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Anleitung für eine klimafreundliche Filmproduktion

Filme nehmen ihr Publikum mit in eine andere Welt, sie unterhalten, schockieren und bilden sogar manchmal. Deswegen waren sie in den schwierigen Zeiten des Lockdowns ein willkommener virtueller Weg raus aus dem eigenen Wohnzimmer. Da auch global gesehen Menschen immer mehr Filme und Serien konsumieren, ist die Herstellung von Medieninhalten zu einer signifikanten Größe des menschengemachten CO2-Ausstoßes angewachsen. In diesem Blogartikel geht es darum zu zeigen, wo CO2 entsteht und wie es sich in einer klimafreundlichen Filmproduktion verringern lässt.

Wieviel CO2 steckt im Film?

Ein 90-minütiger „Tatort“ kann bei der Produktion bis zu 100t CO2 (zum Vergleich: die deutsche Lebensweise verursacht pro Person durchschnittlich ca. 11,6t CO2 pro Jahr, Quelle: UBA) und mehr frei setzen. Anhand von umweltbewussten Handlungsgrundsätzen kann dieser Ausstoß aber enorm sinken. Der SWR produzierte als einer der ersten öffentlich-rechtlichen Sender einen ‚grünen‘ „Tatort“ mit nur 40t CO2 im Bilanz-Ergebnis. Wie klimafreundliche Filmproduktion gelingt und wo die großen Handlungsfelder liegen, wollen wir hier umreißen.

Die Handlungsfelder einer klimafreundlichen Filmproduktion 

Inhalt:

Ein gutes Drehbuch beginnt mit einer guten Story

1.  Im Drehbuch vorausdenken

Das Schreiben des Drehbuchs legt den Grundstein für klimafreundliche Filmproduktion. Darauf setzen wichtige Entscheidungen für die Filmproduktion und den Dreh auf. Wo spielt die Handlung? Wie oft wechselt der Drehort? Fliegen die Charaktere durch die Welt? Welche Art von Geschichte und Weltsicht vermittelt der Filmstoff?

Die Hauptrollen tragen Identifikationspotential für das Publikum. Daher ist nicht zu unterschätzen, wie sich Nachhaltigkeit als Ganzes im Film unterbewusst übermittelt, indem Rollen divers gezeichnet sind und die Charaktere Umweltbewusstsein als das ‚Normal‘ leben. Sie würden dann z.B. klimafreundliche Verkehrsmittel nutzen oder Coffee-to-Go nicht aus dem Wegwerf-Becher trinken. Noch präsenter wird das Thema, wenn Klimaschutz oder die Gegenwart des Klimawandels kreativ in den Vorder- oder Hintergrund einer Filmstory eingearbeitet ist.

2. Den Dreh umfassend durchplanen

Ist das Drehbuch fertig, beginnen die Planungen für die Umsetzung, also der Dreharbeiten.

Zu diesem Zeitpunkt wird im kreativen Prozess entschieden, wie aufwändig der Dreh ausfällt und somit (unbewusst) der Energieaufwand mit entsprechendem CO2-Ausstoß. Es gilt generell: so effizient wie möglich auf die tatsächliche Nutzung hin planen und mehr Zeit in die Team-Absprache investieren. Ansonsten passiert es, dass zum Drehtag ‚lieber zu viel als zu wenig‘ ans Set transportiert wird, weil die Vorabsprache fehlte.

Je nachdem, welche Option in den folgenden vier Produktionsbereichen genutzt wird, fällt der Energieverbrauch geringer aus als bei einer konventionellen Produktion. Weniger Energiebedarf bedeutet besser fürs Klima.

A) Reisen und Transport genau kalkulieren

Die Reisen und Unterbringung des gesamten Produktionsteams, der Schauspieler*innen und der kreativen Spitze sind eine der größten CO2-Quellen einer Filmproduktion. Dabei machen Flüge naturgemäß einen substantiellen Bestandteil aus und können stark auf eine klimafreundliche Produktion hin wirken, wenn sie auf das nötige Minimum beschränkt werden. Insbesondere Kurzstreckenflüge lassen sich durch Bahnfahrten im ICE ersetzen. Dazu braucht es allerdings auch die Bereitschaft des Teams. 

Für kurze Wege vom Hotel zum Set lassen sich Hybrid-PKWs oder Elektro-Autos mieten. Dadurch sinkt der Treibhausgasausstoß dieses Projektbereichs. Größere Fahrzeuge und LKWs zum Transport von Technik und Ausstattung sind derzeit noch kaum mit E-Antrieb in der Angebotspalette von Autovermietern erhältlich. Emissionsarme LKWs (CNG/LNG) sind im Hinblick auf ihren CO2-Ausstoß derzeit eine gute Alternative zum konventionellen Diesel.

Kein Film ohne Licht

B) Technik und Catering präzise abstimmen

Licht, Ton, Kamera und mehr

Auch eine klimafreundliche Filmproduktion ist in den meisten Fällen technikaufwendig, sowohl in der Schnittarbeit und Postproduktionsphase. Aber auch der Dreh benötigt neben Kameras und Tonaufnahmegeräten je nach Drehort (im Studio oder ‚on location‘) auch viel, viel künstliches Licht. Großformatige, lichtstarke Scheinwerfer, die einen Nachtdreh taghell ausleuchten können, benötigen dementsprechend viel Strom. Aber auch kleinere Lampen, platziert an unterschiedlichen Stellen des Sets zur kreativen Lichtgestaltung, ergeben in Gänze einen großen Stromhunger. Ein Dreh braucht selbstredend Kameras und Tontechnik, daneben auch Speichermedien und diverse weitere Technik. Dieser Energiebedarf wird am Set in der Regel mit wenig klimafreundlichen Diesel-Generatoren abgedeckt.

Problem: Generator

Diese sind nicht nur laut und erst ab einer bestimmten Auslastung wirklich effizient in der Energieumwandlung von Diesel zu Strom. Das größte Problem sind die Abgase – Stickoxide, Ruß und Kohlenstoffoxide, die zumeist ‚on location‘ stundenlang in die Umwelt gepustet werden. Leider oft unabhängig davon, ob der Generator gerade gebraucht wird oder nicht. Er läuft trotzdem. Wenn auch das Catering-Mobil für die Crew einen eigenen Generator braucht, verdoppelt sich die Belastung für Menschen am Set und die Umwelt 

Energiesparende Alternativen zum Generator

Im Markt für mobile Energiesysteme wachsen gerade Alternativen basierend auf (gekoppelten) Batteriesystemen heran, die im Idealfall Energie aus Öko-Strom vorhalten oder vor Ort durch Solar oder (Bio-)Gas neu geladen werden können. In Kombination mit energiesparender LED-Licht-Technik, einer guten Absprache und kreativem Neudenken gerade von Belichtung (z.B. Einsatz von Tageslicht) können in diesem Produktionsbereich eine Menge CO2 und andere schädliche Treibhausgase gespart werden. Dieses Umdenken weg von der Konvention braucht neben neuen Geräten aber zuerst eine motivierte Crew. Nur mit zusätzlichen Tests, dem entsprechenden Know-How und kreativer Zusammenarbeit aller fachlichen Expert*innen am Set wird eine neue Arbeitsweise auch gelingen.  

Klimafreundliches Film-Catering geht am besten ohne Fleisch

Catering mit umweltbewusster Verpflegung am Set

Gibt’s heute Schnitzel?

Im Catering kommt neben dem Generator selbstredend die Komponente Fleisch als CO2- intensives Lebensmittel hinzu. Die Reduktion von Fleischgerichten ist ein sensibles Thema, weil alle am Set davon betroffen sind und Verständnis nicht automatisch vorhanden ist. Dafür in einer klimafreundlichen Filmproduktion zu werben, lohnt sich unter dem Argument, dass vegetarisches Catering durch den geringeren Einsatz natürlicher Ressourcen und Flächen einen deutlich kleineren CO2-Fussabdruck hinterlässt.

Auch bei allen anderen Lebensmitteln sollte auf regionale, idealerweise auch bio-zertifizierte Produkte geachtet werden. Möglichst verpackungsfreie Nahrungsmittel, wiederverwendbares Geschirr sowie die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung sind weitere Grundüberlegungen für mehr Ökologie im Catering.

Methoden und Best Practice zu Nachhaltigkeit ins Postfach

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C) Bei Set-Bau und Ausstattung den Abfall mitdenken

Das Reduzieren von Abfällen und Ressourceneinsatz durch innovative, umweltschonende Materialien sind auch Thema, wenn es um Bauten für klimafreundliche Filmsets geht.

Vor allem Wiederverwendung über Fundus für Kostüm, Requisiten und Set-Bauteile sparen im Vergleich zum Neukauf. Auch die Entsorgung fällt dann weg, wenn das geliehene Material wieder zurückgegeben werden kann. Die Weitervermittlung von neu gekauften, aber noch gebrauchsfähigen Materialien erschließen sich gerade einige junge Unternehmen als nachhaltigen Geschäftszweck. So z.B. Trash Galore, die große Platten, Holzlatten, Farbreste und ähnliches abholen und an kreative Projekte weiterreichen.

Was sind die Problemfelder im Material-Bereich?

Kleidung hat viele implizierte Risiken für Umwelt und Mensch durch:

  • giftige Färbeverfahren
  • Mißachtung von Menschenrechten in der Lieferkette, z.B. durch höchstprekäre soziale Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern
  • niedrige Recyclingfähigkeit der Stoffe

Kleidung, aber vor allem eingesetztes Material im Set-Bau sind durch toxische Lacke und Farben am Ende der Produktion nur noch als Sondermüll umweltgerecht zu entsorgen. Natürlich lässt sich nicht jedes Film-Set oder Kostümgarderobe aus Fundus-Fundstücken zusammenstellen. Hier lohnt sich die Suche nach klugen Innovationen bei den Baustoffen, die ökologisch und sozial verantwortungsvoll hergestellt werden und auf neuartigen Grundkomponenten wie Pilzen basieren. Siegel für sozial fair und umweltschonend produzierte Produkte gibt es in beiden Sparten. Dabei ist FSC-zertifiziertes Holz wohl am bekanntesten, wird aber nicht standardmäßig eingesetzt. Statt verklebtes Spannholz wie MDF zu verbauen, das sich schwierig entsorgen lässt, könnten Pappwaben- Platten eine mögliche Alternative sein. Wie bei der Technik ist auch hier das Prinzip des Know-Hows, der Motivation zum Testen und der Offenheit für kreative Experimente gefordert um das gemeinsame Ziel klimafreundlicher Film zu erreichen.

Klimafreundliche Filmproduktion inkludiert auch Postproduktion

D) Postproduktion energieeffizient leisten

Nach dem Dreh werden die digitalen Bilder geschnitten und durch visuelle Effekte ergänzt.

Dieser Schritt kann je nach Art des Films sehr zeit- und datenaufwändig sein. Gerade wenn viele Effekte im Bild einsetzt werden, steigen die Datenvolumina für Bearbeitung und Speicherung an. Wurde zusätzlich in hochauflösendem 4k, 6k oder 8k gedreht, braucht es für die weitere Gestaltung der Bilder immer leistungsstärkere Rechner und Server. Das wiederum bedeutet im Umkehrschluss mehr Energie und stets aktuelle Technik. 

Der umweltfreundliche Hebel liegt hier nun vor allem im Strombezug und der Energieeffizienz der Geräte. Bislang sind erst einige wenige Pioniere den Weg zur nachhaltigen Postproduktion aus persönlicher Überzeugung heraus gegangen. Damit zeigen sie, dass sich ökologischer Anspruch und professionelle Technikdienstleistung nicht gegenseitig ausschließen. Bewegte Bilder aus Tübingen haben beispielsweise konsequent ihre Kunden-Leistungen ökologisch ausgerichtet und arbeiten in einem klimafreundlichem Firmengebäude.

Es gibt genügend gute Gründe für klimafreundliche Filmproduktion

Es muss nicht teurer werden

Klimafreundlich zu arbeiten, lohnt sich in der Filmbranche nicht nur weil sich der ökologische Impact verringert. Neben weniger CO2, sinkendem Ressourceneinsatz und Abfallmengen, ist die finanzielle Ersparnis ein großes Plus. Wo weniger Material benötigt wird und durch frühe Planung und bessere Vor-Absprachen weniger ‚Sicherheits‘-Vorrat ans Set geschafft wird, sinken in der Regel auch die Gesamtkosten.    

Von klimafreundlich zu nachhaltig

Neben den ökologischen Aspekten ist die soziale Komponente des Filmdrehs heute immer wichtiger. Lange Arbeitstage, großer Druck, niedrige Bezahlung für Crew und Dienstleister sowie fehlende Familienvereinbarkeit machen das Berufsfeld zunehmend unattraktiv für Nachwuchskräfte. Deswegen sind positive Vorkehrungen zur Team-Zufriedenheit und guter Stimmung am Set ein weiterer Aspekt, der die Nachhaltigkeit des Produktionsprozesses um die soziale Ebene ergänzt. Motivierte Team-Mitglieder arbeiten nicht nur besser zusammen, sie sind auch für Folgeprojekte und damit langfristig zu begeistern

Die Nachfrage wächst

Netflix, Sky, die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender – sie spüren den steigenden Druck ihres Publikums zu mehr Klimabewusstsein und veröffentlichen inzwischen eigene Nachhaltigkeitsberichte oder schließen sich Brancheninitiativen wie dem Arbeitskreis „Green Shooting“ an. Dort wird seit einigen Jahren von Produktionsfirmen, Förderern, Sendern und Verbänden gemeinsam an ökologischen Prinzipien für die Branche gearbeitet. Somit werden also die Auftrag gebenden Sender und Plattformen ökologische Anforderungen an ihre Lieferanten, die Filmproduzent*innen, herantragen.

Die Filmförderung zieht nach

Und auch die staatlichen Fördermittel für Filmproduktionen werden absehbar an Umwelt-Kriterien gekoppelt. Dafür werden derzeit in Zusammenarbeit mit Experten ökologisch orientierte Standards entwickelt und in der Praxis getestet. Wer in Zukunft Filmförderung in Anspruch nehmen möchte, würde dann eine klimabewusste Arbeitsweise nachweisen müssen. In den nächsten Jahren wird somit in der deutschen Filmbranche der Weg zu klimafreundlichen Filmen und Serien Schritt für Schritt geebnet.

Wie beginne ich damit, meine nächste Filmproduktion klimafreundlich aufzusetzen?

Infos und Leitfäden online

Die beschriebenen Maßnahmen helfen dabei, die Herstellung einer Serie oder eines Films klimafreundlicher aufzusetzen. Das erfordert frühzeitige Planung, idealerweise ab dem Zeitpunkt des Schreibens. Weiteres Informationsmaterial und Leitfäden wurden im Arbeitskreis „Green Shooting“ und bei den regionalen Film Commissions zusammengetragen. Sie geben eine Handreichung für die Praxis und liefern außerdem wertvolle Dienstleisterlisten für die verschiedenen Drehregionen.

Green Consultants begleiten beratend

Sogenannte Green Consultants sind Experten auf dem Gebiet umweltschonender Herstellungsmethoden und begleiten Produktionsfirmen während der Projektlaufzeit. Seit kurzem gibt es in Deutschland Zertifizierungskurse für Green Consultants, da dieses Spezialwissen auch durch höhere Anforderungen in der öffentlichen Filmförderung jetzt stärker nachgefragt wird.

Langfristig nachhaltig arbeiten

Besser noch als der projektbezogene umweltbewusste Dreh ist die Erweiterung auf das gesamte Geschäftsmodell des produzierenden Unternehmens. Mit einem umfassend aufgesetzten Nachhaltigkeitskonzept lässt sich die Arbeitsweise einer Filmproduktionsfirma grundsätzlich strategisch auf Nachhaltigkeit in der ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimension ausgerichtet.  

Dadurch erhöhen sich Arbeitergeber-Attraktivität, Gesundheit und Motivation der Mitarbeitenden und letztlich auch die Produktivität. Einen Überblick geben wir in unserem Blogbeitrag „Der umfassende Leitfaden zum Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie“.

5. Fazit

Es gibt viele Ansatzpunkte bei einer Filmproduktion, klimafreundlich zu arbeiten und damit CO2 zu sparen. Diese reichen vom Drehbuch bis zur Postproduktion und bieten in den einzelnen Abteilungen durch gute Planung und alternative Materialien und Techniken großes Potential zur Reduktion negativer Umwelteinwirkung.

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit. 
Strategie, Controlling und Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit. 

Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern: 

info@plant-values.de

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FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Klimabilanz in Unternehmen

Sie haben Fragen zur Berechnung Ihres CO2-Fußabdrucks? Wir haben die Antworten. Herzlich Willkommen zu unseren FAQs zur Klimabilanz in Unternehmen.

Was heißt klimaneutral?

Klimaneutral wird synonym verwendet für CO2-neutral und bedeutet, dass wir als Einzelpersonen, als Organisation oder Stadt oder Region unterm Strich keine CO2e-Emissionen verursachen. 
Klimaneutral zu sein heißt nicht zwangsläufig, dass keine Emissionen emittiert werden. Vielmehr geht es bei Klimaneutralität oder CO2-Neutralität darum, die Emission von Treibhausgasen zu vermeiden und zu reduzieren und restliche nicht vermeidbare zu kompensieren.

Wie wird mein Unternehmen klimaneutral?

Dies geschieht durch Suffizienz-, Effizienz- und Effektivitätsmaßnahmen.
Neben den vermeidbaren Emissionen entstehen meist auch Emissionen, die nicht vermeidbar sind. Diese können kompensiert werden. Hier ist die Wahl eines wirkungsvollen und nachvollziehbaren Kompensationspartners und -projekts entscheidend. (lesen Sie hier mehr zu Kompensation)
Nach der Vermeidung, Reduktion und Kompensation ist das Unternehmen in Summe klimaneutral. 

Was bedeutet CO2e?

CO2e-Emissionen umfassen dabei alle relevanten Treibhausgase, also neben dem am häufigsten vorkommenden Kohlenstoffdioxid – knapp 90 % der in Deutschland verursachten Treibhausgase entfallen auf CO2 – auch andere wie Methan und Lachgas, die u.a. in der Landwirtschaft entstehen.
CO2 wird Synonym bzw. als Kurzbezeichnung für CO2e verwendet. Gemeint sind häufig übergreifend alle Treibhausgase.

Welche Schritte sind nötig hin zu einer Klimabilanz in Unternehmen?

Wenn der CO2-Fußabdruck gemessen werden soll, müssen gewisse organisatorische und strukturelle Prozessschritte erfolgen. Hier lesen Sie unseren Blogartikel für eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung einer Klimabilanz in Unternehmen. Kurz und knapp zusammengefasst sind die Schritte:
1. Konsens der Geschäftsführung zum Vorhaben und Ressourcen zur Verfügung stellen 
2. Interne Kommunikation des Vorhabens mit Möglichkeiten für Rückfragen und aktiver Beteiligung am Projekt
3. Verantwortliche*n oder / und Projektteam bestimmen
4. Standard festlegen, an dem sich der Prozess orientiert, z.B. DIN EN ISO 14064-1 oder Greenhouse Gas Protocol
5. Systemgrenzen für die Klimabilanz im Unternehmen definieren zur Eingrenzung des Vorhabens und der Datenerhebung, das sind:
Organisatorische Systemgrenzen, das heißt welche Standorte, Tochterfirmen, etc. bezieht das Unternehmen in die CO2-Bilanzierung ein?
Zeitliche Systemgrenze, d.h. in welchem Jahr und Zeitraum erhebe ich die Daten? 
Operationelle Systemgrenzen, d.h. welche Emissionskategorien sind wesentlich und muss ich demnach erheben? 

Wie aufwendig ist die Erstellung einer Klimabilanz in Unternehmen?

Wie viele personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen nötig sind, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dazu zählen die Größe des Unternehmens, die Komplexität der Wertschöpfungskette, die Einbeziehung von Standorten und die Existenz von Daten. 
Je nachdem ergibt sich, welche und wie viele Bereiche sowie Tochterunternehmen erfasst werden müssen. 

Wo verursacht mein Unternehmen CO2-Emissionen?

Die Messung der unternehmerischen CO2-Fußabdrucks, auch CO2-Bilanz oder Klimabilanz in Unternehmen genannt, zeigt, in welchen Bereichen am meisten Emissionen emittiert werden. 
Entsteht der Großteil meiner Emissionen durch meinen Fuhrpark, Geschäftsreisen oder die Mobilität der Mitarbeitenden? Durch den Stromverbrauch, Heizung und Kühlung? Oder lassen sich meine Hauptemissionen auf Logistik oder den Gebrauch oder die Entsorgung meines Produkts zurückführen? 
Die CO2-Bilanz zeigt, in welchen Bereichen das Unternehmen CO2e-Emissionen verursacht.

Wie komme ich an die Daten für die Klimabilanz in Unternehmen?

In der Regel haben Unternehmen zahlreiche, vor allem unternehmensinterne Daten bereits vorliegen – insbesondere dann, wenn bereits Zertifizierungen vorliegen, wie die DIN ISO 14001, Umweltmanagementsysteme im Unternehmen eingeführt wurden oder im Rahmen gesetzlicher Vorschriften Daten erhoben werden. Aber selbst Unternehmen ohne diese Voraussetzungen haben gute Chancen.  Jedes Unternehmen kann zum Beispiel durch Rechnungen des Energielieferanten, Messungen der Zählerstände oder Tankbelege einfach gewisse Verbrauchsdaten prüfen und in CO2-Äquivalente umrechnen.

Bei welcher Art von Unternehmen ist die Klimabilanz wie komplex?

Die Klimabilanzierung für ein Fertigungsunternehmen ist tendenziell aufwendiger und komplexer als die für ein Dienstleistungsunternehmen.
Ein Richtwert: Ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen mit 500 Mitarbeitenden an 5 Standorten kann eine Klimabilanz mithilfe ¼ Stelle über eine Zeitdauer von 3 Monaten anfertigen. Wird entsprechende Software eingekauft, kann der zeitliche und personelle Aufwand sogar verringert werden. 
Produzierende Unternehmen haben nicht selten komplexe Lieferketten für Rohstoffe, Zwischenfabrikate und ausdifferenzierte Herstellungsverfahren. Diese Faktoren machen eine Klimabilanzierung hier aufwendiger und komplexer.

Welche Möglichkeiten der Messung des CO2-Fußabdrucks gibt es? 

Prinzipiell unterscheiden sich Klimabilanz für Unternehmen und Klimabilanz für Produkte oder Produktlinien. 
Die Klimabilanz für Unternehmen bezeichnet man auch als Corporate Carbon Footprint (CCF). Der CCF zeigt, welche Emissionen beim Unternehmen insgesamt und in welchen Bereichen anfallen. Der CCF eignet sich hervorragend zur Identifikation von CO2- Vermeidungs- und Reduktionspotenzialen mit dem Ziel der Klimaneutralität des gesamten Unternehmens.
Die Klimabilanz für Produkte nennt man auch Product Carbon Footprint. Sie eignet sich dafür, ein Produkt und dessen Lieferkette nach Emissionen zu durchleuchten, die Emissionen zu berechnen mit dem Ziel, einzelne Produkte klimaneutral zu stellen. 

Besteht die Möglichkeit einer Analyse der CO2-Emissionen in der gesamten Lieferkette? 

Die Klimabilanz kann auch unter Einbezug der gesamten Lieferkette durchgeführt werden. Dabei werden dem Unternehmen vorgelagerte sowie nachgelagerte Wertschöpfungsschritte betrachtet. Vorgelagert sind zum Beispiel der Einkauf von Produkten, Dienstleistungen, Anlagegütern sowie Logistik. Nachgelagert sind zum Beispiel die Weiterverarbeitung, der Gebrauch und die Entsorgung des hergestellten Produkts.
Die Emissionen der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette werden in verschiedenen Kategorien in Scope 3 GHG Protocol erhoben. Dafür sind die Daten von Lieferanten erforderlich. Hier sollte genügend Zeit für die Datenbeschaffung eingeplant werden. 
Sind die Daten nicht verfügbar, helfen Schätzungen und Annahmen, um die CO2e-Emissionen zu berechnen.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Franziska Kramer
Themenbereiche: CO2-Bilanz, Nachhaltiger Tourismus

f.kramer@plant-values.de

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Klimaschutzprojekte – das Richtige richtig machen (Gastbeitrag von ClimatePartner)

Wenn Unternehmen für sich oder ihre Produkte Klimaneutralität erlangen wollen, müssen sie eine Reihe von inzwischen fest etablierten Schritten beachten: sie müssen ihre CO2-Emissionen berechnen, diese soweit wie möglich reduzieren und vermeiden und die noch unvermeidbaren Restemissionen über zertifizierte Klimaschutzprojekte ausgleichen. Dabei ist auch klar, dass Reduktion und Vermeidung stets die wichtigsten Etappen sind. Dennoch führt noch immer kein Weg daran vorbei, dass restliche Emissionen, die sich nicht weiter verringern lassen, ausgeglichen werden müssen. Doch was sollten Unternehmen hier beachten, wie lässt sich der Ausgleich von Emissionen wirkungsvoll und nachvollziehbar umsetzen?

Was bedeutet Klimaneutralität?

Damit Unternehmen und Produkte entsprechend der oben genannten Abfolge von Berechnung, Vermeidung und Ausgleich klimaneutral sind, müssen ihre unvermeidbaren CO2-Emissionen durch die Unterstützung international anerkannter Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. Dieser Prozess beruht auf dem Kyoto-Protokoll von 1997, hat auch unter dem Pariser Klimaschutzabkommen Bestand und ist bis heute im Wesentlichen unverändert. Er basiert auf der wissenschaftlichen Ableitung, dass Treibhausgase wie CO2 gleichmäßig in der Atmosphäre verteilt sind. Da unser Klima keine Grenzen kennt, ist es in der Tat egal, wo auf der Erde Treibhausgasemissionen erzeugt oder eingespart werden. Daher können Emissionen, die sich in einem Industrieland nicht vermeiden lassen, durch hauptsächlich in Entwicklungsländern angesiedelte Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden.

Zudem ist eine lokale anrechenbare Kompensation von Emissionen in Deutschland bis dato nicht möglich, da die Bundesregierung noch keinen Prozess zur Berücksichtigung von nationalen Emissionsminderungszertifikaten im deutschen Emissionsinventar definiert hat. 

Ein Zweck – unterschiedliche Technologien

Klimaschutzprojekte unterstützen Maßnahmen, mit denen der Ausstoß von Emissionen verringert wird und leisten einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der globalen Erwärmung. Dies kann durch Waldschutz, Aufforstung oder den Ausbau von erneuerbaren Energien erreicht werden. Darüber hinaus fördern Klimaschutzprojekte eine nachhaltige Entwicklung in den Regionen, in denen sie angesiedelt sind, zum Beispiel durch die Verbesserung der Versorgung mit sauberem Trinkwasser oder durch den Ausbau der lokalen Infrastruktur, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder den Erhalt der Artenvielfalt.

Unter den verschiedenen Maßnahmen zum Klimaschutz gewinnen solche, die sich auf den Schutz der Wälder konzentrieren, zunehmend an Bedeutung. Immer öfter wird dabei aber auch Kritik laut, wenn solche Projekte nicht sinnvoll aufgestellt oder glaubhaft überprüft sind, was schnell auch ihren grundsätzlichen Nutzen in Frage stellt. Daher ist es wichtig, dass solche Projekte strengen Prüfungen, regelmäßigen Auditierungen und qualitativen Zertifizierungen unterliegen.

Ein zentraler Mechanismus im Waldschutz ist REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation), der 2008 von den Vereinten Nationen initiiert wurde. REDD+ zielt darauf ab, CO2-Emissionen zu vermeiden, die mit der Abholzung von Wäldern verbunden sind. Statt aus dem Abholzen von Bäumen zu kommerziellen Zwecken Profit zu schlagen, wird der Waldschutz zu einem neuen Geschäftsmodell und verbessert zudem die Lebensbedingungen für die lokale Bevölkerung. Darüber hinaus trägt der Erhalt von Wäldern nicht nur zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei, sondern schützt auch Gewässer, stabilisiert Niederschlagssysteme und wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt und die lokalen Gemeinden aus.

Standards und Anforderungen

Eine der wichtigsten Anforderungen für Klimaschutzprojekte ist die der Zusätzlichkeit. Sie müssen daher auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein, um rentabel arbeiten oder würden überhaupt existieren zu können. Außerdem muss ihr Beitrag zur CO2-Reduktion in der Atmosphäre langfristig gewährleistet und klar messbar sein. Zudem dürfen die durch ein Projekt eingesparten CO2-Emissionen und generierten Zertifizierungen nur einmal zum Ausgleich anderer CO2-Emissionen verwendet werden. Die entsprechenden Zertifikate werden dann stillgelegt und können nicht erneut verkauft werden. Dies geschieht über die offiziellen Register der jeweiligen Standards.

Projekte müssen neben den oben genannten allgemeinen Anforderungen auch international anerkannte Standards erfüllen. Es gibt mehrere strenge Standards für die Zertifizierung und Verifizierung, z. B. den „Gold Standard“ oder den „Verified Carbon Standard“ (VCS). Die durch die Projekte erzielte Emissionsreduktion wird zudem von unabhängigen Dritten überwacht und jährlich rückwirkend verifiziert. Da es keinen Effizienzmaßstab für Klimaschutztechnologien gibt, ist es wichtig, transparent sichtbar zu machen, dass alle Klimaschutzprojekte, die die oben genannten Kriterien erfüllen, auf ihre eigene Art und Weise voll wirksam sind.

Will man also bei Projekten die unterschiedlichen Technologien in ihrer Wirksamkeit vergleichen und dabei das potenzielle Level der Emissionsminderung oder -reduzierung messen, sollten eher der Umfang eines Projekts als seine Technologie betrachtet werden. Zum Beispiel spart ein kleines Aufforstungs- oder Wiederaufforstungsprojekt weniger Emissionen pro Jahr ein, als ein großes Waldschutzprojekt vermeiden könnte. Dasselbe gilt für Projekte im Bereich erneuerbare Energien oder Energieeffizienz: Kleine Wasserkraftwerke können bis zu 10.000 tCO2e/Jahr einsparen, während große Wasserkraftwerke, Wind- oder Solarparks mehr als 200.000 tCO2e/Jahr einsparen können. Die Erfahrung zeigt, dass je größer ein Projekt ist, desto kosteneffizienter im Allgemeinen der Betrieb ist. Außerdem müssen wir neben den Auswirkungen der CO2-Einsparung oder -vermeidung auch die sozialen und ökologischen Auswirkungen eines Projekts betrachten. Je mehr Menschen erreicht werden können und je mehr Leben verbessert werden können, desto besser.

Diese Beispiele zeigen, dass die Bewertung und die Auswahl von Klimaschutzprojekten idealerweise aus mehreren Perspektiven erfolgen sollte. Was die offizielle Standardisierung und Zertifizierung betrifft, so gehört der Gold Standard zu den führenden Standards in Bezug auf die Qualität eines Klimaschutzprojekts. Er wurde unter Beteiligung des WWF und 40 weiterer NGOs entwickelt und stellt besonders strenge Anforderungen an die Zusätzlichkeit, die nachhaltige Entwicklung und die Einbindung der lokalen Bevölkerung. Allerdings sollte ein Projekt nicht allein nach seinem Standard bewertet werden. So müssen alle Projekte unter dem Verified Carbon Standard (VCS) die bereits oben genannten vier wesentlichen Kriterien für Klimaschutzprojekte erfüllen. Darüber hinaus leisten sie aber auch einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung für die lokale Bevölkerung und die Ökosysteme, insbesondere solche, die zusätzlich nach dem Climate, Community and Biodiversity Standard“ (CCBS) oder Social Carbon Standard zertifiziert sind.

Passend zu den Werten des Unternehmens

Es ist auch wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, welche Werte ein Unternehmen unterstreichen möchte, wenn es ein Klimaschutzprojekt unterstützt. Das kann eine Verbindung zwischen den Produkten eines Unternehmens (z.B. Bekleidung und Textilien), der Produktionsmethode (z.B. Landwirtschaft, Fischerei etc.) und den entsprechenden Gegenstücken auf der Projektseite sein. Je mehr ein Projekt an den Werten eines Unternehmens ausgerichtet ist, desto authentischer ist das Engagement und desto besser kann es nicht nur intern, sondern auch nach außen kommuniziert werden.

Das Gute zählen – die Wirkung messen

Um ein Projekt neu zu initiieren, müssen vor dem eigentlichen Projektstart viele administrative Aufgaben berücksichtigt werden. Dazu gehört die Erstellung eines so genannten Project Design Document (PDD), das die detaillierte Berechnung von Emissionsreduktionen und Nachhaltigkeitswirkungen beinhaltet. Außerdem müssen vor Ort Partnerorganisationen eingebunden werden, Kooperationsverträge ausgehandelt werden, der Standard zur Durchführung des Projekts definiert werden, und vieles mehr. Zwischen der ersten Projektidee und der ersten Ausgabe von Emissionsgutschriften ist daher ein Zeitraum von durchschnittlich fünf Jahren einzuplanen.

Ein weltweit anerkannter Maßstab, mit dem sich die Wirkung von Projekten messen lässt, sind die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs). Sie reichen von der Bekämpfung von Armut und Hunger über die Verbesserung von Bildung oder die Schaffung von Arbeitsplätzen bis hin zur Verbreitung von sauberer und bezahlbarer Energie.

Die in einem Projekt erzielten tatsächlichen Emissionsreduktionen müssen darüber hinaus ständig überwacht und regelmäßig von unabhängigen Dritten, wie TÜV, SGS etc. verifiziert werden. Erst nach dieser Verifizierung dürfen die Emissionsminderungszertifikate ausgestellt und auf dem Markt verkauft werden. Die Überwachungs- und Verifizierungsberichte werden auf den Websites der öffentlichen Register veröffentlicht. Inzwischen zertifizieren der Gold Standard oder Verra (für VCS-Projekte) auch die SDG-bezogenen Wirkungen, so dass z.B. auch Zertifikate für Gesundheitsgutschriften erworben werden können.

Fazit

Die Initiierung und die Durchführung von Klimaschutzprojekten, in denen eine sinnvolle Arbeit messbare Ergebnisse für den Klimaschutz und die Erreichung der SDGs erbringt, bedarf höchster Sorgfalt, viel Erfahrung und Wissen sowie gute Kontakte zwischen den Organisatoren hier und den Partnern vor Ort. Für Unternehmen, die den Weg der Klimaneutralität gehen wollen, ist daher die sorgfältige Wahl entsprechender Partner von besonderer Bedeutung.

Sie müssen darüber hinaus aber auch verstehen, dass die durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten erlangte Klimaneutralität lediglich ein Baustein sein kann hin zu umfassender Emissions-Reduktion und -Vermeidung. Immerhin: die hiermit begonnenen Schritte führen genau in diese Richtung.

Über ClimatePartner

ClimatePartner bietet Unternehmen Lösungen für Klimaschutz und ermöglicht so, dass Produkte und ganze Unternehmen klimaneutral werden. Das Team aus über 200 Mitarbeitenden weltweit hilft, CO2-Emissionen zu berechnen und zu reduzieren, Klimaschutzstrategien umzusetzen und CO2-Emissionen durch Klimaschutzprojekte auszugleichen.

Bildquelle Titelbild: climatepartner.com/1057

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3 Schritte zu einer CO2-Bilanz im Unternehmen

Viele Unternehmen fragen sich, wie sie ihre Klimawirkung messen und eine CO2-Bilanz erstellen können. Tatsächlich kann dies zu einer Herausforderung werden, sind Daten nicht erfasst und das Know-How nicht vorhanden. Überforderung und Komplexität von Aufgaben und Unternehmen verleiten schnell dazu, die erste Motivation versanden zu lassen.

Die gute Nachricht ist: In diesem Blogbeitrag zeigen wir eine Struktur, mit der es jedes Unternehmen schafft, eine CO2-Bilanz zu erstellen. Herzlich Willkommen zu unserer Schritt-bei-Schritt-Anleitung für den Fußabdruck eines Unternehmens.

Inhalt:

  1. Die CO2 -Bilanz im Unternehmen vorbereiten
  2. Systemgrenzen für die CO2-Bilanz im Unternehmen definieren
  3. Erhebung und Berechnung der Daten

1.  Die CO2-Bilanz im Unternehmen vorbereiten

Wie schafft man gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche CO2-Bilanzierung?

Nachhaltigkeit als Thema im Unternehmen starten

Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche CO2-Bilanz in Unternehmen ist, dass Klimaschutz oder gar Nachhaltigkeit bereits ein Thema sind. Dies setzt eine Kommunikation nach innen (und ggf. sogar nach außen) voraus. So kann Akzeptanz gegenüber diesbezüglichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten geschaffen werden. Zusätzlich entsteht das Bewusstsein zu nachhaltiger Entwicklung im Unternehmen. Im nächsten Schritt steht dann Motivation und Training auf der Tagesordnung: Jede Aktivität, jede Maßnahme, jedes Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn es Menschen gibt, die motiviert und fähig sind, diese umzusetzen. Wie man Mitarbeitende für Nachhaltigkeit sensibilisiert und befähigt, schreiben wir in einem neuen Blogartikel im Mai 2021.

Wettbewerber und Kundenanforderungen überprüfen

Spannend ist es darüber hinaus Wettbewerber auf deren Klimaaktivitäten zu untersuchen, um zu verstehen, wo sich das eigene Unternehmen im Vergleich zum Benchmark bezüglich Klimaschutz positioniert. Abhilfe schaffen kann eine einfache Ja-Nein-Beurteilung:

Checkliste:

  • Einzelmaßnahmen zu Klimaschutz
  • Klimastrategie oder
  • Klimabericht oder CO2-Bilanz

Darüber hinaus gilt es Kundenanforderungen zu überprüfen, zum Beispiel dahingehend, ob Kund*innen klimarelevante Daten nachfragen oder gar obligatorisch fordern.

Risikoanalyse als Entscheidungsgrundlage für die Messung des CO2-Fußabdrucks

Eine gute Vorarbeit vor Erstellung einer CO2-Bilanz in Unternehmen kann außerdem eine Risikoanalyse sein. Welche Klimarisiken und -potenziale bestehen für das Unternehmen und welche potenziellen können entstehen? Welche Folgen haben die Risiken für das Unternehmen? Ist mit einer lokalen oder globalen und mit einer kurz- oder langfristigen Wirkung zu rechnen? Die Risikoanalyse kann ohne großen Aufwand mithilfe von einfachen Matrizen durchgeführt werden. Sie kategorisieren die Risiken in zum Beispiel physische Risiken, wie die Bedrohung der globalen Lieferkette durch Extremwetterereignisse, oder regulatorische Risiken, wie die Verschärfung der EU-Emissionshandel-Regularien, nach Kriterien, wie Dauer der Wirkung, Lokalität der Wirkung, Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit des Risikos. Die Risikoanalyse kann also Transparenz schaffen über die Notwendigkeit, die Gründe und die Ziele für eine CO2-Bilanzierung. Darüber hinaus gibt sie erste Hinweise, in welchen Bereichen des Unternehmens ggf. besonders hohe Risiken oder Potenziale liegen, welche es in den Scopes zu berücksichtigen gilt.

Best Practice: Einfache Risikoanalyse-Matrize zur Vorbereitung einer erfolgreichen CO2-Bilanz im Unternehmen

Legitimation und Konsens der Geschäftsführung

Weitere wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Erstellung einer CO2-Bilanz in Unternehmen wie für jede andere Maßnahme auch ist die (ökonomische) Legitimation. Ohne das Go des Managements geraten noch so engagierte Bestrebungen ins Stocken. Der Aufwand muss einem Nutzen gegenüberstehen. Gerade bei kleineren Unternehmen ist eine CO2-Bilanzierung nur praktikabel, wenn diese mit vertretbarem Aufwand durchführbar ist. Daher ist es sinnvoll zu hinterfragen, wieso und inwieweit der Fußabdruck gemessen werden soll. Warum macht eine CO2-Bilanzierung Sinn und steht sie in einem angemessenen Aufwand-Nutzen-Verhältnis? Wenn die Ziele einer CO2-Bilanz im Unternehmen klar sind, wird der erhoffte Nutzen klar und kann gegen den Aufwand abgewogen werden.

Ziele der CO2-Bilanz im Unternehmen identifizieren

Die Ziele ergeben sich aus den Analysen von Wettbewerb, Kundenanforderungen und Risiken, denn die Analysen zeigen, wie wichtig oder gar obligatorisch eine CO2-Bilanz für das Unternehmen ist. Dient der Fußabdruck eher der internen Steuerung oder dem externen Wettbewerb? Ist die Berechnung intrinsisch oder extrinsisch motiviert? Verlangen Gesetzesgrundlagen oder Kund*innen eine CO2-Bilanz, ist schnell klar, dass diese obligatorisch und aus extrinsischen Gründen durchzuführen ist . Intrinsische Ziele können sein, die eigenen Emissionen zu analysieren und zu reduzieren und zur Erreichung der globalen Klimaziele 2030 beizutragen.

Prozessstandard für eine CO2-Bilanz im Unternehmen festlegen

Hat das Unternehmen die Entscheidung zur Erstellung einer CO2-Bilanz getroffen, ist zu überlegen, ob bzw. welcher offizielle Standard zur Berechnung des Fußabdrucks angewendet werden soll. Für nicht berichtspflichtige Unternehmen ist dies nicht obligatorisch und die Berechnung kann ohne einen Standard erfolgen. Es hat jedoch Vorteile, wie die Glaubwürdigkeit und Transparenz für Kunden, Investoren und andere Stakeholder, aber auch die Kompatibilität und Vergleichbarkeit mit dem Benchmark. Daher ist selbst bei kleinen, nicht berichtspflichtigen Unternehmen die Anwendung eines offiziellen Standards zu empfehlen.  International anerkannt ist beispielsweise das Greenhouse Gas Protocol. Auch die DIN EN ISO 14064 ist ein anerkannter Standard zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks. Nach dieser können Unternehmen ihre Berechnung durchführen und durch den TÜV prüfen und zertifizieren lassen.

Vorhaben kommunizieren

Wir empfehlen, das Vorhaben eine CO2-Bilanz im Unternehmen zu erstellen intern zu kommunizieren. Dies bedarf keinem großen Prozess. Es reicht z.B. ein kurzer Zeit-Slot in einem Company-Meeting oder die Kommunikation mittels Mail oder Newsletter. Die Vorteile sind offensichtlich: Die Mitarbeitenden fühlen sich eingebunden und haben die Möglichkeit zu kritischen Rückfragen. Die erhöht die Akzeptanz und Motivation der Unterstützung im CO2-Bilanzierungs-Prozess. Das ist insbesondere bei der Datensammlung und -erhebung von Vorteil, in welche häufig mehrere Mitarbeitende involviert sind.

Je nach Umfang kann das Unternehmen das Vorhaben (später) auch extern kommunizieren, z.B. mittels Erklärung für den Klimaschutz oder Verankerung im Leitbild des Unternehmens.

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2.  Systemgrenzen für die CO2-Bilanz im Unternehmen definieren

Welche sind die Systemgrenzen, innerhalb derer das Unternehmen die Emissionen messen sollte?

Systemgrenzen verstehen 

Doch was heißt es nun, Emissionen zu erheben? Welche Bereiche im Unternehmen sollen in der CO2-Bilanz betrachtet werden, zu welchem Zeitpunkt und bis zu welchem Grad sollen welche Emissionen einbezogen werden? Wo liegen also die Grenzen, die sogenannten Systemgrenzen? Mit Systemgrenze ist gemeint, welche Bereiche des Unternehmens und der Wertschöpfungskette in die Bilanzierung einbezogen werden sollen und welche nicht. So kann z.B. festgelegt werden, dass nur eine von drei Rohstofflieferketten einbezogen wird, weil dort wahrscheinlich die meisten Emissionen entstehen.

Es ist unabdingbar Systemgrenzen festzulegen, um nicht in einem Chaos der Datenerfassung und -auswertung zu enden. Systemgrenzen sind zeitlicher, organisatorischer und operationeller Natur.

Übersicht der Systemgrenzen für die CO2-Bilanz eines Unternehmens als Beispiel. (eigene Darstellung (c)plant values)

Zeitliche Systemgrenze festlegen = Basisjahr

Der Zeitraum legt fest, für wann die Emissionen erhoben werden sollen. Meist werden die Emissionen für den Zeitraum von einem Jahr erhoben und dann mit den Folgejahren verglichen. Bei einer Erhebung über viele Folgejahre hinweg ist auch ein rollender Durchschnitt möglich. Wichtig ist, ein Basisjahr für die CO2-Bilanz im Unternehmen festzulegen. Dafür sollte das Unternehmen ein möglichst normales, durchschnittliches Jahr wählen ohne außergewöhnliche Geschäftsereignisse oder größere Störungen im Geschäftsablauf (wie Corona, Fusionen, Verkauf von Geschäftssparten).

Organisatorische Systemgrenzen bestimmen = Standorte

Welche Standorte und Tochterfirmen sollte das Unternehmen in die CO2-Bilanz einbeziehen? Bei kleineren Unternehmen mit einfachen Besitzverhältnissen ist diese Systemgrenze einfach festzulegen. Komplexer gestaltet sich die Beantwortung der Frage bei größeren Unternehmen mit vielen Standorten und differenzierten Rechtsformen und Besitzverhältnissen. Hier ist zu entscheiden, inwieweit die Emissionen der bestimmten Standorte prozentual in die CO2-Bilanzierung einbezogen werden. Dazu wählen entweder den Equity share approach, den Financial control approach oder den Operational Control approach. (mehr dazu im Greenhouse Gas Protocol A Corporate Accounting and Reporting Standard)

Operationelle Systemgrenzen definieren = Emissionskategorien

Operationelle Systemgrenzen verstehen

Die operationellen Systemgrenzen werden im Greenhouse Gas Protocol definiert. Üblicherweise werden die Emissionen in die Scopes 1, 2 und 3 unterteilt. Im Folgenden stellen wir die Scopes vor, um sie greifbar und verständlich zu machen:

  1. Scope 1 (obligatorisch): Direkte Emissionen aus Quellen, die direkt vom Unternehmen kontrolliert werden:
    • Verbrennung in stationären Anlagen (z.B. Heizanlagen)
    • Mobile Verbrennung (z.B. Fuhrpark)
    • Leckagen (z.B. Klimaanlagen)
  2. Scope 2 (obligatorisch): Indirekte Emissionen, die aus der Verbrennung für die Bereitstellung von Strom, Wärme oder Dampf resultieren.
  3. Scope 3 (optional): Emissionen, die das Unternehmen verursacht, die das Unternehmen aber nicht kontrolliert, z.B.
    • Vorgelagerte Wertschöpfungskette, wie eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Mitarbeitermobilität oder Abfallaufkommen
    • Nachgelagerte Wertschöpfungskette, wie Transporte, Gebrauch, Weiterverarbeitung und Entsorgung verkaufter Produkte
Einteilung der Emissionen nach Scopes (eigene Darstellung, angelehnt an das Greenhouse Gas Protocol)
Operationelle Systemgrenzen: Verpflichtende und freiwillige Berechnung

Scope 1 und Scope 2 sind obligatorisch zu berichten laut Greenhouse Gas Protocol, es sei denn es entstehen keine oder nur verschwindend geringe Emissionen in diesen Kategorien (In diesem Falle ist dies bestenfalls zu begründen). Darüber hinaus sind die Kategorien in Scope 3 nicht verpflichtend zu berichten. Hier ist es wichtig zu überlegen, welche Kategorien sinnvoll mit in die CO2-Bilanz im Unternehmen einbezogen werden sollten. Am besten wägt das Unternehmen diese Entscheidung danach ab, welche Emissionen es in welchen Bereichen erwartet und welchem Aufwand der Datenbeschaffung diese gegenüberstehen. Konkret heißt das, dass Kategorien mit hohen Emissionen und damit hoher Relevanz einbezogen werden sollten.

Operationelle Systemgrenzen: Emissionsschwerpunkte in Scope 3 identifizieren

Es ist also wichtig, eine kurze qualitative Einschätzung über die Emissionsschwerpunkte des Unternehmens zu treffen. (s. Abb.) Wo fallen die meisten Emissionen an? Aus den Emissionsschwerpunkten leitet sich ab, welche Kategorien bilanziert werden sollten. Werden hohe Emissionen erwartet, sind diese Kategorien in der CO2-Bilanz im Unternehmen zu berechnen. So zum Beispiel fallen die Emissionsschwerpunkte eines Online-Shops in Scope 3 in die vor- und nachgelagerte Logistik (3.4; 3.9) und in Leasing von Serverinfrastruktur (3.8), während sie bei einem Beratungsunternehmen vermutlich in Geschäftsreisen (3.6) und Mobilität der Mitarbeitenden (3.7) liegen.

Kategorien mit erwartet geringen Emissionen brauchen nicht berücksichtigt werden bzw. sind optional.

Tipp: Im ersten Jahr ist die Datenbeschaffung mit viel Aufwand verbunden, deswegen sollte man sich auf die wichtigsten (organisatorischen und operationellen) Kategorien beschränken und die CO2-Bilanzierung schrittweise in den Folgejahren erweitern.

Best Practice: Erste qualitative Bewertung der Emissionsschwerpunkte im Unternehmen (eigene Darstellung (c)plant values)

Vorhaben organisatorisch verankern

Nun hat das Unternehmen die Systemgrenzen für die CO2-Bilanz festgelegt. Anhand dessen kann grob abgeschätzt werden, mit wieviel personellem und zeitlichem Aufwand zu rechnen ist. Wird die Bilanzierung erstmalig durchgeführt und nur ein Hauptstandort einbezogen sowie auf die wichtigsten Scopes begrenzt, kann selbst in einem mittelständischen Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden ¼  Stelle über eine Zeitdauer von 3 Monaten ausreichend sein. In jedem Falle sollte ein*e Koordinator*in diese Stelle innehaben und verantwortlich für die Datenbeschaffung und -erfassung sein. Bei größeren Unternehmen mit ausdifferenzierten Rechts- und Eigentumsverhältnissen und Bilanzierungen vieler Kategorien ist mit höherem Aufwand zu rechnen. Hier kann neben eine*r Koordinator*in ein kleines Projektteam ernannt werden. In jedem Falle ist es ratsam, den Prozess bei einer verantwortlichen Person oder Abteilung zu verorten, um einen reibungsfreien Ablauf zu garantieren.

3. Erhebung und Berechnung der Daten

Welche Daten müssen erfasst und in CO2-Äquivalente umgerechnet werden?

Vorhandene Daten für die Messung des CO2-Fußabdrucks nutzen

Die festgelegten Systemgrenzen, in denen Emissionen gemessen werden sollen, zeigen, welche Aktivitäts- bzw. Emissionsdaten erhoben werden müssen. Liegen keine direkten Emissionsdaten vor, können diese aus den Aktivitätsdaten berechnet werden. Teils geschieht das durch einfache Umrechnung, teils müssen Annahmen oder Schätzungen getroffen werden. Dabei muss das Rad nicht unbedingt neu erfunden werden. Welche Daten liegen bereits durch bestehende Managementsysteme, Controlling oder Tools vor? Sogar ganz einfache Datenquellen, wie Rechnungen von Energielieferanten, liefern wichtige Daten. Die folgende Liste hilft dabei, einen Überblick zu bekommen, in welchen Systemen im Unternehmen bereits Daten zur Erstellung der CO2-Bilanz vorliegen können.

Datenquellen zur Berechnung von CO2-Emissionen

  • Controlling-Tools
  • Managementsysteme
    • z.B. zur Buchung von Geschäftsreisen
  • Rechnungen
    • z.B. von Energielieferanten
  • Zertifizierungen bzw. spezifische Managementsysteme
    • DIN EN ISO 14001, 9001, 16001, 50001
    • EMAS
    • CDP
    • Ökoprofit
  • Beratungsleistungen
    • Energieberatung
  • Projektbeteiligung
    • LEEN – 30 Pilotnetzwerke
    • B.E.E. – Betriebliches Energie-Effizienz-Programm
    • Sonstige
  • Teilnahme am Emissionshandel – In dem Falle liegen CO2-Werte aus emissionshandelspflichtigen Anlagen bereits vor.

Daten für den CO2-Fußabdruck erfassen und dokumentieren

Die Koordinator*in ist nun verantwortlich dafür die Daten von den unterschiedlichen Abteilungen und Ansprechpartnern zusammenzutragen. Es ist äußerst hilfreich dafür ein einheitliches Tool zu verwenden. Dies kann auch eine einfache Excel-Tabelle sein. Hier werden dann die jeweiligen Scopes bzw. Emissionskategorien, die Datenquelle, aus der die Daten entstammen, die Ansprechpartner bzw. angefragte Abteilung und die Datenqualität, also ob die Daten auf einer Messung, Berechnung oder Schätzung basieren, erfasst.

So zum Beispiel können Unternehmen die Daten für Scope 2.1 „Emissionen aus gekauftem Strom“ erfassen:

Best Practice: Einfache Datenerfassung in Excel für die CO2-Bilanz in Unternehmen

Qualität der CO2-Bilanz im Unternehmen garantieren

Die Erfassung und Berechnung der Daten für die CO2-Bilanz im Unternehmen orientieren sich an den Prinzipien der Relevanz, Konsistenz, Genauigkeit, Transparenz und Vollständigkeit. Erfahrungsgemäß sind jedoch nicht alle Daten in entsprechender Qualität vorhanden. So zum Beispiel liegen bei Scope 3.6 Geschäftsreisen häufig nur die Reisekostenabrechnungen vor, ohne dass Streckenkilometer aufgeschlüsselt sind. Es ist gängige Praxis, die Kosten- bzw. finanziellen Aktivitätsdaten mittels Annahmen und Schätzungen in Emissionsdaten umzurechnen (z.B. Bahnkosten insgesamt / Durchschnittskosten pro Bahnfahrt * Emissionsfaktor pro Bahnfahrt). In diesem Falle ist die Bilanzierung zwar vollständiger, jedoch auch ungenauer. Das Zusammentragen der Daten dient also auch dazu, Datenlücken zu identifizieren und zu schließen und somit eine hohe Konformität mit den Berichtsprinzipien zu erreichen.

CO2-Daten berechnen

Sind die Aktivitätsdaten erfasst, z.B. der Strom in kWh, werden diese in CO2-Äquivalente umgerechnet. Am einfachsten und schnellsten erfolgt diese Umrechnung mittels offiziellen Emissionsfaktoren. In diesen ist bereits die Klimawirksamkeit der verschiedenen Klimagase (Global Warming Potentials) berücksichtigt und eine eigene, weitaus kompliziertere Berechnung ist nicht nötig.

Emissionsfaktoren festlegen

Beim Strom zum Beispiel kann man den Emissionsfaktor des Strommix der Stromrechnung entnehmen, den der Stromlieferant gemäß §42 EnWG die Menge an CO2 in Gramm bzw. Kilogramm pro Kilowattstunde ausweisen muss.

Bei anderen Kategorien, wie z.B. Scope 3.6 Geschäftsreisen, können wissenschaftlich errechnete Emissionsfaktoren zur Anwendung kommen. Im deutschen Markt gängige und anerkannte Datenbanken für Emissionsfaktoren sind beispielsweise GEMIS, die IPCC Leitlinien und ProBas. Für die Berechnung von Scope 1.3 Emissionen flüchtiger Gase aus beispielsweise Klimaanlagen eignen sich die Tools des Greenhouse Gas Protocol.

Für Mobilitätsdaten in Scope 1.2 Fuhrpark und Scope 3.6 Geschäftsreisen, wie die Umrechnung von gefahrenen Bahnkilometern in CO2-Äquivalente, eignet sich auch das mobitool (ecoinvent) hervorragend.

CO2-Bilanz im Unternehmen kontinuierlich fortführen und erweitern

Für die erfolgreiche Fortführung des erlangten Wissens, ist es sinnvoll eine Dokumentation der Erhebung, insbesondere über Schätzungen und Annahmen, durchzuführen. Dies ist ganz im Sinne der Greenhouse-Gas-Protocol-Prinzipien, die unter anderem eine Konsistenz für die Berechnung des Corporate Carbon Footprints vorsehen. Sind die Grenzen einmal festgelegt, sollten nachfolgende Erhebungen dieselben Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen aufzeigen. Ändert sich z.B. aufgrund von Erweiterung der Bilanzierung unter Einbezug weiterer (wesentlicher) Emissionskategorien oder aufgrund von besserer Datenqualität die Berechnungsmethodik, sollte das Unternehmen auch das Basisjahr neu berechnen wenn möglich (wenn nicht, bedarf es einer Erklärung). Dies bedient gleichermaßen die Forderung eines transparenten, genauen und konsistenten Zeitvergleichs bei den CO2e-Emissionen als auch zwischen Standorten.

Fazit

Die CO2-Bilanz fasst die Emissionen eines Unternehmens zusammen. Es gibt viele Wege und Möglichkeiten eine CO2-Bilanzierung durchzuführen. Um erfolgreich zum Ziel zu gelangen, empfehlen wir im 1. Schritt die CO2-Bilanzierung gut vorzubereiten, indem das Unternehmen Ziele identifiziert und das Vorhaben intern kommuniziert. Im 2. Schritt definiert das Unternehmen die Systemgrenzen für die Messung des CO2-Fußabdrucks. Dies hilft einer reibungsfreien, transparenten und glaubwürdigen Abfolge des Prozesses. Im 3. Schritt erfolgt die Erhebung und Berechnung der Daten. Hierbei dürfen nebst Messungen und Hilfsmitteln wie Emissionsfaktoren auch Schätzungen und Annahmen zurate gezogen werden. Eine Dokumentation dieser (Daten, Datenquellen, Annahmen, Schätzungen, Emissionsfaktoren) ist unbedingt ratsam, um die Konsistenz der Berechnungen auch in den Folgejahren zu gewährleisten. Im Resultat zeigt die CO2-Bilanz, in welchen Unternehmensbereichen die meisten Treibhausgase entstehen. Somit deckt die CO2-Bilanz im Unternehmen Potenziale zur Minimierung der Klimawirkung auf und ist somit wichtigste Grundlage für Geschäftsentscheidungen in Bezug auf Klimaschutz.

Synonyme für CO2-Bilanz eines Unternehmens (oder als Prozess CO2-Bilanzierung) sind Klimabilanz, CO2-Fußabdruck eines Unternehmens oder Corporate Carbon Footprint.

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Franziska Kramer
Themenbereiche: CO2-Bilanz, Nachhaltiger Tourismus

f.kramer@plant-values.de

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