Social Entrepreneurship Monitor 2019

Social Entrepreneurship Monitor veröffentlicht

Sophia aus dem Impact Hub Dresden und Steve von plant values haben´s kommentiert

Im Februar 2020 wurde der Deutsche Social Entrepreneur Monitor für 2019 (DSEM 2019) veröffentlich. Mit der Erhebung wurden Akteur*innen des Social Business befragt und um ihre Einschätzungen sowie Erfahrungen gebeten. Die Veröffentlichung ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion und ermöglicht erste Rückschlüsse auf Trends und Besonderheiten.

Die Ergebnisse haben sich Sophia Kiefl (Impact Hub Dresden) und Steve Grundig (plant values Nachhaltigkeitsentwicklung) genauer angeschaut, eingeordnet und gemeinsam kommentiert. 

Was lässt der DSEM 2019 offen?

Die Datengrundlage von 212 Antworten im DSEM sind u.a. auf Grund der geringen Zahl an Antwortenden sowie deren geografische Verteilung nicht als repräsentativ zu betrachten. (DSEM 2019 S. 13, 16).

Die geografische Verteilung der Antworten zeigt, dass einige wenige Hotspots (allen voran Berlin) die Szene – oder zumindest diese Umfrage – dominieren. Immerhin 61 Antworten kamen aus Berlin (28,8 %). Aus Sachsen sind dagegen nur 9 Antworten eingegangen (4,2 %). Aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Bremen und dem Saarland fanden keine oder jeweils nur eine Antwort Eingang in die Auswertung (DSEM 2019 S. 16).

Das bedeutet, dass für regionale (länderspezifische) Ableitungen die Antworten wenig geeignet sind. So lassen sich beispielsweise politische Empfehlungen für die sächsische Staatsregierung oder Hinweise für regionale Akteure im Sinne des Social Entrepreneurships nicht fundiert begründen.
An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass aktuell eine Umfrage zur Erhebung von Bekanntheitsgrad und Unterstützungsbedarfen für Social Entrepreneurship in Sachsen läuft. Die Ergebnisse können den DSEM sinnvoll ergänzen und um eine regionale Perspektive erweitern.

Hier geht´s zur Social Entrepreneurship-Umfrage der Regionalgruppe Sachsen: Link zur Umfrage

Bleiben wir kurz noch beim Fokus auf Sachsen. Als zentrale Orte für Gründerökosysteme werden Leipzig und Dresden genannt (DSEM 2019 S. S. 71). Dem ergänzend sei gesagt, dass es natürlich auch darüber hinaus bereits Aktivitäten und Orte in anderen Städten sowie den ländlicheren Regionen gibt, an denen Beratung, Netzwerk, Bildungsangebote sowie Vorbilder zu finden sind. Gute Beispiele dafür sind Chemnitz oder Görlitz. Ferner ist es gerade auch das explizite Anliegen der sächsischen Regionalgruppe des SEND e.V. (Deutscher Dachverband für Social Entrepreneurship) den Fokus nicht nur auf die Großstädte des Freistaates zu lenken.

Wichtig ist, dass die Förderung von Social Entrepreneurship auch als wichtiges Werkzeug zur regionalen Entwicklung im ländlichen Raum mit seinen Mittelzentren und Kleinstädten verstanden wird. Social Entrepreneurship wird gerade auch außerhalb der urbanen Zentren ein wichtiger Baustein bei der Transformation unserer Wirtschaft sein und neue Impulse setzen.“ – so die Meinung von Steve Grundig.

Um sich bspw. über die Regionalgruppe Sachsen zu informieren oder sich dort einzubringen empfiehlt es sich den Newsletter der sächsischen SEND Regionalgruppe zu abonnieren: Link für Newsletter-Anmeldung

 
Mini-Exkurs: Was ist eigentlich Social Business? Was heißt Social Entrepreneuship?

Mit dem Begriff „Social Business“ werden Unternehmen bezeichnet, welche als Unternehmensziel das Lösen von gesellschaftlichen (soziale und/oder ökologische) Herausforderungen verfolgen. Dabei wird explizit auf eine unternehmerische Denkweise gesetzt. Im Unterscheid zu „klassischen“ Unternehmen steht dabei nicht der finanzielle Erfolg an erster Stelle, sondern die positive Wirkung auf Mit- und Umwelt.
Ein „Social Entrepreneur“ ist entsprechend der/die Unternehmer*in, d.h. die Person die im Sinne des Social Business agiert

Damit orientieren wir uns am Verständnis und der Definition vom SEND e.V.
Mehr dazu beim SEND e.V. online oder im DSEM 2019 (S. 11-13)

Welche Trends und Entwicklungen zeigt der DSEM 2019?

Einige Zahlen des DSEM stimmen besonders erfreulich, lassen sich hier doch bereits Tendenzen ablesen, welche sich auch mit den Beobachtungen der Beitragsautor*innen Sophia Kiefl und Steve Grundig decken.
Erfreulich ist bspw., dass die Zahl der Gründungen von Social Startups in den letzten Jahren zugenommen hat. Dies zeigt, dass die Idee mehr und mehr Fuß fasst und gründungswillige Menschen inspiriert werden, ein Geschäftsmodell im Sinne des Social Business zu entwickeln.
Ebenso zeigt die hohe Anzahl an weiblichen Social Entrepreneurinnen, sie liegt bei rund 45 % (DSEM 2019 S. 76), dass hier „klassische“ Bilder des Unternehmertums aufgelöst werden. So sind bspw. bei konventionellen Gründungen Frauen klar in der Minderheit (laut Deutschem Startup Monitor von 2019 auf S.31 sind nur rund 15 % der Gründenden weiblich) oder im Schnitt seltener unternehmerisch aktiv (so erwähnt bspw. im BMWI-Dossier „Frauen in der Wirtschaft“).

Es zeigt sich: Das gemeinwohl-orientierte Motiv der unternehmerischen Tätigkeit spricht offensichtlich neue Bevölkerungsgruppen an. Die Motivation sich mit einem Unternehmen zu probieren steigt, wenn nicht allein die Generierung finanzieller Mehrwerte im Vordergrund steht. Die Tendenz, dass mehr Frauen sich unternehmerisch betätigen kann – neben dem Verfolgen gesellschaftlich-ausgerichteter Unternehmensziele – als zusätzlicher positiver Beitrag der Social Entrepreneur Idee betrachtet werden.

Hinzu kommt, dass es insbesondere die Zusammenarbeit mit NGOs und dem sozialen Sektor zu intensivieren gilt, findet Sophia Kiefl aus dem Impact Hub Dresden: „NGOs und Social Enterprises arbeiten am gesellschaftlichen Wandel, aber mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Gerade bei der Ideenentwicklung für soziale Themen, die sich wirtschaftlich angehen lassen, ist die unternehmerisch-lösungsorientierte Perspektive sehr wertvoll. Im Austausch zwischen NGO und Social Enterprises ist allerdings noch viel Luft nach oben.

Abschließend möchten Sophia Kiefl und Steve Grundig ihren großen Dank an die Autoren des DSEM 2019, allen Mitwirkenden und Teilnehmenden aussprechen.
Beide freuen sich, in wenigen Wochen mit den Ergebnissen aus der Umfrage der Regionalgruppe Sachsen ebenfalls einen Beitrag leisten zu können. Die Auswertungen und Einschätzungen werden über diese Kanäle veröffentlich und diskutiert.

Impact Hub Dresden

– Das Impact Hub Dresden ist Teil eines weltweiten Netzwerks zur Förderung sozialer Innovationen. Nach dem Leitgedanken “Think global, act local” unterstützten die lokalen Impact Hubs in Dresden und Leipzig Gründer*innen in Sachsen, die mit Ihrer Idee einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten. Gemeinsam werden hier Prototypen neuer Wege für verantwortungsvolles Wirtschaften geschaffen, indem Wissen und Know How geteilt und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden.

plant values | Nachhaltigkeitsentwicklung

– Das Team von Nachhaltigkeitsentwickler*innen unterstützt etablierte Unternehmen und Gründer*innen von Grünen und Social Startups vor, während und nach der Gründung. Ziel ist es stets, die Befähigung zu schaffen ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen und zu etablieren, um somit einen Beitrag zu einer ganzheitlichen Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft hin zur Nachhaltigkeit zu schaffen.

Mehr erfahren zum DSEM 2019? Im Blog vom SEND e.V. werden die Ergebnisse des Monitors ebenfalls kommentiert und eingeordnet. Schaut mal rein. Weiterlesen…

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