergegeben. KI kann bereits heute insbesondere in der Datenanalyse, der Erstellung von Berichten und der Erfüllung regulatorischer Anforderungen einen klaren Mehrwert bieten.
Während KI viele operative Prozesse im Nachhaltigkeitsmanagement beschleunigen kann, sehen die ESG-Software-Anbieter allerdings auch klare Grenzen, besonders wenn es um qualitative Bewertungen und strategische Entscheidungen geht, bei denen menschliche Expertise unerlässlich bleibt.
Auch die Datensicherheit und der ökologische Fußabdruck von KI werden thematisiert, wobei die ESG-Software-Anbieter betonen, dass ein gezielter und verantwortungsbewusster Einsatz notwendig ist, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Gleichzeitig kann der potenzielle Mehrgewinn an Effizienz den Fußabdruck von KI in einigen Fällen durchaus rechtfertigen.
Letztlich wird KI als ein starkes Assistenzsystem für insbesondere operative Aufgaben angesehen, das Unternehmen bei der Nachhaltigkeitstransformation unterstützen kann, jedoch wahrscheinlich in absehbarer Zeit nicht die strategische Verantwortung und Führung eines Unternehmens durch Menschen ersetzen kann.







