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Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Schritt-für-Schritt-Anleitung für mehr Biodiversität in Unternehmen

In unserer Anleitung für Biodiversität in Unternehmen zeigen wir, wie spezifische Themen der biologischen Vielfalt identifiziert und Ziele und Maßnahmen aufgestellt werden. Im Grundlagen-Artikel zu Biodiversität in Unternehmen haben wir dargestellt, warum das Thema z.B. durch die EU-Taxonomie oder auch globaler werdende Lieferketten immer relevanter wird. Nun zeigen wir, wie ein Unternehmen herausfindet, wo und wie es bzgl. biologischer Vielfalt handeln kann. Man könnte dies auch als Biodiversitäts-Strategie für Unternehmen verstehen. Außerdem geben wir erste Tipps zur Umsetzung der Maßnahmen.

Inhalt

  • 1. Analyse zur Wechselwirkung von Biodiversität und Unternehmen
  • Gliederung der Auswirkungen des Unternehmens
  • Analyse der Ressourcenströme entlang des Produktlebenszyklus
  • Inside-Out-Analyse: Wirkung des Unternehmens auf Biodiversität
  • Outside-In-Analyse: Wirkung der Biodiversität aufs Unternehmen
  • Ergänzende Prüfung: Checklisten zu Biodiversität
  • Ergebnis der Analyse für biologische Vielfalt und Unternehmen
  • 2. Bestimmung der Ziele des Unternehmens für biologische Vielfalt
  • Beispiele für Biodiversitäts-Ziele von Unternehmen
  • 3. Umsetzung von Maßnahmen für Biodiversität im Unternehmen, inkl. Tipps
  • Fazit: Das komplexe Thema kann mit strukturiertem Vorgehen gut bewältigt werden

1. Analyse zur Wechselwirkung von Biodiversität und Unternehmen

Die Grundlage für alle folgenden Maßnahmen zu Biodiversität legt eine umfassende Analyse. Hierbei soll herausgefunden werden, welche Themen oder Handlungsfelder bezüglich Biodiversität am relevantesten sind, weil die Wirkung durch das Unternehmen oder die Wirkung auf das Unternehmen am stärksten sind.

Eine solche Analyse ist auch die Grundlage für eine spätere Berichterstattung nach CSRD und EU-Taxonomie.

Wir beschreiben einen qualitativen und praxisnah einfach umsetzbaren Weg der Analyse. Dieser unterscheidet sich von der Erhebung von Daten, z.B. durch Ökobilanzen, welche natürlich wesentlich genauere Ergebnisse liefern. Werden für die qualitative Analyse aber bereits umfassende Informationen einbezogen, ist diese Abschätzung in den meisten Fällen bereits sehr aussagekräftig.

Gliederung der Auswirkungen des Unternehmens

In unserem Grundlagen-Artikel zu Biodiversität haben wir bereits eine praktikable Gliederung gezeigt, die wir erneut in unserer Anleitung für Biodiversität in Unternehmen nutzen wollen. Sie zeigt, in welchen Bereichen ein Unternehmen Auswirkungen auf Biodiversität haben kann:

KerngeschäftBetriebMittelverwendung
Auswirkungen des Produkts / der Dienstleistung in der NutzungAuswirkungen der eigenen Fertigung / ProduktionAuswirkungen durch die Art der Anlage des Kapitals (u.a. nachhaltige Bank)
Auswirkungen durch die Entsorgung eines ProduktsAuswirkungen durch alle Verwaltungstätigkeiten, also Bürogebäude, Einkauf, Fuhrpark, etc.Einfluss durch die Verwendung von Gewinnen für Spenden, etc.
Auswirkungen durch die vorgelagerte Wertschöpfungskette (Rohstoffgewinnung, Vorproduktion, etc.)Auswirkungen durch Logistik für Produkte 
 Auswirkung durch die Sensibilisierung der Mitarbeiter*innen 

Diese Bereiche werden wir im Weiteren nutzen, um entlang dieser Auswirkungen zu prüfen. Je nach Unternehmen sollten die einzelnen Bereiche detaillierter aufgeschlüsselt werden. Produzierende Unternehmen sollten die Lieferkette z.B. klar in die Rohstoffgewinnung, die Erstverarbeitung und die Vorproduktion aufschlüsseln. Ein Transportunternehmen sollte in die wichtigen Prozesse beim Schiffstransport unterteilen, z.B. die Verladung, die Überfahrt, das Löschen.

Analyse der Ressourcenströme entlang des Produktlebenszyklus

Nun wollen wir detaillierter werden, wie das Unternehmen entlang dieser Bereiche auf Biodiversität wirkt. Hierfür betrachten wir die Ressourcenströme entlang der Bereiche. Das bedeutet zu jedem Bereich wird aufgestellt, welche Ressourcen eingesetzt werden (Input) und welche Ressourcen abfließen (Output). Dies ist deshalb besonders wichtig, weil Wirkungen auf ein Ökosystem überwiegend durch den Eintrag oder die Nutzung von Ressourcen geschehen. Dies sind z.B. der Eintrag von Giftstoffen, die Versiegelung von Flächen oder die Abholzung von Wäldern.

Inside-Out-Analyse: Wirkung des Unternehmens auf Biodiversität

Aufbauend auf die identifizierten Ressourcenströme können wir nun eine Inside-Out-Analyse durchführen. Dies bedeutet, dass wir abschätzen, ob und in welchem Ausmaß das Unternehmen auf Biodiversität entlang der Bereiche wirkt.

An der Stelle nehmen wir die Aichi-Ziele für Biodiversität (wie gezeigt im Grundlagen-Artikel) zur Hand.

Wenn wir die Aichi-Ziele so abwandeln, dass wir sie als Kriterien zur Prüfung nutzen können, ergibt sich folgende mögliche Liste:

  • Zerstörung von Ökosystemen (Abholzung, Abbau, Versiegelung)
  • Überfischung oder Schädigung mariner Ökosysteme
  • Landwirtschaftliche Übernutzung von Flächen
  • Verschmutzung der Umwelt
  • Verbreitung invasiver Arten
  • Versauerung der Ozeane
  • Belastung von Flüssen und Seen
  • Gefährdung bedrohter Arten
  • Förderung geringer genetische Vielfalt von Nutzpflanzen und Nutztieren
  • Gefährdung von Ökosystemen um indigene Völker
  • Gefährdung von Ökosystemen als CO2-Speicher und gegen Desertifikation

Für eine Prüfung können wir nun eine Matrix erstellen und die Bereiche und Biodiversitäts-Kriterien einander gegenüberstellen. Diese Matrix kann exemplarisch folgendermaßen aussehen:

Für jedes Feld der Matrix wird anschließend eingetragen:

  • Ob eine Auswirkung bekannt ist oder vermutet wird,
  • Was genau die Auswirkung ist und wie sie zustande kommt,
  • Wie schwerwiegend die Auswirkung ist (relativ zu den anderen Auswirkungen in der Matrix)

Diese Eintragungen sollten durch ausführliche Hintergrundinformationen, Recherchen und Expert*innenwissen gestützt sein. Hierfür bieten sich das Screening von Studien, die Konsultationen von Expert*innen und Berater*innen und eigenes Wissen aus der Lieferkette an.

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Outside-In-Analyse: Wirkung der Biodiversität aufs Unternehmen

Analog dem Vorgehen bei einer Wesentlichkeitsanalyse für alle Nachhaltigkeitsthemen sollte auch bei der Betrachtung für Biodiversität eine Outside-In-Analyse durchgeführt werden. Hierbei fragen wir, welche Auswirkungen Ökosysteme oder der künftige Verlust von Biodiversität auf die Unternehmenstätigkeiten haben. Im Ergebnis stellen wir Risiken fest, die ein Unternehmen frühzeitig verhindern kann.

Zur Analyse können wir uns erneut der Methodik der Matrix bedienen. In diesem Fall wandeln wir die Bereiche so ab, dass sie die Prozesse des Produktlebenszyklus und innerhalb des Unternehmens widerspiegeln. Die Biodiversitäts-Themen wandeln wir so ab, dass sie sowohl heutige Ökosystemauswirkungen als auch das Risiko künftiger Veränderungen umfassen.

Die Ergebnisse der Outside-In-Analyse sind sehr unternehmensspezifisch und können ganz verschieden ausfallen. Hier einige Beispiele für Outside-In-Risiken:

  • Gefährdung von Ernten durch fehlende bestäubende Insekten
  • Verhinderung des Binnenschiffsverkehrs durch explosionsartiges Wasserpflanzenwachstum
  • Gefährdung eines Waldes als touristisches Ziel, wenn die Fichten-Monokultur anfällig für Borkenkäfer ist
  • Knappheit von Kork als Industrierohstoff, wenn die Korkeichenwälder gefährdet werden

Ergänzende Prüfung: Checklisten zu Biodiversität

Ergänzend zur Analyse in den Matrizen können die Checklisten der Initiative „Biodiversity in good company“ genutzt werden. Diese ergänzen mit weiteren Themen konkrete Fragestellungen zu Biodiversität im Unternehmen und können die Analyse erweitern.

Ergebnis der Analyse für biologische Vielfalt und Unternehmen

Die durchgeführten Analysen werden nun zusammengebracht. Aus der Summe der Ergebnisse können wir nun bestimmen, welche Themen bezüglich Biodiversität die größte Wirkung haben. Diese Liste an Themen dient uns als Basis für die Ableitung von Zielen und Maßnahmen aus strategischer Sicht.

2. Bestimmung der Ziele des Unternehmens für biologische Vielfalt

In der Analyse wurde bestimmt, auf welche Themen der Biodiversität das Unternehmen am stärksten wirkt – oder welche die größten Risiken durch Ökosystemveränderungen für das Unternehmen sind.

Da das Ziel, gar keine Auswirkungen auf Biodiversität zu haben, in den meisten Fällen nicht erreicht werden kann, ohne das Geschäftsmodell zu begraben, muss nun strategisch entschieden werden, welche Ziele für welche Themen verfolgt werden.

Bei der Auswahl der Themen kann sich das Unternehmen weiterhin an der Analyse orientieren. Bei der Aufstellung von Zielen für die biologische Vielfalt müssen weitere strategische Aspekte beachtet werden:

  • Bei welchen Themen und mit welchen Maßnahmen können wir ressourceneffizient die größte Wirkung erzielen?
  • Welche Themen sind für Mitarbeiter*innen und Kund*innen am motivierendsten?
  • Wie fügen sich die Themen in die Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie ein?

Die Findung von Zielen und Maßnahmen ist für die meisten Nachhaltigkeitsthemen kein trivialer Prozess. Es muss konstant abgewogen werden, wie viel Wirkung zu welchem Preis erzielt werden kann. Aber auch, wie eine Maßnahme auch zum Mehrwert für das Unternehmen dient und z.B. Wettbewerbsvorteil schafft.

Wir empfehlen für den Zielfindungsprozess meist kleine Ziel-Teams zu bilden, die zunächst sehr ambitionierte Ziele und Maßnahmen aufstellen sollen. Die gesammelten Ziele der Teams werden anschließend bezüglich Budgets und anderen strategischen Initiativen abgeglichen. In unserer Anleitung für Biodiversität in Unternehmen gehen wir auf diesen Prozess nicht im Detail ein.

Beispiele für Biodiversitäts-Ziele von Unternehmen

Um die Zielsetzungen greifbarer zu machen, hier ein paar Beispiele für Biodiversitäts-Ziele bekannter Unternehmen:

  • Die Lieferkette für unsere Eigenmarken-Schokolade wird Entwaldungs-frei. (D.h. wir wollen sicher sein, dass keine Wälder für den Anbau der Rohstoffe abgeholzt werden)
  • Wir wollen all unsere Transportverpackungen von Strechfolie auf plastikfreie Alternativen umstellen, um den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt zu vermeiden.
  • Unsere Greenline-Fassadenfarbe wird von allen Stoffen befreit, die auch mittel- und langfristig negativ auf Wasser, Boden und Luft wirken.
  • Wir wollen den Anbau unseres Kaffees von Monokulturen auf Mischkulturen, wie Permakultur oder Agroforst, umstellen.
  • All unsere (Schiffs-)Löschvorgänge sollen über Filteranlagen laufen, um die Verbreitung fremder Arten über die Ozeane zu vermeiden.

3. Umsetzung von Maßnahmen für Biodiversität im Unternehmen

Die Umsetzung der Maßnahmen im Unternehmen reiht sich in den normalen Prozess des Unternehmens ein. Trotzdem wollen wir einige Tipps geben, wie die Umsetzung insbesondere beim komplexen Thema biologische Vielfalt noch besser funktionieren kann.

Tipps bei der Umsetzung

  • Einbezug der Stakeholder vor Ort: Dort wo die Maßnahmen umgesetzt werden sollen, sollten die Stakeholder (also Mitarbeiter*innen, Anwohner*innen, indigene Völker, etc.) einbezogen werden. Sie können am besten einschätzen, ob die Maßnahme unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringt. In den meisten Fällen werden Vorhaben für Biodiversität gut aufgenommen und sogar von den Stakeholdern aktiv unterstützt.
  • Rebound-Effekte beobachten: Die Umsetzung der Maßnahmen sollte regelmäßig überprüft werden und dabei auch, ob Effekte auftreten, die nicht beachtet werden konnten. Ökosysteme sind komplex und daher sind Nebeneffekte schwer vorauszusehen.
  • Von Wissenschaft, NGOs oder Instituten prüfend begleiten lassen: Viele Universitäten, NGOs und Umweltschutzorganisationen haben enormes Wissen zu den Ökosystemen angesammelt. Die einzubinden, kann den Erfolg der Maßnahme deutlich vergrößern und wissenschaftlich fundierte Ergebnisse liefern.
  • Geduldig sein: Ökosysteme brauchen Zeit zur Reaktion auf Veränderungen. Daher lohnt sich ein langer Atem.

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Toni Kiel
Themenbereich Nachhaltigkeitsstrategie

0178-1746903 | t.kiel@plant-values.de

Fazit: Das komplexe Thema kann mit strukturiertem Vorgehen gut bewältigt werden

Unsere Anleitung für Biodiversität in Unternehmen zeigt, dass das komplexe Thema gut bearbeitet werden kann. Die Analyse der Auswirkungen auf Ökosysteme und der Einwirkung von Ökosystemen auf das Unternehmen ist der essenzielle Part für ein authentisches Engagement für Biodiversität. Mit einem systematischen Vorgehen können Unternehmen für biologische Vielfalt viel erreichen. Damit können sie einen wichtigen Beitrag leisten, den steigenden Anforderungen nachkommen und sich am Markt profilieren.

In unserem Grundlagen-Artikel zu Biodiversität in Unternehmen haben wir dargestellt, warum das Thema z.B. durch die EU-Taxonomie oder auch globaler werdende Lieferketten immer relevanter wird. Nun zeigen wir, wie ein Unternehmen herausfindet, wo und wie es bzgl. biologischer Vielfalt handeln kann. Man könnte dies auch als Biodiversitäts-Strategie für Unternehmen verstehen. Außerdem geben wir erste Tipps zur Umsetzung der Maßnahmen.

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Was Biodiversität für Unternehmen bedeutet und wie sie dazu beitragen können

Die Diskussion um biologische Vielfalt geht heute weit über den Schutz niedlicher Bienen hinaus und die Fragen zu Biodiversität in Unternehmen werden stetig mehr. Es bilden sich immer neue Initiativen, um Unternehmen zu sensibilisieren und Tools an die Hand zu geben. Auf der anderen Seite schauen NGOs immer mehr auf die Biodiversität in Unternehmen und auch die gesetzlichen Anforderungen für Unternehmen nehmen zu.

Wir wollen einen Überblick geben, was Biodiversität im Allgemeinen und für Unternehmen bedeutet und umfasst. Im Folgeartikel gehen wir dann darauf ein, wie Unternehmen sich dem Thema Schritt für Schritt nähern können.

Inhalt

Warum Biodiversität für Unternehmen und die Gesellschaft relevant ist

Die biologische Vielfalt bildet die eigentliche Lebensgrundlage des Menschen auf unserem Planeten. Sie ermöglicht uns die Landwirtschaft, den Fang von Nahrung, den Anbau von Baumwolle, die Gewinnung von Holz, das Genießen der Natur, die Freude eines eigenen Gartens und das Atmen von Sauerstoff. Wenn Arten bedroht sind, die unseren Alltag prägen, so wie die Banane oder der Kaffee, dann wird uns die Bedeutung biologischer Vielfalt besonders deutlich. Da alle Arten in komplexe Ökosysteme eingebunden sind, ist es für unseren Alltag und unser Überleben aber genauso wichtig, dass auch die Insekten, Bodenbakterien und Beikräuter bestehen bleiben.

Dies zeigt auch schnell, dass Unternehmen eine wichtige Doppelrolle einnehmen. Zum einen tragen sie eine Verantwortung dafür, diese Lebensgrundlage für uns alle zu erhalten. Zum anderen sind viele Unternehmen selbst von dieser Grundlage abhängig. Einige Branchen erkennen diese Abhängigkeit sehr klar, wie z.B. die Lebensmittelindustrie, die Textilindustrie, der Tourismus oder die Holz- und Papierindustrie. Aber auch viele weitere Branchen sind betroffen, wenn z.B. das Holz für Transportpaletten fehlt, wenn karge Böden Böschungen und damit den Schiffsverkehr gefährden, oder wenn explodierende Schädlingspopulationen die Gebäudewirtschaft beeinflussen.

Die direkte oder indirekte Nutzung der biologischen Vielfalt beschreibt das Konzept der Ökosystemdienstleitungen.

Allgemeine Entwicklungen zu Biodiversität

Allgemein steht es um den Erhalt der Biodiversität weltweit nicht gut. Der Globale Bericht des Weltbiodiversitätsrates hat 2019 zusammengefasst, dass 40 Prozent der Amphibien, fast ein Drittel der Korallen und mehr als ein Drittel der Meeressäuger vom Aussterben bedroht sind. Außerdem sind 85% der Feuchtgebiete zerstört, 23% der Landfläche sind ökologisch übernutzt und damit wirtschaftlich schwach. Allgemein geschieht der Artenschwund aktuell 100-mal schneller als während der letzten 10 Millionen Jahre.

Diese Aussagen zeigen, dass sowohl die Gesellschaft im Allgemeinen als auch Unternehmen zügig handeln sollten.

Regulation und Initiativen für biologische Vielfalt in Unternehmen

Immer mehr Unternehmen wollen ihrer Verantwortung nachkommen und Biodiversität schützen. Die Gesetzgebung diesbezüglich wird aber auch immer umfassender. Die aktuell wichtigsten Gesetze bezüglich Biodiversität in Unternehmen sind:

Zu den bestehenden Gesetzgebungen kommt bald die Regulation durch die EU-Taxonomie hinzu. Die EU-Taxonomie wird sich in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Instrumente für Banken und Investor*innen entwickeln und wird sukzessive die Finanzierung nachhaltiger Projekte fördern und Gelder von nicht-nachhaltigen abziehen. Biodiversität ist, u.a. neben Klimawandel und Wasser, dabei eines von 6 Zielfeldern der ökologischen Taxonomie. Die konkreten branchenbezogenen Kriterien, die ein Unternehmen erfüllen muss, um bezüglich Biodiversität als nachhaltig eingestuft zu werden, sind aktuell noch in der Bearbeitung. Klar ist aber bereits die dreiteilige Einteilung: ob ein Unternehmen bzgl. biologischer Vielfalt A) Schaden anrichtet, B) neutral handelt oder C) sie aktiv fördert. Unternehmen dürfen also bereits analysieren, wie sie auf Biodiversität wirken und daran arbeiten ihre Auswirkungen zu verbessern. Wie genau, erklären wir im Folgeartikel.

Neben den gesetzlichen Auflagen zu Biodiversität für Unternehmen, kommen immer weitere Initiativen hierzu auf, die Unternehmen fördern sollen. An der Stelle verweisen wir kurz auf „Unternehmen Biologische Vielfalt“ des Bundesamts für Naturschutz und die Initiative „Biodiversity in good company“.

Was bedeutet Biodiversität für Unternehmen?

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Biodiversität, oder auch biologische Vielfalt, einen Dreiklang der Vielfalt meint:

  • Die Vielfalt von Arten (die Vielzahl an Tieren, Pflanzen, Bakterien)
  • Die Vielfalt von Erbgut (die Vielfalt von Genen und Sorten innerhalb einer Art, z.B. unterschiedliche Apfelsorten)
  • Die Vielfalt von Ökosystemen (die verschiedenen Formen von Wäldern, Riffs, Wiesen, etc.)

Auf diese Vielfalt baut die weltweite Stabilität unserer Lebensgrundlage auf. Entsprechend ist eine Orientierung an diesem Dreiklang auch für Unternehmen hilfreich.

Was sind konkrete Themen der biologischen Vielfalt für Unternehmen?

Aufbauend auf dem Dreiklang und den weltweiten Ökosystemen sind die Themen zahlreich. Um konkreter zu werden, hilft es, sich an den Zielen des Übereinkommens über biologische Vielfalt der UN zu orientieren. Diese Aichi-Ziele genannten Ziele verweisen auf die drängendsten Probleme der Biodiversität. Ende 2022 sollen die Ziele erneuert werden.

Die Aichi-Ziele, die Unternehmen Orientierung sein können, sind:

  • Biodiversität als Wert bilanzieren (Ökosystemdienstleistungen sichtbar machen)
  • Verlust von Ökosystemen verhindern (Abholzung, Abbau, Versiegelung, …)
  • Überfischung verhindern und marine Ökosysteme schützen
  • Landwirtschaft nachhaltig umstellen und Übernutzung verhindern
  • Verschmutzung der Umwelt verhindern
  • Verbreitung invasiver Arten verhindern
  • Versauerung der Ozeane verhindern
  • Belastung von Flüssen und Seen verringern
  • Aussterben bedrohter Arten verhindern
  • Genetische Vielfalt von Nutzpflanzen und Nutztieren erhöhen
  • Ökosysteme um indigene Völker schützen
  • Aufbau von Ökosystemen als CO2-Speicher und gegen Desertifikation

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Wie genau wirken Unternehmen auf Biodiversität?

Die Aichi-Ziele beschreiben also, WORAUF ein Unternehmen bzgl. Biodiversität wirkt. Die andere Seite der Perspektive ist nun, WODURCH wirkt es auf Biodiversität.

Wie bei allen Nachhaltigkeitsthemen lassen sich 3 Bereiche unterteilen, in denen Unternehmen Auswirkungen haben:

  • Auswirkungen durch das Kerngeschäft
  • Auswirkungen durch den Betrieb
  • Auswirkungen durch die Mittelverwendung

Diese drei Bereiche lassen sich weiter untergliedern:

KerngeschäftBetriebMittelverwendung
Auswirkungen des Produkts / der
Dienstleistung in der Nutzung
Auswirkungen der eigenen
Fertigung / Produktion
Auswirkungen durch die Art
der Anlage des Kapitals (u.a. nachhaltige Bank)
Auswirkungen durch die
Entsorgung eines Produkts
Auswirkungen durch alle Verwaltungstätigkeiten, also Bürogebäude, Einkauf, Fuhrpark, etc.Einfluss durch die Verwendung von Gewinnen für Spenden, etc.
Auswirkungen durch die
vorgelagerte Wertschöpfungskette
(Rohstoffgewinnung, Vorproduktion, etc.)
Auswirkungen durch Logistik für Produkte 
 Auswirkung durch die Sensibilisierung der Mitarbeiter*innen 

Im Folgeartikel gehen wir konkreter darauf ein, wie die Bereiche der Auswirkungen und die konkreten Biodiversitäts-Themen zusammengebracht werden. Grundsätzlich geht es aber darum, sich bewusst zu machen, wo die Unternehmenstätigkeit auf welche Faktoren wirkt und wie diese verbessert werden können.

Fazit Biodiversität für Unternehmen gewinnt an Bedeutung und ist komplex, aber händelbar

Die fortschreitende Regulation des Themas, v.a. durch die anstehende EU-Taxonomie, macht es für Unternehmen relevant, sich frühzeitig damit zu befassen. Die Vielfalt der Themen in den Aichi-Zielen zeigt zudem, dass das Thema Biodiversität für Unternehmen komplex ist. Die konkrete Benennung von Themen ist für Unternehmen zugleich eine gute Orientierung für Ziele und Maßnahmen. Durch ein systematisches Vorgehen und eine saubere Analyse der Situation können Unternehmen ihre Auswirkungen auf Biodiversität deutlich verbessern.

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Toni Kiel
Themenbereich Nachhaltigkeitsstrategie

0178-1746903 | t.kiel@plant-values.de

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