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3 Schritte zu einer CO2-Bilanz im Unternehmen

Viele Unternehmen fragen sich, wie sie ihre Klimawirkung messen und eine CO2-Bilanz erstellen können. Tatsächlich kann dies zu einer Herausforderung werden, sind Daten nicht erfasst und das Know-How nicht vorhanden. Überforderung und Komplexität von Aufgaben und Unternehmen verleiten schnell dazu, die erste Motivation versanden zu lassen.

Die gute Nachricht ist: In diesem Blogbeitrag zeigen wir eine Struktur, mit der es jedes Unternehmen schafft, eine CO2-Bilanz zu erstellen. Herzlich Willkommen zu unserer Schritt-bei-Schritt-Anleitung für den Fußabdruck eines Unternehmens.

Inhalt:

  1. Die CO2 -Bilanz im Unternehmen vorbereiten
  2. Systemgrenzen für die CO2-Bilanz im Unternehmen definieren
  3. Erhebung und Berechnung der Daten

1.  Die CO2-Bilanz im Unternehmen vorbereiten

Wie schafft man gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche CO2-Bilanzierung?

Nachhaltigkeit als Thema im Unternehmen starten

Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche CO2-Bilanz in Unternehmen ist, dass Klimaschutz oder gar Nachhaltigkeit bereits ein Thema sind. Dies setzt eine Kommunikation nach innen (und ggf. sogar nach außen) voraus. So kann Akzeptanz gegenüber diesbezüglichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten geschaffen werden. Zusätzlich entsteht das Bewusstsein zu nachhaltiger Entwicklung im Unternehmen. Im nächsten Schritt steht dann Motivation und Training auf der Tagesordnung: Jede Aktivität, jede Maßnahme, jedes Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn es Menschen gibt, die motiviert und fähig sind, diese umzusetzen. Wie man Mitarbeitende für Nachhaltigkeit sensibilisiert und befähigt, schreiben wir in einem neuen Blogartikel im Mai 2021.

Wettbewerber und Kundenanforderungen überprüfen

Spannend ist es darüber hinaus Wettbewerber auf deren Klimaaktivitäten zu untersuchen, um zu verstehen, wo sich das eigene Unternehmen im Vergleich zum Benchmark bezüglich Klimaschutz positioniert. Abhilfe schaffen kann eine einfache Ja-Nein-Beurteilung:

Checkliste:

  • Einzelmaßnahmen zu Klimaschutz
  • Klimastrategie oder
  • Klimabericht oder CO2-Bilanz

Darüber hinaus gilt es Kundenanforderungen zu überprüfen, zum Beispiel dahingehend, ob Kund*innen klimarelevante Daten nachfragen oder gar obligatorisch fordern.

Risikoanalyse als Entscheidungsgrundlage für die Messung des CO2-Fußabdrucks

Eine gute Vorarbeit vor Erstellung einer CO2-Bilanz in Unternehmen kann außerdem eine Risikoanalyse sein. Welche Klimarisiken und -potenziale bestehen für das Unternehmen und welche potenziellen können entstehen? Welche Folgen haben die Risiken für das Unternehmen? Ist mit einer lokalen oder globalen und mit einer kurz- oder langfristigen Wirkung zu rechnen? Die Risikoanalyse kann ohne großen Aufwand mithilfe von einfachen Matrizen durchgeführt werden. Sie kategorisieren die Risiken in zum Beispiel physische Risiken, wie die Bedrohung der globalen Lieferkette durch Extremwetterereignisse, oder regulatorische Risiken, wie die Verschärfung der EU-Emissionshandel-Regularien, nach Kriterien, wie Dauer der Wirkung, Lokalität der Wirkung, Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit des Risikos. Die Risikoanalyse kann also Transparenz schaffen über die Notwendigkeit, die Gründe und die Ziele für eine CO2-Bilanzierung. Darüber hinaus gibt sie erste Hinweise, in welchen Bereichen des Unternehmens ggf. besonders hohe Risiken oder Potenziale liegen, welche es in den Scopes zu berücksichtigen gilt.

Best Practice: Einfache Risikoanalyse-Matrize zur Vorbereitung einer erfolgreichen CO2-Bilanz im Unternehmen

Legitimation und Konsens der Geschäftsführung

Weitere wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Erstellung einer CO2-Bilanz in Unternehmen wie für jede andere Maßnahme auch ist die (ökonomische) Legitimation. Ohne das Go des Managements geraten noch so engagierte Bestrebungen ins Stocken. Der Aufwand muss einem Nutzen gegenüberstehen. Gerade bei kleineren Unternehmen ist eine CO2-Bilanzierung nur praktikabel, wenn diese mit vertretbarem Aufwand durchführbar ist. Daher ist es sinnvoll zu hinterfragen, wieso und inwieweit der Fußabdruck gemessen werden soll. Warum macht eine CO2-Bilanzierung Sinn und steht sie in einem angemessenen Aufwand-Nutzen-Verhältnis? Wenn die Ziele einer CO2-Bilanz im Unternehmen klar sind, wird der erhoffte Nutzen klar und kann gegen den Aufwand abgewogen werden.

Ziele der CO2-Bilanz im Unternehmen identifizieren

Die Ziele ergeben sich aus den Analysen von Wettbewerb, Kundenanforderungen und Risiken, denn die Analysen zeigen, wie wichtig oder gar obligatorisch eine CO2-Bilanz für das Unternehmen ist. Dient der Fußabdruck eher der internen Steuerung oder dem externen Wettbewerb? Ist die Berechnung intrinsisch oder extrinsisch motiviert? Verlangen Gesetzesgrundlagen oder Kund*innen eine CO2-Bilanz, ist schnell klar, dass diese obligatorisch und aus extrinsischen Gründen durchzuführen ist . Intrinsische Ziele können sein, die eigenen Emissionen zu analysieren und zu reduzieren und zur Erreichung der globalen Klimaziele 2030 beizutragen.

Prozessstandard für eine CO2-Bilanz im Unternehmen festlegen

Hat das Unternehmen die Entscheidung zur Erstellung einer CO2-Bilanz getroffen, ist zu überlegen, ob bzw. welcher offizielle Standard zur Berechnung des Fußabdrucks angewendet werden soll. Für nicht berichtspflichtige Unternehmen ist dies nicht obligatorisch und die Berechnung kann ohne einen Standard erfolgen. Es hat jedoch Vorteile, wie die Glaubwürdigkeit und Transparenz für Kunden, Investoren und andere Stakeholder, aber auch die Kompatibilität und Vergleichbarkeit mit dem Benchmark. Daher ist selbst bei kleinen, nicht berichtspflichtigen Unternehmen die Anwendung eines offiziellen Standards zu empfehlen.  International anerkannt ist beispielsweise das Greenhouse Gas Protocol. Auch die DIN EN ISO 14064 ist ein anerkannter Standard zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks. Nach dieser können Unternehmen ihre Berechnung durchführen und durch den TÜV prüfen und zertifizieren lassen.

Vorhaben kommunizieren

Wir empfehlen, das Vorhaben eine CO2-Bilanz im Unternehmen zu erstellen intern zu kommunizieren. Dies bedarf keinem großen Prozess. Es reicht z.B. ein kurzer Zeit-Slot in einem Company-Meeting oder die Kommunikation mittels Mail oder Newsletter. Die Vorteile sind offensichtlich: Die Mitarbeitenden fühlen sich eingebunden und haben die Möglichkeit zu kritischen Rückfragen. Die erhöht die Akzeptanz und Motivation der Unterstützung im CO2-Bilanzierungs-Prozess. Das ist insbesondere bei der Datensammlung und -erhebung von Vorteil, in welche häufig mehrere Mitarbeitende involviert sind.

Je nach Umfang kann das Unternehmen das Vorhaben (später) auch extern kommunizieren, z.B. mittels Erklärung für den Klimaschutz oder Verankerung im Leitbild des Unternehmens.

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2.  Systemgrenzen für die CO2-Bilanz im Unternehmen definieren

Welche sind die Systemgrenzen, innerhalb derer das Unternehmen die Emissionen messen sollte?

Systemgrenzen verstehen 

Doch was heißt es nun, Emissionen zu erheben? Welche Bereiche im Unternehmen sollen in der CO2-Bilanz betrachtet werden, zu welchem Zeitpunkt und bis zu welchem Grad sollen welche Emissionen einbezogen werden? Wo liegen also die Grenzen, die sogenannten Systemgrenzen? Mit Systemgrenze ist gemeint, welche Bereiche des Unternehmens und der Wertschöpfungskette in die Bilanzierung einbezogen werden sollen und welche nicht. So kann z.B. festgelegt werden, dass nur eine von drei Rohstofflieferketten einbezogen wird, weil dort wahrscheinlich die meisten Emissionen entstehen.

Es ist unabdingbar Systemgrenzen festzulegen, um nicht in einem Chaos der Datenerfassung und -auswertung zu enden. Systemgrenzen sind zeitlicher, organisatorischer und operationeller Natur.

Übersicht der Systemgrenzen für die CO2-Bilanz eines Unternehmens als Beispiel. (eigene Darstellung (c)plant values)

Zeitliche Systemgrenze festlegen = Basisjahr

Der Zeitraum legt fest, für wann die Emissionen erhoben werden sollen. Meist werden die Emissionen für den Zeitraum von einem Jahr erhoben und dann mit den Folgejahren verglichen. Bei einer Erhebung über viele Folgejahre hinweg ist auch ein rollender Durchschnitt möglich. Wichtig ist, ein Basisjahr für die CO2-Bilanz im Unternehmen festzulegen. Dafür sollte das Unternehmen ein möglichst normales, durchschnittliches Jahr wählen ohne außergewöhnliche Geschäftsereignisse oder größere Störungen im Geschäftsablauf (wie Corona, Fusionen, Verkauf von Geschäftssparten).

Organisatorische Systemgrenzen bestimmen = Standorte

Welche Standorte und Tochterfirmen sollte das Unternehmen in die CO2-Bilanz einbeziehen? Bei kleineren Unternehmen mit einfachen Besitzverhältnissen ist diese Systemgrenze einfach festzulegen. Komplexer gestaltet sich die Beantwortung der Frage bei größeren Unternehmen mit vielen Standorten und differenzierten Rechtsformen und Besitzverhältnissen. Hier ist zu entscheiden, inwieweit die Emissionen der bestimmten Standorte prozentual in die CO2-Bilanzierung einbezogen werden. Dazu wählen entweder den Equity share approach, den Financial control approach oder den Operational Control approach. (mehr dazu im Greenhouse Gas Protocol A Corporate Accounting and Reporting Standard)

Operationelle Systemgrenzen definieren = Emissionskategorien

Operationelle Systemgrenzen verstehen

Die operationellen Systemgrenzen werden im Greenhouse Gas Protocol definiert. Üblicherweise werden die Emissionen in die Scopes 1, 2 und 3 unterteilt. Im Folgenden stellen wir die Scopes vor, um sie greifbar und verständlich zu machen:

  1. Scope 1 (obligatorisch): Direkte Emissionen aus Quellen, die direkt vom Unternehmen kontrolliert werden:
    • Verbrennung in stationären Anlagen (z.B. Heizanlagen)
    • Mobile Verbrennung (z.B. Fuhrpark)
    • Leckagen (z.B. Klimaanlagen)
  2. Scope 2 (obligatorisch): Indirekte Emissionen, die aus der Verbrennung für die Bereitstellung von Strom, Wärme oder Dampf resultieren.
  3. Scope 3 (optional): Emissionen, die das Unternehmen verursacht, die das Unternehmen aber nicht kontrolliert, z.B.
    • Vorgelagerte Wertschöpfungskette, wie eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Mitarbeitermobilität oder Abfallaufkommen
    • Nachgelagerte Wertschöpfungskette, wie Transporte, Gebrauch, Weiterverarbeitung und Entsorgung verkaufter Produkte
Einteilung der Emissionen nach Scopes (eigene Darstellung, angelehnt an das Greenhouse Gas Protocol)
Operationelle Systemgrenzen: Verpflichtende und freiwillige Berechnung

Scope 1 und Scope 2 sind obligatorisch zu berichten laut Greenhouse Gas Protocol, es sei denn es entstehen keine oder nur verschwindend geringe Emissionen in diesen Kategorien (In diesem Falle ist dies bestenfalls zu begründen). Darüber hinaus sind die Kategorien in Scope 3 nicht verpflichtend zu berichten. Hier ist es wichtig zu überlegen, welche Kategorien sinnvoll mit in die CO2-Bilanz im Unternehmen einbezogen werden sollten. Am besten wägt das Unternehmen diese Entscheidung danach ab, welche Emissionen es in welchen Bereichen erwartet und welchem Aufwand der Datenbeschaffung diese gegenüberstehen. Konkret heißt das, dass Kategorien mit hohen Emissionen und damit hoher Relevanz einbezogen werden sollten.

Operationelle Systemgrenzen: Emissionsschwerpunkte in Scope 3 identifizieren

Es ist also wichtig, eine kurze qualitative Einschätzung über die Emissionsschwerpunkte des Unternehmens zu treffen. (s. Abb.) Wo fallen die meisten Emissionen an? Aus den Emissionsschwerpunkten leitet sich ab, welche Kategorien bilanziert werden sollten. Werden hohe Emissionen erwartet, sind diese Kategorien in der CO2-Bilanz im Unternehmen zu berechnen. So zum Beispiel fallen die Emissionsschwerpunkte eines Online-Shops in Scope 3 in die vor- und nachgelagerte Logistik (3.4; 3.9) und in Leasing von Serverinfrastruktur (3.8), während sie bei einem Beratungsunternehmen vermutlich in Geschäftsreisen (3.6) und Mobilität der Mitarbeitenden (3.7) liegen.

Kategorien mit erwartet geringen Emissionen brauchen nicht berücksichtigt werden bzw. sind optional.

Tipp: Im ersten Jahr ist die Datenbeschaffung mit viel Aufwand verbunden, deswegen sollte man sich auf die wichtigsten (organisatorischen und operationellen) Kategorien beschränken und die CO2-Bilanzierung schrittweise in den Folgejahren erweitern.

Best Practice: Erste qualitative Bewertung der Emissionsschwerpunkte im Unternehmen (eigene Darstellung (c)plant values)

Vorhaben organisatorisch verankern

Nun hat das Unternehmen die Systemgrenzen für die CO2-Bilanz festgelegt. Anhand dessen kann grob abgeschätzt werden, mit wieviel personellem und zeitlichem Aufwand zu rechnen ist. Wird die Bilanzierung erstmalig durchgeführt und nur ein Hauptstandort einbezogen sowie auf die wichtigsten Scopes begrenzt, kann selbst in einem mittelständischen Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden ¼  Stelle über eine Zeitdauer von 3 Monaten ausreichend sein. In jedem Falle sollte ein*e Koordinator*in diese Stelle innehaben und verantwortlich für die Datenbeschaffung und -erfassung sein. Bei größeren Unternehmen mit ausdifferenzierten Rechts- und Eigentumsverhältnissen und Bilanzierungen vieler Kategorien ist mit höherem Aufwand zu rechnen. Hier kann neben eine*r Koordinator*in ein kleines Projektteam ernannt werden. In jedem Falle ist es ratsam, den Prozess bei einer verantwortlichen Person oder Abteilung zu verorten, um einen reibungsfreien Ablauf zu garantieren.

3. Erhebung und Berechnung der Daten

Welche Daten müssen erfasst und in CO2-Äquivalente umgerechnet werden?

Vorhandene Daten für die Messung des CO2-Fußabdrucks nutzen

Die festgelegten Systemgrenzen, in denen Emissionen gemessen werden sollen, zeigen, welche Aktivitäts- bzw. Emissionsdaten erhoben werden müssen. Liegen keine direkten Emissionsdaten vor, können diese aus den Aktivitätsdaten berechnet werden. Teils geschieht das durch einfache Umrechnung, teils müssen Annahmen oder Schätzungen getroffen werden. Dabei muss das Rad nicht unbedingt neu erfunden werden. Welche Daten liegen bereits durch bestehende Managementsysteme, Controlling oder Tools vor? Sogar ganz einfache Datenquellen, wie Rechnungen von Energielieferanten, liefern wichtige Daten. Die folgende Liste hilft dabei, einen Überblick zu bekommen, in welchen Systemen im Unternehmen bereits Daten zur Erstellung der CO2-Bilanz vorliegen können.

Datenquellen zur Berechnung von CO2-Emissionen

  • Controlling-Tools
  • Managementsysteme
    • z.B. zur Buchung von Geschäftsreisen
  • Rechnungen
    • z.B. von Energielieferanten
  • Zertifizierungen bzw. spezifische Managementsysteme
    • DIN EN ISO 14001, 9001, 16001, 50001
    • EMAS
    • CDP
    • Ökoprofit
  • Beratungsleistungen
    • Energieberatung
  • Projektbeteiligung
    • LEEN – 30 Pilotnetzwerke
    • B.E.E. – Betriebliches Energie-Effizienz-Programm
    • Sonstige
  • Teilnahme am Emissionshandel – In dem Falle liegen CO2-Werte aus emissionshandelspflichtigen Anlagen bereits vor.

Daten für den CO2-Fußabdruck erfassen und dokumentieren

Die Koordinator*in ist nun verantwortlich dafür die Daten von den unterschiedlichen Abteilungen und Ansprechpartnern zusammenzutragen. Es ist äußerst hilfreich dafür ein einheitliches Tool zu verwenden. Dies kann auch eine einfache Excel-Tabelle sein. Hier werden dann die jeweiligen Scopes bzw. Emissionskategorien, die Datenquelle, aus der die Daten entstammen, die Ansprechpartner bzw. angefragte Abteilung und die Datenqualität, also ob die Daten auf einer Messung, Berechnung oder Schätzung basieren, erfasst.

So zum Beispiel können Unternehmen die Daten für Scope 2.1 „Emissionen aus gekauftem Strom“ erfassen:

Best Practice: Einfache Datenerfassung in Excel für die CO2-Bilanz in Unternehmen

Qualität der CO2-Bilanz im Unternehmen garantieren

Die Erfassung und Berechnung der Daten für die CO2-Bilanz im Unternehmen orientieren sich an den Prinzipien der Relevanz, Konsistenz, Genauigkeit, Transparenz und Vollständigkeit. Erfahrungsgemäß sind jedoch nicht alle Daten in entsprechender Qualität vorhanden. So zum Beispiel liegen bei Scope 3.6 Geschäftsreisen häufig nur die Reisekostenabrechnungen vor, ohne dass Streckenkilometer aufgeschlüsselt sind. Es ist gängige Praxis, die Kosten- bzw. finanziellen Aktivitätsdaten mittels Annahmen und Schätzungen in Emissionsdaten umzurechnen (z.B. Bahnkosten insgesamt / Durchschnittskosten pro Bahnfahrt * Emissionsfaktor pro Bahnfahrt). In diesem Falle ist die Bilanzierung zwar vollständiger, jedoch auch ungenauer. Das Zusammentragen der Daten dient also auch dazu, Datenlücken zu identifizieren und zu schließen und somit eine hohe Konformität mit den Berichtsprinzipien zu erreichen.

CO2-Daten berechnen

Sind die Aktivitätsdaten erfasst, z.B. der Strom in kWh, werden diese in CO2-Äquivalente umgerechnet. Am einfachsten und schnellsten erfolgt diese Umrechnung mittels offiziellen Emissionsfaktoren. In diesen ist bereits die Klimawirksamkeit der verschiedenen Klimagase (Global Warming Potentials) berücksichtigt und eine eigene, weitaus kompliziertere Berechnung ist nicht nötig.

Emissionsfaktoren festlegen

Beim Strom zum Beispiel kann man den Emissionsfaktor des Strommix der Stromrechnung entnehmen, den der Stromlieferant gemäß §42 EnWG die Menge an CO2 in Gramm bzw. Kilogramm pro Kilowattstunde ausweisen muss.

Bei anderen Kategorien, wie z.B. Scope 3.6 Geschäftsreisen, können wissenschaftlich errechnete Emissionsfaktoren zur Anwendung kommen. Im deutschen Markt gängige und anerkannte Datenbanken für Emissionsfaktoren sind beispielsweise GEMIS, die IPCC Leitlinien und ProBas. Für die Berechnung von Scope 1.3 Emissionen flüchtiger Gase aus beispielsweise Klimaanlagen eignen sich die Tools des Greenhouse Gas Protocol.

Für Mobilitätsdaten in Scope 1.2 Fuhrpark und Scope 3.6 Geschäftsreisen, wie die Umrechnung von gefahrenen Bahnkilometern in CO2-Äquivalente, eignet sich auch das mobitool (ecoinvent) hervorragend.

CO2-Bilanz im Unternehmen kontinuierlich fortführen und erweitern

Für die erfolgreiche Fortführung des erlangten Wissens, ist es sinnvoll eine Dokumentation der Erhebung, insbesondere über Schätzungen und Annahmen, durchzuführen. Dies ist ganz im Sinne der Greenhouse-Gas-Protocol-Prinzipien, die unter anderem eine Konsistenz für die Berechnung des Corporate Carbon Footprints vorsehen. Sind die Grenzen einmal festgelegt, sollten nachfolgende Erhebungen dieselben Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen aufzeigen. Ändert sich z.B. aufgrund von Erweiterung der Bilanzierung unter Einbezug weiterer (wesentlicher) Emissionskategorien oder aufgrund von besserer Datenqualität die Berechnungsmethodik, sollte das Unternehmen auch das Basisjahr neu berechnen wenn möglich (wenn nicht, bedarf es einer Erklärung). Dies bedient gleichermaßen die Forderung eines transparenten, genauen und konsistenten Zeitvergleichs bei den CO2e-Emissionen als auch zwischen Standorten.

Fazit

Die CO2-Bilanz fasst die Emissionen eines Unternehmens zusammen. Es gibt viele Wege und Möglichkeiten eine CO2-Bilanzierung durchzuführen. Um erfolgreich zum Ziel zu gelangen, empfehlen wir im 1. Schritt die CO2-Bilanzierung gut vorzubereiten, indem das Unternehmen Ziele identifiziert und das Vorhaben intern kommuniziert. Im 2. Schritt definiert das Unternehmen die Systemgrenzen für die Messung des CO2-Fußabdrucks. Dies hilft einer reibungsfreien, transparenten und glaubwürdigen Abfolge des Prozesses. Im 3. Schritt erfolgt die Erhebung und Berechnung der Daten. Hierbei dürfen nebst Messungen und Hilfsmitteln wie Emissionsfaktoren auch Schätzungen und Annahmen zurate gezogen werden. Eine Dokumentation dieser (Daten, Datenquellen, Annahmen, Schätzungen, Emissionsfaktoren) ist unbedingt ratsam, um die Konsistenz der Berechnungen auch in den Folgejahren zu gewährleisten. Im Resultat zeigt die CO2-Bilanz, in welchen Unternehmensbereichen die meisten Treibhausgase entstehen. Somit deckt die CO2-Bilanz im Unternehmen Potenziale zur Minimierung der Klimawirkung auf und ist somit wichtigste Grundlage für Geschäftsentscheidungen in Bezug auf Klimaschutz.

Synonyme für CO2-Bilanz eines Unternehmens (oder als Prozess CO2-Bilanzierung) sind Klimabilanz, CO2-Fußabdruck eines Unternehmens oder Corporate Carbon Footprint.

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Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de

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Orientierung der Wesentlichkeitsanalyse an den SDGs

Wesentlichkeit beschreibt für Unternehmen, was ihre Einflüsse auf Gesellschaft und Umwelt sind – und umgekehrt. Wer seine Wesentlichkeit erkannt hat, kann darauf aufbauend Strategie und Maßnahmen entwickeln, um fundiert nachhaltig zu agieren. In diesem Beitrag führen wir beispielhaft aus, wie man mit den Sustainable Development Goals (SDGs) der United Nations arbeiten kann, um sich der eigenen Wesentlichkeit bewusst zu werden.

Einsatz der Sustainable Development Goals für die Wesentlichkeitsanalyse

Die UN-Nachhaltigkeitsziele stellen eine multilaterale Verständigung einer Vielzahl von Staaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren zur Definition von Zielen für eine globale, nachhaltige Entwicklung dar. Sie gliedern sich in 17 Hauptziele, welche in ihrer farbenfrohen Kacheldarstellung internationale Berühmtheit erlangt haben.

Darstellung der 17 SDG (c) https://www.un.org/sustainabledevelopment/ Hinweis: “The content of this publication has not been approved by the United Nations and does not reflect the views of the United Nations or its officials or Member States“

Jedes Hauptziel wird mit Hilfe von Unterzielen konkretisiert. Insgesamt gibt es 169 spezifizierende Zielvorgaben. Die Unterziele sind nicht speziell für die Anwendung in Unternehmensstrategien formuliert. Dennoch geben diverse Ziele eine sehr gute Orientierung zur Bestimmung der wesentliche Einflussfaktoren von Unternehmen für eine nachhaltige Entwicklung. In den folgenden Abschnitten stellen wir einige Schritte vor, welche dabei helfen, die wesentlichen Unterziele zu identifizieren. Wir konzentrieren uns hierbei in erster Linie auf die Inside-Out-Perspektive – Ziele, welche durch Unternehmensaktivitäten befördert oder konterkariert werden können.

Schritt 1 – Clusterung der SDG-Unterziele passend zum eigenen Unternehmen

Unternehmen dürfen bei der Identifikation wesentlicher Einflussfaktoren in Orientierung an den SDGs nicht bei den Bezeichnungen der Hauptziele stehen bleiben. Auch wenn die Bewertung und Clusterung von 169 Unterzielen nach einer Mammutaufgabe klingt – es lohnt sich.

Die wichtigsten Punkte zu Schritt 1 im Überblick:

  • Identifikation der direkt, indirekt und nicht beeinflussbaren 169 SDG-Unterziele
  • Unterteilung des Wertschöpfungsnetzwerks in Gradstufen (direkte und indirekte Geschäftsbeziehung)

Unterscheidung nach direkt und indirekt beeinflussbaren SDG-Unterzielen vornehmen

In diesem ersten Schritt werden alle Unterziele danach unterschieden, ob die Unternehmensaktivitäten die Ziele beeinflussen. Zusätzlich wird betrachtet, ob es sich um eine direkte oder indirekte Beeinflussung handelt.  Wir empfehlen eine direkte Beeinflussbarkeit anzunehmen, wenn die eigene Geschäftstätigkeit positiv oder negativ auf das Ziel wirkt beziehungsweise wirken kann. Eine indirekte Beziehung liegt vor, wenn die Beeinflussung über das Wertschöpfungsnetzwerk des Unternehmens möglich ist. Hierbei gelten als Wertschöpfungsnetzwerk mindestens die Stakeholder ersten Grades, welche zu folgenden Gruppen gehören: Lieferanten, Kunden und Kapitalgeber. Abhängig von der Komplexität der Wertschöpfungsketten, den Ressourcen des Unternehmens (Personal, Kapital, etc.) und bestehenden Datenbanken sollte jedes Unternehmen jedoch den Anspruch verfolgen, möglichst viele Grade in die Tiefe zu gehen. Die nachfolgende Abbildung zeigt, dass die Stakeholder der Kategorie Grad 1 solche sind, zu denen eine direkte Geschäftsbeziehung besteht. Zu allen nachfolgenden Graden besteht nur eine indirekte Beziehung.

Vereinfachte Darstellung zum Wertschöpfungsnetzwerk mit Graden

Ebenfalls als indirekt beeinflussbare Unterziele sind solche zu betrachten, bei denen das Unternehmen durch gesellschaftliches oder politisches Engagement auf die Zielerreichung einwirken kann.

Ergebnis von Schritt 1 anhand des SDGs Nr. 12 – Nachhaltige/r Konsum und Produktion

Final ergibt Schritt 1 eine Clusterung der Unterziele nach direkten und/oder indirekten sowie nicht beeinflussbaren Unterzielen inklusive diverser Zusatzinformationen. Zur Veranschaulichung der Resultate dient die folgende Darstellung zu einem fiktiven Unternehmen (ohne direkten Endkundenkontakt) am Beispiel des SDG Nr. 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion. Das Ziel Nr. 12 untergliedert sich in elf Unterziele, von welchen hier vier beispielhaft Anwendung finden:

12.2 – Bis 2030 die nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen erreichen.

12.5 – Bis 2030 das Abfallaufkommen durch Vermeidung, Verminderung, Wiederverwertung und Wiederverwendung deutlich verringern.

12.7 – In der öffentlichen Beschaffung nachhaltige Verfahren fördern, im Einklang mit den nationalen Politiken und Prioritäten.

12.8 – Bis 2030 sicherstellen, dass die Menschen überall über einschlägige Informationen und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung und eine Lebensweise in Harmonie mit der Natur verfügen.

Darstellung von direkt und indirekt beinflussbaren SDGs

Schritt 1 ergibt damit bereits erste Erkenntnisse zur Wesentlichkeit. Bei Unterziel 12.7 wird beispielweise wegen dem fehlenden Endkund*innen-Kontakt nur eine indirekte Beeinflussbarkeit angenommen. Dies bedeutet noch nicht, dass die Unternehmensaktivitäten, welche dieses Unterziel beeinflussen, als unwesentlich einzustufen sind. Wird beispielsweise ein großer negativer Einfluss auf die Erreichung dieses Unterziels ausgeübt, ist die Verminderung/Neutralisierung dieses Einflusses wesentlich, auch wenn der Weg dahin mit hohem Aufwand verbunden ist.

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Schritt 2 – Wesentlichkeit bei direkt beeinflussbaren SDGs bestimmen

Eine pauschale Aussage darüber, ob ein SDG-Unterziel wesentlich ist, auf welches das Unternehmen direkt positiv oder negativ einwirkt, ist nicht möglich. Um eine strukturierte Auseinandersetzung mit dem eigenen Impact zu ermöglichen, empfehlen wir die Unterscheidung zwischen innerbetrieblichen- und Netzwerkthemen. Die Arbeitszeitregelungen für Mitarbeiter*innen sind hierbei beispielsweise ein innerbetriebliches Thema. Arbeitsbedingungen bei einem Rohstofflieferanten 1. Grades sind dagegen ein Netzwerkthema, welches über Einkaufsbedingungen oder Negativlisten direkt beeinflussbar ist. Ein anderes Beispiel aus dem ökologischen Bereich ist, welchen Rohstoff das Unternehmen in seinem Produkt verwendet ist ein innerbetriebliches Thema. Ob der Rohstoff von einem Lieferanten mit großem oder kleinem ökologischen Fußabdruck eingekauft wird, ist dagegen ein Netzwerkthema.

Welche direkt beeinflussbaren Unterziele sind wesentlich?

Wesentlich sind diese Unterziele, auf welche in besonderem Maße negativ oder positiv eingewirkt wird. Die Bestimmung der Intensität der Einwirkung kann auf verschiedensten Wegen erfolgen. Für innerbetriebliche Themen bieten sich Datenerhebungen und -auswertungen (wie bspw. mit Scope 1 und 2 einer CO2-Bilanz), Befragungen interner Stakeholder, Experteninterviews oder Workshops an.

Für Netzwerkthemen ist eine erste Vorselektion nach Intensität der Geschäftsbeziehung und der Bedeutung für den eigenen Geschäftsbetrieb sinnvoll. Die Betrachtung von Netzwerkthemen mit Lieferanten von welchen die primären Vorerzeugnisse für die eigenen Produktlinien bezogen werden, haben Vorrang in der Wesentlichkeitsbestimmung. Die Wesentlichkeitsanalyse funktioniert dann mit sehr ähnlichen Verfahren, wie bei den direkt beeinflussbaren SDG-Unterzielen zu innerbetrieblichen Themen. Datenerhebungen im Rahmen von Einkaufsprozessen, Befragungen von internen und externen Stakeholdern (inkl. NGOs und unabhängigen Experten) sowie die Durchführung von Workshops mit einem breiten Teilnehmer*innenfeld haben sich als sehr effektiv herausgestellt. Bei besonders entscheidenden Wertschöpfungsbeziehungen sollte auch der Einsatz von externen Ratingverfahren und Siegeln in Betracht gezogen werden. Einen Überblick hierzu findet ihr in unserem Artikel „Siegel und Zertifikate und andere Nachweise für Nachhaltigkeit im Unternehmen“.

Mehr zum Thema Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse findet ihr auch in unserem Leitfaden „Wesentlichkeitsanalysen effektiv umsetzen und strategisch nutzen“

Im Ergebnis entsteht nicht nur eine Wesentlichkeitsmatrix

Die Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse können ganz klassisch in einer Wesentlichkeitsmatrix zusammengefasst werden. Bei größeren Unternehmen und komplexen Geschäftsmodellen empfehlen wir jedoch die Aufbereitung in zwei Wesentlichkeitsmatrizen: Eine Matrix zu innerbetrieblichen Themen und eine zu Netzwerkthemen, jeweils mit Verbindung des Themas zu den relevanten SDG-Unterzielen.

Schritt 3 – Wesentlichkeitsanalyse für indirekt beeinflussbare SDG-Unterziele

Zur Wiederholung – indirekt, beeinflussbare SDG-Unterziele sind solche, die:

  • … über das Wertschöpfungsnetzwerk, aber nicht über die eigene Geschäftstätigkeit beeinflusst werden können. Ein Beispiel hierfür ist die Auswahl von Sublieferanten eines Lieferanten 1. Grades. Die sogenannten Lieferanten 2. Grades.
  • … über gesellschaftliches oder politisches Engagement beeinflusst werden können. Die Unterstützung von Bildungsangeboten zu nachhaltigem Konsum wäre bspw. eine indirekte Beeinflussung des SDG Nr. 12 – Konsum und Produktion.

Welche indirekt beeinflussbaren SDGs sind wesentlich?

Bei Themen, welche über das Wertschöpfungsnetzwerk beeinflussbar sind, kann man sich an dem Vorgehen für Netzwerkthemen im Bereich der direkt beeinflussbaren SDG-Unterziele orientieren.

Für die Wesentlichkeitsbestimmung zu SDG-Unterzielen über gesellschaftliches und politisches Engagement empfehlen wir Stakeholderbefragungen – bei diesen sollten viele Gruppen eingebunden werden, zu denen keine direkten Geschäftsbeziehungen bestehen. Das sind zum Beispiel NGOs oder auch Expert*innen für politische Interessensvertretung. Als Alternative zu Befragungen dienen Stakeholderdialoge. Sie können in ihrem thematischen Aufbau und den zu behandelnden Fragestellungen aus den Ergebnissen der Wesentlichkeitsanalysen zu innerbetrieblichen- , Netzwerk- und indirekten Wertschöpfungsthemen abgeleitet werden. Weitere Informationen zum Aufbau von Dialogformaten anhand von Wesentlichkeitsanalysen findet ihr in unserem Artikel „Mit der Wesentlichkeitsanalyse zum Stakeholderdialog“.

Vereinfachter Anfang der Wesentlichkeitsanalyse mit Hilfe der SDGs

Nicht jedes Unternehmen hat die Kapazitäten, alle SDG-Unterziele dezidiert zu betrachten und die eigene, direkte und indirekte Wirkung auf die Erreichung der Ziele zu untersuchen. Wir möchten deshalb an dieser Stelle noch einige Wege zur vereinfachten Anwendung der drei Schritte aufzeigen:

  • Einschränkung der betrachteten Stakeholder: Nur die Stakeholder 1. Grades betrachten mit denen eine gewisse Intensität in der Geschäftsbeziehung verbunden ist – Häufigkeit, Umsatz- oder Kostenrelevanz, Höhe der Geschäftsanteile, etc.
  • Anfangen mit einem Teil der 17 SDGs: Die Nachhaltigkeitsziele noch vor detaillierter Betrachtung der Unterziele eingrenzen und erst Jahr für Jahr weitere SDGs einbeziehen.
  • Zusammenführen auf eine große Wesentlichkeitsanalyse: Das dargestellte Vorgehen erfordert in Summe vier Wesentlichkeitsanalysen. Zur Vereinfachung des Prozesses, können in einem internen Arbeitsschritt wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen aufbauend auf den SDG-Unterzielen identifiziert werden. Es entsteht eine interne Vorauswahl an Themen. Die Clusterung nach direkter und indirekter Beeinflussbarkeit bleibt bestehen. Anschließend wird mit einer großen Datenerhebung und -auswertung sowie Stakeholderbefragung gegebenenfalls in Ergänzung mit Workshops und Interviews nur eine Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt.

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Michael Jenkner
Themenbereich Wesentlichkeit

0177-4632962 | m.jenkner@plant-values.de

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Siegel + Zertifikate zu Nachhaltigkeit – der große Überblick für Unternehmen

Es finden sich zu Nachhaltigkeit unzählige Siegel, Zertifikate und ähnliche Nachweise. Sowohl für Verbraucher*innen als auch für Unternehmen selbst ist es schwer einen Überblick zu behalten.

Wir wollen also mit diesem Artikel Unternehmen eine Orientierung geben, welche Siegel und Zertifikate es gibt und wofür sie geeignet sind. Dabei können wir nicht alle Siegel, Zertifikate und Nachweise für Nachhaltigkeit in Unternehmen aufnehmen, die existieren. Deswegen zeigen wir die am häufigsten anzutreffenden Siegel, Zertifikate und Nachweise für Nachhaltigkeit und erklären die Unterschiede und Anwendungsfälle.

Da es mittlerweile diverse Spielarten gibt die eigene Nachhaltigkeit „nachzuweisen“, haben wir neben klaren Siegeln und Zertifikaten weitere Formen mit aufgenommen. So z.B. die Mitgliedschaft in bestimmten Initiativen oder auch die Auszeichnung mit Preisen.

Wir werden Stück für Stück für einzelne der Siegel und Zertifikate eigene Beiträge schreiben. Wenn Sie detailliertere Fragen zu bestimmten Punkten haben, schreiben Sie uns gern einfach eine Mail.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden Leitfadens zur Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Hier soll er somit helfen ein umfassendes Verständnis für die Möglichkeiten von Nachhaltigkeit im Unternehmen zu bilden.

Inhalt

1. Siegel für nachhaltige Produkte

Die Bandbreite an Siegeln für nachhaltige Produkte ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Gemeint sind solche Siegel, die eine Aussage zur produktspezifischen Nachhaltigkeitsleistung oder die Art derer Herstellung geben.

Für einen Überblick über Produktsiegel verweisen wir deshalb auf andere Seiten, die unser volles Vertrauen genießen:

In diesem Überblick-Artikel geht es um Siegel und Nachweise auf Unternehmensebene. Dies sind solche Siegel, die in den meisten Fällen gar nicht auf Produkten abgebildet sein dürfen, sondern die Nachhaltigkeitsleistung des ganzen Unternehmens zeigen sollen.

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2. Siegel und Zertifikate zu Nachhaltigkeit für das gesamte Unternehmen

Zuerst wollen wir uns den Siegeln und Zertifikaten widmen, die Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen betrachten. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass hierbei nicht objektiv die Nachhaltigkeitsleistung, also die Summe der Wirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, eines Unternehmens abgebildet wird. Dafür müsste eine umfassende individuelle Öko- und Sozialbilanz aufgestellt werden und dies ist mit aktuellen Methoden kaum umsetzbar.

Deshalb beschreiben diese Siegel und Zertifikate unternehmensweite Systeme (wie Managementsysteme) oder Strukturen (wie transparente Berichtsstrukturen) für Nachhaltigkeit.

a) Zertifizierungen für Managementsysteme

Ziel: Managementsysteme nach einem anerkannten Standard sind für viele Unternehmen gut bekannt. Ziel dieser Systeme ist es die Tätigkeiten, Instrumente und Methoden der Unternehmensführung bezüglich Umwelt oder Nachhaltigkeit zu strukturieren, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Vor- und Nachteile: Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagementsysteme können Unternehmen helfen detaillierte Informationen zu ihren Nachhaltigkeitsleistungen zu bekommen. Je nach Größe und Geschäftsmodell ist der Aufbau und die Fortführung eines solchen Systems jedoch auch ressourcenintensiv.

Wofür geeignet: Managementsysteme eignen sich für die strukturierte kontinuierliche und umfassende Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung und bieten sich somit insbesondere für größere und produzierende Unternehmen an. Werden die Systeme zertifiziert, sind sie außerdem insbesondere für Geschäftskund*innen und -partner*innen ein anerkannter Nachweis für gelebtes Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmanagement.

Die Systeme:

  • ISO 14001: Die ISO Norm 14001 legt Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest und ist international anerkannt. Organisationen wie der TÜV können das Umweltmanagementsystem zertifizieren.
  • EMAS: Das Eco Management and Audit Scheme ist ein System der EU und baut in der aktuellen Fassung auf die ISO 14001 auf. Zusätzlich müssen wesentliche Umweltindikatoren erfasst und ein Umweltbericht veröffentlicht werden. Bei erfolgreicher dazugehöriger Umweltbetriebsprüfung darf ein Unternehmen dann auch das EMAS-Logo führen.
  • ZNU-Standard: Der Standard wurde an der Universität Witten Herdecke entwickelt und wird von verschiedenen Stellen wie TÜV und DEKRA zertifiziert. Der Standard fordert die Entwicklung eines integrierten Nachhaltigkeits-Managementsystems und gibt zudem konkrete Anforderungen an Nachhaltigkeitsthemen, die im öffentlichen Regelwerk einsehbar sind.
  • ISO 26000: Die ISO 26000 ist keine klassische Managementsystem-Norm und es kann somit auch nicht nach ihr zertifiziert werden. Sie dient viel mehr als Leitfaden zum Aufbau eines eigenen Systems, um als Unternehmen der eigenen Verantwortung nachzukommen. Im Gegensatz zu EMAS und ISO 14001 umfasst sie allerdings auch soziale und „governance“ Aspekte.

b) Standards für Berichterstattung

Ziel: Da Nachhaltigkeit ein weites, teils schwer erfassbares Feld ist, haben sich CSR- und Nachhaltigkeitsberichtsstandards als wichtiger Ansatz erwiesen.
Durch sie werden Berichte vergleichbar, da sie dieselben Themen behandeln und dem gleichen Aufbau folgen. Somit werden Vergleiche innerhalb einer Branche, wissenschaftliche Betrachtungen oder Einblicke für verschiedene Stakeholder ermöglicht. Weiterhin erleichtern die praxiserprobten und anerkannten Rahmenwerke den Einstieg und geben die Sicherheit relevante Themen abzudecken.

Spätestens seit der CSR-Berichtspflicht sind Standards für die betroffenen Unternehmen zu einem wichtigen Garanten zur Gesetzerfüllung geworden.

Vor- und Nachteile: Das reine Reporting von Nachhaltigkeitsaspekten sagt noch nicht viel über die wirkliche Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens aus. Aus Reputationsgründen setzt sich ein berichtendes Unternehmen allerdings automatisch unter Druck sich kontinuierlich zu verbessern. Die beschriebenen Standards haben sehr unterschiedlichen Umfang und Detailgrad, sodass der Aufwand zur Erfüllung schnell groß werden kann.

Für wen geeignet: Grundsätzlich eignen sich die Standards für die Kommunikation der Nachhaltigkeitsbemühungen, sowohl durch die Inhalte als auch das Tragen der Signets. Für KMUs eignet sich üblicherweise der DNK und für größere Unternehmen oft der GRI SRS. Beide helfen auch als inhaltliche Grundlage des Nachhaltigkeitsmanagements, weil die Nachhaltigkeitsaspekte und zugehörigen Leistungsindikatoren umfassend enthalten sind.

Die Standards:

  • Global Compact: Der GC ist ein Pakt der Vereinten Nationen, denen Organisationen beitreten können. Damit bekunden sie 10 soziale und ökologische Prinzipien einhalten zu wollen und sollen zu diesen jährlich ihren Fortschritt berichten. Die Teilnahme am Pakt wird eher als gute Willensbekundung angesehen, denn als transparente Berichterstattung.
  • DNK: Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung initiiert. Er soll insbesondere KMU ein geeignetes Rahmenwerk sein, um Nachhaltigkeitsleistungen zu erheben, berichten und verbessern. Er enthält 20 Kriterien und 28 Leistungsindikatoren zu Nachhaltigkeit. Die Verbreitung in Deutschland wird immer größer und darüber hinaus adaptieren andere europäische Staaten den Standard.
  • GRI SRS: Der Sustainability Reporting Standard der Global Reporting Initiative ist der umfassendste Standard. Er umfasst 36 Module und 120 Indikatoren und wird deshalb vor allem von großen oder international agierenden Unternehmen angewandt.

c) Siegel für Nachhaltigkeitsbewertung

Ziel: Einige Anbieter haben sich darauf spezialisiert die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen vergleichbar abzubilden. Dies kann u.a. dazu dienen Geschäftskunden eine standardisierte Aussage zur Nachhaltigkeitsleistung vorlegen zu können.

Für wen geeignet: Das untere Beispiel findet vor allem in international produzierenden Unternehmen Anwendung und soll die Überprüfung von Nachhaltigkeitsleistungen entlang der Lieferkette ermöglichen.

Die Nachhaltigkeitsbewertungen:

  • Ecovadis: Das Nachhaltigkeitsrating von EcoVadis ist insbesondere in Wertschöpfungsnetzwerken das am häufigsten anzutreffende. Mithilfe eines standardisierten Fragebogens wird die relative Nachhaltigkeitsleistung bewertet, die dann im Benchmark mit mittlerweile 75.000 Unternehmen verglichen werden kann.

d) Übergreifende Bewertungs- und Transparenzansätze

Ziel: Einige Ansätze versuchen die verschiedenen Ebenen aus Nachhaltigkeitsmanagement, Nachhaltigkeitsleistung und Transparenz zu verbinden. Somit soll Unternehmen die Orientierung erleichtert werden und sie sollen ein umfassendes Instrument haben.

Vor- und Nachteile: Einigen Unternehmen helfen die Ansätze enorm, um den Nachhaltigkeitsbemühungen eine klare Richtung zu geben. Dabei legen die Ansätze eigene Kriterien und Wichtungen der Nachhaltigkeitsthemen fest. Das gibt Orientierung, kann aber auch spezifische Eigenschaften eines Unternehmens vernachlässigen. Durch ihren umfassenden Anspruch werden die Ansätze natürlich auch mit verschiedenen Argumenten diskutiert.

Für wen geeignet: Beide Ansätze finden ihre Anwendung meist bei kleinen und mittleren Unternehmen. Große Unternehmen bauen dahingegen eher eigene Systeme auf. Deshalb werden beide Ansätze vorwiegend von Unternehmen angewandt, die bzgl. Nachhaltigkeit sehr engagiert sind.

Die Anbieter:

  • GWÖ: Die Gemeinwohlbilanz der Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Bewertungsschema mit 20 Indikatoren und je weiteren Sub-Indikatoren. Die Matrix ist so aufgebaut, dass 5 feste relevante Stakeholdergruppen zu je 4 festen relevanten Nachhaltigkeitsthemen beleuchtet werden. Am Ende der Bewertung ergibt sich eine Punktzahl zur Nachhaltigkeitsleistung. Darüber hinaus orientieren sich Unternehmen oft an den inhaltlichen Rahmenwerken der GWÖ.
  • B Corp: Mit B Corp bekommen Unternehmen nach externer Prüfung eine Zertifizierung über ihre Nachhaltigkeitsleistung. Das System ist international tätig und vergibt ebenso eine Punktzahl. Immer mehr europäische Unternehmen nutzen das Zertifikat. Trotzdem ist die Anerkennung und Durchdringung noch eher gering.
  • CSE Certified Sustainable Enterprise: Die CSE-Zertifizierung wurde von der GfaW entwickelt. Der Standard für die Zertifizierung und die umfangreichen Kriterien wurden in Zusammenarbeit mit Unternehmen verschiedener Branchen entwickelt. Die Zertifizierung nimmt eine akkreditierte Kontrollstelle vor. Es werden die Rubriken Geschäftsmodell/ QM-System, Umweltschutz, Finanzwesen, Lieferkette, Arbeitswelt und Markt & Ethik geprüft. Zusätzlich sollte sich das Unternehmen individuelle Nachhaltigkeitsziele setzen. Im Anschluss kann das zertifizierte Unternehmen das CSE-Label auf seinen Produkten ausweisen. Der Standard ist noch nicht für alle, aber bereits für viele Branchen verfügbar.

Die Standards und Zertifizierungen für Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen in der Übersicht

Die Standards und Zertifizierungen für gesamte Organisationen im Überblick (eigene Einschätzung)

3. Branchensiegel für Nachhaltigkeit

In einigen Branchen haben sich diverseste Siegel und Zertifikate für Nachhaltigkeit herausgebildet. In den meisten dieser Branchen sind dies jedoch Siegel für die angebotenen Produkte oder Dienstleistungen.

Wir freuen uns über Ergänzungen zu anderen Branchen.

Tourismus

  • Im Tourismus haben sich verschiedenste Siegel herausgebildet. Insbesondere bei Unterkünften und Destinationen sind die Kriterien für das Produkt oft übertragbar auf die Organisation selbst. Deswegen wollen wir auf den Labelguide von fairunterwegs zu den gängigsten Siegeln und Standards für Nachhaltigkeit im Tourismus verweisen.

Lebensmittelwirtschaft

  • We-Care-Siegel: Neben den unzähligen Produktsiegeln in der Lebensmittelwirtschaft, hat sich das recht neue Siegel für nachhaltiges Unternehmens- und Lieferkettenmanagement gebildet. Ziel ist die Einführung eines ganzheitlichen Standards, der sowohl Unternehmenspraxen als auch die Lieferkette und die Produkte selbst betrachtet.

4. Siegel für ausgewählte Nachhaltigkeitsthemen

Ziel: Um stärker auf jene Themen einzugehen, die für ein individuelles Unternehmen von größerer Bedeutung sind, bieten sich themenspezifische Standards und Nachweise an. Somit ermöglichen sie auch die weitere Professionalisierung der Leistungsverbesserung in dem Bereich.

Vor- und Nachteile: Die Leistungen und Strukturen zu den ausgewählten Themen werden meist detaillierter behandelt, als das in übergreifenden Ansätzen der Fall sein kann. Zwangsläufig werden aber auch die Verbindungen zu anderen Themen und die organisationsweite Verankerung von Nachhaltigkeit wenig gefördert.

Für wen geeignet: Die Anwendungsfälle sind von den einzelnen Themenbereichen abhängig. Oft werden hierbei bestimmte Nachweise in einer bestimmten Branche gefordert. So z.B. ein zertifiziertes Energiemanagementsystem in energieintensiven Branchen oder die nachweisbare Einhaltung von Arbeitsnormen in Branchen mit internationalen Lieferketten.

a) Energie

  • ISO 50001: Die ISO 50001 ist eine Norm zum Aufbau eines Energiemanagementsystems und kann von verschiedenen Stellen zertifiziert werden. Für energieintensive Unternehmen ist der Nachweis einer ISO 50001 Zertifizierung teils Voraussetzung zu bestimmten steuerlichen Teilbefreiungen.

b) Arbeitsstandards

  • ILO Kernarbeitsnormen sind Übereinkommen der Vereinten Nationen, die menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz gewähren sollen. Alle wichtigen zertifizierbaren Arbeitsnormen bauen deshalb auf die ILO Kernarbeitsnormen auf.
  • SA8000: Der SA8000 ist ein Standard, der Anforderungen zu Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz, Gewerkschaftsrechten und ähnlichen umfasst. Für Unternehmen ist die Zertifizierung nach SA8000 somit der Nachweis diesen Anforderungen nachzukommen.
  • Amfori BSCI ist eine Plattform und ein Programm, das es Unternehmen erleichtern soll, Arbeitsstandards in einer internationalen Wertschöpfungskette zu sichern. BSCI ist nicht zertifizierbar, aber das Programm ermöglicht die Zertifizierung nach SA8000.
  • BS OHSAS 18001 ist eine britische und polnische Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme. Sie wird jedoch aktuell durch die internationale ISO 45001 ersetzt.
  • ISO 45001: Die ISO 45001 ist eine internationale Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme. Unternehmen können sich danach zertifizieren lassen und damit nachweisen, dass sie ein wirksames und effektives Arbeitsschutzsystem führen.

c) Klimaschutzaspekte

  • Science Based Targets: Unternehmen können Ziele zur Klimaemissionsreduzierung aufstellen, die wissenschaftlich fundiert zum 1,5°-Ziel beitragen. Die STBi prüft diese Ziele und bescheinigt dem Unternehmen anschließend den effektiven Beitrag zu den Klimaschutzzielen.
  • Klimaneutralitäts-Nachweise: Die Anbieter prüfen die CO2-Bilanzen, Reduktionsziele und Kompensationsmaßnahmen von Unternehmen und bescheinigen ihnen bei bestandener Prüfung die Klimaneutralität. Anbieter sind u.a. die TÜV-Vereine, Unternehmen wie Climate Partner oder NGOs wie Wilderness International.
  • Klimaneutrale Events, Gebäude, Dienstleistungen: Auch für einzelne Unternehmensbereiche werden CO2-Bilanzen, Reduktionsziele und Kompensationen geprüft und bescheinigt.

d) Weitere einzelne Nachhaltigkeitsaspekte

  • Zertifikat Nachhaltige Beschaffungsorganisation: Der Bundesverband BME zertifiziert Unternehmen, wenn sie sich zu 9 Mindestkriterien Selbstverpflichtungen bzgl. nachhaltiger Beschaffung setzen, diese umsetzen und ein weiteres Jahr aufrecht erhalten.
  • Charta der Vielfalt: Durch Unterzeichnung der Charta geht ein Unternehmen eine Selbstverpflichtung zur Förderung von Diversity ein. Die Initiative läuft außerdem unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzleramts.
  • ISO 27001: Die ISO 27001 ist eine internationale Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme. Eine Zertifizierung bescheinigt einem Unternehmen somit wirksame Sicherheitsmechanismen für Informationen.
  • Alliance for Water Stewartship: Ein A4WS Zertifikat bescheinigt einen verantwortungsvollen Wasserumgang eines Unternehmensstandortes. Das Zertifikat wird hierbei in drei Abstufungen vergeben.

5. Mitgliedschaft in Verbänden und Initiativen

Ziel: Die Mitgliedschaft in Verbänden und Initiativen hat vor allem zum Ziel sich gegenseitig auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen. Teilweise geht es auch darum Interessenvertretung zu ermöglichen oder eine Selbstverpflichtung zu zeigen. Ziel ist es nicht einen Nachweis erbringen zu können, dass ein Unternehmen nachhaltig sei. Da die Logos der Mitgliedschaft aber häufig getragen werden, wollen wir sie hier vorstellen. Einige Verbände behalten sich zudem vor Mitglieder bei Nichteinhaltung von Nachhaltigkeitsaspekten abzulehnen.

Vor- und Nachteile: Das Tragen der Mitgliedschafts-Logos ist kein Nachweis für eine nachhaltige Arbeitsweise, auch wenn dies für Laien nicht immer erkenntlich ist. Der große Vorteil der Verbände und Initiativen ist jedoch der Erfahrungsaustausch und das Netzwerk mit anderen Unternehmen, die nachhaltiger werden wollen.

Für wen geeignet: Verbände und Initiativen eignen sich für alle Unternehmen, die an ihrer Nachhaltigkeitsleistung arbeiten wollen. Welcher Verband aber der richtige ist, hängt von der eigenen Struktur und dem Ziel mit der Mitgliedschaft ab.

Verbände und Initiativen

  • B.A.U.M. e.V.: Der „Bundesdeutsche Arbeitskreis für umweltbewusstes Management“ legt den Fokus der eigenen Arbeit auf den Wissenstransfer und die Kompetenzbildung zwischen den Mitgliedsunternehmen. Durch die Abgabe einer Willenserklärung zur Einhaltung des B.A.U.M.-Kodex darf ein Unternehmen dann das B.A.U.M.-Logo tragen.
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (ehem. Unternehmensgrün e.V.): Der BNW ist ein Zusammenschluss nachhaltigkeitsengagierter Unternehmen. Neben der Förderung des Austauschs der Mitglieder und speziellen Projekten zur Förderung von Nachhaltigkeit, agiert er zudem als Interessenvertretung für eine nachhaltige Wirtschaft in die Politik hinein.
  • Stiftung 2°: Die Stiftung 2 Grad ist eine Initiative von Vorständen und Geschäftsführer*innen großer und mittelgroßer deutscher Unternehmen. Sie will unterstützen das Klimaziel zur Erwärmung um maximal 2° zu erreichen, indem Unterstützerunternehmen Selbstverpflichtungen zur Emissionssenkung abgeben und politische Arbeit für die Dekarbonisierung der Wirtschaft geleistet wird.
  • Klimaschutz Unternehmen ist eine Initiative verschiedener Ministerien und Kammern, die Best Practices und Leuchtturmprojekte zu Klimaschutz und Energieeffizienz in Unternehmen fördern und sichtbar machen will. Um Mitglied zu werden, werden die vorbildhaften Maßnahmen des Unternehmens nach Aussagen der Initiative wissenschaftlich geprüft.
  • Sächsische Umweltallianz und andere: In vielen Bundesländern existieren Umweltallianzen, die zum Ziel haben Unternehmen zu bündeln, die sich besonders für Umweltschutz einsetzen. Mitglieder können somit Unternehmen werden, die konkrete Verbesserungen bzgl. ihrer Umweltleistungen nachweisen können.
  • SEND e.V.: Das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland will Social Businesses bündeln, den Austausch untereinander fördern und die Ziele und Interessen von Social Entrepreneurship auch politisch voranbringen. Neben dem bundesweiten Netzwerk existieren mittlerweile in fast allen Bundesländern aktive Regionalgruppen.

6. Preise und Auszeichnungen für Nachhaltigkeit

Ziel: Mit Preisen und Auszeichnungen sollen Unternehmen für ihre besonderen Leistungen zu Nachhaltigkeit gewürdigt und sichtbar gemacht werden. Die Auszeichnungen selbst verfolgen dabei unterschiedliche Ziele.

Vor- und Nachteile: Solche Auszeichnungen eignen sich besonders für eine intensive Kommunikation der eignen Nachhaltigkeitsleistungen. Meist gilt es aber auch zu beachten, dass bestimmte Unternehmensbereiche, Produkte, Vorhaben oder Projekte ausgezeichnet werden und nicht das ganze Unternehmen.

Für wen geeignet: Die Bewerbung auf Auszeichnung eignet sich vor allen für Unternehmen, die bereits größere Schritte zu Nachhaltigkeit gegangen sind, besonders innovative Ansätze verfolgen und herausstechende Erfolge vorweisen können.

Preise und Auszeichnungen

  • Deutscher CSR-Preis: Mit diesem Preis zeichnet die Bundesregierung Beispiele besonderer Nachhaltigkeitsleistung aus und will damit Aufmerksamkeit für Positivbeispiele schaffen.
  • Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist ein Multi-Stakeholder-Projekt und vergibt seit 2007 den renommierten Preis in 10 Kategorien.
  • Bundespreis Nachhaltigkeit: Die Bundesvereinigung Nachhaltigkeit zeichnet mit diesem Preis Beispiele für ganzheitliche Nachhaltigkeit aus.
  • Ökoprofit: Im Rahmen der bundesweiten Ökoprofit-Projekte durchlaufen Unternehmen einen meist einjährigen Prozess, in dem sie begleitet werden, ihre Umweltbelastung und gleichzeitig Kosten zu senken. Zur Anerkennung dürfen sie anschließend das Ökoprofit-Logo tragen.

7. Weitere Siegel und Nachweise für Nachhaltigkeit in Unternehmen

Neben den bereits genannten gibt es noch viele weitere Labels, Siegel und Nachweise, die sich jedoch oft nicht trennscharf einer Gruppe zuordnen lassen. Wir stellen noch einige Nachweise vor, denen man häufiger begegnen kann.

Weitere Nachweise und Co:

  • WWF Signet: Einige Unternehmen tragen das Logo des WWF auf ihren Produkten. Dafür geht der WWF Kooperationen mit ausgewählten Unternehmen ein und von den Lizenzgebühren für das Logo werden Naturschutzprojekte finanziert.
  • Projekt Nachhaltigkeit Qualitätssiegel: Der Rat für Nachhaltige Entwicklung zeichnet jährlich Projekte aus, die in besonderem Maße zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Die Projekte bzw. Organisationen dürfen dieses Qualitätssiegel anschließend tragen.
  • CEEP CSR-Label: Die Initiative CEEP der Europäischen Kommission zeichnet europaweit kommunale Unternehmen für besonderes CSR-Engagement aus. Die Unternehmen müssen sich hierfür bewerben und werden anschließend durch eine Jury geprüft.

8. Alle gängigen Siegel, Zertifikate und Nachweise für Nachhaltigkeit im Unternehmen im Überblick

Zertifizierung für Managementsysteme

  • EMAS
  • ISO 14001
  • ZNU-Standard
  • ISO 26000

Nachweise für Berichterstattung

  • Global Compact
  • DNK
  • GRI

Siegel für Nachhaltigkeitsbewertung

  • Ecovadis

Übergreifende Bewertungs- und Transparenzansätze

  • BCorp
  • GWÖ
  • CSE Label

Energie-Siegel

  • ISO 50001

Arbeitsschutz-Siegel

  • ILO Kernarbeitsnormen
  • SA8000
  • Amorfi BSCI
  • BS OHSAS 18001
  • ISO 45001

Klimaschutz-Siegel

  • Science Based Targets
  • Klimaneutralitäts-Nachweise
  • Klimaneutrale Events, Gebäude, Dienstleistungen

Siegel für weitere Nachhaltigkeits-Teilaspekte

  • Zertifikat Nachhaltige Beschaffungsorganisation
  • Charta der Vielfalt
  • ISO 27001
  • Alliance for Water Stewartship

Verbände und Initiativen

  • B.A.U.M. e.V.
  • Unternehmensgrün e.V.
  • Stiftung 2°
  • Klimaschutz Unternehmen
  • Umweltallianzen der Länder
  • SEND e.V.

Preise und Auszeichnungen

  • Deutscher CSR-Preis
  • Deutscher NachhaltigkeitspreisDeutscher Nachhaltigkeitspreis
  • Bundespreis Nachhaltigkeit
  • Ökoprofit

Weitere Siegel, Zertifikate und Nachweise für Nachhaltigkeit

  • WWF Signet
  • Werkstatt N Gütesiegel
  • CEEP CSR Label

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Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Toni Kiel
Themenbereich Nachhaltigkeitsstrategie

0178-1746903 | t.kiel@plant-values.de

9. Fazit zu Siegeln, Zertifikaten und Nachweisen für Nachhaltigkeit im Unternehmen

Die Liste an Siegeln, Zertifikaten und anderen Nachweisen für Nachhaltigkeit im Unternehmen ist lang. Zudem kommen immer wieder neue Standards und Auszeichnungen hinzu, während andere an Bedeutung verlieren. Mit dieser Liste geben wir eine Momentaufnahme über solche „Nachweise“, die momentan häufig angetroffen werden. Als Unternehmen, das die eigene Nachhaltigkeitsleistung verbessern will, fällt es da sicher nicht leicht eine Wahl zu treffen. Wir haben versucht eine Ordnung in die vielen Möglichkeiten zu bringen und so eine Orientierung zu schaffen.

Für Unternehmen, die sich gerade auf den Weg machen Nachhaltigkeit systematischer umzusetzen zum Beispiel bietet sich der Deutsche Nachhaltigkeitskodex als Rahmenwerk, ausgehend von Berichterstattung, an. Er ist so aufgebaut, dass ein Unternehmen sich mit den wichtigsten Nachhaltigkeitsaspekten befasst und trotzdem einen händelbaren Aufwand damit hat.

Unternehmen, die bestimmte Nachhaltigkeitsaspekte bereits als besonders kritisch identifiziert haben, finden bei Siegeln und Systemen für spezielle Nachhaltigkeitsthemen das richtige Instrument, um sich weiter zu verbessern. Wir freuen uns über Ergänzungen zu der Liste und stehen für Fragen zu einzelnen der Siegel und Nachweise gern zur Verfügung.

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit.
Strategie, Controlling und Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit.

Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern:

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Über 50 Tipps für Nachhaltigkeit im Unternehmen

Mit dieser Sammlung von Tipps für Nachhaltigkeit im Unternehmen wollen wir eine einfache Hilfe bieten. Viele Unternehmen fragen uns, was sie alles tun können, um nachhaltiger zu werden. Die Antwort darauf endet meist in einem halbstündigen Monolog.

Da wir uns auch im Kern unserer Arbeit nicht um die vielen kleinen Dinge kümmern, die ein Unternehmen verändern kann, um nachhaltiger zu werden, sammeln wir unsere besten Tipps und Erfahrungen zusammen und veröffentlichen diese nun in dieser Reihe an Blogbeiträgen.

Mit dieser kleinen Blog-Serie wollen wir also verschiedenste Tipps für Nachhaltigkeit im Unternehmen geben. Von schnell umsetzbaren Tricks bis zu ausgefallenen grünen Kampagnen ist alles dabei. Viel Spaß beim Lesen und nachhaltig inspirieren lassen!

Für einen ganzheitlichen Überblick haben wir hier einen umfassenden Leitfaden zu Nachhaltigkeitsstrategie in Unternehmen erstellt.

Für die große Veränderung in Unternehmen und Organisationen bieten wir u.a. an, dass wir strategisch Denken (Nachhaltigkeitsstrategie), wir gemeinsam passende Lösungen für Abteilungen oder Handlungsfelder erarbeiten (CSR-Maßnahmen) oder zusammen die wesentlichen Hebel für eine dauerhafte Nachhaltige Unternehmensentwicklung identifizieren – mit ihnen und ihren Partnern. (Wesentlichkeitsanalyse und Stakeholderdialog). Sprechen Sie dazu einfach an oder mailen Sie uns! 

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Klimaschutz-Maßnahmen in Unternehmen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Maßnahmen für Klimaschutz werden auch für Unternehmen ein immer wichtigeres Thema. Mit Fridays for Future startete der Hilferuf aus demHerzen der Gesellschaft heraus. Aber auch politisch, regulatorisch und wirtschaftlich zeichnet sich ab, dass entschlossenes Handeln für Klimaschutz gefordert ist. Mit der gesetzlich beschlossenen Verstärkung des Klimaschutzes in Deutschland im Mai 2021 verpflichtet sich das Land noch stärker engagierte Klimaziele einzuhalten. Dies wird sich konkret in neuen regularotischen Anforderungen auch in der Wirtschaft wiederspiegeln. Nicht zuletzt sehen auch immer mehr Investoren im Klimawandel auch ein finanzielles Risiko und setzen auf klimafreundliche Investments.

Angebot für All for One Unternehmen werden ab sofort Verantwortung übernehmen (müssen), ihre Emissionen zu messen und zu senken, so geben es die nun höheren Klimaziele vor. Nichtstun ist also keine Option mehr. Aber wie genau können Unternehmen Klimaschutz umsetzen? In unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigen wir Ansätze und mögliche Mittel auf.

Inhalt des Beitrags

Was ist Klimaschutz in Unternehmen und was nicht?

Das Wort Klimaschutz wird viel und in verschiedenen Kontexten genutzt. Klimaschutz ist ein umfassendes Thema, da das Klima selbst einen Großteil der Prozesse unserer Erde beeinflusst und auch von vielen beeinflusst wird. Deswegen ist es wichtig, klar abgrenzen zu können, ob von Klimaschutz oder anderen Nachhaltigkeitsthemen die Rede ist.

Betrachten wir unsere Handlungen als Menschheit, dann bedeutet Klimaschutz zum Großteil zwei Punkte:

  • die Vermeidung von klimaschädlichen Emissionen und
  • den Erhalt von sogenannten CO2-Senken wie Wäldern.

Natürlich wird das globale Klima von weiteren Faktoren beeinflusst wie z.B. dem Wasserdampfgehalt unserer Atmosphäre oder Meeresströmen. Aber auf diese haben wir nur marginalen Einfluss. Deswegen sind sie in dem Kontext vernachlässigbar.

Wir wollen auch sensibilisieren, dass andere Themen wie fairer Handel, Wassereinsparungen, etc. zwar enorm wichtig sind, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Aber sie haben maximal indirekt mit Klimaschutz zu tun.

Auf der anderen Seite wollen wir betonen, dass Klimaschutz in Unternehmen mehr ist als Energieeffizienz und Öko-Strom. Der Verbrauch von Energie ist zwar einer der Hauptverursacher für klimaschädliche Emissionen. Und Öko-Strom als vermeintlich klimaneutraler Strom ist auch Teil der Lösung. Allerdings decken die Produktionskapazität von Wind, Solar und anderen Formen unseren Bedarf noch längst nicht. Entsprechend brauchen wir innovative und mutige Ansätze. Wollen wir Klimaschutz nur durch die Steigerung der Energieeffizienz unserer eingesetzten Maschinen, Produkte etc. umsetzen, dann werden Veränderungen immer nur inkrementell sein. Um engagierte Klimaziele zu erreichen, müssen wir Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle neu denken. Und zwar so, dass sie von Anfang an darauf ausgelegt sind klimaneutral oder sogar klimapositiv zu sein. 

Wollen Unternehmen also Klimaschutz umsetzen, sollten sie sich bewusst sein, was Klimaschutz bedeutet und welche Maßnahmen und Probleme dazu gehören. Solch eine klare Orientierung erleichtert der Erfahrung nach den gezielten Aufbau von Klimaschutzprogrammen.

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Wie sehen Schritt-für-Schritt Maßnahmen zu Klimaschutz im Unternehmen aus?

Erstens: CO2-Fußabdruck berechnen

Die Grundlage für jede Verbesserung des Klimaschutzes im Unternehmen ist die Berechnung des CO2-Fußabdrucks. Mit diesem wirkungsvollen Instrument analysiert ein Unternehmen, wie viel CO2-Äquivalente es emittiert. Außerdem wird ersichtlich, wo im Unternehmen und der Lieferkette die größten Emittenten sind.

Die Berechnung des CO2-Footprints ist mittlerweile ein standardisierter Vorgang. Üblicherweise werden die Emissionen in den Scopes 1, 2 und 3 berechnet und die Berechnung selbst erfolgt idealerweise nach dem Greenhouse Gas Protocol (GHG P). Mittlerweile prüft auch der TÜV nach einer ISO-Norm (ISO 14064) zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks. Nach dieser können Unternehmen ihre Berechnung durchführen und zertifizieren lassen.

Die Berechnung selbst kann sowohl intern erfolgen, durch eigene Berechnungen oder die Nutzung gängiger Tools. Alternativ wird sie durch externe Dienstleister umgesetzt. Hier haben wir einfache Anleitung zur Berechnung der CO2-Bilanz zusammengestellt.

Einteilung der Emissionen nach Scopes (eigene Darstellung, angelehnt an das Greenhouse Gas Protocol)

Zweitens: Hebel identifizieren

Der CO2-Footprint verrät nicht nur die reine Größe der Emissionen. Sondern auch in welchem Wertschöpfungsschritt oder Unternehmensbereich wie viel CO2-Äquivalente emittiert wird. Dies kann bei Unternehmen enorm unterschiedlich sein.

  • Für ein Maschinenbauunternehmen wird der Stromverbrauch in der Produktion der größte Emittent sein.
  • Für ein Chemieunternehmen können es die direkten Emissionen (Methan, Lachgas und andere CO2-Äquivalente) aus chemischen Produktionsprozessen sein.
  • Bei Beratungsunternehmen sind es in der Regel die Dienstreisen.

Ein detaillierter CO2-Fußabdruck gibt also individuell Auskunft über die größten Emittenten. Auf diese sollte das Unternehmen mit seinen Maßnahmen für Klimaschutz den größten Fokus legen. So kann es engagierte Schritte Richtung Klimaschutz zu gehen. Dabei sollte ein Unternehmen den CO2-Fußabdruck in regelmäßigen Abständen (ca. alle 2 Jahre) berechnen. So kann es auf Änderungen und Fortschritte eingehen.

Im fortlaufenden Klimaschutzprogramm des Unternehmens spielen dann auch die kleineren Emittenten eine wichtigere Rolle. Sie sind wichtig, um dem möglichen Ziel der Klimaneutralität näher zu kommen.

Drittens: Stakeholderdialog

Der CO2-Fußabdruck gibt also eine quantitative Einschätzung zu den wesentlichen Ursachen für Klimaschutz im Unternehmen. Ein Stakeholderdialog wiederum ermöglicht eine qualitative Einschätzung.

Hierbei ist gemeint, dass ein Unternehmen mit den Stakeholdern ins Gespräch tritt. Dabei soll im Dialog erschlossen werden, welche Hebel aus Sicht der jeweiligen Stakeholder am relevantesten sind, um Klimaschutz umzusetzen. Diese Einschätzung ist aus zwei Gründen so wichtig:

  • Einerseits weil die rein quantitative Bewertung nur das bestehende System Unternehmen betrachtet. Stakeholder mit ihrer Sicht und Expertise können den Blick weiten. Sie können Impulse über den rein quantitativen CO2-Footprint hinaus geben.
  • Andererseits gibt ein CO2-Footprint immer nur eine rückblickende Analyse. Stakeholder wiederum können die geplanten Geschäftstätigkeiten in ihre Bewertung einbeziehen.

Nicht zuletzt können die Aussagen der Stakeholder eine Validierung des CO2-Footprints selbst sein.

Ein Beispiel zum Wert des Stakeholderdialogs:

Eine Bio-Kaffeemarke hat durch einen CO2-Fußabdruck berechnet. Sie hat herausgefunden, dass sie die größten Emissionen durch die Umstellung von konventionellem auf biologisch-integrierten Anbau gekürzt haben. Die nächstgrößten Emissionen entstehen beim Transport des Kaffees von Südamerika bis zur Kund*in. Im Stakeholderdialog stellt sich jedoch heraus, dass ein enormer ökologischer Fußabdruck bei der Kaffeezubereitung bei den Konsument*innen liegen könnte. Eine neue Analyse wird durchgeführt. Sie zeigt, dass der größte Hebel bei der Sensibilisierung der Nutzer*innen für eine energiesparende Zubereitung liegt. Diesen Punkt hat die Kaffeemarke in der ersten CO2-Berechnung nicht berücksichtigt und konnte ihn nur durch den Stakeholderdialog offengelegen.

Viertens: Maßnahmen für Klimaschutz im Unternehmen sammeln

Der CO2-Footprint und der Stakeholderdialog haben nun die wichtigsten Hebel offengelegt. Jetzt gilt es Maßnahmen aufzustellen, um die Emissionen zu senken. Es bietet sich an bei der Maßnahmenfindung strukturiert vorzugehen. Dafür sollte die Organisation für jeden Hebel einzeln mögliche Maßnahmen für Klimaschutz sammeln. Die Maßnahmen finden sich oft durch die Expertise der Mitarbeitenden selbst. Darüber hinaus hilft es nach Best Practices zu recherchieren oder externe Expert*innen einzubeziehen.

Wir wollen zudem darauf hinweisen, dass Klimaschutz-Maßnahmen verschieden geartet sein können. Wir unterscheiden häufig drei Arten von Maßnahmen:

  • Effizienz-Maßnahmen: Sie helfen den Ressourcenverbrauch im bestehenden System zu verringern. Das sind häufig Prozessveränderungen, technologische Neuerungen oder das Ändern von Gewohnheiten.
  • Effektivitäts-Maßnahmen: Sie reduzieren den Ressourcenverbrauch, indem das System an sich verändert wird. Dazu gehören Produktinnovationen, Änderungen des Geschäftsmodells oder das komplette Hinterfragen von Prozessen.
  • Maßnahmen mit positivem Extranutzen: Diese dienen nicht der Veränderung der Systeme oder Prozesse, sondern sie sollen zusätzlich zur oder integriert in die Tätigkeit CO2 binden. Das sind oft Projekte zu Baumpflanzungen, Finanzierung von Wildflächenerhalt oder Unterstützung alternativer Energien.

Es empfiehlt sich zunächst so viele Maßnahmen wie möglich zu sammeln und sie anschließend zu selektieren. Oft bietet es sich an jene Maßnahmen zuerst umzusetzen, die bei geringem Aufwand großen Nutzen liefern.

Verfügt ein Unternehmen bereits über eine Nachhaltigkeitsstrategie oder entwickelt es aktuell eine Nachhaltigkeitsstrategie, sollten die Maßnahmen so gewählt sein, dass sie sich in diese Strategie einfügen.

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Toni Kiel
Themenbereich Nachhaltigkeitsstrategie

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Fünftens: Klimaschutz-Maßnahmen umsetzen

Die Umsetzung der Klimaschutz-Maßnahmen erfolgt meist nach den üblichen Managementprozessen des Unternehmens. Wichtig ist in jedem Fall klare Verantwortlichkeiten festzulegen. Außerdem gegebenenfalls Budgets einzuplanen und die Kapazitäten für die Umsetzung freizugeben.

Die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt möglichst viele Mitarbeitende in die Umsetzung von Klimaschutz im Unternehmen einzubeziehen. So bekommt das Thema eine bessere Dynamik und läuft mit mehr Motivation und Eigenorganisation.

Auch kann es sich anbieten lokale Initiativen und andere Organisationen einzubeziehen. Durch den Austausch werden erfahrungsgemäß neue Nachhaltigkeitsthemen sichtbar, die für die lokale Gesellschaft relevant sind. So wie die etablierten Unternehmensnetzwerke tragen gerade auch die entstehenden Nachhaltigkeitsnetzwerke dazu bei, dass wertvolle Erfahrungsaustausche entstehen. Ein gutes Beispiel sind viele Lokale Agenden 21 in Deutschland.

Sechstens: Controlling

Wie bei allen Maßnahmenpaketen ist auch im Klimaschutz das Controlling enorm wichtig. Sowohl am Ende der Umsetzungszeit als auch in festgelegten Meilensteinen dazwischen, sollte der Grad der Umsetzung überprüft werden. Je nach Unternehmensgröße reichen einfache Kennzahlen und ein Dashboard oder eben die Implementierung ins bestehende Managementsystem.

Oft finden sich gerade nach den ersten größeren Klimaschutz-Maßnahmen neue Erkenntnisse zu dem speziellen Thema zu Klimaschutz im Unternehmen. Die umsetzenden Mitarbeitenden eignen sich mehr Expertise an und können damit die Maßnahme durch Änderungen noch effektiver umsetzen. Entsprechend sollte ein regelmäßiges und ergebnisorientiertes Controlling diesen Gewinn an Expertise ermöglichen und fördern.

Am Ende der Umsetzungszeit sollte die Organisation überprüfen, ob sie die Ziele zur Reduzierung der CO2-Emissionen erreicht hat.

Siebtens: Kompensation

Nur die wenigsten Unternehmen können ihre CO2-Emissionen durch ihre Klimaschutz-Maßnahmen auf Null senken. Gegebenenfalls wurden ambitionierte Ziele nicht erreicht. Oder das aktuelle Geschäftsmodell erlaubt es noch nicht klimaneutral zu wirtschaften.

Wenn ein Unternehmen einen entschlossenen Beitrag zu Klimaschutz leisten möchte, muss das Ziel Klimaneutralität sein. Dafür muss es die verbleibenden Klimaemissionen durch geeignete Maßnahmen kompensieren.

Der gängige Weg ist die finanzielle Unterstützung von Projekten, die CO2 binden oder die Reduktion fördern. Solche Projekte sind zum Beispiel:

  • Aufforstungsprojekte
  • Projekte zum Schutz alter Wälder und anderer Ökosysteme
  • Projekte zum Zugang zu sauberer Energie für Entwicklungsländer
  • Der Aufbau von Erneuerbaren Energieproduktionen
  • Technische Speicherung von CO2 aus der Luft

Bei allen seriösen Anbietern ist die Berechnung der Kompensation einsehbar und das Unternehmen bekommt ein Zertifikat über die Höhe der eingesparten Emissionen.

Zusatzschritt: Transparenz zu Klimaschutz im Unternehmen

Ein enorm wichtiger Faktor bei Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen ist die Transparenz. Auch beim Klimaschutz für Unternehmen spielt diese Maßnahmen eine große Rolle. Es sollte offen mit den Ausgangsannahmen, den ergriffenen Maßnahmen, den Fortschritten und den noch offenen Baustellen umgehen.

So gut wie immer führt eine transparente Kommunikation, z.B. in einem Klimabericht, zu positiver Resonanz. Regionale Akteure aber auch nationale NGOs sind deutlich positiver und unterstützender, wenn ehrlich berichtet wird. Je abstrakter und unkonkreter ein solcher Bericht oder andere Kommunikation unternommen wird, desto skeptischer sind solche Organisationen.

Qualifizierung als Maßnahme für dauerhafte Verankerung von Klimaschutz im Unternehmen

Alle Bemühungen um Klimaschutz bedürfen einer gewissen Kontinuität. Die Erfahrung zeigt, dass Klimaschutz wichtiger Teil des Unternehmens wird, wenn die Mitarbeitenden dahinter stehen. Dann können Maßnahmen mit der entsprechenden Motivation und der Neugier auf Neues umgesetzt werden.

Um die Mitarbeitenden zu befähigen Klimaschutz und Nachhaltigkeit voran zu bringen, sollten die Themen sich in der Qualifizierung und Weiterbildung wiederfinden. Mit Schulungen, Workshops oder Exkursionen wird sowohl Begeisterung geweckt als auch die fachliche Grundlage geschaffen.

Fazit

Klimaschutz ist für viele Unternehmen noch ein neues Thema. Durch die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen lohnt es sich allerdings mehr Energie hineinzustecken, als die Gesetzeslage es verlangt.

Mit ein paar klaren Schritten und Maßnahmen kann jedes Unternehmen Klimaschutz bei sich umsetzen und damit ganz individuelle Mehrwerte schaffen. Von Arbeitgeberattraktivität über Marktvorteile bis Stärkung des Images. Klimaschutz wird in den kommenden Jahren ein stärker werdendes Thema und Unternehmen, die sich jetzt auf den Weg machen, werden deutliche Vorteile haben.

Hält ein Unternehmen sich an die grundlegenden Schritte, die gezeigt wurden, kann Klimaschutz gut umgesetzt werden. Insbesondere zwei Punkte wollen wir abschließend betonen:

  1. Die Einbindung der Mitarbeitenden ist ein enorm wertvoller Punkt. So bildet sich Motivation und Expertise und das Thema wird effektiv vorangebracht und verankert.
  2. Der Dialog mit Stakeholdern kann nicht hoch genug geschätzt werden. Die externe Sicht und die sich bildenden Kontakte sind für ein komplexes Thema wie Klimaschutz enorm hilfreich.

Für den kompletten Überblick hilft unser umfassender Leitfaden zu Nachhaltigkeitsstrategien für Unternehmen.

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Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Der umfassende Leitfaden zum Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie

Inhalt

Warum sollten sich Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie geben?

Viele Unternehmen ergreifen bereits diverse Maßnahmen, um nachhaltiger zu werden. Aber nach ein paar Jahren findet sich keine Nachhaltigkeitsstrategie, sondern eine große, oft wilde, Sammlung an Themen und Maßnahmen. Sicher tragen all diese Maßnahmen dazu bei, dass das Unternehmen umweltfreundlicher und sozial wertvoller wird. Allerdings bergen diese bunten Sammlungen verschiedener Nachhaltigkeitsmaßnahmen einige Gefahren für das Unternehmen:

  • Sind die Nachhaltigkeitsthemen nicht in der Unternehmensplanung für die nächsten Jahre verankert, kann es schnell geschehen, dass das Engagement abrupt reduziert wird, sobald ein anderes Thema wichtig wird.
  • Für die Mitarbeitenden bieten viele verschiedene Themen weniger Identifikationsmöglichkeit und Orientierung als eine klare Richtung des Nachhaltigkeitsengagements.
  • Meist kommt die Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung nach ein paar Jahren zu erliegen, wenn sich nicht klare Einzelziele und übergeordnete Ziele für Nachhaltigkeit gesetzt werden.
  • Viele diverse und kleinere Maßnahmen lassen sich nur deutlich komplexer erklären, als ein klarer Fokus und die Begründung hierfür. Die Glaubwürdigkeit der eigenen Bemühungen wird also erschwert, wenn zuerst diese Komplexität verstanden werden muss.
  • Eine unklare Ausrichtung verweht auch die Möglichkeit Nachhaltigkeit den Kunden gegenüber zu kommunizieren. Eine klare Ausrichtung wiederum kann zum Umsatz und dem Unternehmenserfolg beitragen und somit Nachhaltigkeit unternehmerisch motiviert verankern.

Es lohnt also das bisherige Nachhaltigkeits-Engagement in einer Strategie zu bündeln.

Der Gedanke ist der gleiche, wie bei der Entwicklung einer Unternehmensstrategie.
Deswegen wollen wir mit diesem Leitfaden helfen zu verstehen, wie eine erste Nachhaltigkeitsstrategie aufgebaut werden kann. Sicher helfen die Themen aber auch dabei eine bisherige Strategie zu überarbeiten.

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Einleitung: Teilaspekte von Nachhaltigkeit im Unternehmen

Zu Beginn wollen wir noch einmal einen Überblick über Nachhaltigkeit in Unternehmen schaffen. Denn unserer Erfahrung nach hilft es, ein klares eigenes Verständnis von CSR und Nachhaltigkeit im Unternehmen zu schaffen. Diese Artikel können dabei helfen.

Außerdem wollen wir noch ein paar Themen und Beispiele geben, um die Bandbreite von Nachhaltigkeit aufzuzeigen. Dies ist dann eine gute Basis, um sich der eigenen Strategie für Nachhaltigkeit zu nähern.

Nachhaltigkeits-Tipps

Die beste CSR-Strategie nützt nichts, wenn einem Unternehmen keine Maßnahmen zur Umsetzung und Verbesserung einfallen. Mit unseren insgesamt über 60 Nachhaltigkeits-Tipps wollen wir helfen praxisnahe Maßnahmen kennenzulernen. Die sind einfach umzusetzen und somit eine gute Ergänzung für die größeren strategischen Maßnahmen.

Wir freuen uns immer über Ergänzungen und Anregungen, um noch mehr einfach umzusetzende Tipps aufzunehmen!

Nachhaltigkeitsstrategie erklärt

Wir machen oft die Erfahrung, dass nicht ganz klar ist, was eine Nachhaltigkeitsstrategie eigentlich ist. Deswegen haben wir Artikel geschrieben, die genau das erklären. Besonders greifbar macht es der Vergleich verschiedener Nachhaltigkeitsstrategien miteinander.

Was genau ist denn eine Nachhaltigkeitsstrategie? Ist sie anders als andere Strategien? Welche Strategien geben sich andere Unternehmen und wie moderat oder progressiv kann sie sein? Mit diesen Artikeln wollen wir ein Gefühl dafür geben, wie solche Strategien aufgebaut und ausgerichtet sein können.

  • Beyond CSR – Essay zu Verantwortung in Unternehmen
    Wir diskutieren, was Verantewortung für Unternehmen heute eigentlich bedeutet. Wie weit muss man gehen, um sich aufrichtig nachhaltig nennen zu können? Und welche Konzepte gibt es, die weiter gehen als unser heutiger Begriff von CSR?
  • Nachhaltigkeitsstrategie Beispiele in Unternehmen
    Wir wollen eine Orientierung geben und Beispiele sind der beste Weg dafür. Wir haben gezielt Unternehmen und deren Nachhaltigkeitsstrategie analysiert und strukturiert dargelegt.

Eine Nachhaltigkeitsstrategie aufbauen

Zu guter Letzt geht es darum eine eigene Strategie aufbauen zu können. Auch wenn sich eine Nachhaltigkeitsstrategie von anderen Strategien unterscheiden mag, sind die großen Schritte doch ähnlich. Wir beschreiben ausführlich, wie die Grundlage für die Strategie erarbeitet werden kann, indem die richtigen Informationen und Akteure zusammengezogen werden. Anschließend geht es um Methoden zur Auswahl der strategischen Richtung und Ziele und die Harmonisierung mit der Unternehmensstrategie. Und es geht um die Umsetzungsschritte und praxisnahe Empfehlungen.

  • Nachhaltigkeitsstrategie in Unternehmen – Die Status Quo Analyse
    Die Status-Quo-Analyse bietet die Grundlage, auf die eine Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens aufgebaut werden kann. Wir beschreiben deswegen die Dimensionen der Analyse und welche Wege zur Analyse es gibt. So wollen wir anregen einen bestmöglichen Ausgangszustand für die Strategie herzustellen.
  • Eine Nachhaltigkeitsstrategie im Unternehmen entwickeln
    In diesem Kern-Artikel zeigen wir klar die Schritte, die gegangen werden können, um eine Nachhaltigkeitsstrategie im Unternehmen zu entwickeln. Mit dieser Hilfe kann jede Organisation ihre eigene Strategie aufbauen.
  • Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie: Praxistaugliche Hinweise und Stolpersteine
    Es gibt einiges zu beachten bei der Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Deswegen wollen wir anwendbare Hinweise geben und die typischen Stolpersteine zeigen. Es geht um gute Zielformulierung, Erfolgsfaktoren der Umsetzung, Nachhaltigkeitscontrolling, Kommunikation oder aber auch die Wissensvermittlung zu Nachhaltigkeit.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Nachhaltigkeitsstrategien

Was ist eine Nachhaltigkeitsstrategie für ein Unternehmen?

Eine Nachhaltigkeitsstrategie beschreibt, welche Nachhaltigkeitsziele ein Unternehmen erreichen will und welche Rahmenbedingungen für die Umsetzung gesetzt werden. Die Nachhaltigkeitsstrategie ist damit ergänzend, gleichrangig oder integriert zur Unternehmensstrategie ein Plan für die spezifische Entwicklung des Unternehmens für einen langfristigen Zeitraum. Nachhaltigkeitsstrategien sind meist Querschnittsstrategien und betreffen in ihren Zielen und der Umsetzung viele oder alle Bereiche bzw. Abteilungen des Unternehmens. Der Zeitrahmen für die Zielsetzungen kann von 2 oder 3 bis zu 10 oder mehr Jahre variieren.

Wozu braucht es eine Nachhaltigkeitsstrategie?

Eine Nachhaltigkeitsstrategie hilft einem Unternehmen bei der strukturierten Verbesserung der Nachhaltigkeitsaktivitäten und -leistungen. Dazu zählt zum einen, dass sie idealerweise hilft die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen zu fokussieren. Also die Themen, bei denen die Nachhaltigkeitswirkung langfristig am größten ist. Zum anderen schafft sie eine Struktur, um systematisch und nachvollziehbar die gesetzten Ziele zu verfolgen sowie die Umsetzung in Fachbereichen und Abteilungen zu ermöglichen.

Welche Unternehmen brauchen eine Nachhaltigkeitsstrategie?

Eine Nachhaltigkeitsstrategie ist relevant für alle Unternehmen, die nachhaltiger werden wollen oder müssen. Unternehmen, die berichtspflichtig bzgl. Nachhaltigkeit sind, müssen gemäß den Vorgaben großer Berichtsstandards (DNK, GRI, etc.) erklären, ob sie eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen. Unternehmen, die aufgrund externen Drucks oder intrinsischer Motivation nachhaltiger werden wollen, ist die Nachhaltigkeitsstrategie ein gutes Werkzeug, um authentisch und effektiv an Nachhaltigkeit zu arbeiten.

Wie entwickelt man eine Nachhaltigkeitsstrategie?

Nachhaltigkeitsstrategien werden ähnlich entwickelt, wie andere spezifische Strategien für Unternehmen. Ausgangspunkt ist eine ausführliche Analyse. Im Gegensatz zu vielen anderen Strategien, muss diese allerdings deutlich mehr als nur wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Dies umfasst insbesondere die Analyse der Wirkung des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft (Inside-Out-Perspektive) und die Wirkung dieser Themen auf das Unternehmen (Outside-In-Perspektive). Diese Analyse hilft, um fundiert entscheiden zu können, wo der größte Hebel besteht. Ein wichtiges Instrument bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien ist deswegen der Stakeholderdialog. Dieser dient dazu von betroffenen oder beteiligten Gruppen herauszufinden, was die Wirkung des Unternehmens auf sie ist und ggf. welche Optionen zur Verbesserung es gibt. Die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie wird ausführlich hier beschrieben.

Wie lange dauert die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie?

Die Länge der Entwicklung ist abhängig von der Größe, Branche und Struktur des Unternehmens sowie des Standes der Nachhaltigkeitsaktivitäten. Bei kleineren Unternehmen ohne komplexe Wertschöpfungskette, die zum ersten Mal eine Nachhaltigkeitsstrategie aufstellen, kann der Prozess in 3 Monaten abgeschlossen sein. Bei größeren Unternehmen mit komplexeren Strukturen und Zielen kann die Entwicklung 12 Monate und mehr in Anspruch nehmen.

Was umfasst eine Nachhaltigkeitsstrategie?

Im Kern umfasst eine Nachhaltigkeitsstrategie die großen Ziele für die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen, sowie jeweils Teilziele, die zur Erreichung notwendig sind. Darüber hinaus kann sie aber auch die Nachhaltigkeits-Vision und -Mission des Unternehmens und andere Elemente umfassen. In vielen Fällen liefert die Nachhaltigkeitsstrategie zudem eine Struktur, die bei der Implementierung und Umsetzung in den operativen Geschäftsbetrieb hilft. Sie kann z.B. in Handlungsfelder und Fokusthemen gegliedert sein oder sie kann auf konkrete Initiativen zur Umsetzung verweisen. Im Blogbeitrag zu Beispielen von Nachhaltigkeitsstrategien werden diese Elemente veranschaulicht.

Was hat eine Nachhaltigkeitsstrategie mit einem Nachhaltigkeitsbericht zu tun?

Eine Nachhaltigkeitsstrategie bedingt keinen Nachhaltigkeitsbericht und andersherum. Ein Nachhaltigkeitsbericht schafft Transparenz über die nähere Vergangenheit der Nachhaltigkeitsaktivitäten des Unternehmens und zeigt daraus abgeleitete Ziele. Wiederum die Nachhaltigkeitsstrategie sagt aus, was das Unternehmen in Zukunft plant. Weiterhin ist der Bericht ein primär nach Außen gerichtetes Instrument und eine Strategie dient intern der Planung. Daher können beide einander in ihrer Umsetzung hilfreich sein. So gibt es einem Nachhaltigkeitsbericht eine klare inhaltliche Struktur, wenn er auf die Nachhaltigkeitsstrategie verweisen kann. Für die Leser*innen wird dadurch der Zusammenhang der zu berichtenden Themen noch einmal klarer. Die Nachhaltigkeitsstrategie ihrerseits profitiert von der strukturierten Auswertung der Nachhaltigkeitsaktivitäten im Nachhaltigkeitsbericht.

Was ist eine integrierte Nachhaltigkeitsstrategie?

Eine integrierte Nachhaltigkeits- und Unternehmensstrategie meint, dass die Nachhaltigkeitsstrategie kein gesondertes Dokument zur Unternehmensstrategie darstellt, sondern Teil davon ist. Die Ausgestaltung ist verschieden. In den schwächsten Formen der Integration enthält die Unternehmensstrategie Kapitel und Ziele zu Nachhaltigkeit, die auf die anderen Inhalte abgestimmt sind und sich zwischen ihnen finden. Im idealen Sinne meint eine integrierte Nachhaltigkeitsstrategie aber, dass alle Inhalte und Ziele der Unternehmensstrategie auf die gesetzten Nachhaltigkeitsansprüche geprüft wurden, sodass jedes Unternehmensziel auf eine Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung einzahlt.

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Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Toni Kiel
Themenbereich Nachhaltigkeitsstrategie

0178-1746903 | t.kiel@plant-values.de

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Positive und negative Auswirkungen des Tourismus auf Nachhaltigkeit

Der Tourismus zeigt klar positive und negative Wirkungen auf Nachhaltigkeit. Welche sind das und kann man bewerten, welche überwiegen?

Inhalt:

Welche positiven Wirkungen hat der Tourismus auf Nachhaltigkeit?

Reisen so beliebt wie nie zuvor

Seit 1950 sind die Auslandsreisen weltweit um mehr als das 50-fache gestiegen. Während international 25 Mio. Menschen in 1950 reisten, waren es 2018 mehr als 1.400 Mio. Menschen. Spannend ist, dass der Inlandstourismus diese Zahlen um ein Vielfaches übersteigt. Schätzungen gehen davon aus, dass der Inlandstourismus in etwa 5-10 x so groß ist wie internationale Reisebewegungen. Der Boom im Reisemarkt zeigt sich ebenso in Deutschland. Auch im internationalen Vergleich liegt Deutschland an der Spitze und belegt Platz 3 bei den Gesamtausgaben für Tourismus. Dies wird nur übertroffen von den USA (2) und China (1). (UNWTO – World Tourism Barometer, 2019, Our World in data)

Internationale Ankünfte auf Rekordniveau

Tourismus ist Motor für die Weltwirtschaft

Reisen ist also eine immer beliebtere Freizeitaktivität und dies schlägt sich auch in den Wirtschaftsdaten nieder. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige weltweit. Gemessen am weltweiten Exportumsatz belegt diese Querschnittsbranche den dritten Platz nach 1. Brennstoffen und 2. Chemie. Der Tourismus rangiert damit als Wirtschaftszweig noch vor 4. Lebensmitteln und 5. Kraftfahrzeugen. (UNWTO, 2019)

Tourismus trägt wesentlich zum BIP bei

Global macht er 10 % der Wirtschaftsleistung aus. In spezifischen Staaten zeigt sich sogar eine noch höhere Abhängigkeit der Gesamtwirtschaft vom Tourismus. (Statista, 2018) So macht der Tourismus einen unverzichtbaren Wirtschaftszweig in vielen Inselstatten oder Ländern im globalen Süden aus. Die Seychellen und Malediven hängen mit fast 70 % Anteil des Tourismus am BIP stark vom Tourismus ab. Kambodscha rangiert bei 30%. In diesen Ländern ist der Tourismus häufig Hauptdevisenquelle und somit Voraussetzung für eine Teilnahme am Weltmarktgeschehen. Aber auch in Europa hat der Tourismus eine hohe Bedeutung für die Wirtschaft, so z.B. in Island mit einem Anteil von > 30 % oder Kroation und Griechenland mit > 20 % am BIP. Auch in rasant wachsenden Volkswirtschaften wie China (11 %) oder etablierten Industrieländern wie Deutschland (8,6 %) und Frankreich (9,5 %) ist die Bedeutung des Tourismus für die Wirtschaft wesentlich. (WTTC, World Travel and Tourism Council)

Tourismus ist die drittwichtigste Branche weltweit

Tourismus sorgt für Wohlstand

Als dienstleistungs- und damit arbeitskräfteintensive Branche schafft der Tourismus hunderte Millionen Jobs weltweit und sorgt damit gerade auch in wenig entwickleten Regionen oder für sozial schwächer Gestellte Beschäftigungsmöglichkeiten. Jeder 10. Arbeitsplatz ist im Tourismus und sichert somit Existenzen und Lebensgrundlagen. Dabei fallen nicht nur direkt mit dem Tourismus im Zusammenhang stehende Branchen ins Gewicht. Zahlreiche indirekt verknüpfte Wirtschaftsbereiche sichern den Lebensunterhalt zahlloser Familien. (Tourism Watch Bildungsmaterial Verantwortungsvoll Reisen, 2019) In Deutschland trägt der Tourismus sogar 12% zur Beschäftigung bei. (Statista, 2019) Besonders jedoch in strukturschwachen Entwicklungs- und Schwellenländern sorgen die durch die Reisebranche verbesserten Einkommensverhältnisse als Treiber für Wohlstand. Gerade deshalb ist Covid-19 in diesen Ländern nicht nur ein Schock, sondern eine Tragödie, welche hunderte Millionen Menschen an den Rand der Existenz treibt. (diverse Artikel von Tourism Watch, z.B. Indien, 2020)

Tourismus fördert Dialog, Toleranz und Bildung

Neben der positiven wirtschaftlichen und sozialen Wirkung kann der Tourismus auch einen Beitrag zur Bildung leisten. Interkulturelle Begegnungen können Akzeptanz und Toleranz stärken und einen wertvollen Beitrag zur Inklusion leisten. Darüber hinaus findet ein globales Lernen statt, indem zum Beispiel wertvolle Geschäftspraktiken ausgetauscht werden. Wie werden Kulturgüter erhalten? Wie wird Landwirtschaft betrieben? Dies passiert in beide Richtungen, das heißt einerseits bei Reisenden, die ihre Erfahrungen im Quellmarkt verbreiten. Andererseits können Ortansässige von Reisenden lernen. Tourismus fördert so den Austausch und das Lernen voneinander weit über den touristischen Sektor hinaus.

Tourismus fördert den Schutz von Natur- und Kulturgütern

Reisegründe sind meist das schöne Wetter, Erholung, aber auch Natur und Kultur. Der Tourismus ist also auf deren Erhalt besonders angewiesen und kann positiv auf die Schaffung von Naturschutzgebieten oder den Erhalt von Kulturgütern durch Restauration etc. wirken.

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Welche negativen Wirkungen hat der Tourismus auf Nachhaltigkeit?

Ökologische Wirkungen

Klimawirkung des Reisens heizt Klimawandel an

Jedoch zeigt der Tourismus ebenfalls negative Wirkungen. Der Tourismus führt zum Beispiel zu wesentlichen CO2-Emissionen weltweit. Die An- und Abreisen sowie die Fortbewegung vor Ort in einer Tourismusregion verursachen Treibhausgase, insbesondere der Flugverkehr. Der hohe Verbrauch von fossilen Energieträgern bei Start und Landung macht besonders Kurzstreckenflüge klimaschädlich. Auch der Individualverkehr per Auto führt zu einem vergleichsweise hohen Fußabdruck. Insgesamt lassen sich 5-8% der globalen Emissionen auf den Tourismus zurückführen. (UBA, 2020)

Umweltwirkung der Verkehrsmittel im Vergleich (Tourism Watch Bildungsmaterial Verantwortungsvoll Reisen, 2019)

„Projektionen zufolge werden die tourismusbedingten Emissionen zwischen 2005 und 2035 um 130 Prozent zunehmen, sich also mehr als verdoppeln. […] 95 % der Emissionen  sind auf Verkehr und Gebäude zurückzuführen.“ (Kernergebnisse IPCC, 2016) Davon entfallen knapp 45 % Luftverkehr, obwohl nur 17 % der Reisen mit dem Flugzeug erfolgten. Entsprechend zeigt sich klar, dass Einsparungen im (Flug)Verkehr und durch Gebäudeeffizienzen maßgeblich für das Klimaschutzpotenzial der Branche sind.

Reisende verbrauchen knappe Ressourcen

Reisende verbrauchen knappe Ressourcen. So fallen Hauptreisezeiten zumeist in trockene, regenarme Jahreszeiten, in welchen Wasser knapp ist und zur Versorgung der Bevölkerung und Sicherung der Landwirtschaft wichtig ist. Werden diese Ressourcen zusätzlich durch Touristen mit einem häufig höheren Pro-Kopf-Verbrauch in Anspruch genommen, kommt es gleich zu einer doppelten Verknappung. Ein Beispiel dafür ist Sansibar. In der ariden Periode strömen besonders viele Touristen in dieses afrikanische Land. Schaut man auf den Wasser-Pro-Kopf-Verbrauch in Luxushotels, ist dieser 35x so groß wie in einem Privathaushalt. Neben dem Wasserverbrauch können durch Touristen auch andere lebensnotwendige Ressourcen vor Ort verknappt werden, wie Holz, Wohnraum etc.

Traumurlaub = Müllparadies?

Nicht minder problematisch zeigt sich der Umgang mit Müll. Aufgrund fehlender Entsorgungssysteme wird der Müll hauptsächlich unter offenem Himmel verbrannt. Die Folge sind die Entstehung von Treibhausgasen und hochgiftigen Kleinstpartikeln und deren Verteilung in Boden, Wasser und Luft. Gängige Praxis der Vergangenheit war außerdem die Verkippung im Meer. Fällt durch Reisende zusätzlich Extra-Müll an, möglicherweise durch den Konsum von Importware und Einwegprodukten anstelle von unverpackter Regionalware begünstigt, belastet dies das ohnehin fragile System. Auf den Malediven beispielsweise entstehen täglich 3,5 kg Müll pro Gast, welche sich auf 500 t pro Tag aufsummieren. Momentan gibt es kein Entsorgungssystem. Deshalb wurde eine komplette Insel als Mülldeponie freigegeben, Thilafushi, wo täglich die Verbrennung unter freiem Himmel stattfindet. (Die Malediven – ein Müllparadies?)

Touristische Infrastruktur belastet die Natur

Touristische Infrastrukturen belasten die Natur und versiegeln Flächen. In Asien beispielgweise wurde der Nationapark an China verkauft. Neben Flughafen und fünfspuriger Autobahn entstehen dort Golfplatz und und Luxusresorts. Im Fokus stehen wirtschaftliche Interessen anstelle den Schutzes von dort lebenden vom Aussterben bedrohten Arten. In Europa treten infrastrukturelle Umweltschäden zum Beispiel am Mittelmeer auf. Fundamentale Hotelbauten und Betonhochburgen zielten darauf ab, besonders viele Gäste unterzubringen. Diese ordnen sich nur selten in eine lokale Bauweise ein und versiegeln großflächig Böden. Zudem werden maritime Ökosysteme durch Abwasser und Müllverschmutzung enorm belastet. (Mittelmeer, 2020) Auch die Hotspots in den Alpen sind stark belastet. (Alpen, 2020)

Probleme des Massentourismus

Massentourismus verursacht Umweltschäden

Nimmt eine Destination mehr Touristen auf, als sie verkraftet, schadet dies nachhaltig Natur und Kultur. Sie kennen sicher die Traumstrände dieser Welt? So z.B. die Maya Bay bei der thailändischen Insel Ko Phi Phi, auch bekannt als „The Beach“? Die Überlastung mit massenhaften Touristenströmen und Schiffanreisen führte zu massiven Umweltschäden im Wasser und am Strand. Eine aufwendige Sanierung ist unabdingbar. Dies haben auch Behörden erkannt und die Schließung veranlasst. Seit 2018 ist der Strand nun auf unbekannte Zeit gesperrt bis zum heutigen Tage. (Maya Bay, 2018) Es gibt eine Vielzahl solcher Fälle, so z.B. die Insel Komodo, wo eine Verfünffachung der Besucherzahl eine drastische Störung der Biodiversität zur Folge hat. (Komodo, 2019).

Tourismus-Monowirtschaft ist risikoreich

Neben Umweltschäden können auch die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung negativ sein. Besonders wenn eine gesunde Relation von Urlaubern und Einheimischen überschritten ist, können Vor-Ort-Verhältnisse nachhaltig gestört werden. Ursprüngliche Wirtschaftszweige sterben aus, weil sie nicht mehr attraktiv sind, z.B. lokales Handwerk und Landwirtschaft. Die Entwicklung weg von Eigenversorgung hin zum Einkauf von Importwaren, besonders aber die allgemeine Ausrichtung auf einen oder wenige Wirtschaftszweige schafft gefährliche Abhängigkeiten und Risiken, wie die Corona-Pandemie besonders gut zeigt.

Soziale und kulturelle Wirkungen

Import verringert Wohlstand vor Ort

Abhängigkeiten werden außerdem durch den Import von Leistungen geschaffen, z.B. Bau von Tourismusinfrastruktur oder internationale (Hotel)Ketten. Entsprechende Firmen schöpfen Gewinne vor Ort ab. Gut bezahlte Arbeitsplätze gehen an ausländische Kräfte. Somit reduzieren sich lokale Wertschöpfung und soziale Entwicklungschancen vor Ort erheblich. Eine positive Wirkung fällt gering aus. Ein Anstieg des Preisniveaus kann sogar das Niveau des Wohlstands verringern und Bewohner*innen verdrängen. So werden auch in Deutschland Effekte wie Anstieg der Lebenshaltungskosten, Wohnraumverknappung und steigende Mieten als Folge von steigenden Tourismuszahlen wahrgenommen. (Statista, 2019)

Schlechte Arbeitsbedingungen

Ein großer Vorteil ist, dass Beschäftigungsmöglichkeiten im Tourismus für viele Menschen zugänglich sind. Jobs erfordern meist nur eine geringe Qualifikationen. Dies bedeutet aber auch, dass die Arbeitskräfte schnell ausgetauscht werden können und soziale Faktoren, wie gerechte Entlohnung, meist schlecht ausgeprägt sind. Gravierend ist dies besonders im informellen Sektor, der von fehlender sozialer Absicherung und schlechten Arbeitsbedingungen gekennzeichnet ist, in dem jedoch leider ca. 50% der Arbeitsplätze im Tourismus angesiedelt sind. Selbst jedoch in einem stark regulierten Land wie Deutschland geht die Hans-Böckler-Stiftung davon aus, dass das Gastgewerbe der Sektor ist, in dem es am häufigsten zur Umgehung des Mindestlohns kommt. (vgl. Tourism Watch Bildungsmaterial Verantwortungsvoll Reisen, 2019)

Verlust von Kultur und Tradition

Problematisch am Massentourismus ist außerdem, dass lokale Kultur und Tradition durch die permanente übermäßige Präsenz anderer Kulturen verloren geht. Häufig passiert dies im Sinne einer Verwestlichung. Westliche Produkte, Dienstleistungen und Speisen werden mehr nachgefragt werden als lokale. Aber sogar Verhaltensweisen und Traditionen bis in den Alltag hinein können unwiderbringlich abgewandelt werden.

Übersicht der positiven und negativen Wirkungen des Tourismus auf Nachhaltigkeit

Jetzt einen Tourismus mit Zukunft gestalten!

Nachhaltigkeit ist Selbsterhalt

Der Tourismus hat positive, jedoch auch negative Wirkungen auf eine Vielzahl an ökologischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Ressourcen. Besonders ökologische und kulturelle Schäden können gravierend sein und eine negative Rückkopplung auf Wirtschaft und Gesellschaft auslösen. Allein dies ist Grund genug, eine nachhaltige Entwicklung im Tourismus zu fördern und damit den Selbsterhalt der Branche zu gewährleisten.

  • Ein nachhaltiger Tourismus sollte zum Ziel haben, Ansprüche von Reisenden als auch Bevölkerung im Zielgebiet zu berücksichtigen und Ressourcen so zu nutzen, dass ökonomische und soziale Bedürfnisse langfrisitg gesichert werden können und gleichzeitig Kultur und Umwelt erhalten bleiben. (in Anlehnung an die Definition der UNWTO)

Tourismus und die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN

Um dies zu erreichen, braucht es Ziele. Ideal ist, Ziele in bereits bestehende Rahmen einzuordnen. Dazu eignen sich zum Beispiel die Sustainable Development Goals, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Der Tourismus mit allen vor- und nachgelagerten Branchen kann die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele positiv unterstützen und zu allen dieser 17 Ziele direkt oder indirekt beitragen. Die Welttourismusorganisation UNWTO erwähnt die Verantwortung des Tourismus explizit in den Zielen 8 – Menschenwürdige Arbeit und inklsuives, nachhaltiges Wachstum, 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion und 17 – starke Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. Offensichtliche Anknüpfungspunlte bestehen außerdem im Ziel Nummer 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz aufgrund der Klimawirkung des Reisens. Weil der Tourismus so viele Menschen weltweit beschäftigt, hat er außerdem eine besondere Rolle für die Ziele 1 bis 4, weniger Armut, kein Hunger, Gesundheit sowie Bildung (Tourismus und die SDGs)

Tourismus hat besonderen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsziele SDG8, SDG12, SDG13 und SDG17 sowie SDG1 bis 4; Bildverwendung mit freundlicher Genehmigung von (c) www.un.org/sustainabledevelopment/ Hinweis: “The content of this publication has not been approved by the United Nations and does not reflect the views of the United Nations or its officials or Member States“

Verantwortung wahrnehmen

Die Tourismuswirtschaft, aber auch Reisende selbst, können und müssen ihren Beitrag leisten und ihre positiven Auswirkungen maximieren und ihre negativen minimieren. Für Antrieb dürften die Entwicklungen im Markt sorgen: Wachsende Nachfrage sorgt für großes Potenzial, wenn Sie Nachhaltigkeit zum Teil Ihres Geschäfts machen – besser jetzt als zu spät – und ist wegweisend für Risikomanagement und Resilienz gegenüber Krisen.

Nachhaltigkeit ist Risiko- und Krisenmanagement

Wie man Risiken des Klimawandels in Chancen umwandelt, lesen Sie in unserem Blogbeitrag Klimawandel und Tourismus: Welche Regionen sind betroffen und was kann getan werden?. Mehr über Klimaschutz im Tourismus lesen Sie in unseren Blogartikeln Klimaschutz im Tourismus: 4 Strategien, die auf dem Weg helfen und Klimaschutz im Tourismus umsetzen: 40 wertvolle Maßnahmen.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

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Franziska Kramer
Themenbereich Nachhaltiger Tourismus

01520-6208119 | f.kramer@plant-values.de

Wie kann man selbst nachhaltiger reisen?

Auch Sie hat das Fernweh gepackt? Sie reisen gerne und entdecken gerne die Welt? Dann haben wir hier ein paar Tipps, Tricks und Kniffe, wie Sie nachhaltiger reisen können. Wir alle bestimmen mit unserem persönlichen Verhalten positive wie negative Effekte auf Kultur und Natur mit.

Gerne beraten wir Sie zu mehr Nachhaltigkeit im Tourismus. Fragen Sie uns an, wie Sie als Tourismusakteur Ihre positiven und negativen Auswirkunegn identifizieren und managen können. Hier mehr zu unseren Leistungen für touristische Akteure.

Tourismus oder Reisen?
Hier eine begriffliche Einordnung: Tourismus bezeichnet und umfasst die Gesamtheit aller Aktivitäten und Beziehungen, welche mit der Fortbewegung und dem Aufenthalt an einem Reiseziel außerhalb des üblichen Lebensmittelpunktes oder Arbeitsortes in Zusammenhang stehen. Während das Reisen eher die Aktivität an sich widerspiegelt, stellt der Begriff Tourismus die wirtschaftliche Einordnung als Branche in den Vordergrund. Im sprachlichen Gebrauch werden beide Begriffe teils synonym verwendet.

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit.
Strategie, Controlling und Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit.

Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern:

info@plant-values.de