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FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Social Business beantwortet

Social Business als Form des Wirtschaftens und Social Entrepreneurship als Haltung für Unternehmer*innen nehmen mehr und mehr Raum in der öffentlichen Diskussion als auch in der Gründungs-Szene ein.

Wir sind selbst in der Regionalgruppe Sachsen im Social Entrepreneurship tätig und haben bereits verschiedene Social Business in der Gründung und im Wachstum begleitet.

In diesem Beitrag wollen wir unser Wissen auf einen Blick zusammenbringen und die wichtigsten Fragen, Begriffe und Hintergründe rund um Social Entrepreneurship klären.

Inhalt des Beitrags
  • Begriffe rund um Social Entrepreneurship
  • Blick in die Praxis
  • Verbände und weitere Infos

Begriffe rund um Social Entrepreneurship

Was ist Social Business?

Social Business sind Unternehmen, die gesellschaftliche Probleme lösen. Orientierung dafür sind oftmals die 17 SDGs. Also Unternehmen, die sich für Meeres- oder Klimaschutz, für Bildung oder Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen einsetzen.

Darstellung der 17 SDG (c) https://www.un.org/sustainabledevelopment/ Hinweis: “The content of this publication has not been approved by the United Nations and does not reflect the views of the United Nations or its officials or Member States“

Im Unterschied zu klassischen Unternehmen steht dabei nicht der finanzielle Erfolg oder die Ausschüttung von Gewinnen an erster Stelle, sondern die Mittelverwendung für die positive Wirkung auf Mit- und Umwelt. Die Wirkungsorientierung ist Leitschnur des Handels und wird von Beginn an als Unternehmensziel festgeschrieben.

Was ist ein Social Startup?

Ein Social Startup ist ein Social Business im Aufbau. D.h. die Bezeichnung passt für die Phase vor, während und nach der Gründung.

Was ist ein Social Entrepreneur?

Ein „Social Entrepreneur“ ist entsprechend eine Person, welche im Sinne des Social Business Ansatzes unternehmerisch tätig wird.
„Social“ übersetzt heißt in diesem Zusammenhang sinngemäß „gemeinwohlorientiert“ oder für den gesellschaftlichen Mehrwert. Auch Green Startups können daher dazu zählen, da Umweltthemen auch die Gesellschaft betreffen.
Ein „Entrepreneur“ ist die unternehmerisch-tätige Person.

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Blick in die Praxis

Was sind Beispiele für Social Business?

Bekannte, teils deutschlandweit aktive Beispiele, sind:

HEYHO – Die soziale Müslirösterei: Menschen, die auf Grund derer Biografien sonst ohne echte Jobchance sind, können in der Bio-Müsli-Herstellung Arbeit und damit einen Weg zurück in die gesellschaftliche Teilhabe finden.

Ecosia: Die Web-Suchmaschine, die Bäume pflanzt und damit das Klima schützt.

Discovering hands: Menschen mit Sehbehinderung nutzen ihre Tastbegabung für die Früherkennung von Brustkrebs. Dadurch ergeben sich neue Jobmöglichkeiten und durch bessere Vorsorge sinkt das Gesundheitsrisiko.

Social Web macht Schule: Durch Präventionsarbeit wird ein sicherer und selbstverantwortlicher Umgang mit digitalen Medien, insbesondere sozialen Medien, eingeübt. Mittels Seminar- und Workshopangeboten werden Lehrpersonal und Schüler*innen zu Cybermobbing, Rechte am Bild, Gefahren durch Social Media usw. aufgeklärt.

SIRPLUS und Zur Tonne: Beide Initiativen haben der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Sirplus hat einen Onlineshop, wo genießbare, aber abgelaufene Lebensmittel gekauft werden können. Zur Tonne hingegen lädt zu Kochkursen, Workshops und Catering mit geretteten Lebensmittel ein, um dazu über das Problem zu informieren und Tricks zu zeigen, wie man gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen kann.

Quartiermeister Bier: Mit jedem Liter verkaufen Bier werden 10 cent an soziale, ökologische oder kulturelle Projekte in der Region gespendet. Die Projektregionen sind u.a. in bzw. um München, Berlin, Leipzig und Dresden.

Startnext: Mittels Crowdfunding bekommen Projekte und Startups mit gesellschaftlich positiver Wirkung Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.

Payactive: Ein Zahlungsdienstleister mit social payback. D.h. der erzielte Gewinn aus dem Angebot wird nicht ausgeschüttet, sondern fließt anschließend in soziale und ökologische Projekte.

Startnext, Payactive, Social Web macht Schule und Zur Tonne sind Beispiele für Social Business aus Sachsen. Bisheriger Hotspot für Social Entrepreneurship ist aber eindeutig Berlin. Darüber haben wir bereits im Februar 2020 geschrieben, als die Ergebnisse des Deutschen Social Entrepreneurship Monitor 2019 (DSEM19) veröffentlicht wurden.

Wer definiert, was ein Social Business ist?

In Deutschland gibt es im Vergleich zu anderen Ländern keine klare rechtliche Einteilung. In anderen Ländern wird mittels Rechtsform und klarer Definitionen dazu gesetzlich aufgezeigt, was zu gemeinwohlorientieren Wirtschaften zählt und wer sich Social Business nennen darf. 
Der deutsche Dachverband für Social Entrepreneurship (SEND e.V.) hat diese Lücke erkannt und eine eine Grundlage geschaffen. Sie haben folgende Definition erarbeitet:
„Das primäre Ziel von Social Entrepreneurship ist die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Dies wird durch kontinuierliche Nutzung unternehmerischer Mittel erreicht und resultiert in neuen und innovativen Lösungen. Durch steuernde und kontrollierende Mechanismen wird sichergestellt, dass die gesellschaftlichen Ziele intern und extern gelebt werden.“

Wo ist die Abgrenzung zur klassischen Wirtschaft und zu gemeinnützigen Organisationen?

Social Business werden zwischen klassischer Wirtschaft (gewinnorientierte Unternehmen oder Konzerne) und gemeinnützige Organisationen (NGO, gemeinnützigen Vereinen, Wohlfahrt) verortet.

Die Abgrenzung zum klassischen Wirtschaftsunternehmen ist, dass als primäres Ziel die Wirkung fürs Gemeinwohl (Social) steht. Die ist als Ziel des Unternehmens festgeschrieben.
Die Abgrenzung zur gemeinnützigen Organisation ist hingegen unschärfer. Hier ist die Kombination aus der Generierung eigener Einnahmen, durch Verkauf von Dienstleistungen und Produkten, und die Gewinnverwendung, zum Verfolgen des gemeinwohlorientierten Wirkens, entscheidend. Weiterhin sind Abgrenzugsmerkmale die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und der Antrieb durch eine gemeinwohlförderliche Mission.

Die Abgrenzung ist keinesfalls trennscharf. Der Übergang zur klassischen Wirtschaft und zu gemeinnützigen Organisationen ist oftmals flüssig. Schlussendlich gibt zahlreiche Ausprägung, was u.a. auf die fehlende Definition und Rechtsform zurückzuführen ist.

Welche Rechtsform gibt es für Social Entrepreneurship in Deutschland?

Viele und keine wirklich passende. In Deutschland gibt es derzeit keine Rechtsform speziell für Social Business. Social Business firmieren daher beispielsweise als gGmbH, UG, GbR oder in Kombination, beispielsweise als GmbH und Verein. Hier zeigt sich eine besondere Hürde in Deutschland, da diese rechtlichen Konstruktionen oftmals nicht ideal zum Social Business-Unternehmen passen und mit Mehraufwand in Verwaltung und Unternehmensführung verbunden sind.
Dennoch soll die fehlende Rechtsform nicht abhalten, ein Social Business aufzubauen. Viele Beispiele zeigen, dass auch mit gängigen Rechtsformen in Deutschland entsprechend gewirtschaftet werden kann.

Welche Rechtsformen gibt es international für Social Business?

Andere Länder sind schon weiter und haben für Social Entrepreneurs bereits eigene Rechtsformen geschaffen. Eine kleine Liste an Beispielen:
– USA: Low-profit Limited Liability Company (L3C) oder Benefit Corporation
– Großbritannien: Community Interest Company
– Frankreich: Société Coopérative d’intérêt Collectif (SCIC)
– Italien: Impresa Sociale

Wie wirken Social Businesses?

Ein Social Business kann in mehrere Richtungen wirken. Ein gesellschaftlicher Mehrwert kann folgendermaßen  geschaffen werden:
– Direkt einen Beitrag mit selbst erstellten Produkten oder Dienstleistungen schaffen
(Beispiele wären solidarische Öko-Landwirtschaften, nachhaltige Modeanbieter oder Anbieter von Bildungsleistungen oder medizinischen Dienstleistungen)

– Indirekt einen Beitrag leisten, indem Zulieferer gefördert werden
(Beispiel hier kann GEPA – The fair trade company sein. Sie treten als Importeur und Vermittler fair-erzeugter und -gehandelter Waren auf)

– Geld erwirtschaften, welches in Sozial- oder Umweltprojekte gespendet wird
(Beispiele wäre die ecosia Suchmaschine oder Quartiermeister-Bier, welche für Aufforstung bzw. Soziale Projekte Kapital generieren)

– Menschen Arbeit geben, welche benachteiligt sind auf dem regulären Arbeitsmarkt
(Beispiel wäre Heyho Müsli, welche gezielt Menschen einstellen, die es aufgrund ihrer Biografie schwer haben, einen Arbeitsplatz zu bekommen)

Damit einher geht oftmals die Senkung sozialer Kosten (Ausgaben der Sozialkasse z.B. für Arbeitslosengeld, Kosten für soziale Angebote, Entwicklungshilfe) bei gleichzeitiger Schaffung von wirtschaftlichen Erträgen (Erwirtschaften von Arbeitslohn, Gewinne für ökologische oder gesellschaftliche Aufgaben, Steuern für den Staat).

Verbände und weitere Infos

Gibt es einen gemeinsamen Verband oder eine Anlaufstelle für Social Business in Deutschland?

Ja! Der SEND e.V. ist das Social Entrepreneurshoip Netzwerk Deutschland. Um Social Entrepreneurs zu stärken, die Diskussion um Social Business-Ansätze und soziale Innovationen mit dem erforderlichen Nachdruck voranzutreiben, hat im Juni 2017 das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland als Dachverband gegründet. Inzwischen gibt es zahlreiche Regionalgruppen, u. a. in Sachsen. Link für Newsletter-Anmeldung

Wo finde ich mehr Beispiele, Infos und Berichte?

Einerseits natürlich auf der Seite des SEND e.V.. Hier wird u.a. regelmäßig eine Untersuchung der Szene unternommen und die Ergebnisse sind im Social Entrepreneurship Monitor veröffentlicht.
Aber auch andere berichten darüber. Hier haben wir zwei ausgewählte Beiträge, die das Thema näher bringen:
ZDF (28.06.2021): Social Business – schöne neue Wirtschaftswelt? TV-Beitrag über Beispiele und Funktionsweise
und DLF (13.11.2019): Soziale Startups: Wirtschaftlicher Gewinn ist nicht alles. Radio-Beitrag über Social Startups und Rechtsformen