Ab dem 27. September 2026 sind die nationalen Regelungen zur Umsetzung der EmpCo-Richtlinie in der gesamten EU anzuwenden. Dann gelten mit ihnen strengere Regeln für Nachhaltigkeitssiegel, Social Claims, Umweltaussagen die Unternehmen gegenüber Verbraucher*innen treffen. Auf dieser Seite geben wir einen Einstieg und beantworten typische Praxisfragen.
DISCLAIMER: Die nachfolgenden Ausführungen sind unsere Interpretation, keine rechtsverbindlichen Aussagen.
Beratungen von plant values zu diesen Themen sind nicht gleichzusetzen mit einer Rechtsberatung.
Inhalt auf dieser Seite:
- Schnelleinstieg: Die EmpCo auf einen Blick erklärt!
- EmpCo FAQ 1: Ausführlicher Einstieg in die EmpCo: Bedeutung, Ziele, Fristen
- EmpCo FAQ 2: Begriffe und Details der EmpCo erklärt – Umweltaussagen, Nachhaltigkeitssiegel, Nachweisführung
- EmpCo FAQ 3: Soziale Aussagen, Social Claims und Sozialsiegel
- EmpCo FAQ 4: Spezialfragen aus der Praxis rund um die EmpCo – Social Media Postings, Einzelhändler, Onlineshops, Nachhaltigkeitsberichte, bisherige Gerichtsurteile
- Fallbeispiele in der Analyse
EmpCo Schnelleinstieg: Worum geht´s bei der EmpCo in wenigen Worten?
Die neuen Regeln für das Werben mit Umwelt- und Sozialaussagen sind ab 27.09.2026 gültig.
Im Sinne des Verbraucherschutzes soll Greenwashing oder Irreführung unterbunden und das Vertrauen in Werbung mit Nachhaltigkeitsaspekten oder Umweltvorteilen gestärkt werden.
Verboten bzw. klar geregelt sind hierbei
- irreführende Umweltaussagen (z.B. „umweltfreundlich“)
- Aussagen zu den sozialen Merkmalen (z.B. „fair“).
- Kompensationsaussagen („climate neutral“)
- Produktvergleiche („Produkt ist 20% ressourcenschonender als…“)
- Zukunftsziele („Unser Ziel: Wir sind bis 2035 klimaneutral!“)
- Nachhaltigkeitssiegel und -zertifikate
Die EmpCo gilt EU-weit für die Kommunikation gegenüber Verbrauchern (Endkund*innen) zu Produkten, Dienstleistungen oder dem eigenen Unternehmen und der Geschäftstätigkeit.
Verboten bzw. geregelt sind v. a. irreführende Umwelt-/Sozialclaims, Zukunftsziele/-versprechen, Produktvergleiche, Kompensationsclaims und nicht transparente Nachhaltigkeitssiegel.
Die EU-Richtlinie im Original ist hier abrufbar: Directive – EU – 2024/825 – DE – EUR-Lex
Ein ergänzendes FAQ-Dokument der EU-Kommission hier: FAQ zur Anwendung der EmpCo

Schritt für Schritt das Wichtigste zur EmpCo-Richtlinie erklärt: FAQ zur Bedeutung, Fristen und Zielen
Möchten Sie zunächst wissen, welche Green Claims (Umweltaussagen) auf Ihrer Website auffallen?

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Begriffe und Details der EmpCo erklärt – Umweltaussagen, Nachhaltigkeitssiegel, Nachweisführung
Überblick über Umweltsiegel (Labels), die EmpCo-konform sind. Auswahl:




EmpCo Anforderung: Spezifizierung der Umweltaussage im selben Medium, bspw. hier in einer Onlineanzeige für einen Rucksack:

Fokusthema: Social Claims, soziale Aussagen und Siegel EmpCo-konform nutzen
Überblick über Umweltsiegel (Labels), die EmpCo-konform sind. Auswahl:



Spezialfragen und Praxisfragen zur EmpCo: Einzelhandel, Onlineshops, Stellenanzeigen, Nachhaltigkeitsberichte, Gerichtsurteile zur EmpCo

Überkleben der Verpackung kann eine Option sein, um die EmpCo-Konformität zu erlangen:


Text- und Bildquelle: www.startnext.com/blog/empco-2-millionen-tamtampons-wegschmeissen-nicht-mit-einhorn~ba1419.html

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Fallbeispiele aus der Praxis zur EmpCo in unserer Analyse
Fall 1 – Verpackung Überkleben statt Präzisieren
Warum wird diese Schokolade überklebt?

Welche Probleme bzgl. der EmpCo gibt es bei dieser Schokolade, die mit Stickern überklebt werden musste:
- Auf demselben Medium (Verpackung) wird nicht klar oder konkret genannt, was hier zertifiziert und was nachhaltig ist; weitere Infos sind auf der Rückseite (das ist okay!), aber nur via QR abrufbar (Medienbruch – nicht okay!) zu finden. Damit ist die EmpCo-Anforderung, dass die Spezifizierung auf „demselben Medium“ angebracht sein muss, nicht erfüllt.
- „Nachhaltiger Bezug“ ist ein sehr großer Begriff. Nachhaltig kann sozial, ökonomisch als auch ökologisch verstanden werden. Das ist eine allgemeine Umweltaussage, die nur möglich ist, wenn es eine anerkannte hervorragende Umweltleistung nach EU-Recht gibt oder sie mit anerkannten Siegeln unterlegt ist. Das liegt hier alles nicht vor. Problematisch ist „nachhaltig“ auch bzgl. sozial-nachhaltig, denn hierfür gibt’s kaum eine Möglichkeit, das als anerkannte hervorragende Leistung zu unterfüttern.
- (EmpCo-Nerdwissen: EmpCo Erwägungsgrund (10), hier heißt es: „Ebenso sollte ein Gewerbetreibender keine allgemeinen Aussagen wie „bewusst“, „nachhaltig“ oder „verantwortungsbewusst“ machen, die ausschließlich auf einer anerkannten hervorragenden Umweltleistung beruhen, da sich derartige Aussagen neben den Umweltmerkmalen auch auf andere Merkmale wie soziale Merkmale beziehen.“; weiter im Abgleich mit der EmpCo. Die genutzten Siegel (Rainforest Alliance Cocoa und das Fairtrade Cocoa Program) sind laut deren Selbstauskunft EmpCo-konform (also haben externe Prüfung, Transparenz, Zertifizierungssystem), aber sie sind keine EU Ecolabel oder offizielle Label, anerkannt nach EN ISO 14024 Typ I. Entsprechend ist eine Aussage „anerkannte hervorragende Umweltleistung“, wie bspw. das Wort „nachhaltig“ suggeriert, nicht EmpCo-konform.)Es bleibt auf Vorder- und Rückseite unklar, was hier zertifiziert ist. In weiteren, externen Quellen erfährt man, dass für die Schokolade anteilig nach den Programmen Rainforest Alliance Cocoa und Fairtrade Cocoa Program bezogen wird.
- Ebenso könnte das hellgrüne Element auf der Verpackung als Siegel verstanden werden. Es hat diverse Siegelelemente. Für Nachhaltigkeitssiegel gelten harte Regeln.
Wie könnte man die Kommunikation ändern, um EmpCo-konform zu sein?
- Einerseits geht das Überkleben der nicht-konformen Claims wie im Bild gezeigt.
- Besser wäre, dass die Mehrwert für Umwelt und Soziales gezeigt werden. Möglich wäre, dass der Claim des 100% nachhaltigen Kakaobezugs klar spezifiziert wird auf der Verpackung. Konkret: Vorderseite „100% zertifizierter Kakaobezug*“ und die spezifizierende Info auf der Rückseite der Schokolade „*Für unsere Schokolade beziehen wir ausschließlich zertifizierten, segregierten Kakao (70 % Rainforest Alliance Cocoa und 30 % Fairtrade Cocoa Program).“ Hier wäre auch Platz für ergänzende Infos, wie „95 % (Stand 2026) unseres Kakaos stammen aus langfristigen Partnerschaften mit Erzeugerorganisationen in den kakaoanbauenden Ländern, die wir über unsere Kakao-Programme unterstützen.“
Fall 2 – Positivbeispiel für EmpCo-konforme Umweltaussagen auf der Verpackung
Schauen wir dieses Beispiel an, wie hier mit Umweltaussagen und Labels umgegangen wird. Wir sehen hierbei ein Beispiel für die EmpCo-konforme Kommunikation mit Nachhaltigkeitsaussagen:

- Pro Climate anstatt Aussagen wie „klimaneutral“ auf der Vorderseite. Durch ein Sternchen * wird auf die Rückseite verwiesen, was immernoch dasselbe Medium (eine Verpackung) ist, wo die Aussagen spezifiziert werden.
- Ebenso werden ergänzende, präzise Aussagen zur Verpackung („recyclebar“ und „mind. 84% Recycling-Material“) getätigt.
- Auf unternehmenseigene Nachhaltigkeitssiegel oder ähnliches wird verzichtet.
- Weitere Infos gibt´s online, aber auf der Produktverpackung ist bereits alles zu den Umweltaussagen spezifisch und konkret erklärt.
- Das Siegel Öko-Test? Ist okay! Die Erklärung ist wieder ein bisschen EmpCo-Nerd-Wissen: Der Bundestags-Rechtsausschuss erkennt an, dass unabhängige und belastbare Verbrauchertests wie Öko-Test oder Stiftung Warentest nicht als „Nachhaltigkeitssiegel“ im Sinne der EmpCo behandelt werden, weil ihr Hauptzweck die umfassende Verbraucherinformation und nicht die Garantie bestimmter Umwelt- oder Sozialmerkmale ist.

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