Klimaschutzkonzepte für Hochschulen – Unsere Case Study Technische Universität Nürnberg (UTN)

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Hochschulen und Universitäten sind Orte der Innovation, Forschung und gesellschaftlichen Transformation – doch in Bezug auf Klimaschutz fehlt es Universitäten teils an Daten, Strukturen oder Maßnahmenplänen. Wir haben einige Universitäten bei ihren Klimaschutzbemühungen begleitet. Über eines unserer Projekte möchten wir an dieser Stelle berichten: Wie die im Jahr 2021 neu gegründete Technische Universität Nürnberg (UTN) gemeinsam mit uns und unserem Kooperationspartner Analyze HSE ein integriertes Klimaschutzkonzept (hier als Download verfügbar) für die Hochschule entwickelt hat. 

Was gab es vorher? Und was stand nach dem Projekt als Ergebnis? Wir schauen auf einen Vorher-Nachher-Vergleich in diesem Blogartikel.

Inhalt 

VORHER: Klimaschutz als Gründungsprinzip der Hochschule

Die Technische Universität Nürnberg (UTN), die erste staatliche Universitätsneugründung in Bayern seit über 40 Jahren, wird aktuell komplett neu gebaut. Mit dem Anspruch, zukünftig eine international führende Tech-Uni für KI, Robotik und Ingenieurwesen zu werden, war auch Nachhaltigkeit und Klimaschutz von Anfang an ein Gründungsprinzip

Durch die Neugründung war die Ausgangslage wie folgt:

  • Keine historische Datenbasis für Emissionen und Verbräuche und somit auch keine Treibhausgasbilanz als Ausgangspunkt
  • Heterogene Stakeholder mit sehr unterschiedlichen Anforderungen
  • Keine bestehende Nachhaltigkeits- oder Klimaschutzsstrategie, aber eine konkrete Idee, Nachhaltigkeit und Klimaschutz fest in der Hochschule zu verankern

Der Vorteil: Anders als etablierte Universitäten musste die UTN keine Altlasten abbauen. Stattdessen konnten wir strategische Entscheidungen von Anfang an so integrieren, dass der Campus klimafreundlich neu entsteht.

Der gemeinsame Prozess für ein integriertes Klimaschutzkonzept an Hochschulen und Universitäten: Beispiel UTN

Ziel des Projekts

Als Nachhaltigkeitsberatung mit Expertise im Hochschul-Umfeld und unserem Partner Analyze HSE mit langjähriger Erfahrung in Projekten zu den Themen Energieeffizienz und Umweltschutz haben wir die UTN von der ersten Idee bis zur Verabschiedung des Klimaschutzkonzepts sowie ersten Umsetzungsschritten begleitet. Unser Ziel war es gemeinsam mit der UTN ein Klimaschutzkonzept zu erarbeiten, das wissenschaftlich fundiertpartizipativ entwickelt und praxisnah umsetzbar ist. Ein Klimaschutzkonzept, das Planungssicherheit für die UTN schafft und als Vorbild für andere Hochschulen und Universitäten dient.

Das Konzept basiert auf einer Treibhausgasbilanz nach dem international anerkannten Standard Greenhouse Gas Protocol, einer Potenzialanalyse und einer Szenarien-Berechnung bis 2050 und dem Klimaschutzkonzept selbst inkl. Zielen und Maßnahmen und wurde am 5. Juni 2025 vom Präsidium beschlossen und vom Fördermittelgeber BMWK mit der Auszeichnung “von höchster Qualität” angenommen.

Projektplan bzw. Prozess des Klimaschutzkonzepts an der Hochschule (Copyright UTN)
Zeitstrahl für die Erstellung des Klimaschutzkonzepts der UTN

Breite Stakeholder-Beteiligung beim Klimaschutzkonzept

Und wie ist das so gut gelungen? Wie sind wir bei der Erarbeitung des integrierten Klimaschutzkonzepts zusammen mit der Hochschule konkret vorgegangen?

First things first: Klimaschutz gelingt nur gemeinsam. Darum haben wir relevante Stakeholder einbezogen. Dazu gehören Universitätsleitung, wie Präsidium, Studierende, Lehrstühle, Mitarbeitende und Bauamt sowie Fördermittelgeber. 

Zusammen mit der UTN sind wir einen umfassenden Beteiligungsprozess zur Erarbeitung des Klimaschutzkonzepts gegangen, u.a. mit:

  • Interaktiven Workshops mit Fakultäten, Verwaltung und Technik
  • Online-Infoterminen für eine breite Einbindung
  • Begleitung von Präsidiumsterminen, um Rückhalt auf Leitungsebene zu sichern
Beteiligungsprozess im Klimaschutzkonzept (Copyright UTN)
Prozess der Stakeholder-Beteiligung im Überblick

Erstellung der Treibhausgasbilanz

In Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachabteilungen und weiteren Stakeholdern haben wir die erste Treibhausgasbilanz (auch THG-Bilanz oder CO2-Bilanz genannt) der Universität erarbeitet. Dies ist die Grundlage dafür, Emissionen sichtbar und messbar zu machen. 

Die Treibhausgasbilanz haben wir nach dem internationalen Standard Greenhouse Gas Protocol in einem Excel-Tool für 2023 erstellt und dabei alle relevanten Treibhausgase berücksichtigt (diese werden auch CO2-Äquivalente bzw. CO₂e genannt – hier lesen Sie mehr zu den 3 Schritten zu einer CO2-Bilanz).

Das Ergebnis

  • 259 Tonnen CO₂e Gesamtemissionen
  • 2,2 Tonnen CO₂e pro Hochschulangehöriger/m
  • 87 % Scope 3, 13 % Scope 2, 0 % Scope 1
Emissionen in CO2e in 2023 an der UTN pro Hochschulangehörigem (Copyright UTN)

Wichtig für die Erarbeitung von Klimaschutzkonzepten an Hochschulen ist die Identifikation der größten Emissionsquellen. Als größte Hot Spots haben wir für das Jahr 2023 identifiziert:

  • Mobilität (53 %) – vor allem Pendelwege von Studierenden und Mitarbeitenden
  • Beschaffung (30 %) – insbesondere IT und Möbel
  • Betrieb (15 %) – vor allem Wärme 
  • Bau (2 %) – aktuell gering, künftig mit wachsender Bedeutung
Emissionsschwerpunkte an der Hochschule (Copyright UTN)
Hot Spots der Treibhausgasemissionen der UTN

Spannend hierbei ist, dass wir erwarten, dass sich diese Hot Spots in den Folgejahren verschieben werden. Wir erwarten beispielsweise, dass der Bereich Bau mit der fortlaufenden Errichtung von Gebäuden und Außenanlagen ab 2024 deutlich an Relevanz gewinnt, ebenso die Mobilität durch den Aufbau von Lehrstühlen und Erhöhung der Studierendenzahlen zunimmt. Auch Veranstaltungen im Rahmen von Lehre und Forschung, wie Gastvorträge oder Forschungskonferenzen, könnten künftig als neuer Hot Spot auftauchen.

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Franziska Kramer
Themenbereiche Nachhaltigkeitsstrategie und -berichterstattung

Zwei Szenarien für die THG-Bilanz bis 2050

Weil wir durch den Neubau des Campus und Co. Veränderungen in der THG-Bilanz in den Folgejahren erwarten, haben wir in die Zukunft geschaut: Wie entwickeln sich die Emissionen der UTN in den kommenden Jahrzehnten? Was passiert ohne Klimaschutz? Und was mit?

Für die UTN haben wir zwei Zukunftsszenarien modelliert. Sie zeigen die THG-Bilanz-Entwicklung jeweils in 5-Jahres-Schritten bis 2050. So können wir für folgende Szenarien potenzielle Emissionen in Zukunft abschätzen:

  • Referenzszenario: Entwicklung ohne Klimaschutzkonzept
  • Klimaschutzszenario: Entwicklung mit Klimaschutzkonzept

Durch die Szenarienberechnung wurde klar: Mit entschlossenem Handeln und strategischer Planung kann die Hochschule ihre Emissionen von vornherein vermeiden, während ohne Klimaschutzmaßnahmen Bestand aufgebaut wird, der im Nachhinein schwer zu transformieren ist, insbesondere wenn die Gebäude erst einmal stehen.

Emissionenen in CO2e im Klimachutzszenario udn referenzszenario für die UTN (Copyright UTN)
Zukunftsszenarien für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen der UTN

Klimaschutzkonzept der Hochschule mit Zielen und Maßnahmen in 7 Handlungsfeldern

Die UTN hat sich klar zum Klimaschutzszenario bekannt mit den beiden Zielen: Netto-Null-Emissionen in Scope 1 & 2 ab 2028 und Treibhausgasneutralität über alle Scopes bis spätestens 2040. Um diese Ziele fassbar zu machen, haben wir diese in weitere Ziele und Maßnahmen heruntergebrochen, und zwar für sieben Handlungsfelder:

  • Beschaffung
  • Betrieb
  • IT
  • Campus-Infrastruktur
  • Erneuerbare Energien
  • Flächenmanagement
  • Mobilität

Besonderheit: Neben Quick Wins (z. B. Wurmbox für Biomüll) standen strategische Maßnahmen im Fokus, die präventiv wirken – also Emissionen vermeiden, bevor sie entstehen. Für jede Maßnahme haben wir klare Verantwortlichkeiten hinterlegt und passende Indikatoren entwickelt, um diese messbar zu machen. In mehreren Beteiligungsformaten mit den Stakeholdern der UTN haben wir die Maßnahmen finalisiert. Im Bild ist eine Kurzübersicht der Maßnahmen in drei Handlungsfeldern zu sehen.

Beispielhafte Darstellung der verabschiedeten Maßnahmen im Klimaschutzkonzept der Hoschule (Copyright UTN)
Kurzübersicht der Klimaschutz-Maßnahmen der UTN

NACHHER: Ergebnisse und Mehrwerte des Klimaschutzkonzepts für die Hochschule

Ergebnisse des Klimaschutzkonzepts der Hochschule im Überblick

Im Juni 2025 hat das Präsidium der UTN das Klimaschutzkonzept beschlossen. Dieser strategische Fahrplan verschwindet mit Sicherheit nicht in der Schublade, da wir zusammen mit den wichtigsten Stakeholdern für die Verstetigung der Klimaschutzbemühungen vorgesorgt haben.

Die wichtigsten Ergebnisse des Projekts im Überblick:

  • Berechnung der CO2e-Emissionen in der THG-Bilanz für 2023
  • Bereitstellung eines offenen Excel-Tools für die jährliche THG-Bilanzierung, mit dem die UTN ihre THG-Bilanz künftig eigenständig und unabhängig fortführen kann (hier lesen Sie mehr zu 8 CO2-Rechnern für Unternehmen und Organisationen im Vergleich),
  • Berechnung von künftigen Emissionen in zwei Szenarien
  • Integriertes Klimaschutzkonzept als Handlungsrahmen und strategische Leitplanke für die UTN intern und extern mit den Zielen Netto-Null in Scope 1 & 2 ab 2028 und Treibhausgasneutralität über alle Scopes bis spätestens 2040
  • Klarer Maßnahmenplan mit Quick Wins und strategischen Maßnahmen
  • Breite Rückendeckung durch intensive Beteiligung
  • Sichtbarkeit und Kommunikation nach innen und außen durch Webseite und Kurzkonzept
  • Planungssicherheit und Eigenständigkeit durch eingeführte Prozesse und Strukturen
  • Handlungsempfehlungen für die regelmäßige Überprüfung und Weiterentwicklung des Klimaschutzkonzepts

Die UTN gewinnt dadurch nicht nur Planungssicherheit, sondern auch politische Sichtbarkeit und etabliert sich als Vorreiterin im Klimaschutz an Hochschulen.

Mehrwerte des Klimaschutzkonzepts für Stakeholder

Ein Klimaschutzkonzept für eine Hochschule oder Universität ist weit mehr als ein strategisches Papier. Es entfaltet Wirkung für alle, die mit der Hochschule verbunden sind:

  • Für Studierende: Ein grüner, zukunftsorientierter Campus als Lern- und Forschungsumfeld mit hoher Attraktivität. Klimaschutz wird erlebbar und schafft Identifikation heute und für künftige Generationen.
  • Für Mitarbeitende: Orientierung und Transparenz im Arbeitsalltag sowie ein Umfeld, in dem Klimaschutz umgesetzt und mitgestaltet werden kann.
  • Für die Hochschule selbst: Ein strategischer Fahrplan, der nicht nur Emissionen reduziert, sondern auch Kosten spart, Innovation fördert und die politische Sichtbarkeit der Universität stärkt.
  • Für die Gesellschaft und Region: Die UTN wird zum Innovationsmotor im Klimaschutz und Vorreiter für Impulse in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

So entsteht ein gemeinsamer Mehrwert: Klimaschutz wird zum Treiber für Innovation, Attraktivität und Verantwortung – innerhalb und außerhalb des Campus.

Fazit

Das Projekt an der UTN zeigt eindrucksvoll: Auch ohne Bestandsdaten und ohne vorhandene “Altlasten” lässt sich in kurzer Zeit ein wirksames Klimaschutzkonzept für eine Hochschule oder Universität entwickeln. Entscheidend ist die Verbindung aus klarer Datengrundlage, Szenarien, breiter Beteiligung und praxisnahen Maßnahmen.

Für die UTN bedeutet das: Ein lebendiges Klimaschutzkonzept, das nicht nur beschlossen, sondern von Beginn an gelebt wird und das Hochschulen in ganz Deutschland als Beispiel dienen kann.

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