Kategorien
Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

3 Schritte zu einer CO2-Bilanz im Unternehmen

Viele Unternehmen fragen sich, wie sie ihre Klimawirkung messen und eine CO2-Bilanz erstellen können. Tatsächlich kann dies zu einer Herausforderung werden, sind Daten nicht erfasst und das Know-How nicht vorhanden. Überforderung und Komplexität von Aufgaben und Unternehmen verleiten schnell dazu, die erste Motivation versanden zu lassen.

Die gute Nachricht ist: In diesem Blogbeitrag zeigen wir eine Struktur, mit der es jedes Unternehmen schafft, eine CO2-Bilanz zu erstellen. Herzlich Willkommen zu unserer Schritt-bei-Schritt-Anleitung für den Fußabdruck eines Unternehmens.

Inhalt:

  1. Die CO2 -Bilanz im Unternehmen vorbereiten
  2. Systemgrenzen für die CO2-Bilanz im Unternehmen definieren
  3. Erhebung und Berechnung der Daten

1.  Die CO2-Bilanz im Unternehmen vorbereiten

Wie schafft man gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche CO2-Bilanzierung?

Nachhaltigkeit als Thema im Unternehmen starten

Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche CO2-Bilanz in Unternehmen ist, dass Klimaschutz oder gar Nachhaltigkeit bereits ein Thema sind. Dies setzt eine Kommunikation nach innen (und ggf. sogar nach außen) voraus. So kann Akzeptanz gegenüber diesbezüglichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten geschaffen werden. Zusätzlich entsteht das Bewusstsein zu nachhaltiger Entwicklung im Unternehmen. Im nächsten Schritt steht dann Motivation und Training auf der Tagesordnung: Jede Aktivität, jede Maßnahme, jedes Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn es Menschen gibt, die motiviert und fähig sind, diese umzusetzen. Wie man Mitarbeitende für Nachhaltigkeit sensibilisiert und befähigt, schreiben wir in einem neuen Blogartikel im Mai 2021.

Wettbewerber und Kundenanforderungen überprüfen

Spannend ist es darüber hinaus Wettbewerber auf deren Klimaaktivitäten zu untersuchen, um zu verstehen, wo sich das eigene Unternehmen im Vergleich zum Benchmark bezüglich Klimaschutz positioniert. Abhilfe schaffen kann eine einfache Ja-Nein-Beurteilung:

Checkliste:

  • Einzelmaßnahmen zu Klimaschutz
  • Klimastrategie oder
  • Klimabericht oder CO2-Bilanz

Darüber hinaus gilt es Kundenanforderungen zu überprüfen, zum Beispiel dahingehend, ob Kund*innen klimarelevante Daten nachfragen oder gar obligatorisch fordern.

Risikoanalyse als Entscheidungsgrundlage für die Messung des CO2-Fußabdrucks

Eine gute Vorarbeit vor Erstellung einer CO2-Bilanz in Unternehmen kann außerdem eine Risikoanalyse sein. Welche Klimarisiken und -potenziale bestehen für das Unternehmen und welche potenziellen können entstehen? Welche Folgen haben die Risiken für das Unternehmen? Ist mit einer lokalen oder globalen und mit einer kurz- oder langfristigen Wirkung zu rechnen? Die Risikoanalyse kann ohne großen Aufwand mithilfe von einfachen Matrizen durchgeführt werden. Sie kategorisieren die Risiken in zum Beispiel physische Risiken, wie die Bedrohung der globalen Lieferkette durch Extremwetterereignisse, oder regulatorische Risiken, wie die Verschärfung der EU-Emissionshandel-Regularien, nach Kriterien, wie Dauer der Wirkung, Lokalität der Wirkung, Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit des Risikos. Die Risikoanalyse kann also Transparenz schaffen über die Notwendigkeit, die Gründe und die Ziele für eine CO2-Bilanzierung. Darüber hinaus gibt sie erste Hinweise, in welchen Bereichen des Unternehmens ggf. besonders hohe Risiken oder Potenziale liegen, welche es in den Scopes zu berücksichtigen gilt.

Best Practice: einfache Risikoanalyse-Matrize zur Vorbereitung einer erfolgreichen CO2-Bilanz im Unternehmen

Legitimation und Konsens der Geschäftsführung

Weitere wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Erstellung einer CO2-Bilanz in Unternehmen wie für jede andere Maßnahme auch ist die (ökonomische) Legitimation. Ohne das Go des Managements geraten noch so engagierte Bestrebungen ins Stocken. Der Aufwand muss einem Nutzen gegenüberstehen. Gerade bei kleineren Unternehmen ist eine CO2-Bilanzierung nur praktikabel, wenn diese mit vertretbarem Aufwand durchführbar ist. Daher ist es sinnvoll zu hinterfragen, wieso und inwieweit der Fußabdruck gemessen werden soll. Warum macht eine CO2-Bilanzierung Sinn und steht sie in einem angemessenen Aufwand-Nutzen-Verhältnis? Wenn die Ziele einer CO2-Bilanz im Unternehmen klar sind, wird der erhoffte Nutzen klar und kann gegen den Aufwand abgewogen werden.

Ziele der CO2-Bilanz im Unternehmen identifizieren

Die Ziele ergeben sich aus den Analysen von Wettbewerb, Kundenanforderungen und Risiken, denn die Analysen zeigen, wie wichtig oder gar obligatorisch eine CO2-Bilanz für das Unternehmen ist. Dient der Fußabdruck eher der internen Steuerung oder dem externen Wettbewerb? Ist die Berechnung intrinsisch oder extrinsisch motiviert? Verlangen Gesetzesgrundlagen oder Kund*innen eine CO2-Bilanz, ist schnell klar, dass diese obligatorisch und aus extrinsischen Gründen durchzuführen ist . Intrinsische Ziele können sein, die eigenen Emissionen zu analysieren und zu reduzieren und zur Erreichung der globalen Klimaziele 2030 beizutragen.

Prozessstandard für eine CO2-Bilanz im Unternehmen festlegen

Hat das Unternehmen die Entscheidung zur Erstellung einer CO2-Bilanz getroffen, ist zu überlegen, ob bzw. welcher offizielle Standard zur Berechnung des Fußabdrucks angewendet werden soll. Für nicht berichtspflichtige Unternehmen ist dies nicht obligatorisch und die Berechnung kann ohne einen Standard erfolgen. Es hat jedoch Vorteile, wie die Glaubwürdigkeit und Transparenz für Kunden, Investoren und andere Stakeholder, aber auch die Kompatibilität und Vergleichbarkeit mit dem Benchmark. Daher ist selbst bei kleinen, nicht berichtspflichtigen Unternehmen die Anwendung eines offiziellen Standards zu empfehlen.  International anerkannt ist beispielsweise das Greenhouse Gas Protocol. Auch die DIN EN ISO 14064 ist ein anerkannter Standard zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks. Nach dieser können Unternehmen ihre Berechnung durchführen und durch den TÜV prüfen und zertifizieren lassen.

Vorhaben kommunizieren

Wir empfehlen, das Vorhaben eine CO2-Bilanz im Unternehmen zu erstellen intern zu kommunizieren. Dies bedarf keinem großen Prozess. Es reicht z.B. ein kurzer Zeit-Slot in einem Company-Meeting oder die Kommunikation mittels Mail oder Newsletter. Die Vorteile sind offensichtlich: Die Mitarbeitenden fühlen sich eingebunden und haben die Möglichkeit zu kritischen Rückfragen. Die erhöht die Akzeptanz und Motivation der Unterstützung im CO2-Bilanzierungs-Prozess. Das ist insbesondere bei der Datensammlung und -erhebung von Vorteil, in welche häufig mehrere Mitarbeitende involviert sind.

Je nach Umfang kann das Unternehmen das Vorhaben (später) auch extern kommunizieren, z.B. mittels Erklärung für den Klimaschutz oder Verankerung im Leitbild des Unternehmens.

2.  Systemgrenzen für die CO2-Bilanz im Unternehmen definieren

Welche sind die Systemgrenzen, innerhalb derer das Unternehmen die Emissionen messen sollte?

Systemgrenzen verstehen 

Doch was heißt es nun, Emissionen zu erheben? Welche Bereiche im Unternehmen sollen in der CO2-Bilanz betrachtet werden, zu welchem Zeitpunkt und bis zu welchem Grad sollen welche Emissionen einbezogen werden? Wo liegen also die Grenzen, die sogenannten Systemgrenzen? Mit Systemgrenze ist gemeint, welche Bereiche des Unternehmens und der Wertschöpfungskette in die Bilanzierung einbezogen werden sollen und welche nicht. So kann z.B. festgelegt werden, dass nur eine von drei Rohstofflieferketten einbezogen wird, weil dort wahrscheinlich die meisten Emissionen entstehen.

Es ist unabdingbar Systemgrenzen festzulegen, um nicht in einem Chaos der Datenerfassung und -auswertung zu enden. Systemgrenzen sind zeitlicher, organisatorischer und operationeller Natur.

Bsp:: Übersicht der Systemgrenzen für die CO2-Bilanz eines Unternehmens

Zeitliche Systemgrenze festlegen = Basisjahr

Der Zeitraum legt fest, für wann die Emissionen erhoben werden sollen. Meist werden die Emissionen für den Zeitraum von einem Jahr erhoben und dann mit den Folgejahren verglichen. Bei einer Erhebung über viele Folgejahre hinweg ist auch ein rollender Durchschnitt möglich. Wichtig ist, ein Basisjahr für die CO2-Bilanz im Unternehmen festzulegen. Dafür sollte das Unternehmen ein möglichst normales, durchschnittliches Jahr wählen ohne außergewöhnliche Geschäftsereignisse oder größere Störungen im Geschäftsablauf (wie Corona, Fusionen, Verkauf von Geschäftssparten).

Organisatorische Systemgrenzen bestimmen = Standorte

Welche Standorte und Tochterfirmen sollte das Unternehmen in die CO2-Bilanz einbeziehen? Bei kleineren Unternehmen mit einfachen Besitzverhältnissen ist diese Systemgrenze einfach festzulegen. Komplexer gestaltet sich die Beantwortung der Frage bei größeren Unternehmen mit vielen Standorten und differenzierten Rechtsformen und Besitzverhältnissen. Hier ist zu entscheiden, inwieweit die Emissionen der bestimmten Standorte prozentual in die CO2-Bilanzierung einbezogen werden. Dazu wählen entweder den Equity share approach, den Financial control approach oder den Operational Control approach. (mehr dazu im Greenhouse Gas Protocol A Corporate Accounting and Reporting Standard)

Operationelle Systemgrenzen definieren = Emissionskategorien

Operationelle Systemgrenzen verstehen

Die operationellen Systemgrenzen werden im Greenhouse Gas Protocol definiert. Üblicherweise werden die Emissionen in die Scopes 1, 2 und 3 unterteilt. Im Folgenden stellen wir die Scopes vor, um sie greifbar und verständlich zu machen:

  1. Scope 1 (obligatorisch): Direkte Emissionen aus Quellen, die direkt vom Unternehmen kontrolliert werden:
    • Verbrennung in stationären Anlagen (z.B. Heizanlagen)
    • Mobile Verbrennung (z.B. Fuhrpark)
    • Leckagen (z.B. Klimaanlagen)
  2. Scope 2 (obligatorisch): Indirekte Emissionen, die aus der Verbrennung für die Bereitstellung von Strom, Wärme oder Dampf resultieren.
  3. Scope 3 (optional): Emissionen, die das Unternehmen verursacht, die das Unternehmen aber nicht kontrolliert, z.B.
    • Vorgelagerte Wertschöpfungskette, wie eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Mitarbeitermobilität oder Abfallaufkommen
    • Nachgelagerte Wertschöpfungskette, wie Transporte, Gebrauch, Weiterverarbeitung und Entsorgung verkaufter Produkte
Einteilung der Emissionen nach Scopes (eigene Darstellung, angelehnt an das Greenhouse Gas Protocol)
Operationelle Systemgrenzen: Verpflichtende und freiwillige Berechnung

Scope 1 und Scope 2 sind obligatorisch zu berichten laut Greenhouse Gas Protocol, es sei denn es entstehen keine oder nur verschwindend geringe Emissionen in diesen Kategorien (In diesem Falle ist dies bestenfalls zu begründen). Darüber hinaus sind die Kategorien in Scope 3 nicht verpflichtend zu berichten. Hier ist es wichtig zu überlegen, welche Kategorien sinnvoll mit in die CO2-Bilanz im Unternehmen einbezogen werden sollten. Am besten wägt das Unternehmen diese Entscheidung danach ab, welche Emissionen es in welchen Bereichen erwartet und welchem Aufwand der Datenbeschaffung diese gegenüberstehen. Konkret heißt das, dass Kategorien mit hohen Emissionen und damit hoher Relevanz einbezogen werden sollten.

Operationelle Systemgrenzen: Emissionsschwerpunkte in Scope 3 identifizieren

Es ist also wichtig, eine kurze qualitative Einschätzung über die Emissionsschwerpunkte des Unternehmens zu treffen. (s. Abb.) Wo fallen die meisten Emissionen an? Aus den Emissionsschwerpunkten leitet sich ab, welche Kategorien bilanziert werden sollten. Werden hohe Emissionen erwartet, sind diese Kategorien in der CO2-Bilanz im Unternehmen zu berechnen. So zum Beispiel fallen die Emissionsschwerpunkte eines Online-Shops in Scope 3 in die vor- und nachgelagerte Logistik (3.4; 3.9) und in Leasing von Serverinfrastruktur (3.8), während sie bei einem Beratungsunternehmen vermutlich in Geschäftsreisen (3.6) und Mobilität der Mitarbeitenden (3.7) liegen.

Kategorien mit erwartet geringen Emissionen brauchen nicht berücksichtigt werden bzw. sind optional.

Tipp: Im ersten Jahr ist die Datenbeschaffung mit viel Aufwand verbunden, deswegen sollte man sich auf die wichtigsten (organisatorischen und operationellen) Kategorien beschränken und die CO2-Bilanzierung schrittweise in den Folgejahren erweitern.

Best Practice: erste qualitative Bewertung der Emissionsschwerpunkte im Unternehmen

Vorhaben organisatorisch verankern

Nun hat das Unternehmen die Systemgrenzen für die CO2-Bilanz festgelegt. Anhand dessen kann grob abgeschätzt werden, mit wieviel personellem und zeitlichem Aufwand zu rechnen ist. Wird die Bilanzierung erstmalig durchgeführt und nur ein Hauptstandort einbezogen sowie auf die wichtigsten Scopes begrenzt, kann selbst in einem mittelständischen Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden ¼  Stelle über eine Zeitdauer von 3 Monaten ausreichend sein. In jedem Falle sollte ein*e Koordinator*in diese Stelle innehaben und verantwortlich für die Datenbeschaffung und -erfassung sein. Bei größeren Unternehmen mit ausdifferenzierten Rechts- und Eigentumsverhältnissen und Bilanzierungen vieler Kategorien ist mit höherem Aufwand zu rechnen. Hier kann neben eine*r Koordinator*in ein kleines Projektteam ernannt werden. In jedem Falle ist es ratsam, den Prozess bei einer verantwortlichen Person oder Abteilung zu verorten, um einen reibungsfreien Ablauf zu garantieren.

3. Erhebung und Berechnung der Daten

Welche Daten müssen erfasst und in CO2-Äquivalente umgerechnet werden?

Vorhandene Daten für die Messung des CO2-Fußabdrucks nutzen

Die festgelegten Systemgrenzen, in denen Emissionen gemessen werden sollen, zeigen, welche Aktivitäts- bzw. Emissionsdaten erhoben werden müssen. Liegen keine direkten Emissionsdaten vor, können diese aus den Aktivitätsdaten berechnet werden. Teils geschieht das durch einfache Umrechnung, teils müssen Annahmen oder Schätzungen getroffen werden. Dabei muss das Rad nicht unbedingt neu erfunden werden. Welche Daten liegen bereits durch bestehende Managementsysteme, Controlling oder Tools vor? Sogar ganz einfache Datenquellen, wie Rechnungen von Energielieferanten, liefern wichtige Daten. Die folgende Liste hilft dabei, einen Überblick zu bekommen, in welchen Systemen im Unternehmen bereits Daten zur Erstellung der CO2-Bilanz vorliegen können.

Datenquellen zur Berechnung von CO2-Emissionen

  • Controlling-Tools
  • Managementsysteme
    • z.B. zur Buchung von Geschäftsreisen
  • Rechnungen
    • z.B. von Energielieferanten
  • Zertifizierungen bzw. spezifische Managementsysteme
    • DIN EN ISO 14001, 9001, 16001, 50001
    • EMAS
    • CDP
    • Ökoprofit
  • Beratungsleistungen
    • Energieberatung
  • Projektbeteiligung
    • LEEN – 30 Pilotnetzwerke
    • B.E.E. – Betriebliches Energie-Effizienz-Programm
    • Sonstige
  • Teilnahme am Emissionshandel – In dem Falle liegen CO2-Werte aus emissionshandelspflichtigen Anlagen bereits vor.

Daten für den CO2-Fußabdruck erfassen und dokumentieren

Die Koordinator*in ist nun verantwortlich dafür die Daten von den unterschiedlichen Abteilungen und Ansprechpartnern zusammenzutragen. Es ist äußerst hilfreich dafür ein einheitliches Tool zu verwenden. Dies kann auch eine einfache Excel-Tabelle sein. Hier werden dann die jeweiligen Scopes bzw. Emissionskategorien, die Datenquelle, aus der die Daten entstammen, die Ansprechpartner bzw. angefragte Abteilung und die Datenqualität, also ob die Daten auf einer Messung, Berechnung oder Schätzung basieren, erfasst.

So zum Beispiel können Unternehmen die Daten für Scope 2.1 „Emissionen aus gekauftem Strom“ erfassen:

Best Practice: einfache Datenerfassung in Excel für die CO2-Bilanz in Unternehmen

Qualität der CO2-Bilanz im Unternehmen garantieren

Die Erfassung und Berechnung der Daten für die CO2-Bilanz im Unternehmen orientieren sich an den Prinzipien der Relevanz, Konsistenz, Genauigkeit, Transparenz und Vollständigkeit. Erfahrungsgemäß sind jedoch nicht alle Daten in entsprechender Qualität vorhanden. So zum Beispiel liegen bei Scope 3.6 Geschäftsreisen häufig nur die Reisekostenabrechnungen vor, ohne dass Streckenkilometer aufgeschlüsselt sind. Es ist gängige Praxis, die Kosten- bzw. finanziellen Aktivitätsdaten mittels Annahmen und Schätzungen in Emissionsdaten umzurechnen (z.B. Bahnkosten insgesamt / Durchschnittskosten pro Bahnfahrt * Emissionsfaktor pro Bahnfahrt). In diesem Falle ist die Bilanzierung zwar vollständiger, jedoch auch ungenauer. Das Zusammentragen der Daten dient also auch dazu, Datenlücken zu identifizieren und zu schließen und somit eine hohe Konformität mit den Berichtsprinzipien zu erreichen.

CO2-Daten berechnen

Sind die Aktivitätsdaten erfasst, z.B. der Strom in kWh, werden diese in CO2-Äquivalente umgerechnet. Am einfachsten und schnellsten erfolgt diese Umrechnung mittels offiziellen Emissionsfaktoren. In diesen ist bereits die Klimawirksamkeit der verschiedenen Klimagase (Global Warming Potentials) berücksichtigt und eine eigene, weitaus kompliziertere Berechnung ist nicht nötig.

Emissionsfaktoren festlegen

Beim Strom zum Beispiel kann man den Emissionsfaktor des Strommix der Stromrechnung entnehmen, den der Stromlieferant gemäß §42 EnWG die Menge an CO2 in Gramm bzw. Kilogramm pro Kilowattstunde ausweisen muss.

Bei anderen Kategorien, wie z.B. Scope 3.6 Geschäftsreisen, können wissenschaftlich errechnete Emissionsfaktoren zur Anwendung kommen. Im deutschen Markt gängige und anerkannte Datenbanken für Emissionsfaktoren sind beispielsweise GEMIS, die IPCC Leitlinien und ProBas. Für die Berechnung von Scope 1.3 Emissionen flüchtiger Gase aus beispielsweise Klimaanlagen eignen sich die Tools des Greenhouse Gas Protocol.

Für Mobilitätsdaten in Scope 1.2 Fuhrpark und Scope 3.6 Geschäftsreisen, wie die Umrechnung von gefahrenen Bahnkilometern in CO2-Äquivalente, eignet sich auch das mobitool (ecoinvent) hervorragend.

CO2-Bilanz im Unternehmen kontinuierlich fortführen und erweitern

Für die erfolgreiche Fortführung des erlangten Wissens, ist es sinnvoll eine Dokumentation der Erhebung, insbesondere über Schätzungen und Annahmen, durchzuführen. Dies ist ganz im Sinne der Greenhouse-Gas-Protocol-Prinzipien, die unter anderem eine Konsistenz für die Berechnung des Corporate Carbon Footprints vorsehen. Sind die Grenzen einmal festgelegt, sollten nachfolgende Erhebungen dieselben Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen aufzeigen. Ändert sich z.B. aufgrund von Erweiterung der Bilanzierung unter Einbezug weiterer (wesentlicher) Emissionskategorien oder aufgrund von besserer Datenqualität die Berechnungsmethodik, sollte das Unternehmen auch das Basisjahr neu berechnen wenn möglich (wenn nicht, bedarf es einer Erklärung). Dies bedient gleichermaßen die Forderung eines transparenten, genauen und konsistenten Zeitvergleichs bei den CO2e-Emissionen als auch zwischen Standorten.

Fazit

Die CO2-Bilanz fasst die Emissionen eines Unternehmens zusammen. Es gibt viele Wege und Möglichkeiten eine CO2-Bilanzierung durchzuführen. Um erfolgreich zum Ziel zu gelangen, empfehlen wir im 1. Schritt die CO2-Bilanzierung gut vorzubereiten, indem das Unternehmen Ziele identifiziert und das Vorhaben intern kommuniziert. Im 2. Schritt definiert das Unternehmen die Systemgrenzen für die Messung des CO2-Fußabdrucks. Dies hilft einer reibungsfreien, transparenten und glaubwürdigen Abfolge des Prozesses. Im 3. Schritt erfolgt die Erhebung und Berechnung der Daten. Hierbei dürfen nebst Messungen und Hilfsmitteln wie Emissionsfaktoren auch Schätzungen und Annahmen zurate gezogen werden. Eine Dokumentation dieser (Daten, Datenquellen, Annahmen, Schätzungen, Emissionsfaktoren) ist unbedingt ratsam, um die Konsistenz der Berechnungen auch in den Folgejahren zu gewährleisten. Im Resultat zeigt die CO2-Bilanz, in welchen Unternehmensbereichen die meisten Treibhausgase entstehen. Somit deckt die CO2-Bilanz im Unternehmen Potenziale zur Minimierung der Klimawirkung auf und ist somit wichtigste Grundlage für Geschäftsentscheidungen in Bezug auf Klimaschutz.

Synonyme für CO2-Bilanz eines Unternehmens (oder als Prozess CO2-Bilanzierung) sind Klimabilanz, CO2-Fußabdruck eines Unternehmens oder Corporate Carbon Footprint.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de

Kategorien
Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

„Wie Sie Ihr Unternehmen zukunftssicher gestalten?“ – Mitschnitt der Austauschrunde vom Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen e.V.

Videomitschnitt vom 01. Dezember 2020, freundlicherweise von Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen zur Verfügung gestellt:

Macht Nachhaltigkeit attraktiver? Wie Sie Ihr Unternehmen zukunftssicher gestalten?

Diesen Fragen haben sich Franziska Kramer von plant values gemeinsam mit Feé Köhler von SAP und Albrecht Handke vom Sächsisches Staatsministerium für Kultus gestellt. Sie zeigen spannende Wege und Ideen, wie erste Schritte zu einer Wirtschaft mit Zukunft gegangen werden können. Dazu gab jeder Gast einen kurzen Impulsvortrag. Anschließend war Zeit für Austausch und Fragen aus dem Publikum, welches online dazugeschaltet wurde. Moderiert wurde die Runde von Michael Weißflog von ressourcenmangel Dresden.

Hier könnt ihr die Diskussion, zu die der Verein Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen e.V. am 01.12.2020 nach Dresden geladen hatte, nochmal nachschauen:

Hintergrund:

Mit der 2015 durch die Vereinten Nationen einstimmig verabschiedeten Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft 17 Ziele (Sustainable Development Goals, SDG) für eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Entwicklung gesetzt. Im Januar 2017 wurden diese als Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie von der Bundesregierung verabschiedet und somit in nationales Recht überführt. Im Rahmen der Veranstaltung am 1.12.2020 werden vor allem die sozialen und ökonomischen Aspekte der SDG beleuchtet.

Gastgeber des Events:

Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen e.V. hat freundlicherweise den Mitschnitt vom 01.12.2020 von der Veranstaltung „Macht Nachhaltigkeit attraktiver? Wie Sie Ihr Unternehmen zukunftssicher gestalten?“ zur Verfügung gestellt. Der Verein verfolgt folgendes Ziel:
Die Mitglieder des Vereins fördern die Chancengleichheit aller Menschen. Für sie einzustehen, ist unsere Verantwortung und Motivation. Respekt vor, Interesse an, Akzeptanz von und Offenheit gegenüber Anderem sind Grundpfeiler einer friedlich zusammenlebenden Gesellschaft. Durch unseren Beitrag zu mehr Wirtschaftsleistung in Sachsen sichern wir den Wohlstand Aller. Wir etablieren in sächsischen Unternehmen eine gelebte Willkommenskultur. Dieses Ziel verstehen wir als gemeinsam verstandene Aufgabe von Geschäftsführungen und Belegschaften. Das dafür notwendige Bewusstsein schaffen wir in und mit den sächsischen Unternehmen in einem gemeinsamen Prozess. Wir begleiten Unternehmen als Partner auf Augenhöhe in Theorie und Praxis und vermitteln die Interessen der sächsischen Wirtschaft als politisches Sprachrohr durch unser Netzwerk. (weiterlesen auf der Website)

Hinweis: Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel des Freistaates Sachsen auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.


Weiterlesen

Mehr Beiträge zu CSR und Nachhaltigkeit findet ihr übrigens immer aktuell in unserem Blog:
www.plant-values.de/csr-nachhaltigkeit-blog/

Kategorien
Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Klimaschutz im Tourismus umsetzen: 40 wertvolle Maßnahmen

Das Klima wandelt sich, auch durch den Tourismus. 8% der globalen Emissionen lassen sich auf den Tourismus zurückführen, Tendenz steigend (UBA, 2020, UNWTO, 2019). Zweifelsohne geht hierbei der Großteil auf den Verkehr zurück. Doch heißt dies, dass nur Fluggesellschaften und andere Mobilitätsdienstleister in der Pflicht sind, etwas zu tun? Welche Klimaschutz-Maßnahmen im Tourismus gibt es? Was können Hotels, Reiseveranstalter und Destinationen tun?

Wir haben 40 wertwolle Klimaschutz-Maßnahmen zusammengestellt.

Inhalt:

11 Maßnahmen für Klimaschutz bei Reiseveranstaltern

Reiseveranstalter haben einen enormen Hebel sowohl auf Angebot als auch Nachfrage. Auf der einen Seite bestimmen sie, welche Leistungen sie zu einem Pauschalreiseangebot zusammenschnüren und beeinflussen somit Vor-Ort-Agenturen, Hotels, Busunternehmen usw. Auf der anderen Seite können Sie mit ihren Pauschalreiseangeboten den Markt beeinflussen und Reisende zu einer Verhaltensänderung sensibilisieren. So können Reiseveranstalter Klimaschutz-Maßnahmen im Tourismus umsetzen:

Anreise und Vor-Ort-Mobilität

  • Bieten Sie An- und Abreisemöglichkeiten zu Land und Wasser an. Der Weg ist das Ziel. So bestehen weltweit vielerorts hervorragend ausgebaute Streckennetze im Bahn- und Busverkehr, welche auch von Reisenden gegenüber Flugreisen präferiert werden. Mehr über Gründe und Strategien für Klimaschutz im Tourismus in unserem Blogartikel Klimaschutz im Tourismus: 4 Strategien, die auf dem Weg helfen.
  • Wählen Sie öffentliche Verkehrsmittel. Dies vermindert nicht nur den Fußabdruck, sondern ermöglicht auch authentische und ehrliche Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung.
  • Vermeiden Sie Inlandsflüge, da diese am klimaschädlichsten sind.

Produktgestaltung

  • Gestalten Sie gerade bei Fernreisen längere Aufenthaltsdauern vor Ort, um CO2-Emissionen pro Tag zu reduzieren.
  • Füllen Sie die Gruppenstärke auf, um eine volle Auslastung z.B. bei Fahrzeugen zu gewährleisten. Kann eine volle Auslastung nicht erreicht werden, ordern Sie ggf. kleinere Fahrzeuge.
  • Eliminieren Sie klimaschädliche Produktbestandteile wie Rundflüge mit Helikoptern. Bieten Sie stattdessen ähnlich spannende Abenteuerbausteine an.
  • Preisen Sie eine Kompensation (zu einem gewissen Prozentsatz oder vollständig) direkt ins Produkt ein oder bieten Sie Ihren Kund*innen freiwillige Kompensationszahlungen an.
  • Wählen Sie klimafreundliche Unterkünfte lokaler Betreiber, welche regionale Produkte und Speisen anbieten.
  • Geben Sie Ihren Kund*innen eine Packliste an die Hand und weisen Sie darin u.a. auf die Mitnahme von Hüttenschlafsack, Handtuch und wieder verwendbarer Trinkflasche sowie Reisebesteck und -geschirr hin, um z.B. weite Transportwege von Einweggeschirr zu vermeiden.

Reiseleitung

  • Ermöglichen Sie der Reiseleitung eine Anreise zu Land und Wasser. Kompensieren Sie die Umweltwirkung der Reise oder kommunizieren Sie aktiv die Möglichkeit zur 50%-50%-Kompensation.
  • Empfehlen Sie Ihrer Gruppe explizit umwelt- und klimafreundliche Optionen, z.B. beim Kauf lokaler statt importierter Produkte und Speisen oder bei der Verwendung eigener Ausstattung (z.B. Trinkflasche, Reisebesteck).

Weitere Klimaschutz-Quick-Wins für jedes Tourismusunternehmen finden sie hier.

11 Maßnahmen für Klimaschutz in der Hotellerie

Gerade Hotels bietet Klimaschutz auch große Kostensparvorteile, was sich auch positiv auf den Erhalt der Umwelt und der touristischen Attraktivität auswirkt. Welche Maßnahmen für Klimaschutz im Tourismus können Hotels ergreifen?

Gästezimmer

  • Thermostate mit Fenster-auf-Erkennung regeln automatisch die Heizung herunter, sobald das Fenster offen ist. Dies spart nicht nur Emissionen, sondern auch Geld.
  • Verhängen Sie die Fenster nicht unnötig mit großen Gardinen und Vorhängen, sodass das Tageslicht optimal genutzt und damit Lichtenergie eingespart wird.
  • Minibars machen bis zu 10% des Gesamtenergieverbrauchs eines Hotels aus. Die Kosten zur Betreibung amortisieren sich daher häufig nicht.  Schaffen Sie einen Kühlschrank pro Etage oder Gebäude an und agieren sie somit energie- und kostensparend.
  • Verwenden sie Steckdosenleisten, an denen alle oder ein Hauptteil der Geräte angeschlossen ist. Schalten sie diese bei Nichtbenutzung des Zimmers stets aus.
  • Wechseln Sie Bettwäsche und Handtücher des Gastes nur auf dessen ausdrücklichen Wunsch. Nutzen Sie außerdem anstelle elektrischer Trockner Wäscheleinen, wenn möglich.

Gastronomie

  • Verwenden Sie möglichst langlebige und reparable Geräte in der Küche mit hohen Energieeffizienzklassen.
  • Verarbeiten Sie frische Lebensmittel, z.B. saisonales Gemüse aus der Region. Importwaren und Tiefkühlprodukte verursachen ein Zigfaches an CO2-Emissionen.
  • Überprüfen Sie in der Küche die Kühltemperaturen von Kühlschränken und Tiefkühlern. Je 1°C niedrigerer Kühltemperatur werden 4-6% mehr Energie verbraucht. (Energiesparblatt, 2014)
  • Nutzen Sie Kühlräume effizient aus. Tauen Sie in regelmäßigen Abständen ab. Verstellen Sie die Lüftungsöffnungen nicht und verschließen Sie die Türen bei Kühlung sorgfältig.
  • Achten Sie beim Kochen auf den Wassereinsatz. Erwärmen von kaltem Wasser und Verdampfen sind besonders energieintensive Prozesse. Bei nur einem nicht verwendeten Liter Wasser pro Tag beläuft sich der CO2-Ausstoß auf 25 kg CO2 im Jahr. Entkalken Sie die Geräte regelmäßig, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten.
  • Verwenden Sie die Restwärme von Öfen und Deckel beim Kochen, um die Energie optimal zu nutzen.

Weitere Klimaschutz-Quick-Wins für jedes Tourismusunternehmen finden sie hier.

11 Quick-Wins für jedes Tourismusunternehmen

Neben Reiseveranstaltern und Beherbungsbetrieben gibt es eine Vielzahl anderer touristischer Dienstleister. Dazu zählen Agenturen, Reisebüros, Mobilitätsdienstleister, Gastronomiebetriebe, Kultureinrichtungen etc. Mit folgenden Maßnahmen können diese Klimaschutz im Tourismus schnell und wirksam umsetzen:

Marketing und Kommunikation

  • Stellen Sie intern (zu Mitarbeitenden) und extern (zu Lieferanten, Partnern, Kund*innen, Bevölkerung) Informationen zu Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit zur Verfügung.
  • Versenden Sie Buchungsbestätigungen, Rechnungen und weiterführende Infos auf digitalem Wege oder richten Sie eine Auswahl-Option für Kund*innen ein, wie diese benachrichtigt werden wollen.
  • Minimieren Sie den Versand von Marketingmaterialien wie Broschüren oder Katalogen. Greifen Sie auf digitale Alternativen zurück, z.B. Apps oder Online-Kataloge. So können Sie Klimawirkungen durch Postwege erheblich reduzieren.

Gebäude

  • Sanieren Sie Gebäude für hohe Energieeffizienzleistungen und damit Kosten- und Emissionseinsparungen.
  • Checken Sie den Bezug von regenerativen Energien wie z.B. Erdwärme oder Photovoltaik.
  • Überprüfen Sie die Spül- und Waschmaschine, stellen sie den Energiesparmodus ein und diese nur an, sobald diese voll sind.

Angebotsgestaltung

  • Kennzeichnen Sie explizit klimafreundliche Angebote als solche.

Management

  • Verwenden Sie klimafreundliche Online-Tools und achten Sie auf CO2-arme Lösungen bei Servern und Hosting-Dienstleistern.
  • Achten Sie auf regionale und klimafreundliche Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen. Fördern Sie regionale Partnerschaften, z.B. Jobtickets für klimafreundliche Mobilität mit dem ÖPNV.
  • Bringen Sie Mitarbeitende am Bürostandort oder Ihre Gäste gebäude- oder etagenweise unter. So können sie in ungenutzten Gebäudebereichen Strom sparen, z.B. für Heizung, Belüftung und Licht.
  • Regeln Sie in Fluren und Treppenhäusern die Temperatur herunter.

9 Maßnahmen für Klimaschutz in Destinationen

Wir empfehlen, dass sich Destinationen an bereits bestehenden nationalen oder regionalen Klimaschutzstrategien orientieren. Ausgehend davon können Zielgebiete ihren Beitrag ableiten und entsprechende Maßnahmen zu Klimaschutz definieren. Vorgelagert sollte außerdem eine Analyse des Standortes, bestehender Angebote auf Klimafreundlichkeit sowie der einzelnen Leistungsträger sein. Mit diesen Maßnahmen helfen Destinationen, Klimaschutz im Tourismus umzusetzen:

Anreise und Vor-Ort-Mobilität

  • Holen Sie Partner wie Verkehrsverbund und -träger, Landes- und Kommunalpolitik sowie touristischen Akteure an einen Tisch. Arbeiten Sie gemeinschaftlich an einem vernetzten, klima- und nutzerfreundlichen Mobilitätskonzept, z.B. mittels Verknüpfung von Wander- und Radwegen mit ÖPNV.
  • Setzen Sie auf intelligente und nutzerfreundliche Verkehrsinformationssysteme. Das hilft schlussendlich, um bestehende Infrastrukturen optimal zu nutzen, Verkehrsträger zu vernetzen, den Verkehrsfluss zu verbessern und Wege zu verkürzen (z.B. Parksuchverkehr).
  • Setzen Sie spezifische Anreize zur Reduktion des Autoverkehrs. Höhere Parkgebühren oder eine Parkraumverknappung können Autoverkehr reduzieren, sollten jedoch unter dem Vorbehalt der Bereitstellung funktionierender, alternativer Fortbewegung stehen.
  • Optimieren Sie Reiseketten vor Ort, indem benachbarte Verkehrsverbünde zusammenarbeiten und die Anbindung auch in Regionen mit schwacher Infrastruktur gewährleistet ist.
  • Entwickeln Sie neue und zunehmend nachgefragte Mobilitätsangebote, z.B. mittels Kooperationen mit Leihfahrrad-Systemen, Car Sharing Modellen etc.
  • Installieren Sie regenerative Ladeinfrastrukturen sowie attraktive Abstellmöglichkeiten für Räder. Das hilft folglich, um Reisende und Mitarbeitende zur Nutzung klimafreundlicher Fortbewegungsmöglichkeiten zu motivieren.

Angebotsgestaltung

  • Bündeln Sie zusammen mit klimafreundlichen Tourismusanbietern neue Angebote. Kennzeichnen Sie diese exponiert. Arbeiten Sie dabei ggf.  destinationsübergreifend zusammen, um dementsprechend die Attraktivität der Angebote zu erhöhen.
  • Reduzieren Sie klimanegative Aktivitäten. Tauschen Sie diese nach und nach gegen klimafreundlichere Alternativen aus, z.B. nicht-motorisierte Aktivitäten.
  • Bieten Sie Mehrwerte für Kund*innen an, um klimafreundlichere Mobilität und Angebote zu nutzen, z.B. Gästekarten, Paddelboote, (kostenlose) Fahrradleihstationen oder Packages.

Weitere Klimaschutz-Quick-Wins für jedes Tourismusunternehmen finden sie hier.

Gerne beraten wir Sie zu mehr Nachhaltigkeit im Tourismus. Fragen Sie uns an, wie Sie als Tourismusakteur Ihre positiven und negativen Auswirkunegn identifizieren und managen können. Hier mehr zu unseren Leistungen für touristische Akteure.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de

Kategorien
Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Klimaschutz im Tourismus: 4 Strategien, die auf dem Weg helfen

Dieser Blogbeitrag erläutert Gründe, warum Klimaschutz im Tourismus wichtig ist. Er zeigt Ansätze für Klimaschutzstrategien, welche Wege aufzeigen, wie touristische Akteure zum Klimaschutz beitragen können.

Inhalt:

Warum sollten sich Tourismusunternehmen im Klimaschutz engagieren, auch wenn sie keine Airline sind?

Welche Emissionen entstehen im Tourismus und woher kommen sie?

Eine Studie der University of Sydney zeigt, dass die vom Tourismus verursachten Emissionen höher liegen als bisher gedacht: Rechnet man neben Gebäuden und Verkehr auch Lieferketten, wie CO2-Fußabdrücke von Speisen und Getränken ein, so rangiert der Tourismus nicht bei wie bisher angenommen „nur“ 5% der globalen Emissionen, sondern 8%. Im Zeitraum von 2009 bis 2013 ist der Treibhausgasausstoß durch den Tourismus von 3,9 auf 4,5 Milliarden CO2-Äquivalente gestiegen. Das entspricht einem Wachstum von 3,3% jährlich. Hauptverursacher der Emissionen ist mit 75% der Verkehr. (Quelle: UNEP/ UNWTO 2008) Ein weiterer großer Teil von 15-20% geht auf Gebäude zurück. (Klimafakten, 2016) Kleinere Anteile entfallen auf mit dem Tourismus verknüpfte Lieferketten, wie gastronomische Angebote, Einzelhandel und Co, welche sich in Summe jährlich auf mehrere Millionen Tonnen CO2-Äquivalente kumulieren. Hebel für mehr Klimaschutz im Tourismus bestehen also auch weit abseits des Verkehrs. (Zeit Online, 2018)

Klimaschutz ist Pflichtaufgabe, um die Zukunft des Tourismus zu sichern

Gleichzeitig ist der Tourismus wie kaum eine andere Branche auf ein funktionierendes ökologisches und soziales Umfeld angewiesen. Klimaveränderungen können schnell zum Verlust von touristischem Angebot führen, wie Beispiele aus den Alpen oder dem Spreewald zeigen. Der Klimaschutz ist ein wichtiges Instrument, um letztlich das ökologische und soziale Umfeld zu erhalten, auf welches der Tourismus so stark angewiesen ist. Wie zuvor gezeigt, hat jedes Tourismusunternehmen einen Einfluss auf den Klimawandel und kann und sollte somit auch seine Verantwortung für Klimaschutz wahrnehmen. Neben Klimaschutzmaßnahmen sollten auch Maßnahmen zur Klimaanpassung ergriffen werden, um Risiken zu minimieren, die sich aus den nicht abwendbaren Folgen des Klimawandels ergeben. (mehr dazu in unserem Blogbeitrag Klimawandel und Tourismus: Welche Regionen sind betroffen und was kann getan werden?)

Nachfrage-Wachstum nach klimafreundlichen Angeboten

Sehr spannend und interessant sind für Tourismusunternehmen außerdem die Entwicklungen der Nachfrage. Was wollen Kunde und Kundin? Das Bewusstsein für nachhaltige und klimafreundliche Angebote in der Öffentlichkeit steigt. Auch die Klimawirkung des Reisens ist längst in den Köpfen von Verbraucher*innen angekommen. Neue Wortschöpfungen der vergangenen 5 Jahre sind Ausdruck dieses Wandels. So ist Flugscham mittlerweile ein gängiger Begriff in Bevölkerung und Medien. Dieser neuartige Sprachgebrauch schlägt sich nicht nur in Worthülsen nieder, sondern weist auf einen tatsächlichen Wandel der Gesellschaft hin. Während die Kompensation von Emissionen durch Reisende im Jahr 2010 noch omnipräsent war, realisieren Reisende heute immer häufiger und intensiver solche CO2-Ausgleichszahlungen. Daneben etablieren sich Zugreisen und Sharing Modelle für Räder, Autos usw. Klimaschutz ist ein immer wichtigerer Kaufgrund. Es ist eine Frage der Zeit, bis klimafreundliche Angebote auch abseits der Mobilität den Markt weiter erobern.

Unternehmens-Beispiele für Klimaschutz im Tourismus

Erste Unternehmen erkennen diesen gesellschaftlichen Wandel greifen ihn aktiv auf. So setzen diverse Gastronomen auf bio-regionale Beschaffung und weisen den Fußabdruck ihrer Speisen und Getränke aus, so z.B. die Eine-Welt-Cafés. Jene sind Pioniere im Markt. Sie gehen erste Schritte aus intrinsischer Motivation heraus. Andere sind gezwungen, Maßnahmen für Klimaschutz zu treffen aufgrund regulatorischer oder finanzieller Anforderungen oder dem Druck der Öffentlichkeit. Flugzeugbauer wie Airbus forschen inzwischen am grünen Fliegen und streben an, bis 2035 erste emissionsfreie Großraumflugzeuge auf den Markt zu bringen. (Aero, 2020) Außerdem ist das Thema Klimaschutz auch bei Destinationen angekommen: Die ostfriesische Insel Juist will künftig klimaneutral sein. (FAZ, 2018) Auch in Kulturbetrieben, wie dem Helsingborger Symphonieorchester, sind Wege hin zur Klimaneutralität in die Tagesordnung übergegangen. (3Sat, 2019)

Tourismusunternehmen können Klimaschutz als Marktpotenzial erkennen

Noch sind diese Beispiele Einzelfälle und können ein Alleinstellungsmerkmal sein. Dies ist interessant für Marketing und Vertrieb. Tourismusakteure, die Klimaschutz verfolgen, können Marktanteile gewinnen. Schon in wenigen Jahren könnte dieses heutige Verkaufsargument „klima- und umweltfreundlich“ eine Pflichtaufgabe werden, welche besser schon heute als Chance erkannt wird.

Zukünftige Entwicklung von tourismusbedingten Emissionen

Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung ist auch mit einer stark wachsenden globalen Mittelschicht zu rechnen, welche sich bis 2035 verdoppeln soll. (City Loops, 2020) Die Nachfrage nach Reisen wird wachsen und das sogar schneller als der Konsum anderer Produkte und Dienstleistungen, so die Studie der University of Sydney. „Sollte sich der gegenwärtige Trend [hin zu mehr Reisen] nicht ändern, werde der tourismusbedingte klimaschädliche Ausstoß [in 2025] 6,5 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente betragen.“ Dies entspricht einem Wachstum von über 40% seit 2013. Kaum vorzustellen, wie sich die Werte bis 2035 verändern werden. Unter optimistischen Bedingungen können diese auf 5 Milliarden Tonnen begrenzt werden. (Zeit Online, 2018) Doch welche Möglichkeiten für Klimaschutz im Tourismus gibt es?

Was kann der Tourismus für den Klimaschutz tun?

Wie identifizieren Sie, wo Sie wirklich Auswirkungen aufs Klima haben?

Zunächst einmal muss analysiert werden, wo im Unternehmen oder in der Kommune überhaupt CO2-Emissionen entstehen. Welche Geschäftsbereiche sind wesentlich in der Klimawirkung? Ein Carbon Management zielt auf die systematische Erfassung, Vermeidung, Reduzierung und Substitution bzw. Kompensation von Treibhausgasen ab. Es schließt ebenso eine Kommunikation dieser Aktivitäten mit ein. In unserem Blogbeitrag Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Klimaschutz erklären wir, welche Tools sich eignen, um den CO2-Fußabdruck zu berechnen und Hebel zu identifizieren.

Strategien für Klimaschutz im Tourismus

Klimaschutz-Strategien durch innerbetriebliches Managements

Es gibt unterschiedliche Ansätze, um Klimaschutz im Tourismus zu verfolgen. Ein Ansatz ist die Veränderung des innerbetrieblichen Managements. Wo gibt es Optimierungspotenzial? Wo kann Energie effizient genutzt werden? Wie können beispielsweise Lieferketten und Logistik klimafreundlich verbessert werden? Welche Marketing-Instrumente können extern Gäste und intern Mitarbeitende sensibilisieren? Welche Schulungen eignen sich, um eine Verhaltensänderung im Betrieb anzustoßen, durch welche Emissionen eingespart werden können?

Hier bestehen Überschneidungspunkte zur Verkehrsmittelwahl. Gerade im Tourismus gibt es diverse Hebel, angefangen von der Mobilität der Mitarbeitenden über die Mobilität der Gäste hin zur Mobilität der Lieferanten, Partner oder andere Akteure in der Wertschöpfungskette, wie Agenturen. Wie kann ein Leistungsträger jeweils Einfluss ausüben auf deren Verkehrsmittelwahl?

Klimaschutz-Strategien durch Produktveränderung

Wie kann ein Leistungsträger mit der Zusammenstellung der eigenen Produkte, also Übernachtungen oder Paketangeboten, einer Pauschalreise, etc., Einfluss ausüben? Die Strategie der Produktveränderung zielt genau auf die Optimierung bestehender Produkte auf ihre Klimawirkung ab. Wie können Sie das Angebot so verändern, dass es von Kund*innen nachgefragt wird und eine positivere Wirkung auf das Klima hat? Wie können Sie das Verhalten der Gäste beeinflussen, also eine Verhaltensänderung durch Angebotsänderung schaffen? Beispiele für eine klimafreundlichere Gestaltung der Produkte sind z.B. der Ersatz von motorisierten Aktivitäten mit nicht-motorisierten wie Fahrrad, Förderung von Naherholungsangeboten oder Verlängerung der Aufenthaltsdauer durch z.B. bessere Vermarktung des Zielgebiets. Projektionen zeigen, dass sich mittels Verhaltensänderungen die höchsten Emissionseinsparungen erzielen lassen.

Klimaschutz-Strategien durch Produktinnovation

Noch stärker können diese positiven Wirkungen bei vollständigen Produktinnovationen sein, so z.B. Virtual Reality Reisen, welche Nutzer*innen im Nu an andere Orte der Welt teleportieren. Gerade unter momentanen Covid-19-Reisebeschränkungen könnte diese Art des Reisens verstärkt nachgefragt werden – einhergehend mit enormen Einsparungen an Treibhausgasen im Vergleich zum Reisen.

Klimaschutz-Strategien durch technologischen Wandel

Beim technologischen Klimaschutz steht das Thema Effizienz im Vordergrund. Wie kann man mittels technologischem Fortschritt die Energieeffizienz erhöhen? Beispiele hierzu sind die Entwicklung und Nutzung alternativer Treibstoffe für Airlines, regenerativer Energien in Pensionen oder die Sanierung von Hotelgebäuden hin zur Energieeffizienz. Kompensationsinitiativen zur Kompensation des CO2-Fußabdrucks unterstützen häufig die Weiterentwicklung von Technik.  

Dabei kann Kompensation von Nachfragern als auch Anbietern verfolgt werden, z.B. indem durch das Hotel verursachte Emissionen oder Reisen von Reiseleitungen kompensiert werden. Wichtig ist, dass zunächst eine Verringerung der Emissionen im Produkt oder Unternehmen selbst angestrebt werden sollte und damit auf eine Verbesserung der Klimaleistung hingewirkt wird, bevor eine Kompensation möglicherweise (noch) nicht auszuschließender Emissionen stattfindet.

Sie suchen nach konkreten Klimaschutz-Maßnahmen im Tourismus?

Nützliche Klimaschutzmaßnahmen für touristische Akteure haben wir in unserem Blogartikel Klimaschutz im Tourismus umsetzen: 40 wertvolle Maßnahmen zusammengestellt für

Gerne beraten wir Sie zu mehr Nachhaltigkeit im Tourismus. Fragen Sie uns an, wie Sie als Tourismusakteur Ihre positiven und negativen Auswirkunegn identifizieren und managen können. Hier mehr zu unseren Leistungen für touristische Akteure.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de

Kategorien
Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Klimawandel und Tourismus: Welche Regionen sind betroffen und was kann getan werden?

Der Tourismus trägt zum Klimawandel bei und ist gleichzeitig bedroht von ihm. Die Risiken für den Sektor sind bezeichnend. Es gibt aber auch Chancen. Wichtig ist, frühzeitig zu erkennen, wie sich das Klima in der Region verändert. Was können Destinationen und Tourismusunternehmen für Klimaanpassung tun? Der Artikel hilft außerdem zu verstehen, wie Klimaanpassung und Klimaschutz in Zusammenhang stehen.

Inhalt:

Vom Klimawandel betroffene Tourismusregionen

Globale Klimaveränderungen

Das Klima ändert sich weltweit, wie Wetterdaten zeigen. Auswirkungen sind vielerorts zu spüren, angefangen vom Gletscher- und Eisschwund in der Arktis einhergehend mit steigendem Meeresspiegel. Dieser führt zu einem Schwund an Stränden und bedroht besonders Inselstaaten und Küstenstädte. Bei einem Anstieg von 2 Grad Celsius sind aufgrund des einhergehenden Meeresspiegelanstiegs laut Berechnungen der UNESCO mehr als 15% aller Welterbestätten bedroht. Noch drastischer zeigt sich das Szenario, wenn alles Eis schmilzt. Simulationen hierzu hat die National Geographic aufgestellt (National Geographic, 2013) Daraus resultierende Fluchtbewegungen können zum Verlust von Tradition führen. Neben der Kultur ist auch die Biodiversität bedroht. Die Population in der Tierwelt ist in den letzten 50 Jahren um mehr als 2/3 geschrumpft, so der WWF Living Planet Report 2020. (Anmerkung der Redaktion: Klimawandel ist hierbei nur ein Grund). Davon sind Regionen weltweit betroffen, die an touristischem Potenzial verlieren.

Wie verändert sich das Klima in deutschen Tourismusregionen?

Klimaveränderungen zeigen sich auch in Deutschland. Klimaindikatoren, wie Jahresmitteltemperatur, Hitzeintensität, Extremwettertage, zeigen ein eindeutiges Bild. In Deutschland wird bspw. ein Anstieg der Jahresmitteltemperatur um ca. 4 Grad bis 2100 und eine Vervierfachung der Hitzetage (> 30°C) gegenüber 1961-1990 prognostiziert. In einigen Destinationen haben sich die Hitzetage bereits zwischen 1961-1990 und 1990-2019 vervierfacht, so z.B. am Bodensee oder im Allgäu. In der Zugspitzregion sind die Schneetage im gleichen Zeitraum um 13 % zurückgegangen. An der Ostsee, der Mecklenburgischen Seenplatte und Städten wie Dresden ist die Temperatur um mehr als 1 Grad Celsius gestiegen zwischen 1961-1990 und 1990-2019. Bis 2100 sollen sich diese Indikatoren stark verschärfen. (Klimaveränderungen am Bodensee, im Allgäu, in der Zugspitz-Region, in Dresden, Ostsee, Mecklenburgische Seenplatte)

Klimaveränderungen Stadt Dresden (Klimainformationssystem, 2020)

Was bedeutet der Klimawandel für den Tourismus?

Reiseziele im Klimawandel

Warum ist es für Tourismusanbieter wichtig über Klimaveränderungen Bescheid zu wissen? Der Tourismus ist besonders sensibel gegenüber Wetter- und Klimaveränderungen. Bleibt der Schnee aus, fällt die Skisaison aus. Schauen wir nicht bis in die Alpen oder ins Erzgebirge (Studie „Schneesicherheit in Sächsischen Skigebieten nimmt ab“, 2020), sondern nach Dresden, so erkennen wir auch hier Veränderungen: Die Hochwasser 2002 und 2013 führten zu einem vollständigen Erliegen des Tourismus. In den Dürresommern 2018 und 2019 im Kontrast konnte die Dampfschifffahrt auf der Elbe aufgrund der niedrigen Pegelstände ihr Angebot nicht aufrechterhalten. Im Spreewald wiederrum nehmen Wasserqualität und Wasserstände in einem bedrohlichen Maße ab, dass bis heute zahlreiche Wasserstraßen und Kanäle nicht befahrbar sind. (Reihe „Savanne Oberlausitz“ Sächsische Zeitung, 2020) In der Sächsischen Schweiz wurde die Wegequalität aufgrund der Räumarbeiten mit Großmaschinen infolge des Borkenkäfereinschlags stark in Mitleidenschaft gezogen.

Folgen des Klimawandels für den Tourismus

Das Klima beeinflusst also den Tourismus in Form von Länge und Qualität einer Saison, Wasserqualität und Wasserständen in Gewässern, Biodiversität, Naturgefahren, Pollen und Krankheitserregern, wetter- und klimaabhängigen touristischen Aktivitäten sowie Kosten für Betrieb und Instandhaltung von touristischen Infrastrukturen.

Gleichfalls zeigt dies, dass Klimaveränderungen zum Verlust von touristischem Angebot führen können. Der Tourismus ist womöglich mehr als jede andere Branche auf ein funktionierendes ökologisches und soziales Umfeld angewiesen. Die Verletzlichkeit gegenüber Umweltschäden, den Folgen des Klimawandels, Sicherheitsproblemen und Gesundheitsrisiken ist besonders hoch. Letzteres sehen wir am aktuellen Beispiel. Der Tourismus muss sich also dem Klimawandel anpassen.

Was braucht es für eine Klimaanpassung?

Klimaanpassungsprozess gestalten

Klimaanpassung identifiziert die Gefahren und kann damit Schäden minimieren. Im besten Fall können Tourismusunternehmen und Destinationen zu erwartende Veränderungen sogar zu ihrem Vorteil nutzen. Ziel sollte eine proaktive und langfristige Planung auf strategischer Ebene sein, welche sich in die Gesamtstrategie, z.B. einer Destination, einschmiegt. Dies impliziert, dass ein Klimaanpassungskonzept nicht losgelöst von bereits bestehenden Prozessen und Stakeholdern stehen sollte, sondern in einem integrativen Beteiligungsprozess erarbeitet und in einer Gesamtstrategie verankert werden sollte.  Der erste Schritt für den Prozess ist es, Potenziale und Risiken des Klimawandels zu identifizieren und daneben Stakeholder für das Thema zu sensibilisieren. So ist im nächsten Schritt eine gemeinsame Strategiearbeit auf Augenhöhe möglich. Im Anschluss ist es wichtig, die Strategie auszuführen. Darin festgesetzte Maßnahmen sollen gemeinsam umgesetzt werden. Die Ergebnisse sind in der Folge zu bewerten und darauf aufbauend Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln, z.B. durch nachhaltige Innovationen und neue ambitionierte Ziele.

1. Potenzial- und Riskoanalyse

Klimainformationssystem

2. Sensibilisierung der Akteure

IPCC Kernergebnisse zum Klimawandel im Tourismus

3. Strategie- und Maßnahmenplanung

Leitfaden Anpassung an den Klimawandel

4. Maßnahmenumsetzung

5. Messung, Bewertung und Verbesserung

Risiken und Potenziale des Klimawandels erkennen – Fragen für Destination und Leistungsträger

Tourismusunternehmen und Destinationen können ihre Chancen und Risiken zum Beispiel anhand folgender Fragen identifizieren:

  • Welche Folgen des Klimawandels sind vor Ort zu erwarten?
  • Wie wirkt sich das auf die Nachfrage aus?
  • Wie hoch ist das Klimarisiko bei Konkurrenten oder Konkurrenzregionen?
  • Welches ungenutzte Potenzial hat die Region?
  • Welche Zielgruppen müsste man für dieses Potenzial ansprechen?

Wo erhalten Sie Informationen zu den Klimaveränderungen in Ihrer Tourismusregion?

Die Grundlage einer Risiko- und Potenzialanalyse ist der Blick auf Historien und Prognosen der Klimaveränderungen in Reisegebieten. Dafür gibt es hervorragende Tools.  Diese stellen Informationen zu den Indikatoren zur Verfügung. Wir empfehlen das Klimainformationssystem (hier entlang), welchem die Messdaten des Deutschen Wetterdienstes zugrunde liegen. Es zeigt die mittleren klimatischen Veränderungen im Zeitvergleich in allen Tourismusregionen in Deutschland. Es erlaubt sowohl den Blick auf bisherige Klimaveränderungen als auch Voraussagen zu künftigen Entwicklungen. Ein weiteres wertvolles Tool ist das ReKIS (hier entlang). Dieses Regionale Klimainformationssystem ist speziell auf die Anforderungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zugeschnitten.

Starkregenereignisse in Mexiko (Genaro Servín von pexels)

Risiken für die Destination, wenn nichts getan wird

Nehmen wir das Beispiel Skigebiete zur Hand, wird schnell klar, was eine Nichtanpassung bedeutet. Die Wintertouristen erwarten Skipisten im Topzustand und ein winterliches Landschaftsbild mit schneebedeckten Bergen. Wird das Zielgebiet diesem Anspruch nicht gerecht, werden Reisende die Destination wechseln – und tun dies auch. Gefällt es ihnen heute nicht in A, fahren sie morgen nach B. Die Folge sind ausbleibende Gästezahlen bis hin zum wirtschaftlichen und sozialen Schaden der gesamten Destination einschließlich der Leistungsträger. Auch ökologische Folgen können enorm sein z.B. durch Biodiversitätsverluste oder zusätzliche Emissionen infolge von Beschneiung, welche den Klimawandel weiter anheizen. Daneben entsteht ein finanzieller Mehraufwand durch Versuch der Herstellung des Normal- oder Ursprungszustands, aber auch durch explodierende Versicherungskosten.

8 Maßnahmen zu Klimawandel im Tourismus

Maßnahmen zur Klimaanpassung

Lösungsansätze für eine Klimaanpassung können unterschiedlicher Natur sein. Dies hängt ganz von der antizipierten Klimaveränderung in der jeweiligen Tourismusregion ab. Sinkende Wasserstände machen andere Anpassungsmaßnahmen nötig als zunehmende Extremwetterlagen. Steigt beispielsweise die Jahresmitteltemperatur in einer Wanderregion, ergeben sich Potenziale, wie die Nutzung der Nebensaison. Hotels können dies in ihrem Marketing berücksichtigen, entsprechende Angebote stricken und so auf eine stabile Auslastung über das Jahr hinweg hinwirken. Dies kann positive Effekte auf das Personalmanagement intern und die Lenkung von Besucher*innen extern haben. Ist mit häufigeren Extremwetterlagen zu rechnen, bieten sich konsequenterweise bei Leistungsträgern Schulungen der Mitarbeitenden zum Verhalten in Krisensituationen an. Als Kommune oder Destinationsmanagementorganisation (DMO) können Notfallpläne Schäden und Risiken reduzieren. Wichtig ist ein holistisches Bild der Lage, um nicht Maßnahmenkonflikte zu forcieren. Beispielhaft können folgende Lösungsansätze einer strategischen Klimaanpassung dienen bei folgenden Klimaveränderungen:

Steigende Jahresmittel-temperatur

Nutzung der Nebensaison ausbauen

Outdooraktivitäten fördern und vermarkten

Zunehmende Extremwetterlagen

Hochwasserschutz und Überschwemmungsflächen erweitern

Krisen- und Notfallpläne erarbeiten

Sinkende Wasserstände und -qualität

Wasserrückhaltung und Wassereinsparung intensivieren

Renaturierung und Selbstreinigungskraft stärken

Abnehmende Schneetage

Neue Angebote schnüren und neue Zielgruppen ansprechen

Dynamischen Naturschutz fördern

Klimaanpassung und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen

Kurzfristig effektive, jedoch langfristig schädliche Lösungen, wie künstliche Beschneiung, sollten genau abgewogen werden. Diese können den Klimawandel weiter verstärken. Sie können die Destination sogar langfristig schädigen und noch intensivere Anpassungszwänge erfordern. Deshalb sollten sie als Lösung nicht in Betracht gezogen werden. Eine langfristige Anpassung hingegen schließt Klimaschutzziele mit ein. Der Klimaschutz ist ein wichtiges Instrument, um letztlich das ökologische und soziale Umfeld zu schützen, auf welches der Tourismus so stark angewiesen ist. Hierfür können Tourismusunternehmen und Destinationen Klimaschutz und Klimaanpassung kombinieren. Wie man Klimaschutz im Tourismus umsetzen kann, lesen Sie in unseren Blogartikeln Klimaschutz im Tourismus: 4 Strategien, die auf dem Weg helfen und Klimaschutz im Tourismus umsetzen: 40 wertvolle Maßnahmen.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit.
Strategie, Controlling und Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit.

Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern:

info@plant-values.de

Kategorien
Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Positive und negative Auswirkungen des Tourismus auf Nachhaltigkeit

Der Tourismus zeigt klar positive und negative Wirkungen auf Nachhaltigkeit. Welche sind das und kann man bewerten, welche überwiegen?

Inhalt:

Welche positiven Wirkungen hat der Tourismus auf Nachhaltigkeit?

Reisen so beliebt wie nie zuvor

Seit 2050 sind die Auslandsreisen weltweit um mehr als das 50-fache gestiegen. Während international 25 Mio. Menschen in 1950 reisten, waren es 2018 mehr als 1.400 Mio. Menschen. Spannend ist, dass der Inlandstourismus diese Zahlen um ein Vielfaches übersteigt. Schätzungen gehen davon aus, dass der Inlandstourismus in etwa 5-10 x so groß ist wie internationale Reisebewegungen. Der Boom im Reisemarkt zeigt sich ebenso in Deutschland. Auch im internationalen Vergleich liegt Deutschland an der Spitze und belegt Platz 3 bei den Gesamtausgaben für Tourismus. Dies wird nur übertroffen von den USA (2) und China (1). (UNWTO – World Tourism Barometer, 2019, Our World in data)

Internationale Ankünfte auf Rekordniveau

Tourismus ist Motor für die Weltwirtschaft

Reisen ist also eine immer beliebtere Freizeitaktivität und dies schlägt sich auch in den Wirtschaftsdaten nieder. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige weltweit. Gemessen am weltweiten Exportumsatz belegt diese Querschnittsbranche den dritten Platz nach 1. Brennstoffen und 2. Chemie. Der Tourismus rangiert damit als Wirtschaftszweig noch vor 4. Lebensmitteln und 5. Kraftfahrzeugen. (UNWTO, 2019)

Tourismus trägt wesentlich zum BIP bei

Global macht er 10 % der Wirtschaftsleistung aus. In spezifischen Staaten zeigt sich sogar eine noch höhere Abhängigkeit der Gesamtwirtschaft vom Tourismus. (Statista, 2018) So macht der Tourismus einen unverzichtbaren Wirtschaftszweig in vielen Inselstatten oder Ländern im globalen Süden aus. Die Seychellen und Malediven hängen mit fast 70 % Anteil des Tourismus am BIP stark vom Tourismus ab. Kambodscha rangiert bei 30%. In diesen Ländern ist der Tourismus häufig Hauptdevisenquelle und somit Voraussetzung für eine Teilnahme am Weltmarktgeschehen. Aber auch in Europa hat der Tourismus eine hohe Bedeutung für die Wirtschaft, so z.B. in Island mit einem Anteil von > 30 % oder Kroation und Griechenland mit > 20 % am BIP. Auch in rasant wachsenden Volkswirtschaften wie China (11 %) oder etablierten Industrieländern wie Deutschland (8,6 %) und Frankreich (9,5 %) ist die Bedeutung des Tourismus für die Wirtschaft wesentlich. (WTTC, World Travel and Tourism Council)

Tourismus ist die drittwichtigste Branche weltweit

Tourismus sorgt für Wohlstand

Als dienstleistungs- und damit arbeitskräfteintensive Branche schafft der Tourismus hunderte Millionen Jobs weltweit und sorgt damit gerade auch in wenig entwickleten Regionen oder für sozial schwächer Gestellte Beschäftigungsmöglichkeiten. Jeder 10. Arbeitsplatz ist im Tourismus und sichert somit Existenzen und Lebensgrundlagen. Dabei fallen nicht nur direkt mit dem Tourismus im Zusammenhang stehende Branchen ins Gewicht. Zahlreiche indirekt verknüpfte Wirtschaftsbereiche sichern den Lebensunterhalt zahlloser Familien. (Tourism Watch Bildungsmaterial Verantwortungsvoll Reisen, 2019) In Deutschland trägt der Tourismus sogar 12% zur Beschäftigung bei. (Statista, 2019) Besonders jedoch in strukturschwachen Entwicklungs- und Schwellenländern sorgen die durch die Reisebranche verbesserten Einkommensverhältnisse als Treiber für Wohlstand. Gerade deshalb ist Covid-19 in diesen Ländern nicht nur ein Schock, sondern eine Tragödie, welche hunderte Millionen Menschen an den Rand der Existenz treibt. (diverse Artikel von Tourism Watch, z.B. Indien, 2020)

Tourismus fördert Dialog, Toleranz und Bildung

Neben der positiven wirtschaftlichen und sozialen Wirkung kann der Tourismus auch einen Beitrag zur Bildung leisten. Interkulturelle Begegnungen können Akzeptanz und Toleranz stärken und einen wertvollen Beitrag zur Inklusion leisten. Darüber hinaus findet ein globales Lernen statt, indem zum Beispiel wertvolle Geschäftspraktiken ausgetauscht werden. Wie werden Kulturgüter erhalten? Wie wird Landwirtschaft betrieben? Dies passiert in beide Richtungen, das heißt einerseits bei Reisenden, die ihre Erfahrungen im Quellmarkt verbreiten. Andererseits können Ortansässige von Reisenden lernen. Tourismus fördert so den Austausch und das Lernen voneinander weit über den touristischen Sektor hinaus.

Tourismus fördert den Schutz von Natur- und Kulturgütern

Reisegründe sind meist das schöne Wetter, Erholung, aber auch Natur und Kultur. Der Tourismus ist also auf deren Erhalt besonders angewiesen und kann positiv auf die Schaffung von Naturschutzgebieten oder den Erhalt von Kulturgütern durch Restauration etc. wirken.

Welche negativen Wirkungen hat der Tourismus auf Nachhaltigkeit?

Ökologische Wirkungen

Klimawirkung des Reisens heizt Klimawandel an

Jedoch zeigt der Tourismus ebenfalls negative Wirkungen. Der Tourismus führt zum Beispiel zu wesentlichen CO2-Emissionen weltweit. Die An- und Abreisen sowie die Fortbewegung vor Ort in einer Tourismusregion verursachen Treibhausgase, insbesondere der Flugverkehr. Der hohe Verbrauch von fossilen Energieträgern bei Start und Landung macht besonders Kurzstreckenflüge klimaschädlich. Auch der Individualverkehr per Auto führt zu einem vergleichsweise hohen Fußabdruck. Insgesamt lassen sich 5-8% der globalen Emissionen auf den Tourismus zurückführen. (UBA, 2020)

Umweltwirkung der Verkehrsmittel im Vergleich (Tourism Watch Bildungsmaterial Verantwortungsvoll Reisen, 2019)

„Projektionen zufolge werden die tourismusbedingten Emissionen zwischen 2005 und 2035 um 130 Prozent zunehmen, sich also mehr als verdoppeln. […] 95 % der Emissionen  sind auf Verkehr und Gebäude zurückzuführen.“ (Kernergebnisse IPCC, 2016) Davon entfallen knapp 45 % Luftverkehr, obwohl nur 17 % der Reisen mit dem Flugzeug erfolgten. Entsprechend zeigt sich klar, dass Einsparungen im (Flug)Verkehr und durch Gebäudeeffizienzen maßgeblich für das Klimaschutzpotenzial der Branche sind.

Reisende verbrauchen knappe Ressourcen

Reisende verbrauchen knappe Ressourcen. So fallen Hauptreisezeiten zumeist in trockene, regenarme Jahreszeiten, in welchen Wasser knapp ist und zur Versorgung der Bevölkerung und Sicherung der Landwirtschaft wichtig ist. Werden diese Ressourcen zusätzlich durch Touristen mit einem häufig höheren Pro-Kopf-Verbrauch in Anspruch genommen, kommt es gleich zu einer doppelten Verknappung. Ein Beispiel dafür ist Sansibar. In der ariden Periode strömen besonders viele Touristen in dieses afrikanische Land. Schaut man auf den Wasser-Pro-Kopf-Verbrauch in Luxushotels, ist dieser 35x so groß wie in einem Privathaushalt. Neben dem Wasserverbrauch können durch Touristen auch andere lebensnotwendige Ressourcen vor Ort verknappt werden, wie Holz, Wohnraum etc.

Traumurlaub = Müllparadies?

Nicht minder problematisch zeigt sich der Umgang mit Müll. Aufgrund fehlender Entsorgungssysteme wird der Müll hauptsächlich unter offenem Himmel verbrannt. Die Folge sind die Entstehung von Treibhausgasen und hochgiftigen Kleinstpartikeln und deren Verteilung in Boden, Wasser und Luft. Gängige Praxis der Vergangenheit war außerdem die Verkippung im Meer. Fällt durch Reisende zusätzlich Extra-Müll an, möglicherweise durch den Konsum von Importware und Einwegprodukten anstelle von unverpackter Regionalware begünstigt, belastet dies das ohnehin fragile System. Auf den Malediven beispielsweise entstehen täglich 3,5 kg Müll pro Gast, welche sich auf 500 t pro Tag aufsummieren. Momentan gibt es kein Entsorgungssystem. Deshalb wurde eine komplette Insel als Mülldeponie freigegeben, Thilafushi, wo täglich die Verbrennung unter freiem Himmel stattfindet. (Die Malediven – ein Müllparadies?)

Touristische Infrastruktur belastet die Natur

Touristische Infrastrukturen belasten die Natur und versiegeln Flächen. In Asien beispielgweise wurde der Nationapark an China verkauft. Neben Flughafen und fünfspuriger Autobahn entstehen dort Golfplatz und und Luxusresorts. Im Fokus stehen wirtschaftliche Interessen anstelle den Schutzes von dort lebenden vom Aussterben bedrohten Arten. In Europa treten infrastrukturelle Umweltschäden zum Beispiel am Mittelmeer auf. Fundamentale Hotelbauten und Betonhochburgen zielten darauf ab, besonders viele Gäste unterzubringen. Diese ordnen sich nur selten in eine lokale Bauweise ein und versiegeln großflächig Böden. Zudem werden maritime Ökosysteme durch Abwasser und Müllverschmutzung enorm belastet. (Mittelmeer, 2020) Auch die Hotspots in den Alpen sind stark belastet. (Alpen, 2020)

Probleme des Massentourismus

Massentourismus verursacht Umweltschäden

Nimmt eine Destination mehr Touristen auf, als sie verkraftet, schadet dies nachhaltig Natur und Kultur. Sie kennen sicher die Traumstrände dieser Welt? So z.B. die Maya Bay bei der thailändischen Insel Ko Phi Phi, auch bekannt als „The Beach“? Die Überlastung mit massenhaften Touristenströmen und Schiffanreisen führte zu massiven Umweltschäden im Wasser und am Strand. Eine aufwendige Sanierung ist unabdingbar. Dies haben auch Behörden erkannt und die Schließung veranlasst. Seit 2018 ist der Strand nun auf unbekannte Zeit gesperrt bis zum heutigen Tage. (Maya Bay, 2018) Es gibt eine Vielzahl solcher Fälle, so z.B. die Insel Komodo, wo eine Verfünffachung der Besucherzahl eine drastische Störung der Biodiversität zur Folge hat. (Komodo, 2019).

Tourismus-Monowirtschaft ist risikoreich

Neben Umweltschäden können auch die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung negativ sein. Besonders wenn eine gesunde Relation von Urlaubern und Einheimischen überschritten ist, können Vor-Ort-Verhältnisse nachhaltig gestört werden. Ursprüngliche Wirtschaftszweige sterben aus, weil sie nicht mehr attraktiv sind, z.B. lokales Handwerk und Landwirtschaft. Die Entwicklung weg von Eigenversorgung hin zum Einkauf von Importwaren, besonders aber die allgemeine Ausrichtung auf einen oder wenige Wirtschaftszweige schafft gefährliche Abhängigkeiten und Risiken, wie die Corona-Pandemie besonders gut zeigt.

Soziale und kulturelle Wirkungen

Import verringert Wohlstand vor Ort

Abhängigkeiten werden außerdem durch den Import von Leistungen geschaffen, z.B. Bau von Tourismusinfrastruktur oder internationale (Hotel)Ketten. Entsprechende Firmen schöpfen Gewinne vor Ort ab. Gut bezahlte Arbeitsplätze gehen an ausländische Kräfte. Somit reduzieren sich lokale Wertschöpfung und soziale Entwicklungschancen vor Ort erheblich. Eine positive Wirkung fällt gering aus. Ein Anstieg des Preisniveaus kann sogar das Niveau des Wohlstands verringern und Bewohner*innen verdrängen. So werden auch in Deutschland Effekte wie Anstieg der Lebenshaltungskosten, Wohnraumverknappung und steigende Mieten als Folge von steigenden Tourismuszahlen wahrgenommen. (Statista, 2019)

Schlechte Arbeitsbedingungen

Ein großer Vorteil ist, dass Beschäftigungsmöglichkeiten im Tourismus für viele Menschen zugänglich sind. Jobs erfordern meist nur eine geringe Qualifikationen. Dies bedeutet aber auch, dass die Arbeitskräfte schnell ausgetauscht werden können und soziale Faktoren, wie gerechte Entlohnung, meist schlecht ausgeprägt sind. Gravierend ist dies besonders im informellen Sektor, der von fehlender sozialer Absicherung und schlechten Arbeitsbedingungen gekennzeichnet ist, in dem jedoch leider ca. 50% der Arbeitsplätze im Tourismus angesiedelt sind. Selbst jedoch in einem stark regulierten Land wie Deutschland geht die Hans-Böckler-Stiftung davon aus, dass das Gastgewerbe der Sektor ist, in dem es am häufigsten zur Umgehung des Mindestlohns kommt. (vgl. Tourism Watch Bildungsmaterial Verantwortungsvoll Reisen, 2019)

Verlust von Kultur und Tradition

Problematisch am Massentourismus ist außerdem, dass lokale Kultur und Tradition durch die permanente übermäßige Präsenz anderer Kulturen verloren geht. Häufig passiert dies im Sinne einer Verwestlichung. Westliche Produkte, Dienstleistungen und Speisen werden mehr nachgefragt werden als lokale. Aber sogar Verhaltensweisen und Traditionen bis in den Alltag hinein können unwiderbringlich abgewandelt werden.

Übersicht der positiven und negativen Wirkungen des Tourismus auf Nachhaltigkeit

Jetzt einen Tourismus mit Zukunft gestalten!

Nachhaltigkeit ist Selbsterhalt

Der Tourismus hat positive, jedoch auch negative Wirkungen auf eine Vielzahl an ökologischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Ressourcen. Besonders ökologische und kulturelle Schäden können gravierend sein und eine negative Rückkopplung auf Wirtschaft und Gesellschaft auslösen. Allein dies ist Grund genug, eine nachhaltige Entwicklung im Tourismus zu fördern und damit den Selbsterhalt der Branche zu gewährleisten.

  • Ein nachhaltiger Tourismus sollte zum Ziel haben, Ansprüche von Reisenden als auch Bevölkerung im Zielgebiet zu berücksichtigen und Ressourcen so zu nutzen, dass ökonomische und soziale Bedürfnisse langfrisitg gesichert werden können und gleichzeitig Kultur und Umwelt erhalten bleiben. (in Anlehnung an die Definition der UNWTO)

Tourismus und die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN

Um dies zu erreichen, braucht es Ziele. Ideal ist, Ziele in bereits bestehende Rahmen einzuordnen. Dazu eignen sich zum Beispiel die Sustainable Development Goals, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Der Tourismus mit allen vor- und nachgelagerten Branchen kann die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele positiv unterstützen und zu allen dieser 17 Ziele direkt oder indirekt beitragen. Die Welttourismusorganisation UNWTO erwähnt die Verantwortung des Tourismus explizit in den Zielen 8 – Menschenwürdige Arbeit und inklsuives, nachhaltiges Wachstum, 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion und 17 – starke Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. Offensichtliche Anknüpfungspunlte bestehen außerdem im Ziel Nummer 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz aufgrund der Klimawirkung des Reisens. Weil der Tourismus so viele Menschen weltweit beschäftigt, hat er außerdem eine besondere Rolle für die Ziele 1 bis 4, weniger Armut, kein Hunger, Gesundheit sowie Bildung (Tourismus und die SDGs)

Tourismus hat besonderen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsziele SDG8, SDG12, SDG13 und SDG17 sowie SDG1 bis 4; Bildverwendung mit freundlicher Genehmigung von (c) www.un.org/sustainabledevelopment/ Hinweis: “The content of this publication has not been approved by the United Nations and does not reflect the views of the United Nations or its officials or Member States“

Verantwortung wahrnehmen

Die Tourismuswirtschaft, aber auch Reisende selbst, können und müssen ihren Beitrag leisten und ihre positiven Auswirkungen maximieren und ihre negativen minimieren. Für Antrieb dürften die Entwicklungen im Markt sorgen: Wachsende Nachfrage sorgt für großes Potenzial, wenn Sie Nachhaltigkeit zum Teil Ihres Geschäfts machen – besser jetzt als zu spät – und ist wegweisend für Risikomanagement und Resilienz gegenüber Krisen.

Nachhaltigkeit ist Risiko- und Krisenmanagement

Wie man Risiken des Klimawandels in Chancen umwandelt, lesen Sie in unserem Blogbeitrag Klimawandel und Tourismus: Welche Regionen sind betroffen und was kann getan werden?. Mehr über Klimaschutz im Tourismus lesen Sie in unseren Blogartikeln Klimaschutz im Tourismus: 4 Strategien, die auf dem Weg helfen und Klimaschutz im Tourismus umsetzen: 40 wertvolle Maßnahmen.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de

Wie kann man selbst nachhaltiger reisen?

Auch Sie hat das Fernweh gepackt? Sie reisen gerne und entdecken gerne die Welt? Dann haben wir hier ein paar Tipps, Tricks und Kniffe, wie Sie nachhaltiger reisen können. Wir alle bestimmen mit unserem persönlichen Verhalten positive wie negative Effekte auf Kultur und Natur mit.

Gerne beraten wir Sie zu mehr Nachhaltigkeit im Tourismus. Fragen Sie uns an, wie Sie als Tourismusakteur Ihre positiven und negativen Auswirkunegn identifizieren und managen können. Hier mehr zu unseren Leistungen für touristische Akteure.

Tourismus oder Reisen?
Hier eine begriffliche Einordnung: Tourismus bezeichnet und umfasst die Gesamtheit aller Aktivitäten und Beziehungen, welche mit der Fortbewegung und dem Aufenthalt an einem Reiseziel außerhalb des üblichen Lebensmittelpunktes oder Arbeitsortes in Zusammenhang stehen. Während das Reisen eher die Aktivität an sich widerspiegelt, stellt der Begriff Tourismus die wirtschaftliche Einordnung als Branche in den Vordergrund. Im sprachlichen Gebrauch werden beide Begriffe teils synonym verwendet.

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit.
Strategie, Controlling und Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit.

Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern:

info@plant-values.de

Kategorien
Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Gibt es den Klimawandel wirklich?

Kontroversen zulassen, gemeinsam diskutieren

Es ist wichtig, dass wir immer wieder Dinge hinterfragen. Auch Dinge, die wir mittlerweile als gegeben hinnehmen. Zum Beispiel, dass es den Klimawandel gibt. Nichts ist falsch daran, Thesen und Argumente zu hinterfragen. Wieso auch? Daraus wird man nur schlauer.

Deshalb beschäftigen wir uns mit der Frage:

Was bedeutet Klimawandel? Ist dies nicht eigentlich nur der natürliche Zyklus der Erde? Welchen Einfluss hat der Mensch tatsächlich?

Wir haben uns dazu mit den Statements von Klimaskeptikern auseinandergesetzt. Wir möchten die Argumente verstehen, uns vielleicht selber hinterfragen und  Kontroversen zuzulassen.

Skepsis  ist  wichtig  und  ein  essenzieller  Teil  der  Wissenschaft

Um uns konkret an einer Argumentationskette entlangzuhangeln, nehmen wir Bezug auf eines der neuesten und vielgeklickten Youtube-Videos: Prof. Dr. Kirstein, Klimatologe, spricht in einem Interview über den Klimawandel – in dem Sinne, dass dieser nicht existiert. (Prof. Kirstein im Interview „Fakten vs. Klimahysterie“)

Gehen wir der Sache mal auf den Grund. Direkte Aussagen als solche sind als Zitat formuliert.

1. Prof. Kirstein: „Den CO2 Treibhauseffekt gibt es nicht.“

Prof. Kirstein erklärt den atmosphärischen bzw. CO2-Treibhauseffekt als Lüge.

Um dieser These auf den Grund zu gehen, müssen wir tiefer in das Thema einsteigen und möchten euch nun die Ergebnisse unserer Recherchen kurz, plausibel und hoffentlich verständlich darlegen. (Fragt gerne nach, wenn ihr etwas nicht versteht!)

Zusammensetzung der Atmosphäre

Unsere Atmosphäre besteht zum Großteil aus Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2), außerdem Argon (Ar). Daneben enthält sie auch Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Wasserdampf (H2O) und weitere Gase.

Diese drei- oder mehratomigen Moleküle, also CO2, CH4, H2O (aber auch völlig neue Stoffe wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die ausschließlich durch den Menschen erzeugt werden) lassen die von der Sonne kurzwellige Sonnenstrahlung passieren. Die Erde nimmt diese Energie auf und strahlt langwellige Wärmestrahlung ab. Diese langwellige Wärmestrahlung wird von den Gasen absorbiert und wiederum in alle Raumrichtungen zurückgestrahlt. Entsprechend gelangt ein großer Teil dieser Wärmestrahlung wieder zurück zur Erde (Gegenstrahlung). (Graphik zum Strahlungshaushalt der Erde)

Der Treibhausgaseffekt ist (über)lebensnotwendig für uns und sorgt für eine stabile und angenehme Mitteltemperatur von 15 Grad auf der Erde.

Genau diese Eigenschaft der Gase, kurzwellige Strahlung ungehindert durchzulassen, aber langwellige Strahlung zu absorbieren, bedingt den Treibhauseffekt: Und dieser ist (über)lebensnotwendig für uns und alle Lebewesen auf der Erde, denn ohne den Treibhauseffekt wäre die Erde ein Eisball mit einer mittleren Temperatur von minus 18 Grad.

(Anmerkung: Den größten Effekt hat allerdings der Wasserdampf (Wolken). Er trägt zum natürlichen Treibhauseffekt bei. Das Problem: Der Anteil von Wasserdampf in der Atmosphäre hängt von der Temperatur ab. Mehr CO2 führt zu steigenden Temperaturen, das führt zu mehr Wasserdampf und verstärkt den Treibhauseffekt.)

Gegenbeispiel Mond: Ohne Atmosphäre herrschen Temperaturschwankungen von über 250 Grad.

Schauen wir uns den Mond an, der nicht wie die Erde eine Atmosphäre mit solchen (Treibhaus) Gasen hat. Die Sonnenstrahlung heizt die Oberfläche tagsüber auf mehr als 100 Grad Celsius auf, nachts fällt sie auf etwa minus 160 Grad.

Ohne die Atmosphäre würde ähnliches auch für die Erde gelten. Die Atmosphäre und damit der Treibhauseffekt sorgen für lebensfreundliche klimatische Bedingungen auf der Erde: Statt eisigen minus 18 Grad haben wir eine mittlere Temperatur von 15 Grad, also 33 Grad mehr.

Der natürliche Kohlenstoffkreislauf wird durch menschliche Emissionen belastet. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist so hoch wie nie zuvor.

Per se ist der Treibhauseffekt also wichtig für unser Überleben auf der Erde – solange wie sich das CO2 in einem natürlichen Kreislauf befindet. Ozeane, Böden und Vegetation nehmen CO2 auf und geben CO2 wieder ab. Pflanzen benötigen CO2, um Photosynthese zu betreiben; dabei geben sie Sauerstoff ab, der wiederum lebensnotwendig ist für andere Lebewesen.

Dieser natürliche Kreislauf wird durch zusätzliche Emissionen vom Menschen gestört. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie liegen im enormen Anstieg des Energieverbrauchs und der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl oder Erdgas sowie in der Ausweitung der industriellen Produktion, Landnutzung und Viehwirtschaft.

Die Natur nimmt zwar einen Teil der menschverursachten Emissionen auf, doch etwa die Hälfte bleibt in der Erdatmosphäre und führt zu einem Nettozuwachs des CO2-Gehalts. Dieser Effekt wird begünstigt durch Abholzung, welche den natürlichen CO2-Puffer bedeutend dämmen. Jährlich geraten durch menschlichen Einfluss 42 Gigatonnen extra in die Atmosphäre (Milliarden Tonnen). (Seite 471 in Kapitel 6 von Teil 1 des Fünften IPCC-Sachstandsberichts )

Dies hat zur Folge, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre so hoch ist wie nie zuvor. Dies geht aus den CO2-Messungen in Eisbohrkernen hervor und lässt sich auf die letzten 10.000 Jahre rück vollziehen – und ist damit auch unabhängig von Walt- und Warmzeiten zu sehen. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist von circa 250 auf über 400 ppm – parts per million gestiegen und liegt damit heute rund vierzig Prozent über dem Niveau in der vorindustriellen Zeit (vor 1750).

Weiter begünstigt wird der Treibhausgaseffekt durch die neben CO2 emittierten anderen „Klimagase“, welche unterschiedlich starke Klimawirkungen und unterschiedlich lange Verweildauern in der Atmosphäre haben, wie Methan (CH4), und Lachgas (N2O) sowie die fluorierten Treibhausgase (F-Gase).

Fazit:

Der Treibhauseffekt spielt eine (über)lebenswichtige Rolle auf der Erde. Zusätzlich durch Menschen eingebrachte Treibhausgase bringen die natürlichen Kreisläufe allerdings aus dem Gleichgewicht und verstärken den Erwärmungseffekt mit negativen Folgen für Umwelt und Mensch.

2. Prof. Kirstein: „Schon wenn das Wort Klimawandel fällt, fließt Geld.“

Hier wäre eine Abgrenzung wünschenswert: Wie kommt er zu der Aussage und welche Fälle zieht er zur Unterstützung der These heran? Wo genau fließt beim Wort Klimawandel mehr Geld, als in anderen Branchen? Mit welcher Begründung werden seiner Meinung nach nur solche Wissenschaftler unterstützt? Leider belegt Prof. Kirstein seine Aussage nicht. Daher fehlt jede Datengrundlage.

Fakt ist, der Förderkatalog des Staates stellt Finanzen zur Beforschung verschiedener Themen bereit. Dies ist wichtig und richtig in der Wissenschaft, um Erkenntnisse über Weltall, Geologie und auch den menschlichen Einfluss auf die Erde zu bekommen.

Seinen Bezug zu Al Gore, der mit dem Thema gutes Geld verdienen mag, schließt nicht auf zu seiner These, dass sofort Geld fließt, wenn es um Klimawandel geht. Generell eröffnet sich uns hier die Frage, ob Menschen, die in diesem Bereich tätig sind, pauschal nur am Hungertuch nagen dürfen und kein Geld verdienen dürfen?

Wie wir auch selber erfahren, sehen sich Akteure im Tätigkeitsfeld Nachhaltigkeit oder Klimawandel eher noch größeren Herausforderungen gegenüber als im konventionellen Markt – da mit diesen Themen ein unangenehmes Feld aufgemacht wird, welches das System des Überkonsums und von Wachstumsparadigmen infrage stellt.

Diffamierungen von Klimaforscher*innen sind der Alltag

Entsprechend seien an dieser Stelle nur zwei Beispiele von Diffamierungen hochangesehener Klimafoscher*innen genannt. So erfahren Wissenschaftler unter US-Präsident Trump enorme Diffamierungen im Parlament in Washington. (mehr dazu 1, 2)

Auch innerhalb Deutschlands spielt Diskreditierung eine Rolle: So führte die kritische Einstellung des Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann gegen(über) der Autoindustrie zur Ausladung und Streichung seiner Rede bei der Eröffnung der IAA diesen Jahres. (mehr dazu)

Darüber hinaus ziehen viele Klimawissenschaftler*innen private Konsequenzen aus ihren Forschungen und schränken freiwillig ihren Komfort ein, so u.a. Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (u.a. kein Auto, keine Flugreisen etc.). Diese Konsequenzen werden wohl kaum deshalb gezogen, um mehr Forschungsmittel zu bekommen.

Fazit:

Der Klimawandel bildet keinen Anspruch auf gesonderte Fördermittel und hat kein Privileg und keine Lobby.

3. Prof. Kirstein: „[Als] Sündenbock [für den Klimawandel] ist der Mensch [dargestellt], derweile ist es ein ganz natürlicher Vorgang. […] Die Wissenschaft leugnet die Warm- und Kaltzeiten bzw. Eiszeiten“

Dies ist eine ziemlich irreführende und absurde Unterstellung: Es gibt wohl keinen Klimawissenschaftler, der behaupten würde, dass das Klima je in einem stabilen Gleichgewichtszustand gewesen wäre. Auch gibt es eine Reihe von Ursachen für vergangene Klimawandel. CO2 ist nur einer von mehreren Einflussfaktoren und war in der Vergangenheit keinesfalls immer der stärkste. So gibt es laut Umweltbundesamt vereinfacht folgende Ursachen für Klimaveränderungen:

  • Veränderungen geoastrophysikalischer Parameter (zum Beispiel Solarkonstante, Erdbahnelemente),
  • Veränderungen der Erdoberfläche (zum Beispiel Kontinentaldrift, Änderung der Landnutzung) und
  • Änderungen des Stoffhaushaltes der Atmosphäre (zum Beispiel Gehalt an Treibhausgasen und kleinen, schwebenden Teilchen, den Aerosolen).

(mehr dazu)

In der Vergangenheit gab es bei den Warm- und Kaltzeiten (welche von der Wissenschaft zweifellos bestätigt sind) teils stärkere Einflussfaktoren aufs Klima als das CO2.

Bei  einem  Vergleich  der  derzeitigen  globalen  Erwärmung  mit  früheren  Klimaänderungen  müssen  zwei  wichtige  Unterscheidungen  gemacht  werden. 

  1. Globale Klimaänderungen müssen von  lokalen unterschieden  werden:  Lokale  Klimaschwankungen  sind  in  der  Regel  viel  größer  und  können  etwa  durch  Änderungen  in  der  atmosphärischen  oder  ozeanischen  Zirkulation  verursacht werden.  Dies ist örtlich begrenz und hat auf  die  globale  Mitteltemperatur  keinen bzw. geringen  Einfluss. So  gibt  es auch derzeit  Regionen,  die  sich  entgegen  dem  allgemeinen  Trend  abkühlen oder in denen die Gletschermassen wachsen. Wissenschaftlich  aussagekräftig  für das „globale Klima“ ist jedoch  nicht  der  Blick  auf  einzelne Stationen, sondern die globale Gesamtschau.
Allen Temperaturrekonstruktionen gemeinsam ist die Tatsache, dass derzeit die wärmsten Temperaturen zumindest der abgelaufenen tausend Jahre herrschen.
  1. Zeitskalen müssen angemessen berücksichtigt werden: Klimaänderungen über Jahrmillionen  oder  über  viele  Jahrtausende  können  erheblich  größer  sein  und  auch  andere Ursachen haben (z. B. der Drift der Kontinente oder sich ändernde Erdbahnzyklen) als diejenigen über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Für die Auswirkungen auf Ökosysteme  und  Gesellschaft  kommt  es  zudem  nicht  nur  auf  die Intensität der Veränderung,  sondern  auch  sehr  auf  die  Geschwindigkeit  an,  da  eine  langsamere  Klimaänderung  eine  Anpassung wesentlich erleichtert.

Zweifellos  haben die  Eiszeiten mit einer Veränderung der globalen  Mitteltemperatur um ca. 4-6 ºC die größten Klimaveränderungen mit sich gebracht. Im Vergleich dazu ist die bisherige globale Erwärmung um 0,8ºC im 20. Jahrhundert zwar gering, allerdings tritt diese Veränderung innerhalb weniger Jahrzehnte auf, die Veränderung in den Eiszeiten dauerte jeweils mehrere  Jahrtausende. Ein so abrupter Temperaturanstieg bzw. -abfall hat also nie zuvor stattgefunden, wie es heute der Fall ist. Wissenschaftlich ist dieser nur durch die atmosphärische Veränderung der Treibhausgase zu begründen, welche durch Menschen verursacht wird. (mehr dazu)

Fazit:

Die Wissenschaft belegt, dass es aufgrund ganz unterschiedlicher Ursachen stets Warm- und Kaltzeiten auf der Erde gab (nicht zwangsläufig durch Treibhausgase). Fakt ist, dass es nie einen so drastischen Temperaturanstieg in so kurzer Zeit gab. Dieser ist nur durch den anthropologischen Einfluss des Menschen auf den CO2 Gehalt der Atmosphäre zu begründen.

Möglichkeiten sich für konsequenten Klimaschutz einzusetzen gibt es viele. Der persönliche Konsum und Lebensstil kann mittels CO2-Fußabdruckrechner getestet werden. Daraus kann jede*r für sich selbst ableiten, wie man den eigenen Impact verringern kann. 

Politische Forderungen können auf Demos, z.B. von fridaysforfuture artikuliert werden. Ebenso gibt es den Weg über Engagement in Verbänden, NGOs oder direkt in politischen Parteien um sich für die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und des 1,5°C-Ziels stark zu machen.

Nicht zu vergessen sind Unternehmen, welche für eine nachhaltige Entwicklung unbedingt mit in die Pflicht genommen werden müssen. Hinterfragt Produzenten und Dienstleister oder eure eigene Firma, inwiefern ein nachhaltiges Wirtschaften bereits verfolgt wird. Fordert und fördert Transparenz und umweltschonende Angebote. 

Als plant values unterstützen und fördern wir ein ganzheitlich nachhaltiges Wirtschaften und eine klimafreundliche Unternehmensführung. Öffentliche Institutionen und etablierte Unternehmen sowie Startups begleiten wir bei der nachhaltigen Transformation ihrer Geschäftsmodellen; Startups und Jungunternehmen fördern wir beim Aufbau eines ganzheitlich nachhaltigen Unternehmens. Unser Ansatz ist es, unsere Partner zu befähigen eine eigenständige, kontinuierliche Transformation zu vollziehen bzw. dauerhaft nachhaltiges Wirtschaften zu etablieren.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de


Quellen und weiterführende Artikel:

https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2018/05/ar4_wg1_full_report-1.pdf

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/klima-treibhauseffekt#textpart-1

https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/ist-nicht-der-menschliche-beitrag-treibhauseffekt

https://www.nzz.ch/wissenschaft/klimawandel-forscher-antworten-auf-die-argumente-von-skeptikern-ld.1468011

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimasystem/umsetzungen/energiebilanz-der-erde

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase

https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/welche-treibhausgase-verursachen-die-erderw%C3%A4rmung

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimasystem/umsetzungen/energiebilanz-der-erde

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimasystem/geosphaeren/atmosphaere

https://www.geo.fu-berlin.de/v/pg-net/klimaschwankungen/ursachen/ursachen_natuerliche/ursachen_terrestrisch/atmosphaerenzusammensetzung/index.html

https://www.nzz.ch/wissenschaft/klimawandel-forscher-antworten-auf-die-argumente-von-skeptikern-ld.1468011

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/klima-treibhauseffekt#textpart-1

https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/so-eine-grosse-wirkung-hat-so-wenig-co2/

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/klimaskeptiker.html

Kategorien
Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Nachhaltigkeit zu Weihnachten in Unternehmen – über 10 einfache Tipps

Nachhaltigkeit zu Weihnachten spielt auch in Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. In dieser Zeit des Jahres wirdam meisten konsumiert und Unternehmen geben oft Aufmerksamkeiten an Mitarbeiter*innen und Geschäftspartner*innen. Deswegen wollen wir hier mit Ideen helfen.

Wir haben Tipps für Nachhaltigkeit zu Weihnachten zusammengetragen. Das Schöne daran: Wir können diese Tipps auf all unsere Lebensbereiche anwenden, ganz egal ob beruflich oder privat. Vielleicht fällt es uns dieses Jahr sogar einfacher, die Tipps umzusetzen?

Viel Spaß beim Lesen und auf nachhaltige Weihnachten!

1. Nachhaltige Geschenkeideen für Nachhaltigkeit zu Weihnachten

Sind wir nicht alle „schon-alles-Haber“?

Wir besitzen viel und meistens zu viel. Häufig wissen wir gar nicht mal mehr, was wir eigentlich besitzen. Wie schafft man es als Unternehmen mit Geschenken zu Weihnachten einen echten Mehrwert zu bieten? Wie kann man nachhaltig sein und im Gedächtnis bleiben? Erzählen Sie die Geschichte zu Ihrem Geschenk. Und nutzen Sie dafür folgende Tipps:

Mehrweg statt Einweg

Einweg ist schon lange nicht mehr „in“. Spätestens seitdem die Ozean-Plastik-Debatte vor einigen Jahren an Fahrt aufnahm und Coca-Cola auch dieses Jahr wieder zum weltweit größten Plastikverschmutzer ernannt wurde. Sie können Dinge verschenken, die Ihre Kund*innen, Mitarbeiter*innen und Geschäftspartner*innen mehrmalig oder beliebig oft wieder verwenden. Damit wird Nachhaltigkeit zu Weihnachten im Unternehmen präsent.

Erlebnisse statt Krimskrams

Etwas zu schenken, was Menschen nicht schon 100 Mal besitzen und deswegen das 101. Mal nun im Müll landet, ist gar nicht so einfach. Verschenken Sie lieber eine wertschätzende Einladung auf einen selbst gemachten Kakao. Oder ein Konzertticket oder ein gutes Essen anstelle von Zeugs. So kann nachhaltige Weihnachten sogar die Geschäftsbeziehungen aufpolieren und mehr Vertrauen schaffen!

Leihen statt kaufen

Stellen Sie sich einmal vor, Sie schenken etwas, was nur ein Mal in 5 Jahren genutzt wird. Was für eine Verschwendung. In dem Falle bietet sich ein Mietmodell an. Verschenken Sie also lieber einen Gutschein für das Ausleihen einer Bohrmaschine als die Bohrmaschine selbst!

Second Hand statt Neu

Manchmal ist Besitzen sinnvoller als Leihen. Dies ist der Fall, wenn Gegenstände sehr häufig bis täglich in Gebrauch sind. So zum Beipsiel die Kaffeetasse, um in der Kantine fischen Kaffee zu holen, oder die ergonomische Computermaus. Second-Hand-Produkte oder nachhaltige Geschenke sind zum Beispiel Kaffeetassen aus Kaffeesatz, gebrauchte Bücher oder Second-Hand-Tech. Diese sind nicht nur nachhaltig(er), sondern erobern auch den Markt und damit die Herzen Ihrer Kund*innen und Mitarbeitenden.

Spenden statt Hamstern

In 2020 haben wir es besonders gesehen. Auf der einen Seite haben Menschen aus Angst vor Versorgungsengpässen Produkte wie Nudeln und Toilettenpapier gehamstert. Auf der anderen Seite haben Menschen für ihr Lieblingscafé um die Ecke gespendet, damit es die Corona-Pandemie wirtschaftlich überlebt. Fragen Sie den zu Beschenkenden, welches Unternehmen oder welche Organisation er oder sie unterstützen möchte. Und dann spenden Sie an diese.

Klasse statt konventionell

Soll’s noch eine Schokolade dazu sein? Oder ein Glühwein? Ihr Unternehmen kann beim Einkauf von Weihnachtsgeschenken auf Nachhaltigkeit achten. Dafür setzt es am besten auf regionale Fairtrade-Produkte aus Bio-Anbau. Das hat Klasse und ist besser für Umwelt und Gesellschaft.

Beispiele für Geschenke für mehr Nachhaltigkeit zu Weihnachten

  • Musik- oder Audible-Abos,
  • Spenden für ein Unternehmen, eine Organisation oder eine Person,
  • Einladungen zu gemeinsamer Zeit, z.B. Restaurantbesuchen,
  • wertige, wiederverwendbare Taschentücher aus Bio-Baumwolle,
  • hochwertige Glas- oder Edelstahlboxen für Speisen und Getränke sowie Thermoskassen,
  • Socken aus der heimischen Wolle aus Öko-Landbau,
  • regional hergestellte Seifen,
  • Jutebeutel, Bienenwachstücher, ultradünne Baumwollbeutel für Obst und Gemüse.

Es gibt hier viele tolle Möglichkeiten für Nachhaltigkeit zu Weihnachten im Unternehmen. Mit dem passenden Branding wird das Geschenk zu einem Hingucker. Und es bleibt lange im Gedächtnis!

2. Teamgefühl digital! Stärkende und nachhaltige Weihnachten

Rücksicht aufeinander nehmen

Viele Mitarbeiter*innen sind zum Jahresende ausgebrannt und gestresst. Oder sie fühlen sich getrieben von den Zielen zum Jahresende und müssen ihre Projekte noch schnell fertigstellen. Dazu kommen die persönlichen Sorgen. Außerdem fehlen oft die persönlichen Kontakte zu geliebten Menschen in diesem Jahr. Ihr Unternehmen kann für ein gutes Mitaeinander zur Weihnachtszeit sorgen.

Zeit für persönliche Fragen ist Balsam für die Seele

Gerade in der eigentlich besinnlichen Weihnachtszeit ist es wertvoll, sich und den Mitarbeitenden Zeit einzuräumen. Wie wäre es mit einer inspirierenden Frage am Tagesanfang? Z.B. Wofür bin ich dankbar? Welche Menschen inspirieren mich derzeit am meisten? Was macht mich besonders glücklich? Damit werden frische Kraft und Energie durch positive Gefühle geweckt. Außerdem wird die Mitarbeiterbindung und das Vertrauen ineinander gestärkt. Inspiration für Fragen gibt vertellis.

Gemeinsam digital aktiv sein

Zeit füreinander zu haben, geht auch digital. Wie wäre es mit einem Telefon-Spaziergang für alle in der Mittagspause? Den morgendlichen Kaffee gemeinsam zu trinken? Eine digitale Yogastunde zu halten oder gemeinsam digital Teig zu rühren, Plätzchen zu backen oder zu basteln?

3. Kunstbaum vs. echter Weihnachtsbaum?

Nachhaltigkeit in Unternehmen zu Weihnachten macht vor dem Tannenbaum nicht Halt. Auch Unternehmen stellen sich Weihnachtsbäume ins Büro oder Gebäude. Was ist ökologisch sinnvoller: ein echter Christbaum oder ein Plastikbaum? Wie umweltfreundlich der jeweilige Baum ist, hängt von der Herkunft, der Nutzungsdauer und der Entsorgung ab.

Etwa 28 Millionen Bäume sterben jährlich in Deutschland zum Weihnachtsfest. Das hört sich nicht nach Nachhaltigkeit zu Weihnachten an. Die Bäume stammen zumeist aus konventionellen Plantagen, die gedüngt und mit Pestiziden behandelt werden. Dies ist eine enorme Belastung für Böden. Gleichzeitg wissen wir, dass wir die Belastungsgrenze der Erde in Hinsicht auf Phosphor und Stickstoff bereits weit überschritten haben.

Ist ein Kunstbaum besser als ein echter Weihnachtsbaum? 

Nein! Und dafür gibt es zahlreiche Gründe:

  • Produktion: Plastikbäume werden i.d.R. aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Die Förderung ist schmutzig und das „scharze Gold“ selbst ein endlicher Rohstoff.
  • Mindestens 4 von 5 Plastikweihnachtsbäumen werden aus Fernost importiert. Emmissionen für Produktion und Transport und intransparente, häufig geringe Sozial- und Umweltstandards an Produktionsstandorten inklusive. (hier geht es zu einer Studie über den ökologischen Fußabdruck)
  • Während der Nutzungsdauer wird das Material des Plastikbaums immer posöser. Durch Sonnenlicht und Heizungswärme setzen sich kleine Partikel ab. Diese Mirkoplastik vermischen sich mit Hausstaub und gelangen in unsere Körper und können da gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen.
  • Auch die Entsorgung selbst ist schädlich. Bei einem echten Nadelbaum entsteht wieder Biomasse, während der Kunstbaum energieintensiv verbrannt wird und dabei umweltbelastende Toxine frei werden.

4. Natürliche Weihnachtsbäume so nachhaltig wie möglich

Der natürliche Weihnachtsbaum befindet sich in einem natürlichen Kreislauf und produziert in seiner durchschnittlichen Wachstumszeit von 10 Jahren 105 Tonnen Sauerstoff (1 Hektar Weihnachtsbaumkultur). Außerdem sorgt er am Ende des Lebenszyklus als Biomasse oder zur Erzeugung von regenerativer Energie weiter für Mehrwert.

Hier ein paar Tipps, wie Sie den Lebenszyklus von Weihnachtsbäumen so nachhaltig wie möglich gestalten:

  • Kaufen Sie als Unternehmer*in einen nachhaltigen Weihnachtsbaum aus der Region und am besten im Topf. Dieser lebt länger als der geschlagene Bruder.
  • Noch besser: Mieten Sie einen Baum. Eine Top-Alternative zum geschlagenen Baum! Der Baum überlebt im Topf also gleich mehrere Weihnachtssaisons und bereitet unterschiedlichen Menschen Freude. Ein Beispiel dafür: Baum mieten
  • Der Anbau zertifizierter Bio-Weihnachtsbäume verzichtet auf Kunstdünger und Pestizide. So zum Beispiel bei den Siegeln Demeter, Naturland, Biokreis, Bioland, Bio, FSC, PEFC. Gut für Böden und Insekten und um die Belsatungsgrenzen unseres Planeten nicht noch weiter auszureizen.
  • Achten Sie auf die Verpackung. Bestenfalls ohne Kunststoffnetze und Co.
  • Machen Sie aus dem Kauf ein kleines Event. Bringt den Baum bei einer Radtour mit heißem Tee oder Glühwein per Lastenrad nach Hause – natürlich nur innerhalb Ihres Hausstandes. In Dresden kann man Lastenräder kostenfrei mieten bei https://friedafriedrich.de/!
  • Entsorgung: Zoos freun sich sehr häufig über alte Weihnachtsbäume, denn diese sind Nahrung für Tiere. Und schon ist der Kreislauf (fast) perfekt.

Hier geht es zu einer interessanten Ökobilanz-Infographik, welche die natürliche der künstlichen Variante gegenüberstellt.

5. Natürliche Deko für nachhaltige Weihnachten

Schmücken Sie Ihre Räumlichkeiten mit natürlichen Materialien. Besonders eignen sich Strohsterne, Äpfel, getrocknete Orangenscheiben, Lebkuchen und Plätzchen. Herrlich machen sich auch Kombinationen aus Früchten, Moos, Nüssen, Zweigen und Zapfen. Auch selbst gemachte Kränze aus Stroh oder Zweigen sind ein echter Hingucker. Für weihnachtlichen Duft im Homeoffice sorgt der Duft von Zimtstangen, Nelken oder Orangen. Und Kerzen und Lichterketten bringen eine Wohlfühlstimmung in den Raum. Kerzen gibt es mittlerweile überall im Einzelhandel als Refill-Variante, d.h. ohne Einweg-Alu-Behältnisse. Außerdem können Sie aus Kerzenresten neue Kerzen herstellen.

6. Adventskalender für Nachhaltigkeit zu Weihnachten!

Digitale Adventskalender personalisieren

Adventskalender: Man vergisst ab und zu ein Türchen, dann ist es enorm viel Verpackung für wenig Inhalt. Vielleicht langweilt uns der Adventskalender auch schon, weil er jedes Jahr gleich ist. Das geht auch anders. Adventskalender können für Mitarbeiter*innen und Geschäftspartner*innen ganz individuell gestaltet werden, z.B. mit Motivationssprüchen, Lebensweisheiten, Geschäftserfolgszahlen und gemeinsamen Erinnerungsbildern. Dies geht am besten ressourcenarm mit einer digitalen Variante, wie tuerchen.com oder mein-adventskalender.de. Eine vielfältige Idee für Nachhaltigkeit zu Weihnachten im Unternehmen.

Gute Taten hinter jedem Kalendertürchen

Anstatt Schokolade oder materiellen Dingen bieten sich gute Taten an. Hinter jeder Tür wartet eine kleine Aufgabe, mit der sich der Öffnenede selbst und andere mit einer immateriellen Freude beschenken. Wann haben Sie das letzte Mal gemeinsam gesungen oder der älteren Dame von nebenan Ihres Geschäfts je geholfen, die Einkaufstaschen zu tragen? Der Kreativität bei den Aufgaben sind keine Grenzen gesetzt. Wenn Sie keine Zeit dazu haben, können Sie einen vorgefertigten Kalender nutzen, der Gemeinwohlprojekte unterstützt. Der Gute Taten e.V. löst mit dem Öffnen eines jeden Türchens eine Spende an Projekte in den Kategorien Gesundheit, Umwelt, Bildung, und Versorgung aus.

7. Nachhaltige Geschenkverpackung

8000 Tonnen Verpackungsmüll werden bundesweit jede Weihnachten erzeugt. Derweile ist es so einfach, hübsche und hochwertige Alternativen als Verpackungsmaterial ausfindig zu machen. So eignen sich bunte Outdoor-Kataloge und abgelaufende Reisemagazine genauso als Geschenkpapier wie Werbeflyer oder einfache Zeitungen. Oder wie wäre es mit Klopapierrollen, Gläsern oder Stoffresten? Für größere Geschenke eignen sich gebrauchte Schuh- oder Versandkartons. Wenn Sie genau überlegen, haben Sie mit Sicherheit etwas in Ihrem Büro oder Haushalt, was dem Müll geweiht ist und als Verpackungsmaterial noch ein zweites oder gar drittes oder viertes Leben bekommt. Upcycling für Nachhaltigkeit zu Weihnachten in Ihrem Unternehmen!

8. Weihnachtsfeier, der Klassiker für Nachhaltigkeit zu Weihnachten im Unternehmen

In großer Runde digital feiern

Es könnte auch ein Geschenk des Himmels sein, nicht die alljährlich gleiche Leier „von wegen Weihnachtsfeier“ über sich ergehen zu lassen. Denn: Dieses Jahr geschieht dies einfach mal digital. In Videokonferenzen können Mitarbeiter*innen, Management, Geschäftspartner*innen und Freund*innen des Unternehmens problemslos digital zusammenrücken und zusammen im großer Runde feiern.

In kleinen Runden persönlich und individuell austauschen

Andererseits ermöglichen so genannte Breatout-Rooms das Austauschen, Diskutieren und Werkeln in kleineren, individuellen Gruppen in Nebenräumen abseits des Hauptraums der Videokonferenz. Man kann diese Nebenräume sogar selbst tauschen, z.B. mittels Plattformen wie wonder.me. Für den Spiel- und Spaßfaktor bieten sich obendrein Online-Spiele an, wie Codenames oder Secret Hitler. Schon probiert?

Teamevents Post-Corona planen

Gleichzeitig kann bei der Weihnachtsfeier direkt ein Zeitfenster zur Planung eines analogen Wiedersehens eingeplant werden. Was sagen die kreativen Köpfe in Ihren Unternehmen? Wie stellen sie sich ein Teamevent Post-Corona vor? Anstelle auf eigene Faust in eine zeitfressende Planung zu gehen, können Sie so die Mitarbeiter*innen selbst entscheiden lassen und treffen so auf jeden Fall in Schwarze!

9. Nachhaltiges Weihnachtsessen – biologisch, regional, gesund

Gerade zu Weihnachten spielt Essen eine große Rolle. Dieses Jahr könenn wir das Festmahl mit zusammen mit Kolleg*innen oder in großer Runde daheim genießen. Es gibt 2 Möglichkeiten:

1. Sie kochen selbst und verwenden frische Bio-Zutaten aus Ihrer Region. Wenn Sie Mitarbeitende zum digitalen Weihnachsessen einladen, senden Sie gerne vorher ein Versorgungspaket und bereiten Sie die Speisen und Getränke gemeinsam digital zu. Es macht einen Riesenspaß!

2. Sie bestellen bei Ihrem Lieblingsrestaurant um die Ecke und unterstützen somit die Gastronomie Ihrer Region. War es zu viel? So stellen Sie es kalt und essen es zeitnah, bevor es in den Müll wandert.

10. Pendeln in der Weihnachtszeit – und auch sonst

In der Regel sind zur Weihnachtszeit die Straßen voll. Das kostet Zeit, Geld, Nerven und viel Energie. Sie ersparen sich Weihnachtsstress und tun Gutes für Umwelt und Klima, indem Sie per Bahn reisen. Dort können Sie die Zeit effektiv nutzen und ein Buch zu lesen oder sich mental auf nachhaltige Weihnachten oder das neue Jahr einzustimmen. Per Fahrrad können Sie die zusätzlichen Kalorien direkt wieder aubtrainieren und sportlich für Ihre gesundheitliche Fitness sorgen. Weitere Tipps und Tricks für nachhaltiges Reisen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Nachhaltigkeit in Unternehmen über Weihnachten hinaus denken

Nachhaltigkeit als Unternehmen strategisch angehen und wesentliche Auswirkungen erkennen

Für die große Veränderung in Unternehmen und Organisationen sind ein paar Wochen gutes Tun oder ein nachhaltiges Weihnachten ein schöner Beitrag, aber natürlich lange nicht genug. Es muss ums große Ganze gehen! Gemeinsam mit Ihnen identifizieren wir Handlungsfelder und erarbeiten passende Lösungen für Ihr Unternehmen. Wenn Sie sich mit Wesentlichkeitsanalyse, Nachhaltigkeitsschulungen und -strategie beschäftigen möchten, fragen Sie uns jederzeit gerne an!

Bis dahin wünschen wir Ihnen nachhaltige Weihnachten!

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de