Stadtratsbeschluss – Maßnahmen zur Klimaneutralität.

Mit Beschluss des Stadtrates vom 30.01.2020 werden die Klimaschutzziele der Stadt Dresden fortgeschrieben, konkretisiert und erweitert. Bereits seit dem Jahr 2013 verfügt die Stadt über ein Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept. In diesem wurde bereits die Reduktion des CO2-Äquivalent-Ausstoßes um 55% bis 2030 (Basis 1990) festgeschrieben. Der Stadtrat stellt fest, dass die bisherigen Maßnahmen und Planung nicht ausreichen, um den notwendigen Beitrag Dresdens zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels aus dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen. Aus diesem Grund wird der Oberbürgermeister mit konkreten Forderungen beauftragt, welche wir für euch wie folgt zusammenfassen:

  • Detaillierte Feststellung des Status-Quo aller bereits eingeleiteten Klimaschutzmaßnahmen.
  • Erweiterung des bestehenden Energie- und Klimaschutzkonzeptes um konkrete Maßnahmen, welche unter Beteiligung der städtischen Betriebe sowie der Zivilgesellschaft zu erarbeiten sind.
  • Jährliche Transparenz gegenüber dem Stadtrat hinsichtlich aller durchgeführten und geplanten Maßnahmen sowie den CO2-Emissionen der Stadt.
  • Ab Juni 2020 müssen alle Beschlussvorlagen stets auf ihre Auswirkung hinsichtlich Treibhausgasemissionen und Stadtklima überprüft werden.
  • Alle Eigenbetriebe und städtischen Beteiligungen sollen zum Ziel der Klimaneutralität beitragen und sich mit notwendigen Maßnahmen auseinandersetzen.

CO2-Ausstoß Dresdens weiterhin auf hohem Niveau – bisherige Ziele verfehlt

Dresden, Klimabilanz, CO2 Ausstoß
Die Treibhausgasbilanz beinhaltet die von den Einwohner*innen Dresdens direkt und indirekt verursachten jährlichen CO2-Äqu.-Emissionen, die auch außerhalb der Stadt Dresden entstanden sein können. Darstellung und Quelle: LHDresden

Update: Kurz nach der Veröffentlichung unseres Blog-Beitrags zeigte die folgende Veröffentlichung der Landeshauptstadt Dresden, wie groß der Handlungsbedarf weiterhin ist. Die CO2-Emissionen (inkl. Äquivalenten) hat keinesfalls abgenommen, sondern blieb in den vergangenen erfassten Jahren weitesgehend konstant. Damit einhergehend müssen sich nun die Anstrengegen erhöhen, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen. In der Meldung vom 19.02.2020 heißt es: „Mit dem Beitritt zum Klima-Bündnis europäischer Städte hat sich Dresden bereits 1994 verpflichtet, den CO2-Ausstoß aller fünf Jahre um zehn Prozent zu senken. Das Zwischenziel für 2015 mit einem pro-Kopf-Ausstoß von acht Tonnen pro Einwohner und Jahr wurde um fast 30 Prozent verfehlt.“

Einen Beitrag leisten – Schritte für öffentliche Unternehmen hin zum Klimamanagement.

Die Eigenbetriebe und städtischen Beteiligungen der Stadt Dresden, Unternehmen wie der kommunale Energieversorger Drewag AG oder das Verkehrsunternehmen DVB AG, sollen einen klaren Beitrag zur Klimaneutralität leisten. Eine bewährte Methode für ein effizientes wie effektives Vorgehen ist der Aufbau eines Klimamanagement-Systems.

Als Klimamanagementsystem bezeichnen wir in unserer Beratungspraxis eine Klimastrategie, welche mit Hilfe eindeutiger Key Performance Indikatoren (KPI) gesteuert und kontinuierlich in ihrer Erreichung überprüft wird. Für den Weg zu einer solchen Strategie gibt es kein Patentrezept, da jedes Unternehmen seine individuellen Besonderheiten aufweist. Ganz grundlegend empfehlen wir die Strategie auf Basis zweier Säulen zu entwickeln – 1. Einer quantitativen Bewertung und 2. Einem partizipativen Prozess.

Die quantitative Bestimmung des unternehmenseigenen CO2-Impacts.

Als sehr mächtiges und zu gleich sehr gut auf individuelle Herausforderungen anpassbares Werkzeug hat sich die Treibhausgasbilanz bewährt. In einer solchen Bilanz wird der CO2-Fußabdruck eines Unternehmens abgebildet und primären Verursacher für einen hohen Treibhausgasausstoß identifiziert. Es gibt verschieden Methodenstandards, welche bei der Erstellung einer solchen Bilanz helfen – bspw. das Greenhouse Gas Protocol. Dieser Ansatz sieht eine Untergliederung des Fußabdrucks in sogenannte Scopes vor. Scope 1 umfasst die direkten Emissionen aus eigenen Verbrennungsprozessen (bspw. bei der Nutzung eines Dienstfahrzeugs). Die nächste Ebene Scope 2 erfasst alle indirekten Emissionen aus dem Bezug von leitungsgebundener Energie (bspw. Fernwärme für die Betriebsheizung). Und in der abschließenden Ebene Scope 3 werden alle sonstigen indirekten Emissionen aus den vor- und nachgelagerten unternehmerischen Aktivitäten erfasst. Für die Bestimmung aller CO2-Äquivalent-Quellen bieten sich nach unserer Erfahrung unternehmensinterne Workshops mit Vertreter*innen aller Wertschöpfungsbereiche an. In derartigen Formaten, können nicht nur die Quellen bestimmt, sondern auch erste Maßnahmen hin zur Klimaneutralität entwickelt werden.

Mit einem partizipativen Prozess hin zum Klimaplan.

Rein auf Basis einer quantitativen Analyse eine bei Mitarbeiter*innen, Bürger*innen, Lieferant*innen, Stadträt*innen und allen anderen gesellschaftlichen Akteuren anerkannte Klimastrategie abzuleiten führt nur selten zum Erfolg. Die Schwerpunkte, aus welchen sich die Strategie definiert, sollten von allen betroffenen Stakeholdern mit entwickelt werden.

Dialogformate in Form von Interviews, Workshops oder umfangreichen Umfragen stellen ein sehr gutes Mittel dar, um möglichst viele Beteiligte einzubinden. Ziel solcher Formate muss es sein, die wesentlichen Faktoren für ein verantwortungsvolles Handeln der städtischen Betriebe und öffentlichen Beteiligungen zu bestimmen. Gleichzeitig können mit dem Wissen einer Vielzahl von Stakeholdern bisher nicht gedachte Maßnahmen gefunden und bestehende Vorhaben weiterentwickelt werden.

Mehr zu den Hintergründen, dem Vorgehen und den möglichen Erfolgen von Wesentlichkeitsanalysen bei kommunalen Unternehmen finden sie in unserem Artikel über das gemeinsame Projekt mit den Stadtwerken Norderstedt [zum Artikel].

Die erfolgreiche Umsetzung einer Klimastrategie – Tue Gutes und sprich darüber.

Mit Hilfe der beiden Säulen, quantitative Bewertung des CO2-Impacts und Partizipativer Prozess hin zu einer Wesentlichkeitsanalyse, können die Eckpunkte einer Klimastrategie abgeleitet werden. Zur Steuerung und Bewertung von Maßnahmen hin zur Klimaneutralität werden KPIs definiert. Diese haben den Anspruch eine möglichst hohe Steuerungswirkung bei gleichzeitig guter Vergleichbarkeit über mehrere Jahre zu gewährleisten. Eine solche Kenngröße kann bspw. die intensitätsbezogene Messzahl: CO2 / Vollzeitäquivalent sein.  Das optimale Setting an KPIs muss auf Grund der hohen Heterogenität öffentlicher Unternehmen individuell auf Basis der Ergebnisse der Treibhausgasbilanz, Wesentlichkeitsanalyse und der daraus abgeleiteten Klimastrategie entwickelt werden.

Zu einem vollumfänglichen Klimamanagement gehört noch ein letzter Schritt – die Kommunikation nach innen und nach außen. Getreu dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“ werden alle Erfolge, geplanten Vorhaben, aber auch aktuell unbehandelte negative Impacts benannt und so erklärt, dass für alle Menschen auch außerhalb des Managements das verantwortungsvolle Handeln des Unternehmens nachvollziehbar ist. So können die öffentlichen Unternehmen zeigen, wie sie die Landeshauptstadt Dresden auf ihrem Weg zur Klimaneutralität Jahr für Jahr unterstützen und voranbringen. Ein Nachhaltigkeitsbericht nach den Standards des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) stellt hierbei einen guten ersten Schritt dar. Dieser bietet mit verschieden Branchenleitfäden, bspw. für die kommunale Energiewirtschaft, einen niederschwelligen aber branchenspezifischen Einstieg.


Wir als plant values unterstützen öffentliche Institutionen und etablierte Unternehmen bei der nachhaltigen Transformation ihrer Geschäftsmodelle und begleiten Startups und Jungunternehmen beim Aufbau eines ganzheitlich nachhaltigen Unternehmens. Unser Ansatz ist es, unsere Partner zu befähigen eine eigenständige, kontinuierliche Transformation zu vollziehen bzw. dauerhaft nachhaltiges Wirtschaften zu etablieren. Dazu gehört für uns auch der gemeinsame Aufbau interner Ansätze zum Management von Klimarisiken sowie die Durchführung von Wesentlichkeitsanalysen.

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