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FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Social Business beantwortet

Social Business als Form des Wirtschaftens und Social Entrepreneurship als Haltung für Unternehmer*innen nehmen mehr und mehr Raum in der öffentlichen Diskussion als auch in der Gründungs-Szene ein.

Wir sind selbst in der Regionalgruppe Sachsen im Social Entrepreneurship tätig und haben bereits verschiedene Social Business in der Gründung und im Wachstum begleitet.

In diesem Beitrag wollen wir unser Wissen auf einen Blick zusammenbringen und die wichtigsten Fragen, Begriffe und Hintergründe rund um Social Entrepreneurship klären.

Inhalt des Beitrags
  • Begriffe rund um Social Entrepreneurship
  • Blick in die Praxis
  • Verbände und weitere Infos

Begriffe rund um Social Entrepreneurship

Was ist Social Business?

Social Business sind Unternehmen, die gesellschaftliche Probleme lösen. Orientierung dafür sind oftmals die 17 SDGs. Also Unternehmen, die sich für Meeres- oder Klimaschutz, für Bildung oder Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen einsetzen.

Darstellung der 17 SDG (c) https://www.un.org/sustainabledevelopment/ Hinweis: “The content of this publication has not been approved by the United Nations and does not reflect the views of the United Nations or its officials or Member States“

Im Unterschied zu klassischen Unternehmen steht dabei nicht der finanzielle Erfolg oder die Ausschüttung von Gewinnen an erster Stelle, sondern die Mittelverwendung für die positive Wirkung auf Mit- und Umwelt. Die Wirkungsorientierung ist Leitschnur des Handels und wird von Beginn an als Unternehmensziel festgeschrieben.

Was ist ein Social Startup?

Ein Social Startup ist ein Social Business im Aufbau. D.h. die Bezeichnung passt für die Phase vor, während und nach der Gründung.

Was ist ein Social Entrepreneur?

Ein „Social Entrepreneur“ ist entsprechend eine Person, welche im Sinne des Social Business Ansatzes unternehmerisch tätig wird.
„Social“ übersetzt heißt in diesem Zusammenhang sinngemäß „gemeinwohlorientiert“ oder für den gesellschaftlichen Mehrwert. Auch Green Startups können daher dazu zählen, da Umweltthemen auch die Gesellschaft betreffen.
Ein „Entrepreneur“ ist die unternehmerisch-tätige Person.

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Blick in die Praxis

Was sind Beispiele für Social Business?

Bekannte, teils deutschlandweit aktive Beispiele, sind:

HEYHO – Die soziale Müslirösterei: Menschen, die auf Grund derer Biografien sonst ohne echte Jobchance sind, können in der Bio-Müsli-Herstellung Arbeit und damit einen Weg zurück in die gesellschaftliche Teilhabe finden.

Ecosia: Die Web-Suchmaschine, die Bäume pflanzt und damit das Klima schützt.

Discovering hands: Menschen mit Sehbehinderung nutzen ihre Tastbegabung für die Früherkennung von Brustkrebs. Dadurch ergeben sich neue Jobmöglichkeiten und durch bessere Vorsorge sinkt das Gesundheitsrisiko.

Social Web macht Schule: Durch Präventionsarbeit wird ein sicherer und selbstverantwortlicher Umgang mit digitalen Medien, insbesondere sozialen Medien, eingeübt. Mittels Seminar- und Workshopangeboten werden Lehrpersonal und Schüler*innen zu Cybermobbing, Rechte am Bild, Gefahren durch Social Media usw. aufgeklärt.

SIRPLUS und Zur Tonne: Beide Initiativen haben der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Sirplus hat einen Onlineshop, wo genießbare, aber abgelaufene Lebensmittel gekauft werden können. Zur Tonne hingegen lädt zu Kochkursen, Workshops und Catering mit geretteten Lebensmittel ein, um dazu über das Problem zu informieren und Tricks zu zeigen, wie man gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen kann.

Quartiermeister Bier: Mit jedem Liter verkaufen Bier werden 10 cent an soziale, ökologische oder kulturelle Projekte in der Region gespendet. Die Projektregionen sind u.a. in bzw. um München, Berlin, Leipzig und Dresden.

Startnext: Mittels Crowdfunding bekommen Projekte und Startups mit gesellschaftlich positiver Wirkung Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.

Payactive: Ein Zahlungsdienstleister mit social payback. D.h. der erzielte Gewinn aus dem Angebot wird nicht ausgeschüttet, sondern fließt anschließend in soziale und ökologische Projekte.

Startnext, Payactive, Social Web macht Schule und Zur Tonne sind Beispiele für Social Business aus Sachsen. Bisheriger Hotspot für Social Entrepreneurship ist aber eindeutig Berlin. Darüber haben wir bereits im Februar 2020 geschrieben, als die Ergebnisse des Deutschen Social Entrepreneurship Monitor 2019 (DSEM19) veröffentlicht wurden.

Wer definiert, was ein Social Business ist?

In Deutschland gibt es im Vergleich zu anderen Ländern keine klare rechtliche Einteilung. In anderen Ländern wird mittels Rechtsform und klarer Definitionen dazu gesetzlich aufgezeigt, was zu gemeinwohlorientieren Wirtschaften zählt und wer sich Social Business nennen darf. 
Der deutsche Dachverband für Social Entrepreneurship (SEND e.V.) hat diese Lücke erkannt und eine eine Grundlage geschaffen. Sie haben folgende Definition erarbeitet:
„Das primäre Ziel von Social Entrepreneurship ist die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Dies wird durch kontinuierliche Nutzung unternehmerischer Mittel erreicht und resultiert in neuen und innovativen Lösungen. Durch steuernde und kontrollierende Mechanismen wird sichergestellt, dass die gesellschaftlichen Ziele intern und extern gelebt werden.“

Wo ist die Abgrenzung zur klassischen Wirtschaft und zu gemeinnützigen Organisationen?

Social Business werden zwischen klassischer Wirtschaft (gewinnorientierte Unternehmen oder Konzerne) und gemeinnützige Organisationen (NGO, gemeinnützigen Vereinen, Wohlfahrt) verortet.

Die Abgrenzung zum klassischen Wirtschaftsunternehmen ist, dass als primäres Ziel die Wirkung fürs Gemeinwohl (Social) steht. Die ist als Ziel des Unternehmens festgeschrieben.
Die Abgrenzung zur gemeinnützigen Organisation ist hingegen unschärfer. Hier ist die Kombination aus der Generierung eigener Einnahmen, durch Verkauf von Dienstleistungen und Produkten, und die Gewinnverwendung, zum Verfolgen des gemeinwohlorientierten Wirkens, entscheidend. Weiterhin sind Abgrenzugsmerkmale die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und der Antrieb durch eine gemeinwohlförderliche Mission.

Die Abgrenzung ist keinesfalls trennscharf. Der Übergang zur klassischen Wirtschaft und zu gemeinnützigen Organisationen ist oftmals flüssig. Schlussendlich gibt zahlreiche Ausprägung, was u.a. auf die fehlende Definition und Rechtsform zurückzuführen ist.

Welche Rechtsform gibt es für Social Entrepreneurship in Deutschland?

Viele und keine wirklich passende. In Deutschland gibt es derzeit keine Rechtsform speziell für Social Business. Social Business firmieren daher beispielsweise als gGmbH, UG, GbR oder in Kombination, beispielsweise als GmbH und Verein. Hier zeigt sich eine besondere Hürde in Deutschland, da diese rechtlichen Konstruktionen oftmals nicht ideal zum Social Business-Unternehmen passen und mit Mehraufwand in Verwaltung und Unternehmensführung verbunden sind.
Dennoch soll die fehlende Rechtsform nicht abhalten, ein Social Business aufzubauen. Viele Beispiele zeigen, dass auch mit gängigen Rechtsformen in Deutschland entsprechend gewirtschaftet werden kann.

Welche Rechtsformen gibt es international für Social Business?

Andere Länder sind schon weiter und haben für Social Entrepreneurs bereits eigene Rechtsformen geschaffen. Eine kleine Liste an Beispielen:
– USA: Low-profit Limited Liability Company (L3C) oder Benefit Corporation
– Großbritannien: Community Interest Company
– Frankreich: Société Coopérative d’intérêt Collectif (SCIC)
– Italien: Impresa Sociale

Wie wirken Social Businesses?

Ein Social Business kann in mehrere Richtungen wirken. Ein gesellschaftlicher Mehrwert kann folgendermaßen  geschaffen werden:
– Direkt einen Beitrag mit selbst erstellten Produkten oder Dienstleistungen schaffen
(Beispiele wären solidarische Öko-Landwirtschaften, nachhaltige Modeanbieter oder Anbieter von Bildungsleistungen oder medizinischen Dienstleistungen)

– Indirekt einen Beitrag leisten, indem Zulieferer gefördert werden
(Beispiel hier kann GEPA – The fair trade company sein. Sie treten als Importeur und Vermittler fair-erzeugter und -gehandelter Waren auf)

– Geld erwirtschaften, welches in Sozial- oder Umweltprojekte gespendet wird
(Beispiele wäre die ecosia Suchmaschine oder Quartiermeister-Bier, welche für Aufforstung bzw. Soziale Projekte Kapital generieren)

– Menschen Arbeit geben, welche benachteiligt sind auf dem regulären Arbeitsmarkt
(Beispiel wäre Heyho Müsli, welche gezielt Menschen einstellen, die es aufgrund ihrer Biografie schwer haben, einen Arbeitsplatz zu bekommen)

Damit einher geht oftmals die Senkung sozialer Kosten (Ausgaben der Sozialkasse z.B. für Arbeitslosengeld, Kosten für soziale Angebote, Entwicklungshilfe) bei gleichzeitiger Schaffung von wirtschaftlichen Erträgen (Erwirtschaften von Arbeitslohn, Gewinne für ökologische oder gesellschaftliche Aufgaben, Steuern für den Staat).

Verbände und weitere Infos

Gibt es einen gemeinsamen Verband oder eine Anlaufstelle für Social Business in Deutschland?

Ja! Der SEND e.V. ist das Social Entrepreneurshoip Netzwerk Deutschland. Um Social Entrepreneurs zu stärken, die Diskussion um Social Business-Ansätze und soziale Innovationen mit dem erforderlichen Nachdruck voranzutreiben, hat im Juni 2017 das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland als Dachverband gegründet. Inzwischen gibt es zahlreiche Regionalgruppen, u. a. in Sachsen. Link für Newsletter-Anmeldung

Wo finde ich mehr Beispiele, Infos und Berichte?

Einerseits natürlich auf der Seite des SEND e.V.. Hier wird u.a. regelmäßig eine Untersuchung der Szene unternommen und die Ergebnisse sind im Social Entrepreneurship Monitor veröffentlicht.
Aber auch andere berichten darüber. Hier haben wir zwei ausgewählte Beiträge, die das Thema näher bringen:
ZDF (28.06.2021): Social Business – schöne neue Wirtschaftswelt? TV-Beitrag über Beispiele und Funktionsweise
und DLF (13.11.2019): Soziale Startups: Wirtschaftlicher Gewinn ist nicht alles. Radio-Beitrag über Social Startups und Rechtsformen

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Allgemein News und Einblicke

Social Entrepreneurship Sachsen – das Event im Videorückblick

Am 22. Juni 2021 fand die Veranstaltung „Social Entrepreneurship in Sachsen“ als Online-Schalte statt. Eingeladen hatte das Impact Hub in Dresden und zu Gast waren:

Moderiert wurde die wunderbare Runde von Lorenz Weil aus dem Impact Hub Dresden.

Die Veranstaltung zu Social Entrepreneurship in Sachsen ist nun als Mitschnitt veröffentlicht:

plant values: Social Entrepreneurship in Sachsen fördern

Als plant values sehen wir viel Potential im Social Entrepreneurship Ansatz, gerade als mögliches Instrument für gesellschaftliche Herausforderungen. Wandel zum nachhaltigen Wirtschaften, Digitalisierung, Auflösung von Bildungsungerechtigkeiten, Veränderung der Demografie hin zu alternden Gesellschaft oder der bereits laufende Strukturwandel in den Kohlerevieren sind nur einige der zu nennenden Felder, wo man gerade in Sachsen mittels Social Entrepreneurship aktiv werden kann. Es bietet sich an, mit unternehmerischen Mitteln Lösungen mit gesellschaftlicher Wirkung zu entwickeln. Dazu braucht es Vorbilder, Förderungen und ein Ökosystem für Social Business. So können soziale Innovationen und Geschäftsmodelle mit gemeinwohlorientierter Wirkung befördert werden.

Mit der Entfaltung von Social Entrepreneurship in Sachsen entsteht einerseits ein Beitrag zum Gemeinwohl, was andererseits öffentliche Kassen und Träger entlastet. Zudem werden oftmals sinnstiftende und integrative Arbeitsplätze geschaffen. Die Potentiale für Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm, wie eine Studie von McKinsey und Ashoka zeigt.

Daher möchten wir als plant values den Ansatz, die Geschäftskonzepte und Gründungsideen von Social Entrepreneurship weiterhin fördern und weiterentwickeln. Neben Engagement für Social Entrepreneurship bieten wir darüber hinaus konkrete Beratung für Social Startups oder etablierte Unternehmen bzgl. Social Business an.

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Wir als plant values möchten uns für das tolle Event bedanken. Wir wünschen uns, dass wir weiterhin gemeinsam mit den verschiedenen Akteur*innen daran arbeiten, das Sachsen zu einem Hotspot für Social Entrepreneurship wird!

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Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Green und Social Startup Gründen – Tipps im plant values ePaper

Die ersten Schritte, die besten Anlaufstellen und Besonderheiten nachhaltiger Unternehmensgründungen

Kurz und knackig haben wir euch in diesem plant values ePaper erste Anlaufstellen, Tipps und Tricks sowie Fördermöglichkeiten zusammengestellt fürs Green und Social Startup Gründen. Dabei zeigen wir die Besonderheiten auf, die zu beachten sind, wenn du mit deiner Unternehmensidee die Welt besser und nachhaltiger machen möchtest.

Gründungstipps aus der Praxis

Außerdem plaudert Chris, Gründer von nu+company (bekannt für nucao-Riegel und nupro-Shakes), aus dem Nähkästchen. Was sind seine Erfahrungen mit dem Aufbau einer nachhaltigen Geschäftsidee? Was sind seiner Meinung nach die Besonderheiten beim Green und Social Startup Gründen?

Unsere Kunden schätzen, dass wir eine gewisse Ganzheitlichkeit anstreben, in dem was wir tun. […] Wir sind naiv genug um zu glauben, dass alles geht.

Unsere Tipps als ePaper im Download

Bist du neugierig geworden? Willst du selbstständig tätig werden und eine nachhaltige Gründungsidee verfolgen? Dann hole dir unsere Tipps und notierten Erfahrungen! Blättere einfach in unserem ePaper fürs Green und Social Startup Gründen: 

Deine Meinung interessiert uns! Wie gefällt Euch unser erstes ePaper? Was möchtest du noch übers Green und Social Startup Gründen wissen?
Lasst doch gerne einen Kommentar für uns da und schreibt uns eine Mail auf info@plant-values.deEs würde uns freuen, von Euch zu lesen!


Wir als plant values helfen, wenn du ein Grünes oder ein Social Startup gründen möchtest. Dabei begleiten wir Gründer*innen, Selbstständige und Startup Teams vor, während und nach der Gründung. Unser Ansatz ist es, unsere Partner*innen darin zu befähigen, ein nachhaltiges Unternehmen zu etablieren. Damit verfolgen wir einen wichtigen Beitrag zu einer ganzheitlichen Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft hin zur Nachhaltigkeit.

Für Vorgründungs- bzw. Beratungen nach der Gründung, z.B. fürs Social und Green Startup Gründen, arbeiten wir auch mit Förderungen. Damit kann ein Großteil der Kosten (bis zu 100 %) bei erfolgreicher Antragsstellung übernommen werden. Bei der Antragsstellung unterstützen wir und übernehmen den Papierkram. Mehr Infos dazu gibt es hier: plant-values.de/forderungen-nachhaltigkeit-beratung/


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Social Business in Sachsen: Umfrageergebnisse zeigen Handlungsbedarf

Die Entwicklung von Social Business in Sachsen wird immer interessanter, birgt es doch gewaltige Potentiale für Gesellschaft und Wirtschaft. Um die Situation in Sachsen zu untersuchen, wurde die bisher größte Umfrage dazu vom Impact Hub, plant values und dem SEND e.V. jetzt veröffentlicht.

Inhalt auf dieser Seite

Die wichtigsten Erkenntnisse über Social Entrepreneurship in Sachsen:

  • 106 jungen Teilnehmende (45 % im Alter von 25 – 34 Jahren, 15 % im Alter von 18-25 Jahren) zeigen sich zu drei Viertel (76 % ) offen gegenüber der Social Business Idee.
  • 77 % wollen einen „Beitrag für eine bessere Welt leisten“, so die Abfrage für den Haupttreiber für ein Gründungsvorhaben.
  • Suche nach Sinnstiftung: Knapp 18 % der Befragten geben an, keine*n Arbeitgeber*in zu finden, mit dessen Werten sie sich identifizieren.
  • Der überwiegende Teil der Befragten schätzt die Qualität der Unterstützungsangebote für Social Entrepreneurship in Sachsen eher negativ ein. 45,3 % antwortet mit „wird überhaupt“ bzw. „wird eher nicht unterstützt“.
Social Business in Sachsen: Umfrageergebnisse veröffentlicht: Hier kannst du die Ergebnisse DOWNLOADEN!

2020: Umfrage zu Social Business in Sachsen gestartet

Wir haben uns gefragt, wo Social Entrepreneurship in Sachsen steht? Ist das Prinzip bekannt? Welche Unterstützungsbedarfe für Social Business in Sachsen gibt es konkret?

Daher haben wir, der SEND e.V., Impact Hub Dresden und plant values, 2020 eine Umfrage genau zu dem Thema gestartet. Das Ziel war es, einen Ist-Stand von Social Business in Sachsen zu erfassen. In der Folge soll das eine Grundlage zur Weiterentwicklung der Branche in Sachsen liefern. Wir geben aktuelle Einschätzungen wieder und zeigen Bedarfe auf.

Die ausgewerteten Ergebnisse präsentieren wir nun hier: Hier kannst du die Ergebnisse DOWNLOADEN!

Handlungsbedarfe und Entwicklungschancen für Social Entrepreneurship in Sachsen

Wir stellen fest, bisher gibt es kein ausgeprägtes Umfeld für Social Entrepreneurship in Sachsen. Hier besteht noch viel Entwicklungsraum. Es kann z.B. mit Förderprogramme, die auf Social Startups oder Sozialen Innovationen ausgelegt sind, eine Hilfe für Gründer*innen und Social Entrepreneurs geschaffen werden. Ebenso braucht es für eine Fortentwicklung sichtbare und gut erreichbare Unterstützungsnetzwerke. Diese sollen Social Entrepreneurs für Informationsgewinnung, Beratung und Erfahrungsaustausch offenstehen. Dazu schreiben wir auf Seite 15 & 16.
Da Sachsen durch Megatrends wie Digitalisierung, Alterung der Bevölkerung, Migration und der Herausforderung der Nachhaltigen Entwicklung im Allgemeinen sowie den Strukturwandel im Besonderen betroffen ist, kann Social Entrepreneurship in Sachsen als ein mögliches Instrument verstanden werden. Damit kann auf gesellschaftliche Probleme reagiert werden. Mit unternehmerischen Mitteln sind folglich neue Lösungen (Soziale Innovationen) zu generieren. Die Potentiale für Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm, wie eine Studie von McKinsey und Ashoka zeigt. Dazu schreiben wir in der Auswertung auf Seite 17 & 18.

Was ist ein Social Business?

Das sind Unternehmen, welche als Hauptziel das Lösen von sozialen oder ökologischen Herausforderungen verfolgen. Auf der einen Seite werden nachgefragte Jobs geschaffen. Dies ist angesichts des Fachkräftemangels auf dem Markt hochinteressant, denn nachhaltige Unternehmen haben es leichter, Bewerber*innen zu rekrutieren und Mitarbeitende zu halten, wie Studien von Königsteiner und Accenture zeigen. Auf der anderen Seite wird an der Lösung gesellschaftlicher Probleme (Langzeitarbeitslosigkeit, Chancenungleichheit, Hunger, Umweltverschmutzung etc.) gearbeitet.

Daher wirkt ein Social Business gleich mehrfach. Gesellschaftlicher Mehrwert und damit die Senkung sozialer Kosten gehen einher mit wirtschaftlicher Wertschöpfung.

Mini-Exkurs: Den Unterschied zwischen Social Business und Social Entrepreneurship erklärt und

Mit dem Begriff „Social Business“ werden Unternehmen bezeichnet, die mit unternehmerischen Mitteln gesellschaftliche Probleme lösen wollen. Orientierung dafür sind die 17 SDGs. Im Unterschied zu klassischen Unternehmen steht dabei nicht der finanzielle Erfolg an erster Stelle, sondern die positive Wirkung auf Mit- und Umwelt. Ein „Social Entrepreneur“ ist entsprechend ein*e Unternehmer*in, welche*r im Sinne des Social Business Ansatzes agiert. „Social Entrepreneurship“ beschriebt demnach zufolge das gemeinwohlorientierte Unternehmertum. Die Worte Social Business und Social Entrepreneurship sind daher fast synonym nutzbar.

„Social“ übersetzt heißt in diesem Zusammenhang sinngemäß „gemeinwohlorientiert“ und bezieht sich daher in dem Kontext auf die Gesellschaft.

Damit orientieren wir uns am Verständnis und der Definition vom SEND e.V. Mehr dazu findet man beim SEND e.V. online.

Methoden und Best Practice zu Nachhaltigkeit ins Postfach

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Beispiele für Social Business

Deutschlandweit bekannte Beispiele sind:

  • Heyho soziale Müslirösterei: Menschen, die auf Grund derer Biografien sonst ohne echte Jobchance sind, können in der Bio-Müsli-Herstellung Arbeit und damit einen Weg zurück in die gesellschaftliche Teilhabe finden.
  • Ecosia: Die Web-Suchmaschine, die Bäume pflanzt und damit das Klima schützt.
  • Discovering hands: Menschen mit Sehbehinderung nutzen ihre Tastbegabung für die Früherkennung von Brustkrebs. Dadurch ergeben sich neue Jobmöglichkeiten und durch bessere Vorsorge sinkt das Gesundheitsrisiko.
  • Sirplus und Zur Tonne: Beide Initiativen haben der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Sirplus bestückt daher Supermärkte mit abgelaufenen Lebensmittel. Zur Tonne hingegen lädt zu Kochkursen, Workshops und Catering mit geretteten Lebensmittel ein, um dazu über das Problem zu informieren und Tricks zu zeigen, wie man gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen kann.
  • StartNext: Mittels Crowdfunding bekommen Projekte und Startups mit gesellschaftlich positiver Wirkung Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.
  • Payactive: Ein Zahlungsdienstleister mit social payback. D.h. der erzielte Gewinn aus dem Angebot wird nicht ausgeschüttet, sondern fließt anschließend in soziale und ökologische Projekte.

Start Next, Payactive und zur Tonne sind drei Beispiele für Social Business aus Sachsen. Bisheriger Hotspot für Social Entrepreneurship ist aber eindeutig Berlin. Darüber haben wir bereits im Februar 2020 geschrieben, als die Ergebnisse des Deutschen Social Entrepreneurship Monitor 2019 (DSEM19) veröffentlicht wurden. Folglich haben wir uns gefragt, wie die Situation in Sachsen ist.

Mehr erfahren und weiterlesen:

Zu Social Entrepreneurship in Sachsen:

Sowie allgemein zu Social Business:

Zu den Partner*innen hinter der Umfrage:

SEND e.V. – Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland

– Um Sozialunternehmer*innen (Social Entrepreneurs) zu stärken und soziale Innovationen mit dem erforderlichen Nachdruck voranzutreiben, hat sich das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. gegründet. Inzwischen gibt es zahlreiche Regionalgruppen, u. a. in Sachsen.
Hier der Link für die Newsletter-Anmeldung.

Impact Hub Dresden

– Das Impact Hub Dresden ist Teil eines weltweiten Netzwerks zur Förderung sozialer Innovationen. Nach dem Leitgedanken “Think global, act local” unterstützten die lokalen Impact Hubs in Dresden und Leipzig Gründer*innen in Sachsen, die mit Ihrer Idee einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten. Gemeinsam schaffen sie hier Prototypen für neue Wege des verantwortungsvollen Wirtschaftens, indem Wissen und Know How geteilt und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden.

plant values | Beratung und Coaching für Nachhaltigkeit

– plant values will Nachhaltigkeit in die Wirtschaft bringen. Dazu unterstützt das Team etablierte Unternehmen, Nachhaltige Startups und Social Business Ansätze mittels Beratung, Begleitung und schulenden Workshops. Damit formen und fördern wir nachhaltige Unternehmen und leisten folglich einen Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft und Wirtschaft.



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Social Entrepreneurship Monitor 2019 veröffentlicht und kommentiert

SEND e.V. veröffentlicht Social Entrepreneurship Monitor für das Jahr 2019. Wir nehmen Social Business in Sachsen in den Blick.

Im Februar 2020 wurde der Deutsche Social Entrepreneur Monitor für 2019 (DSEM 2019) veröffentlich. Mit der Erhebung wurden Akteur*innen des Social Business befragt und um ihre Einschätzungen sowie Erfahrungen gebeten. Die Veröffentlichung ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion und ermöglicht erste Rückschlüsse auf Trends und Besonderheiten.

Die Ergebnisse haben sich Sophia Kiefl (Leiterin der SEND Regionalgruppe Sachsen und tätig im Impact Hub Dresden) und Steve Grundig (plant values) genauer angeschaut, eingeordnet und gemeinsam kommentiert. 

(c) SEND e.V. 2019


Mini-Exkurs: Was ist eigentlich Social Business?
Was ist heißt Social Entrepreneuship?

Mit dem Begriff „Social Business“ werden Unternehmen bezeichnet, welche als Unternehmensziel das Lösen von gesellschaftlichen (soziale und/oder ökologische) Herausforderungen verfolgen. Dabei wird explizit auf eine unternehmerische Denkweise gesetzt. Im Unterscheid zu „klassischen“ Unternehmen steht dabei nicht der finanzielle Erfolg an erster Stelle, sondern die positive Wirkung auf Mit- und Umwelt. Klassische Unternehmen versuchen typischerweise Schäden zu minimieren, Social Business hingegen versuchen deren gemeinwohlorientierte Wirkung zu erhöhen.

Ein „Social Entrepreneur“ ist entsprechend der/die Unternehmer*in, d.h. die Person die im Sinne des Social Business Ansatzes agiert.
„Social Entrepreneurship“ beschriebt demnach zufolge das gemeinwohlorientierte Unternehmertum. Social Business und Entrepreneurship sind daher fast synonym nutzbar.

Damit orientieren wir uns am Verständnis und der Definition vom SEND e.V. Mehr dazu könnte ihr beim SEND e.V. auf deren Seite oder im DSEM 2019 (S. 11-13) lesen.


Was lässt der DSEM 2019 offen?

Die Datengrundlage von 212 Antworten im Deutschen Social Entrepreneurship Monitor (DSEM) sind u.a. auf Grund der geringen Zahl an Antwortenden sowie deren geografische Verteilung nicht als repräsentativ zu betrachten. (DSEM 2019 S. 13, 16).

Die geografische Verteilung der Antworten zeigt, dass einige wenige Hotspots (allen voran Berlin) die Social Business Szene – oder zumindest diese Umfrage – dominieren. Immerhin 61 Antworten kamen aus Berlin (28,8 %). Aus Sachsen sind dagegen nur 9 Antworten eingegangen (4,2 %). Aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Bremen und dem Saarland fanden keine oder jeweils nur eine Antwort Eingang in die Auswertung (DSEM 2019 S. 16).

Das bedeutet, dass für regionale (länderspezifische) Ableitungen die Antworten wenig geeignet sind. So lassen sich beispielsweise politische Empfehlungen für die sächsische Staatsregierung oder Hinweise für regionale Akteure im Sinne des Social Entrepreneurships nicht fundiert begründen.

Umfrage zu Social Business in Sachsen 2020

An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass 2020 eine Umfrage zur Erhebung von Bekanntheitsgrad und Unterstützungsbedarfen für Social Entrepreneurship in Sachsen stattfand. Die Ergebnisse sollen den DSEM sinnvoll ergänzen und der Regionalgruppe Sachsen neue Impulse geben. Hier ergeben sich regionalspezifische Perspektiven. In der Folge sollen konkrete Handlungsmaßnahmen für das Social Business Ökosystem, die Akteur*innen und die Regierung im Freistaat abgeleitet werden.

Die Ergebnisse zur Social Entrepreneurship-Umfrage der Regionalgruppe Sachsen sind hier zu finden: LINK ZU DEN ERGEBNISSEN

Social Business in Sachsen

Bleiben wir kurz noch beim Fokus auf Sachsen. Als zentrale Orte für Gründerökosysteme werden im DSEM 2019 Leipzig und Dresden genannt (S. 71). Dem ergänzend sei gesagt, dass es natürlich auch darüber hinaus bereits Aktivitäten in anderen Städten sowie den ländlicheren Regionen gibt. Hier finden sich ebenso Beratung, Netzwerk, Bildungsangebote sowie Vorbilder. Gute Beispiele dafür sind Chemnitz oder Görlitz. Ferner ist es gerade auch das explizite Anliegen der sächsischen Regionalgruppe des SEND e.V. (Deutscher Dachverband für Social Entrepreneurship) den Fokus nicht nur auf die Großstädte des Freistaates zu lenken.

Wichtig ist, dass die Förderung von Social Entrepreneurship auch als wichtiges Werkzeug zur regionalen Entwicklung verstanden wird. Gerade im ländlichen Raum mit seinen Mittelzentren und Kleinstädten. Social Entrepreneurship wird gerade auch außerhalb der urbanen Zentren ein wichtiger Baustein bei der Transformation unserer Wirtschaft sein und neue Impulse setzen.“ – so die Meinung von Steve Grundig.

Um sich über die Regionalgruppe Sachsen zu informieren oder sich dort einzubringen, empfehlen wir den Newsletter der Regionalgruppe Sachsen. Einfach zu abonnieren hier: Link für Newsletter-Anmeldung

Einige Zahlen des DSEM stimmen besonders erfreulich. Hier lassen sich bereits Tendenzen ablesen, welche sich auch mit den persönlichen Beobachtungen der Beitragsautor*innen Sophia Kiefl und Steve Grundig decken.
Erfreulich ist, dass die Zahl der Gründungen von Social Startups in den letzten Jahren zugenommen hat. Dies zeigt, dass die Idee mehr und mehr Fuß fasst. Gründungswillige Menschen werden zunehmend inspiriert ein Geschäftsmodell im Sinne des Social Business zu entwickeln.

Mehr Diversität bei Social Business-Gründer*innen

Ebenso zeigt die hohe Anzahl an weiblichen Social Entrepreneurinnen, sie liegt bei rund 45 % (DSEM 2019 S. 76), dass hier „klassische“ Bilder des Unternehmertums aufgelöst werden. So sind bspw. bei konventionellen Gründungen Frauen klar in der Minderheit (laut Deutschem Startup Monitor von 2019 auf S.31 sind nur rund 15 % der Gründenden weiblich) oder im Schnitt seltener unternehmerisch aktiv (so erwähnt bspw. im BMWI-Dossier „Frauen in der Wirtschaft“).
Insgesamt sind die Gründer*innen diverser. In der Social Business Branche finden sich auch zunehmend mehr Menschen mit Migrationshintergrund oder in der Altersgruppe 50+, welche sonst auch eher Ausnahmen in der klassischen Gründungsszene bilden.

Es zeigt sich: Das gemeinwohlorientierte Motiv der unternehmerischen Tätigkeit spricht offensichtlich neue Bevölkerungsgruppen an, die sonst unternehmerisch eher passiv bleiben. Die Motivation sich mit einem Unternehmen zu probieren steigt, wenn nicht allein die Generierung finanzieller Mehrwerte im Vordergrund steht. Die Tendenz, dass mehr Frauen, ältere Menschen sowie Personen mit Migrationshintergrund sich unternehmerisch betätigen ist neben dem Verfolgen gesellschaftlich-ausgerichteter Unternehmensziele ein weiterer positiver Beitrag des Social Entrepreneur Ansatzes.

Hinzu kommt, dass es insbesondere die Zusammenarbeit mit NGOs und dem sozialen Sektor zu intensivieren gilt, findet Sophia Kiefl: „NGOs und Social Enterprises arbeiten am gesellschaftlichen Wandel, aber mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Gerade bei der Ideenentwicklung für soziale Themen, die sich wirtschaftlich angehen lassen, ist die unternehmerisch-lösungsorientierte Perspektive sehr wertvoll. Im Austausch zwischen NGO und Social Enterprises ist allerdings noch viel Luft nach oben.

Dankeschön und
mehr Erfahren über Social Entrepreneurship

Abschließend möchten Sophia Kiefl und Steve Grundig ihren großen Dank an die Autor*innen des DSEM 2019, allen Mitwirkenden und Teilnehmenden aussprechen.

Beide freuen sich, 2020 mit den Ergebnissen aus der Umfrage der Regionalgruppe Sachsen ebenfalls einen Beitrag zur Entwicklung von Social Business leisten zu können.

Social Business in Sachsen: Umfrageergebnisse veröffentlicht

Wer mehr zum DSEM 2019 oder zu Social Business Szene Deutschlands erfahren möchte findet im Blog vom SEND e.V. die kommentierte Ergebnisse und aktuelle Debatten. Schaut mal rein!

Die Partner*innen dahinter:

SEND e.V. – Social Entrepreneurshoip Netzwerk Deutschland

Um Sozialunternehmer*innen (Social Entrepreneurs) zu stärken und soziale Innovationen mit dem erforderlichen Nachdruck voranzutreiben, hat im Juni 2017 das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. gegründet. Inzwischen gibt es zahlreiche Regionalgruppen, u. a. in Sachsen. Link für Newsletter-Anmeldung

Impact Hub Dresden

– Das Impact Hub Dresden ist Teil eines weltweiten Netzwerks zur Förderung sozialer Innovationen. Nach dem Leitgedanken “Think global, act local” unterstützten die lokalen Impact Hubs in Dresden und Leipzig Gründer*innen in Sachsen, die mit Ihrer Idee einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten. Gemeinsam schaffen sie hier Prototypen für neue Wege des verantwortungsvollen Wirtschaftens, indem Wissen und Know How geteilt und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden.

plant values | Beratung und Coaching für Nachhaltigkeit

– Das Team von Nachhaltigkeitsentwickler*innen unterstützt etablierte Unternehmen und Gründer*innen von Green Startups und Social Business Gründungen. Ziel ist es stets, die Befähigung zu schaffen ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen und zu etablieren. Damit wird ein Beitrag zu einer ganzheitlichen Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft hin zur Nachhaltigkeit geschaffen.