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Schritt-für-Schritt-Anleitung für mehr Biodiversität in Unternehmen

In unserer Anleitung für Biodiversität in Unternehmen zeigen wir, wie spezifische Themen der biologischen Vielfalt identifiziert und Ziele und Maßnahmen aufgestellt werden. Im Grundlagen-Artikel zu Biodiversität in Unternehmen haben wir dargestellt, warum das Thema z.B. durch die EU-Taxonomie oder auch globaler werdende Lieferketten immer relevanter wird. Nun zeigen wir, wie ein Unternehmen herausfindet, wo und wie es bzgl. biologischer Vielfalt handeln kann. Man könnte dies auch als Biodiversitäts-Strategie für Unternehmen verstehen. Außerdem geben wir erste Tipps zur Umsetzung der Maßnahmen.

Inhalt

  • 1. Analyse zur Wechselwirkung von Biodiversität und Unternehmen
  • Gliederung der Auswirkungen des Unternehmens
  • Analyse der Ressourcenströme entlang des Produktlebenszyklus
  • Inside-Out-Analyse: Wirkung des Unternehmens auf Biodiversität
  • Outside-In-Analyse: Wirkung der Biodiversität aufs Unternehmen
  • Ergänzende Prüfung: Checklisten zu Biodiversität
  • Ergebnis der Analyse für biologische Vielfalt und Unternehmen
  • 2. Bestimmung der Ziele des Unternehmens für biologische Vielfalt
  • Beispiele für Biodiversitäts-Ziele von Unternehmen
  • 3. Umsetzung von Maßnahmen für Biodiversität im Unternehmen, inkl. Tipps
  • Fazit: Das komplexe Thema kann mit strukturiertem Vorgehen gut bewältigt werden

1. Analyse zur Wechselwirkung von Biodiversität und Unternehmen

Die Grundlage für alle folgenden Maßnahmen zu Biodiversität legt eine umfassende Analyse. Hierbei soll herausgefunden werden, welche Themen oder Handlungsfelder bezüglich Biodiversität am relevantesten sind, weil die Wirkung durch das Unternehmen oder die Wirkung auf das Unternehmen am stärksten sind.

Eine solche Analyse ist auch die Grundlage für eine spätere Berichterstattung nach CSRD und EU-Taxonomie.

Wir beschreiben einen qualitativen und praxisnah einfach umsetzbaren Weg der Analyse. Dieser unterscheidet sich von der Erhebung von Daten, z.B. durch Ökobilanzen, welche natürlich wesentlich genauere Ergebnisse liefern. Werden für die qualitative Analyse aber bereits umfassende Informationen einbezogen, ist diese Abschätzung in den meisten Fällen bereits sehr aussagekräftig.

Gliederung der Auswirkungen des Unternehmens

In unserem Grundlagen-Artikel zu Biodiversität haben wir bereits eine praktikable Gliederung gezeigt, die wir erneut in unserer Anleitung für Biodiversität in Unternehmen nutzen wollen. Sie zeigt, in welchen Bereichen ein Unternehmen Auswirkungen auf Biodiversität haben kann:

KerngeschäftBetriebMittelverwendung
Auswirkungen des Produkts / der Dienstleistung in der NutzungAuswirkungen der eigenen Fertigung / ProduktionAuswirkungen durch die Art der Anlage des Kapitals (u.a. nachhaltige Bank)
Auswirkungen durch die Entsorgung eines ProduktsAuswirkungen durch alle Verwaltungstätigkeiten, also Bürogebäude, Einkauf, Fuhrpark, etc.Einfluss durch die Verwendung von Gewinnen für Spenden, etc.
Auswirkungen durch die vorgelagerte Wertschöpfungskette (Rohstoffgewinnung, Vorproduktion, etc.)Auswirkungen durch Logistik für Produkte 
 Auswirkung durch die Sensibilisierung der Mitarbeiter*innen 

Diese Bereiche werden wir im Weiteren nutzen, um entlang dieser Auswirkungen zu prüfen. Je nach Unternehmen sollten die einzelnen Bereiche detaillierter aufgeschlüsselt werden. Produzierende Unternehmen sollten die Lieferkette z.B. klar in die Rohstoffgewinnung, die Erstverarbeitung und die Vorproduktion aufschlüsseln. Ein Transportunternehmen sollte in die wichtigen Prozesse beim Schiffstransport unterteilen, z.B. die Verladung, die Überfahrt, das Löschen.

Analyse der Ressourcenströme entlang des Produktlebenszyklus

Nun wollen wir detaillierter werden, wie das Unternehmen entlang dieser Bereiche auf Biodiversität wirkt. Hierfür betrachten wir die Ressourcenströme entlang der Bereiche. Das bedeutet zu jedem Bereich wird aufgestellt, welche Ressourcen eingesetzt werden (Input) und welche Ressourcen abfließen (Output). Dies ist deshalb besonders wichtig, weil Wirkungen auf ein Ökosystem überwiegend durch den Eintrag oder die Nutzung von Ressourcen geschehen. Dies sind z.B. der Eintrag von Giftstoffen, die Versiegelung von Flächen oder die Abholzung von Wäldern.

Inside-Out-Analyse: Wirkung des Unternehmens auf Biodiversität

Aufbauend auf die identifizierten Ressourcenströme können wir nun eine Inside-Out-Analyse durchführen. Dies bedeutet, dass wir abschätzen, ob und in welchem Ausmaß das Unternehmen auf Biodiversität entlang der Bereiche wirkt.

An der Stelle nehmen wir die Aichi-Ziele für Biodiversität (wie gezeigt im Grundlagen-Artikel) zur Hand.

Wenn wir die Aichi-Ziele so abwandeln, dass wir sie als Kriterien zur Prüfung nutzen können, ergibt sich folgende mögliche Liste:

  • Zerstörung von Ökosystemen (Abholzung, Abbau, Versiegelung)
  • Überfischung oder Schädigung mariner Ökosysteme
  • Landwirtschaftliche Übernutzung von Flächen
  • Verschmutzung der Umwelt
  • Verbreitung invasiver Arten
  • Versauerung der Ozeane
  • Belastung von Flüssen und Seen
  • Gefährdung bedrohter Arten
  • Förderung geringer genetische Vielfalt von Nutzpflanzen und Nutztieren
  • Gefährdung von Ökosystemen um indigene Völker
  • Gefährdung von Ökosystemen als CO2-Speicher und gegen Desertifikation

Für eine Prüfung können wir nun eine Matrix erstellen und die Bereiche und Biodiversitäts-Kriterien einander gegenüberstellen. Diese Matrix kann exemplarisch folgendermaßen aussehen:

Für jedes Feld der Matrix wird anschließend eingetragen:

  • Ob eine Auswirkung bekannt ist oder vermutet wird,
  • Was genau die Auswirkung ist und wie sie zustande kommt,
  • Wie schwerwiegend die Auswirkung ist (relativ zu den anderen Auswirkungen in der Matrix)

Diese Eintragungen sollten durch ausführliche Hintergrundinformationen, Recherchen und Expert*innenwissen gestützt sein. Hierfür bieten sich das Screening von Studien, die Konsultationen von Expert*innen und Berater*innen und eigenes Wissen aus der Lieferkette an.

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Outside-In-Analyse: Wirkung der Biodiversität aufs Unternehmen

Analog dem Vorgehen bei einer Wesentlichkeitsanalyse für alle Nachhaltigkeitsthemen sollte auch bei der Betrachtung für Biodiversität eine Outside-In-Analyse durchgeführt werden. Hierbei fragen wir, welche Auswirkungen Ökosysteme oder der künftige Verlust von Biodiversität auf die Unternehmenstätigkeiten haben. Im Ergebnis stellen wir Risiken fest, die ein Unternehmen frühzeitig verhindern kann.

Zur Analyse können wir uns erneut der Methodik der Matrix bedienen. In diesem Fall wandeln wir die Bereiche so ab, dass sie die Prozesse des Produktlebenszyklus und innerhalb des Unternehmens widerspiegeln. Die Biodiversitäts-Themen wandeln wir so ab, dass sie sowohl heutige Ökosystemauswirkungen als auch das Risiko künftiger Veränderungen umfassen.

Die Ergebnisse der Outside-In-Analyse sind sehr unternehmensspezifisch und können ganz verschieden ausfallen. Hier einige Beispiele für Outside-In-Risiken:

  • Gefährdung von Ernten durch fehlende bestäubende Insekten
  • Verhinderung des Binnenschiffsverkehrs durch explosionsartiges Wasserpflanzenwachstum
  • Gefährdung eines Waldes als touristisches Ziel, wenn die Fichten-Monokultur anfällig für Borkenkäfer ist
  • Knappheit von Kork als Industrierohstoff, wenn die Korkeichenwälder gefährdet werden

Ergänzende Prüfung: Checklisten zu Biodiversität

Ergänzend zur Analyse in den Matrizen können die Checklisten der Initiative „Biodiversity in good company“ genutzt werden. Diese ergänzen mit weiteren Themen konkrete Fragestellungen zu Biodiversität im Unternehmen und können die Analyse erweitern.

Ergebnis der Analyse für biologische Vielfalt und Unternehmen

Die durchgeführten Analysen werden nun zusammengebracht. Aus der Summe der Ergebnisse können wir nun bestimmen, welche Themen bezüglich Biodiversität die größte Wirkung haben. Diese Liste an Themen dient uns als Basis für die Ableitung von Zielen und Maßnahmen aus strategischer Sicht.

2. Bestimmung der Ziele des Unternehmens für biologische Vielfalt

In der Analyse wurde bestimmt, auf welche Themen der Biodiversität das Unternehmen am stärksten wirkt – oder welche die größten Risiken durch Ökosystemveränderungen für das Unternehmen sind.

Da das Ziel, gar keine Auswirkungen auf Biodiversität zu haben, in den meisten Fällen nicht erreicht werden kann, ohne das Geschäftsmodell zu begraben, muss nun strategisch entschieden werden, welche Ziele für welche Themen verfolgt werden.

Bei der Auswahl der Themen kann sich das Unternehmen weiterhin an der Analyse orientieren. Bei der Aufstellung von Zielen für die biologische Vielfalt müssen weitere strategische Aspekte beachtet werden:

  • Bei welchen Themen und mit welchen Maßnahmen können wir ressourceneffizient die größte Wirkung erzielen?
  • Welche Themen sind für Mitarbeiter*innen und Kund*innen am motivierendsten?
  • Wie fügen sich die Themen in die Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie ein?

Die Findung von Zielen und Maßnahmen ist für die meisten Nachhaltigkeitsthemen kein trivialer Prozess. Es muss konstant abgewogen werden, wie viel Wirkung zu welchem Preis erzielt werden kann. Aber auch, wie eine Maßnahme auch zum Mehrwert für das Unternehmen dient und z.B. Wettbewerbsvorteil schafft.

Wir empfehlen für den Zielfindungsprozess meist kleine Ziel-Teams zu bilden, die zunächst sehr ambitionierte Ziele und Maßnahmen aufstellen sollen. Die gesammelten Ziele der Teams werden anschließend bezüglich Budgets und anderen strategischen Initiativen abgeglichen. In unserer Anleitung für Biodiversität in Unternehmen gehen wir auf diesen Prozess nicht im Detail ein.

Beispiele für Biodiversitäts-Ziele von Unternehmen

Um die Zielsetzungen greifbarer zu machen, hier ein paar Beispiele für Biodiversitäts-Ziele bekannter Unternehmen:

  • Die Lieferkette für unsere Eigenmarken-Schokolade wird Entwaldungs-frei. (D.h. wir wollen sicher sein, dass keine Wälder für den Anbau der Rohstoffe abgeholzt werden)
  • Wir wollen all unsere Transportverpackungen von Strechfolie auf plastikfreie Alternativen umstellen, um den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt zu vermeiden.
  • Unsere Greenline-Fassadenfarbe wird von allen Stoffen befreit, die auch mittel- und langfristig negativ auf Wasser, Boden und Luft wirken.
  • Wir wollen den Anbau unseres Kaffees von Monokulturen auf Mischkulturen, wie Permakultur oder Agroforst, umstellen.
  • All unsere (Schiffs-)Löschvorgänge sollen über Filteranlagen laufen, um die Verbreitung fremder Arten über die Ozeane zu vermeiden.

3. Umsetzung von Maßnahmen für Biodiversität im Unternehmen

Die Umsetzung der Maßnahmen im Unternehmen reiht sich in den normalen Prozess des Unternehmens ein. Trotzdem wollen wir einige Tipps geben, wie die Umsetzung insbesondere beim komplexen Thema biologische Vielfalt noch besser funktionieren kann.

Tipps bei der Umsetzung

  • Einbezug der Stakeholder vor Ort: Dort wo die Maßnahmen umgesetzt werden sollen, sollten die Stakeholder (also Mitarbeiter*innen, Anwohner*innen, indigene Völker, etc.) einbezogen werden. Sie können am besten einschätzen, ob die Maßnahme unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringt. In den meisten Fällen werden Vorhaben für Biodiversität gut aufgenommen und sogar von den Stakeholdern aktiv unterstützt.
  • Rebound-Effekte beobachten: Die Umsetzung der Maßnahmen sollte regelmäßig überprüft werden und dabei auch, ob Effekte auftreten, die nicht beachtet werden konnten. Ökosysteme sind komplex und daher sind Nebeneffekte schwer vorauszusehen.
  • Von Wissenschaft, NGOs oder Instituten prüfend begleiten lassen: Viele Universitäten, NGOs und Umweltschutzorganisationen haben enormes Wissen zu den Ökosystemen angesammelt. Die einzubinden, kann den Erfolg der Maßnahme deutlich vergrößern und wissenschaftlich fundierte Ergebnisse liefern.
  • Geduldig sein: Ökosysteme brauchen Zeit zur Reaktion auf Veränderungen. Daher lohnt sich ein langer Atem.

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Toni Kiel
Themenbereich Nachhaltigkeitsstrategie

0178-1746903 | t.kiel@plant-values.de

Fazit: Das komplexe Thema kann mit strukturiertem Vorgehen gut bewältigt werden

Unsere Anleitung für Biodiversität in Unternehmen zeigt, dass das komplexe Thema gut bearbeitet werden kann. Die Analyse der Auswirkungen auf Ökosysteme und der Einwirkung von Ökosystemen auf das Unternehmen ist der essenzielle Part für ein authentisches Engagement für Biodiversität. Mit einem systematischen Vorgehen können Unternehmen für biologische Vielfalt viel erreichen. Damit können sie einen wichtigen Beitrag leisten, den steigenden Anforderungen nachkommen und sich am Markt profilieren.

In unserem Grundlagen-Artikel zu Biodiversität in Unternehmen haben wir dargestellt, warum das Thema z.B. durch die EU-Taxonomie oder auch globaler werdende Lieferketten immer relevanter wird. Nun zeigen wir, wie ein Unternehmen herausfindet, wo und wie es bzgl. biologischer Vielfalt handeln kann. Man könnte dies auch als Biodiversitäts-Strategie für Unternehmen verstehen. Außerdem geben wir erste Tipps zur Umsetzung der Maßnahmen.

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Was Biodiversität für Unternehmen bedeutet und wie sie dazu beitragen können

Die Diskussion um biologische Vielfalt geht heute weit über den Schutz niedlicher Bienen hinaus und die Fragen zu Biodiversität in Unternehmen werden stetig mehr. Es bilden sich immer neue Initiativen, um Unternehmen zu sensibilisieren und Tools an die Hand zu geben. Auf der anderen Seite schauen NGOs immer mehr auf die Biodiversität in Unternehmen und auch die gesetzlichen Anforderungen für Unternehmen nehmen zu.

Wir wollen einen Überblick geben, was Biodiversität im Allgemeinen und für Unternehmen bedeutet und umfasst. Im Folgeartikel gehen wir dann darauf ein, wie Unternehmen sich dem Thema Schritt für Schritt nähern können.

Inhalt

Warum Biodiversität für Unternehmen und die Gesellschaft relevant ist

Die biologische Vielfalt bildet die eigentliche Lebensgrundlage des Menschen auf unserem Planeten. Sie ermöglicht uns die Landwirtschaft, den Fang von Nahrung, den Anbau von Baumwolle, die Gewinnung von Holz, das Genießen der Natur, die Freude eines eigenen Gartens und das Atmen von Sauerstoff. Wenn Arten bedroht sind, die unseren Alltag prägen, so wie die Banane oder der Kaffee, dann wird uns die Bedeutung biologischer Vielfalt besonders deutlich. Da alle Arten in komplexe Ökosysteme eingebunden sind, ist es für unseren Alltag und unser Überleben aber genauso wichtig, dass auch die Insekten, Bodenbakterien und Beikräuter bestehen bleiben.

Dies zeigt auch schnell, dass Unternehmen eine wichtige Doppelrolle einnehmen. Zum einen tragen sie eine Verantwortung dafür, diese Lebensgrundlage für uns alle zu erhalten. Zum anderen sind viele Unternehmen selbst von dieser Grundlage abhängig. Einige Branchen erkennen diese Abhängigkeit sehr klar, wie z.B. die Lebensmittelindustrie, die Textilindustrie, der Tourismus oder die Holz- und Papierindustrie. Aber auch viele weitere Branchen sind betroffen, wenn z.B. das Holz für Transportpaletten fehlt, wenn karge Böden Böschungen und damit den Schiffsverkehr gefährden, oder wenn explodierende Schädlingspopulationen die Gebäudewirtschaft beeinflussen.

Die direkte oder indirekte Nutzung der biologischen Vielfalt beschreibt das Konzept der Ökosystemdienstleitungen.

Allgemeine Entwicklungen zu Biodiversität

Allgemein steht es um den Erhalt der Biodiversität weltweit nicht gut. Der Globale Bericht des Weltbiodiversitätsrates hat 2019 zusammengefasst, dass 40 Prozent der Amphibien, fast ein Drittel der Korallen und mehr als ein Drittel der Meeressäuger vom Aussterben bedroht sind. Außerdem sind 85% der Feuchtgebiete zerstört, 23% der Landfläche sind ökologisch übernutzt und damit wirtschaftlich schwach. Allgemein geschieht der Artenschwund aktuell 100-mal schneller als während der letzten 10 Millionen Jahre.

Diese Aussagen zeigen, dass sowohl die Gesellschaft im Allgemeinen als auch Unternehmen zügig handeln sollten.

Regulation und Initiativen für biologische Vielfalt in Unternehmen

Immer mehr Unternehmen wollen ihrer Verantwortung nachkommen und Biodiversität schützen. Die Gesetzgebung diesbezüglich wird aber auch immer umfassender. Die aktuell wichtigsten Gesetze bezüglich Biodiversität in Unternehmen sind:

Zu den bestehenden Gesetzgebungen kommt bald die Regulation durch die EU-Taxonomie hinzu. Die EU-Taxonomie wird sich in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Instrumente für Banken und Investor*innen entwickeln und wird sukzessive die Finanzierung nachhaltiger Projekte fördern und Gelder von nicht-nachhaltigen abziehen. Biodiversität ist, u.a. neben Klimawandel und Wasser, dabei eines von 6 Zielfeldern der ökologischen Taxonomie. Die konkreten branchenbezogenen Kriterien, die ein Unternehmen erfüllen muss, um bezüglich Biodiversität als nachhaltig eingestuft zu werden, sind aktuell noch in der Bearbeitung. Klar ist aber bereits die dreiteilige Einteilung: ob ein Unternehmen bzgl. biologischer Vielfalt A) Schaden anrichtet, B) neutral handelt oder C) sie aktiv fördert. Unternehmen dürfen also bereits analysieren, wie sie auf Biodiversität wirken und daran arbeiten ihre Auswirkungen zu verbessern. Wie genau, erklären wir im Folgeartikel.

Neben den gesetzlichen Auflagen zu Biodiversität für Unternehmen, kommen immer weitere Initiativen hierzu auf, die Unternehmen fördern sollen. An der Stelle verweisen wir kurz auf „Unternehmen Biologische Vielfalt“ des Bundesamts für Naturschutz und die Initiative „Biodiversity in good company“.

Was bedeutet Biodiversität für Unternehmen?

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Biodiversität, oder auch biologische Vielfalt, einen Dreiklang der Vielfalt meint:

  • Die Vielfalt von Arten (die Vielzahl an Tieren, Pflanzen, Bakterien)
  • Die Vielfalt von Erbgut (die Vielfalt von Genen und Sorten innerhalb einer Art, z.B. unterschiedliche Apfelsorten)
  • Die Vielfalt von Ökosystemen (die verschiedenen Formen von Wäldern, Riffs, Wiesen, etc.)

Auf diese Vielfalt baut die weltweite Stabilität unserer Lebensgrundlage auf. Entsprechend ist eine Orientierung an diesem Dreiklang auch für Unternehmen hilfreich.

Was sind konkrete Themen der biologischen Vielfalt für Unternehmen?

Aufbauend auf dem Dreiklang und den weltweiten Ökosystemen sind die Themen zahlreich. Um konkreter zu werden, hilft es, sich an den Zielen des Übereinkommens über biologische Vielfalt der UN zu orientieren. Diese Aichi-Ziele genannten Ziele verweisen auf die drängendsten Probleme der Biodiversität. Ende 2022 sollen die Ziele erneuert werden.

Die Aichi-Ziele, die Unternehmen Orientierung sein können, sind:

  • Biodiversität als Wert bilanzieren (Ökosystemdienstleistungen sichtbar machen)
  • Verlust von Ökosystemen verhindern (Abholzung, Abbau, Versiegelung, …)
  • Überfischung verhindern und marine Ökosysteme schützen
  • Landwirtschaft nachhaltig umstellen und Übernutzung verhindern
  • Verschmutzung der Umwelt verhindern
  • Verbreitung invasiver Arten verhindern
  • Versauerung der Ozeane verhindern
  • Belastung von Flüssen und Seen verringern
  • Aussterben bedrohter Arten verhindern
  • Genetische Vielfalt von Nutzpflanzen und Nutztieren erhöhen
  • Ökosysteme um indigene Völker schützen
  • Aufbau von Ökosystemen als CO2-Speicher und gegen Desertifikation

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Wie genau wirken Unternehmen auf Biodiversität?

Die Aichi-Ziele beschreiben also, WORAUF ein Unternehmen bzgl. Biodiversität wirkt. Die andere Seite der Perspektive ist nun, WODURCH wirkt es auf Biodiversität.

Wie bei allen Nachhaltigkeitsthemen lassen sich 3 Bereiche unterteilen, in denen Unternehmen Auswirkungen haben:

  • Auswirkungen durch das Kerngeschäft
  • Auswirkungen durch den Betrieb
  • Auswirkungen durch die Mittelverwendung

Diese drei Bereiche lassen sich weiter untergliedern:

KerngeschäftBetriebMittelverwendung
Auswirkungen des Produkts / der
Dienstleistung in der Nutzung
Auswirkungen der eigenen
Fertigung / Produktion
Auswirkungen durch die Art
der Anlage des Kapitals (u.a. nachhaltige Bank)
Auswirkungen durch die
Entsorgung eines Produkts
Auswirkungen durch alle Verwaltungstätigkeiten, also Bürogebäude, Einkauf, Fuhrpark, etc.Einfluss durch die Verwendung von Gewinnen für Spenden, etc.
Auswirkungen durch die
vorgelagerte Wertschöpfungskette
(Rohstoffgewinnung, Vorproduktion, etc.)
Auswirkungen durch Logistik für Produkte 
 Auswirkung durch die Sensibilisierung der Mitarbeiter*innen 

Im Folgeartikel gehen wir konkreter darauf ein, wie die Bereiche der Auswirkungen und die konkreten Biodiversitäts-Themen zusammengebracht werden. Grundsätzlich geht es aber darum, sich bewusst zu machen, wo die Unternehmenstätigkeit auf welche Faktoren wirkt und wie diese verbessert werden können.

Fazit Biodiversität für Unternehmen gewinnt an Bedeutung und ist komplex, aber händelbar

Die fortschreitende Regulation des Themas, v.a. durch die anstehende EU-Taxonomie, macht es für Unternehmen relevant, sich frühzeitig damit zu befassen. Die Vielfalt der Themen in den Aichi-Zielen zeigt zudem, dass das Thema Biodiversität für Unternehmen komplex ist. Die konkrete Benennung von Themen ist für Unternehmen zugleich eine gute Orientierung für Ziele und Maßnahmen. Durch ein systematisches Vorgehen und eine saubere Analyse der Situation können Unternehmen ihre Auswirkungen auf Biodiversität deutlich verbessern.

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Nachhaltigkeit im Büro – 26 Tipps von einfach bis umfassend

Nachhaltigkeit im Büro wird ein immer größeres Thema. Schließlich arbeiten immer mehr Menschen in Dienstleistungsberufen in Büros. Für Dienstleistungsunternehmen, die nachhaltiger werden wollen, ist das eigene Büro oft der naheliegendste Punkt. Und bereits hier gibt es viel zu tun.

Wir wollen einfache Tipps geben, wie Nachhaltigkeit im Büro umgesetzt werden kann. Von Snacks über Mobiliar bis zur Technik.

Solche einfachen Maßnahmen können der richtige Anstoß sein sich mehr mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Darauf aufbauend können dann auch die eigenen Produkte und Dienstleistungen, das Geschäftsmodell und die Strategie bezüglich Nachhaltigkeit hinterfragt werden. Im besten Fall entwickelt sich daraus genug Motivation und Energie eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, um systematisch am Ball für Nachhaltigkeit zu bleiben.

Nun aber viel Spaß bei den Tipps zu Nachhaltigkeit im Büro und beim nachhaltig inspirieren lassen!

1. Räume teilen

Bürofläche ist heute ein enormer Ressourcenfaktor. Mit der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen gelernt, dass durch vermehrtes Arbeiten im Home Office Büroraum nicht mehr durchgängig genutzt wird und Arbeitsplätze sich zusammenlegen lassen. Eine geteilte Nutzung lohnt sich sowohl für die Umwelt als auch für den eigenen Austausch und das Netzwerk. Hierfür kann man über die Reduktion von Bürofläche hinausgehend darüber nachzudenken, ob eine Bürogemeinschaft oder ein Coworking-Space (wie die Impact Hubs) in Frage kommen. Wie wär’s alternativ eigene freie Fläche dauerhaft oder zeitweise (z.B. über spacebase) zu vermieten? Wer erstmal schnuppern will, kann am 9. August jeden Jahres zum „International Coworking Day“ das Prinzip des Arbeitens im geteilten Büro kostenlos ausprobieren.

2. Gesunde Snacks im Office

Warum nicht für alle Mitarbeitenden Obst, Gemüse oder frische Kräuter für Tee bereit stellen? Der Zusatzaufwand ist wirklich nicht groß, das Wohlfühllevel steigt aber enorm und der Gesundheit helfen kleine Vitaminspender auch. Ganz einfach als Abo z.B. bei fruiton oder  fruitfuloffice.

3. Wasser-Karaffen oder individualisierte Flaschen für Mitarbeitende

Plastik-Wasserflaschen ins Büro schleppen (lassen)? Die Verpackung und die gefahrenen Kilometer durch Deutschland können ganz einfach eingespart werden. Immer mehr Menschen trinken auch gern Leitungswasser. Das ist immer frisch, gesund und kostengünstig. Wer mag, kann einen Wasserfilter und sogar einen Sprudler einbauen lassen. Und zum Anreiz werden eben Karaffen oder sogar individuelle Wasserflaschen gestellt, wie z.B. die von soulbottle mit eigenen Firmenlogo. Die Erinnerung ans ausreichende Trinken bei der Arbeit ist gratis mit dabei.

4. Pflanzen im Büro

Pflanzen am Arbeitsplatz verbessern nicht nur das Raumklima und dämpfen Geräusche, sondern sie verbessern auch die Konzentration und Produktivität der Mitarbeitenden. So zeigt es die Studie von norwegischen Forschern. Ein grünes Paradies im Büro kann sogar die Mitarbeitenden vom heimischen Arbeitsplatz regelmäßig ins Office locken, wenn man wie das Düsseldorfer Software-Unternehmen Invision einen eigenen Mini-Dschungel schafft.

5. Kaffeesatz weiter nutzen

Kaffee ist in vielen Büros fast schon Grundnahrungsmittel. Dabei fallen enorme Mengen Kaffeesatz an, die sich effektiver nutzen lassen, als im Biomüll zu landen. Kaffeesatz ist toller Dünger für Pflanzen, wirkt geruchsneutralisierend und man kann auf ihm Speisepilze für den nächsten Büro-Kochabend züchten.

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6. Grünflächen essbar und bienenfreundlich gestalten

Wer Grünflächen auf dem eigenen Gelände hat, für den bietet es sich an die im Sinne der Mitarbeitenden und der Umwelt zu nutzen. So können zur freien Verfügung pflegeleichte Gemüsesorten ausgebracht, kleine Obstbäume und Büsche wie Johannisbeeren gepflanzt oder bienenfreundliche Blumenwiesen gesäht werden. Die nächste Besprechung auf einer Bank im Grünen abzuhalten, unterstützt die kreative Ideenfindung. Besonders aber für die Pausen zwischen der Arbeit wirkt ein Stückchen Grün entspannend und bringt Energie!

7. Umweltfreundliche Reinigungsmittel

Mittlerweile gibt es für jedes Putzmittel deutlich ökologischere Varianten, die meist auch nicht viel teurer sind. Einerseits lassen sich mit Zitronensäure und Natron bestens hartnäckige Flecken und Schmutz beseitigen. Greift man lieber doch zum Produkt, ist die Marke Frosch seit Jahrzehnten Pionier und bietet ein breites Portfolio an.

8. Klassiker zu Nachhaltigkeit im Büro: Mülltrennung

Das Thema ist so alt wie der moderne Umweltschutz an sich. Stellt im Unternehmen Mülleimer zur Verfügung, die zu Euren kommunalen Mülltonnen passen, hängt klare Erklärungen aus, was in welchen Eimer gehört und sprecht im Team darüber. Eine praktische Anleitung wie die vom NABU neben den Müllbehältern erleichtert für alle die Orientierung.

9. Papier sparen – in Bad und Büro

Denkt drüber nach – muss jede Mail gedruckt werden? Können wichtige Dokumente sogar besser in digitalen Ordnern strukturiert und archiviert werden? Muss das Angebot an den/die Kund*in im Briefformat rausgehen oder reicht eine Mail? Benötigt es wirklich Print-Werbung? Sollten Dokumente wirklich gedruckt werden müssen, so am besten auf Recyclingpapier (Besonders gut machen sich hier die Label Blauer Engel oder FSC.) und natürliche Farben anstatt auf Druckerfarben auf Erdölbasis zurückgreifen. Und schon mal was von Gras- oder Samenpapier gehört? Als regionale Alternative zu Papier aus Holzfasern (z.B. von Matabooks) riecht es nicht nur gut – es fühlt sich auch gut an und erzeugt einen Marketing-WOW-Effekt!

Gleiches gilt für das Badezimmer bzw. Toilettenräume: Eine Studie des Umweltbundesamtes belegt, dass Kaltluft-Händetrockner (wie die immer verbreiteteren Geräte von Dyson) deutlich umweltfreundlicher sind als Papierhandtücher. Die älteren Heißlufttrockner schneiden sogar deutlich schlechter ab. Alternativ bieten sich Stoffhandtuchspender an. Stoffhandtücher lassen sich einfach waschen. Sie sind nicht nur umweltfreudnlich, sondern auch kostengünstig, komfortabel und hygienisch. (z.B. von MEWA) Wer aus diversen Gründen dennoch Papierhandtücher einsetzen möchte, sollte auf Recycling-Papierhandtücher setzen. Übrigens auch für das Küchenpapier.

10. Gemeinsam bio-regional kochen

Gemeinsam im Unternehmen zu kochen stärkt das Teamgefühl. Wenn man dann noch aus regionalen und Bio-Lebensmitteln kocht, hat man im Sinne der Nachhaltigkeit bereits einiges getan. Das stößt auch den Austausch über das Thema an und sensibilisiert alle auch zu Hause darüber nachzudenken. Lieblingsrezepte der Kolleg*innen gemeinsam zu kochen, trägt außerdem Spaß und Gemeinsamkeit ins Team und ist damit ein echtes Wohlfühl-Instrument. Tipp: Als Firmenkunde lohnt es sich dann Mitglied in einer Verbrauchergenossenschaft oder gar Solidarischer Landwirtschaft zu werden. Beispiel ist die Dresdner Verbrauchergemeinschaft.

11. Voreinstellungen bei Geräten umweltfreundlich anpassen

Einer der häufigsten Tricks: Die Standardeinstellung bei Druckern auf beidseitigen Druck stellen und automatisch wird Papier gespart. Beim Kaffeeautomaten in der Küche sollte der Bereit-Zustand maximal 30 Minuten dauern und sich dann abschalten um Strom zu sparen. Utopia zeigt auf, dass so ¾ des Stromverbrauchs einer Maschine reduziert werden kann.

12. Nachhaltigkeit der Büro-Möblierung: Richtig auswählen und spenden

Wenn die Einrichtung erneuert werden soll oder das ganze Büro umzieht, fallen oft dutzende Möbelstücke an. Die sind meist aber zu gut für die Müllpresse. Besser ist es sie zu spenden, denn damit werden Ressourcen geschont. Gleichzeitig können andere Menschen gute und günstige Möbel bekommen. Möbelspenden sind ganz einfach online zu finden, in Berlin z.B. übernimmt das die BSR. Soziale Wohlfahrtsverbände die Caritas nehmen ebenso bundesweit Spenden entgegen.

Generell kann man für die Möblierung auch weniger aufwendig hergestellte, natürliche Varianten wie Palettenmöbel oder Pappmöbel einsetzen. In der Regel sind diese langlebig und recyclebar.

13. Second Hand einkaufen

Auch bei der Neueinrichtung mit Möbeln kann man Geld und Ressourcen sparen. In vielen Städten gibt es Anbieter für gebrauchte Büroeinrichtung, auch Küchenutensilien und Interior für Bad und Toilette. In Berlin macht das z.B. seit bereits 30 Jahren „Das zweite Büro“, in Hamburg heißt ein Anbieter „Meyer‘s Möbel“.

14. Helle Einrichtung wählen, um Licht zu sparen

Möbel und andere Einrichtung in hellen Farben zu wählen, maximiert die Wirkung des natürlichen Lichts. Somit kann die Nutzung von Lampen teils deutlich verringert werden.

15. Naturbelassene Farben und Lacke nutzen

Bei der Auswahl von Einrichtung kann insbesondere beim Neukauf darauf geachtet werden, dass naturbelassene Stoffe wie Lacke, Farben, aber auch ökologische Polsterung gewählt werden. Das schont die Umwelt und schlägt sich tendenziell auch in der Vitalität der Mitarbeitenden nieder, die keine chemischen Stoffe einatmen müssen. Memo hat langjährige Erfahrung mit nachhaltigen Büros und bietet Reparaturservices an.

16. Licht mieten statt kaufen

Bereits seit einigen Jahren verfügbar aber noch recht wenig bekannt: Immer mehr Unternehmen bieten an Licht zu mieten statt es zu kaufen. Dabei wird ein Beleuchtungskonzept für die zu beleuchtende Firmenfläche erstellt und die Leuchtkörper optimal eingesetzt. Als Kunde zahlt man nur für das Licht, nicht für die Lampen. Tatsächlich meist eine Win-Win-Win-Situation für Unternehmen, Anbieter und Umwelt. Erfragen kann man den Service zum Beispiel bei Deutsche Lichtmiete.

17. Green Design Inspiration bei inhabitat

Wer weitere Inspiration zu Grünem Design, Einrichtung oder auch anderen Bereichen sucht, der wird sicher bei inhabitat fündig.

Nachhaltigkeit im Büro durch richtige Technik

18. Intelligentes Energie Management am PC

Fährt man den PC herunter, wird die Stromversorgung angeschlossener USB-Geräte nicht automatisch ausgeschaltet. Wer Monitor oder andere Geräte angeschlossen lässt, hat somit einen dauerhaften Energiefresser. Diese Funktion kann am PC oder Laptop einfach ausgeschalten werden, um Energie zu sparen. Wie das geht, wird hier→ erklärt.

19. Green Ethernet Switches

Moderne energiesparende Switches versetzen den Transceiver in einen energiesparenden Schlafmodus, wenn keine Netzwerkaktivität vorliegt. Lohnt sich für die Netzwerke in kleinen und mittleren Unternehmen. Ausführlichere technische Erklärungen gibt’s hier→.

20. PC Ruhezustand statt Standby-Modus einstellen

Leider oft nicht voreingestellt, aber im Bürobetrieb ein guter Hebel Energie zu sparen. Der Windows Ruhezustand verbraucht weniger Energie als der Standby-Modus und für die meisten macht die Performance der beiden keinen Unterschied. Wie es geht, wird hier→ in einfachen Worten erklärt.

21. Keine Fax-Geräte mehr kaufen

Fast eine Selbstverständlichkeit, aber trotzdem erwähnenswert: es gibt heute komfortable digitale Alternativen zum Fax, die bedeuten, dass kein Strom für das Faxgerät oder die Ressourcen zur Herstellung benötigt werden. Mit einem Scanner (oder einer Scanner-App) und einem eFax-Zugang ist der Prozess nach Eingewöhnung sogar schneller. Chip stellt Anbieter vor.

22. Keine Emails ausdrucken

Eigentlich allen klar, aber wir wollen es noch einmal betonen. Mit jeder gedruckten Mail werden Ressourcen verbraucht, die wohl deutlich den Nutzen übersteigen. Gerade durch das zunehmende Arbeiten im Home Office wird Drucken und eine analoge Dokumentenablage immer vermeidbarer. Mit ein wenig Eingewöhnung kann man alle notwendigen Dokumente am PC lesen, kommentieren und oft sogar einfacher kollaborativ bearbeiten.

23. Streaming vermeiden

In vielen Büros läuft den Tag über Musik für die passende Arbeitsstimmung. Wird dabei ein Online-Anbieter genutzt, werden die Lieder oft per Streaming abgespielt. Damit werden dauerhaft Daten abgerufen und die Server müssen rechnen. Der Energieverbrauch dabei ist enorm. Besser ist es die Lieblingsplaylists lokal herunterzuladen. So entfällt das dauernde Streaming.

24. Energiesparende Geräte kaufen

Verankert den Auftrag in der Einkaufsabteilung beim Kauf neuer Geräte auf energiesparende Modelle zu achten. Damit können enorme Ressourcen eingespart werden. Praxis-Beispiele für umweltfreundliche Beschaffung von technischen Geräten und anderem listet das Umweltbundesamt auf.

25. Büroausstattung bei umweltfreundlichen Anbietern kaufen

In Büros finden sich nicht nur Geräte, sondern auch andere Haushaltsgegenstände: Thermosbecher, Flaschen, Besteck, Handtücher und viele mehr. Für den Neukauf solcher Dinge lässt sich auf eine breite Auswahl umweltfreundlicher Anbieter mit überzeugenden neuen Produkten zurückgreifen. Unsere Empfehlung: Der Laguna plastikfreie Onlineshop.

26. Elektrogeräte reparieren statt neu kaufen

Die Diskussionen um den Ressourcenverbrauch von Elektrogeräten nehmen zu: gesellschaftliche und Umweltfolgen von seltenen Erden und auch die Produktion selbst sind kritisch zu betrachten. Statt Geräte neu zu kaufen, wenn die langsamer werden oder kleinere Fehler haben, können sie günstiger und mit hohem Anspruch repariert werden. Mit www.kaputt.de hat sich die erste Plattform gebildet, die speziell auf Firmenkunden abgestimmte Dienstleistungen anbietet.

Dies waren unsere Tipps für Nachhaltigkeit im Büro. Weiter geht es mit unseren anderen Kategorien.

Bei technischer Ausstattung und dem grünen Büro nicht Halt machen: Nachhaltigkeit als Ganzes denken und CSR strategisch betrachten

Für die große Veränderung in Unternehmen und Organisationen bieten wir Begleitung an. Wir entwickeln mit Unternehmen Nachhaltigkeitsstrategien und gezielte Nachhaltigkeits-Maßnahmen. Für eine fundierte Basis setzen wir auch Analysen um. So zum Beispiel eine Sustainability-SWOT oder eine Wesentlichkeitsanalyse. Das spricht Sie an? Dann sprechen Sie uns an, z.B. einfach per Mail! 

Wer noch mehr Wissen sucht, für die haben wir einen umfassenden Leitfaden zu Nachhaltigkeitsstrategie in Unternehmen zusammengestellt.

Noch mehr gesammelte Nachhaltigkeit-Tipps…

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Motivation für Nachhaltigkeit im Unternehmen schaffen

Nachhaltigkeit in Unternehmen wird nicht alleine durch technische Innovation oder Managementsysteme umgesetzt. Es braucht den Menschen, welcher tagtäglich durch kleine und große Entscheidungen und seine Verhaltensweisen den Unternehmensalltag nachhaltig bestreitet. Zum Hinterfragen nicht-nachhaltiger Praktiken und das Einbringen von Verbesserungsvorschlägen braucht es Verständnis und Motivation für Nachhaltigkeit. Wenn sich ein Unternehmen der Herausforderung stellt, einen nachhaltigen Entwicklungspfad einzuschlagen, dann stellen sich folglich die Fragen:

Wie motiviere ich meine Mitarbeitenden für Nachhaltigkeit?

Und:

Was gibt es für gute Ansätze und positive Beispiele, um Mitarbeiter*innen für Nachhaltigkeit zu begeistern?

Diesen Fragen wollen wir nachgehen und ganz praxisnahe Ansätze vorstellen.

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Methoden und Best Practice zu Nachhaltigkeit ins Postfach

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Wie schaffe ich Motivation für Nachhaltigkeit im Unternehmen?

Motivation ist bei manchen Menschen bereits intrinsisch vorhanden. Scheinbar ohne großes Zutun sind diese Menschen stets gut informiert und motiviert, sich um Nachhaltigkeit im Berufsalltag zu kümmern. Sie recherchieren, bringen pro-aktiv Ideen zur Verbesserung ein und nehmen sich extra Zeit. So finden sie umweltfreundlichere oder sozial positiv wirkende Alternativen für den Betrieb.

Typischer ist allerdings der Fall, dass die Motivation erst noch geweckt werden will. Das ist auf jeden Fall möglich, es braucht jedoch ein paar Voraussetzungen dafür.

Voraussetzungen für Motivation:

  • Verständnis dafür, was Nachhaltigkeit umfasst und wo die Verbindungen zum Berufsalltag sind. Hier gilt es, die Bedeutung von Nachhaltigkeitsthemen für das eigene Unternehmen zu erkennen oder zu wissen, wo das eigene Unternehmen wiederum relevanten Einfluss auf Umwelt-, Sozial- und Gesellschaftsaspekte hat. Das „Runterbrechen“ auf die Abteilung oder die täglichen Arbeitsaufgaben hilft, das große Wort Nachhaltigkeit greif- und anwendbar zu machen.
  • Ressourcen, um sich auf neue Themen und Gedanken einlassen zu können. Dazu gehören Zeit und Budget zur Umsetzung von nachhaltigen Ideen. Wer im andauernden Stress ist, wird keine Kapazitäten für neue Aufgaben haben. Auch der ständige Kampf um jeden Euro bremst Initiativen aus und steht im Widerspruch dazu, verschiedene Ansätze auszutesten oder neue Verhaltensweisen zu lernen.
  • Wissen, was die Hebel zum nachhaltigen Handeln im Betrieb sind oder welche Faustregeln für nachhaltige Entscheidungen anwendbar sind? Hier helfen Checklisten oder Vergleichsgrößen, sodass man nicht in jeder Berufssituation die exakte Wirkung einer Maßnahme analysieren muss, aber dennoch Orientierung hat.
  • Austausch und Fragemöglichkeit sind wichtig zum Reflektieren oder für Rückfragen bei Unsicherheiten. Wie jedes neue Thema bringt ebenso die Umsetzung von Nachhaltigkeit Widerstände oder bisher unbekannte Hürden mit sich. Der Austausch mit Anderen in ähnlicher Situation hilft. Expert*innen unterstützen durch deren Blick von außen und erleichtern das rasche Finden von nachhaltigen Lösungen, wodurch ein kontinuierlichen Fortschritt leichter ist.
  • Arbeitsumfeld und eine Unternehmenskultur, in denen Nachhaltigkeit gefördert wird und der Einsatz dafür auf Anerkennung trifft. Was alles hinter einer Unternehmenskultur der Nachhaltigkeit steckt, haben wir bereits HIER in einem weiteren Fachbeitrag beschrieben.   

Mit diesen Aspekten legt man die Grundlagen für die Motivation für Nachhaltigkeit im Unternehmen. Es festigt obendrein vorhandene Motivation bzw. stärkt die Unternehmensmitglieder, welche sich bereits engagieren.

Grundlagen legen für die Motivation für Nachhaltigkeit im Unternehmen und somit die Führungskräfte und Angestellte begeistern. Dazu gibt´s verschiedene, kreative und interaktive Maßnahmen. | Foto: pexels.com

Unsere 15 Beispiele: Gute Maßnahmen und Ansätze, um Mitarbeiter*innen für Nachhaltigkeit zu begeistern

Die grundlegenden Voraussetzungen sind nun bekannt. Dazu passend haben wir beispielhafte Ansätze und mögliche Maßnahmen zusammengetragen.

Verständnis für Nachhaltigkeit und Verbindung zum Berufsalltag schaffen 

  • Monatsmotto: Jeder Monat wird unter ein Thema gestellt. Wassersparen, Verpackungsreduktion, Soziale Verantwortung in der Lieferkette mit Geschäftspartner*innen o.ä. Die Mitarbeitenden werden zu Monatsbeginn in einem kurzen Briefing für das Thema sensibilisiert und sollen im Anschluss einen Monat lang notieren, wo sie im Unternehmensalltag Berührungspunkte und Verbesserungsmöglichkeiten erkennen. Nach einem Monat werden die Ergebnisse zusammengetragen. Jetzt zeigen sich für die Mitarbeiter*innen die vielfältigen Verbindungen und erste Lösungen zum gewählten Nachhaltigkeitsthema.
  • Wettbewerb für nachhaltiges Verhalten: Im Beispiel wird im ersten Monat der anfallende Müll im Büro für jede Abteilung gut sichtbar gesammelt (bspw. mit Müllsäcken). Im nächsten Monat wird versucht, soviel Müll wie möglich zu vermeiden. Das Team mit der höchsten prozentualen Reduktion zum Vormonat gewinnt. Hier kann man natürlich nicht nur Müll als Größe nutzen. Ebenso könnte man den Stromverbrauch, eingesparte Tonnen CO2 oder durch faire Beschaffung geförderte Menschen als Wettbewerbsgröße ausgeben.
  • Eco-Mapping: Auf dem Grundriss der Abteilung, auf dem Werksgelände oder entlang der Produktionslinie, sollen die Mitarbeitenden bei einem Rundgang Schwachstellen und Potenziale für Nachhaltigkeit eintragen. Das kann bspw. auf Umweltthemen wie Strom, Papier, Materialverbräuche, Abwärme etc. abzielen. Solch ein Mapping kann auch entlang sozialer Aspekte erfolgen (Social-Mapping). Da zählen Fragen, wo bspw. Stressoren und Gesundheitsgefahren wie Lärm, Staub, gefährliche Situationen lauern oder wo soziale Interaktionen ermöglicht oder gehemmt werden. Mittels Mapping schärft sich das Bewusstsein, wo Nachhaltigkeitsthemen im Arbeitsumfeld präsent sind.

Ressourcen

  • Agendapunkt in Strategietreffen oder Teamsitzungen: Nachhaltigkeit ist regelmäßiges Thema und fester Besprechungspunkt in Terminen als Tagesordnungspunkt. Das zeigt Mitarbeiter*innen und Führungskräften, dass Nachhaltigkeit wichtig ist und fördert die Begeisterung dafür. Gibt es Möglichkeit und Zeit darüber zu reden, öffnet sich der Raum, um Hindernisse oder Chancen für Nachhaltigkeit regelmäßig anzusprechen und auf Entscheidungsebene zu lösen. Dadurch kann über ethischen Fragen zu anstehenden Strategieentscheidungen, über aktuelle Probleme bei Energiesparprojekten oder geplanten Aktivitäten für die soziale Verantwortung im Betrieb regelmäßig konstruktiv und strukturiert beraten werden.
  • Nachhaltigkeitsevents: Nachhaltige Aktionstage mit Impulsen und Workshop-Elementen schaffen einen Zeitraum, um sich gezielt und außerhalb des Arbeitsalltags mit konkreten Fragestellungen zu beschäftigen. Beispiele sind hier Fachtage mit Schulungs- und Praxisteil. Auch eine Workation oder ein Wochenende, beispielsweise im Rahmen eines Global Goals Jams, sind möglich. Hier arbeiten die Teilnehmenden kreativ an formulierten Herausforderungen des Unternehmens.
  • Innovations-Budget: Mittels kleiner (!) Projektskizze bewirbt man sich auf ein gestelltes Nachhaltigkeitsbudget, um kleine Veränderungen im direkten Umfeld umzusetzen. Hierfür ist beispielsweise das Eco- bzw. Social-Mapping ein guter Ideenpool. Somit fördert man niederschwellig Pilotlösungen, die bei erfolgreicher Umsetzung auf das ganze Unternehmen oder andere Standorte übertragbar sind.

Wissen

  • Grünes Brett: An der Infotafel für Mitarbeitende (Schwarzes Brett) werden regelmäßig Infos rund um Nachhaltigkeit im Unternehmen bekannt gemacht.
  • Interne Expert*innen: Wird einmal der Prozess der Nachhaltigkeit angestoßen, dann entwickeln sich mit der Zeit wahre Nachhaltigkeits-Expert*innen in jedem Unternehmen. Jene können eingeladen werden, deren Wissen zu teilen und in internen Schulungen andere Kolleg*innen anzuleiten. Alternativ berichten diese in einem Videobeitrag über nachhaltige Lösungen aus deren Fachbereich.
  • Wissenshappen: Firmen-App oder eigene Social Media-Kanäle nutzen, um dort Diskussionen, Umfragen oder häppchenweise Infos rund um Nachhaltigkeit zu streuen. Diese Mini-Learnings können zudem interaktiv sein, wie mit dem Ausrechnen des eigenen CO2-Fußabdrucks. Ebenso ist ein Einstreuen von nachhaltigen Wissenshappen im internen Newsletter eine Option.
  • Wissenshappen – jetzt wortwörtlich: Zur gemeinsamen Mittagspause oder zur Kaffeepause im Kreise der Kolleg*innen bereitet jeweils eine Person eine Info oder eine Erkenntnis rund um Nachhaltigkeit vor. So macht man Nachhaltigkeit zum Pausengespräch.

Austausch und Fragemöglichkeiten

  • Nachhaltigkeits-Channels: Im firmen-eigenen Kommunikationstool einen Kanal eröffnen oder im Social Media eine Gruppe eröffnen, wo man Fragen und Anregungen rund um Nachhaltigkeit im Betrieb posten kann. Entweder das Schwarmwissen liefert Antworten oder es gibt eine verantwortliche Person, bspw. CSR- oder Nachhaltigkeitsbeauftrage*r, welche Antworten recherchiert.
  • Stammtisch Nachhaltigkeit: In lockerer Runde mit einem Feierabendgetränk, kommen die Verantwortlichen für Nachhaltigkeit zusammen. Hier können sie eigene Fragen, innovative Ansätze oder Erfolgsstorys mitbringen. Oftmals sind die Teilnehmenden in ähnlicher Situation und können sich daher kollegial beraten und gegenseitig motivieren. Der Austausch gibt neue Impulse für die Umsetzung von Nachhaltigkeit und hilft, Rückschläge und Widerstände zu meistern. Es gibt keine feste Agenda, aber eine regelmäßige Einladung an die Teilnehmenden. Durch das Wiedersehen bekannter Gesichter, welche gleichwohl Verbündete für die nachhaltige Sache sind, wächst Vertrauen und Lust am Austausch.
    Bei größeren Betrieben oder Konzernen können das die Nachhaltigkeits-Verantwortlichen aus verschiedenen Abteilungen oder Standorten sein. Bei kleinen Unternehmen oder beim Mittelstand kann die Stammtischgruppe über Kammern (IHK, HWK etc.) oder einen Branchenverband organisiert sein. Der Stammtisch kann selbstverständlich auch virtuell stattfinden.

Arbeitsumfeld und Unternehmenskultur

  • Green Nudging: Mit einer verhaltens-analytischen Sicht lässt sich beobachten, wo nicht-nachhaltiges Verhalten gefördert und wo nachhaltiges Handeln behindert werden. Zur Verhaltensänderung kann dann der „Green Nudging„-Ansatz zur Anwendung kommen. Green Nudging heißt, dass man das Umfeld bzw. den Arbeitsplatz der Menschen anpasst, sodass man automatisch nachhaltiger agiert. Einfache Beispiele fürs Nudging (deutsch: „Anstoßen“) zur Nachhaltigkeit sind: Als Standard doppelseitigen Druck einstellen; überdachte Fahrradstellplätze direkt vorm Eingang anbieten oder in der Betriebskantine Bio-Obst und fairtrade-Produkte immer auf Griffhöhe platzieren.
    Das Vorgehen als interaktive Maßnahme ist folgendermaßen: Die Teilnehmenden werden mit einer Mini-Schulungs fürs Nudging sensibilisiert. In der Folge wird zwei Wochen lang in jeder Abteilung oder entlang von Produktionsprozessen nach nachhaltigen sowie nicht-nachhaltigen Nudges gesucht. Anschließend tragen die Teilnehmenden alles zusammen, tauschen sich aus und implementieren gefundene Nachhaltigkeits-Nudges im Arbeitsumfeld.
  • Starke Vorbilder: Geht die Führung, also die Teamleitung, das Management oder die Geschäftsführung, ambitioniert voran, motiviert das Mitarbeitende enorm, selbst nachhaltiges Verhalten an den Tag zu legen. Kündigt der Vorstand bspw. an, ab jetzt auf Inlandsflüge zu verzichten für eine umweltschonende Geschäftsmobilität, hat das eine starke Signalwirkung auf alle Unternehmensangehörige.
  • Nachhaltigkeitsvorsätze: Man kann natürlich durchgreifende Vorgaben setzen, die auf soziale oder umweltorientierte Zielsetzungen des Unternehmens einzahlen. Partizipativer ist das Vorgehen, Mitarbeiter*innen zu eigenen Vorsätzen anzuregen. Das passiert bspw. im Jahrespersonalgespräch mit der offenen Frage, welchen Vorsatz die Person als Beitrag zu einem der relevanten Nachhaltigkeitsthemen verfolgen möchte. Somit beschäftigen sich Mitarbeiter*innen selbst mit ihrem Wirken für Nachhaltigkeit. Im Anschluss verfolgen sie ein selbst bestimmtes und eigens gesetztes Vorhaben.

Beim Lesen haben Sie sicherlich bemerkt, dass wir zur besseren Übersicht die 15 Beispiele den anfangs genannten Motivationsgrundlagen zugeordnet haben. Die gezeigten Beispiele sind jedoch selten trennscharf und wirken oftmals auf mehrere Punkte gleichzeitig. Eine Maßnahme kann sowohl für das Verständnis beitragen, gleichzeitig Wissen vermitteln, einen Austausch ermöglichen oder ein förderliches Element für eine nachhaltige Unternehmenskultur darstellen.

Zeit nehmen, Zeit geben, Zeit einräumen

Besonderes Augenmerk muss auf den verfügbaren Ressourcen liegen. Vor allem die eingeräumte Zeit ist oftmals ein Knackpunkt. Einerseits ist herauszustellen, dass der Prozess hin zur Nachhaltigkeit nicht von heut auf morgen funktioniert, sondern langen Atem braucht. Mit einer Aktionswoche oder zwei Workshops ist es nicht getan. Es braucht eine Verstetigung. Auch der Wandel hin zu nachhaltigeren Verhaltensweisen oder das Lernen neuer Handlungsmuster benötigt Zeit.
Außerdem muss Arbeitszeit dafür eingeräumt werden, da beispielsweise die Teilnahme am Stammtisch Nachhaltigkeit oder die Recherche eines Wissenshappens, eben auch Aufwand ist. Wird es als Extra- Aufgabe zusätzlich zum oftmals bereits voll verplanten Arbeitspensum wahrgenommen, wird die Motivation leiden – egal wie innovativ und methodisch gut die Maßnahme ist.

Mit dem richtigen Themenfokus die Motivation für Nachhaltigkeit im Unternehmen steigern

Bevor interaktive Formate starten, um Mitarbeiter*innen für Nachhaltigkeit zu begeistern, ist unbedingt zu klären: Wo spielt Nachhaltigkeit eine Rolle im Betriebsalltag? Was sind die relevanten Verantwortungs-, Sozial- und Umweltthemen im Unternehmen? Geht es um die Verbräuche im Büro, in der Forschungsabteilung oder in der Werkstatt? Liegt eine positive, gesellschaftliche Wirkung in der Dienstleistung des Unternehmens? Oder ist ein großer Hebel zunächst, die negativen Auswirkungen für die Umwelt durch Produkte und Prozesse zu reduzieren?

Zwei Beispiele: Bei einem Dienstleistungsunternehmen werden erfahrungsgemäß vor allem die Themen Bürobetrieb, Geschäftsmobilität und soziale Nachhaltigkeit gegenüber Mitarbeitenden im Fokus stehen. Hingegen bei einem produzierenden Unternehmen eher Lieferkette inkl. Umwelt- und Sozialaspekte, Logistik und Lagerung sowie die Produktionsprozesse.

Eine Eingrenzung hilft, die oben gezeigten Beispielmaßnahmen thematisch korrekt auszurichten, also für den Newsletter den passenden Impuls zu setzen oder für einen Social- bzw. Eco-Mapping Rundgang die richtigen Fragen an die Hand zu geben.

Wer hier genau vorgehen will, dem bietet sich das Instrument einer strategischen Wesentlichkeitsanalyse an. Dabei werden die relevanten Themen der Nachhaltigkeit für das Unternehmen identifiziert. Der Blick richtet sich dabei auch auf das Geschäftsmodell und die Kernprozesse des Unternehmens, denn echte Nachhaltigkeit muss perspektivisch immer auch auf diese Bereiche abzielen.

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Steve Grundig
Themenbereich Unternehmenskultur

0170-1922404 | s.grundig@plant-values.de

Fazit

Mit erfüllten Grundvoraussetzungen wecken und stärken sie die Motivation für Nachhaltigkeit im Unternehmen. Dazu zählen ein grundsätzliches Verständnis, wo die Unternehmensaktivitäten mit Nachhaltigkeit in Berührung kommen, ebenso auch Zeit und Ressourcen zur Umsetzung und ein entsprechendes Arbeitsumfeld, welches Engagement für Nachhaltigkeit fördert.
Auf diesen Grundlagen bauen zahlreiche Maßnahmen auf, wie man Mitarbeiter*innen für Nachhaltigkeit begeistert. Die Ansätze können mal analytisch sein wie das Eco-Mapping. Es geht auch locker-spaßig wie beim nachhaltigen Mittagessen oder dem Stammtisch für Nachhaltigkeit. Kreativer sind Maßnahmen wie die Einladung zum Nachhaltigkeitsevent mit Workshop-Charakter oder die Umgestaltung des Arbeitsplatzes nach Green Nudging-Konzept. Die vorgestellten Maßnahmen sind Anregungen und sollen inspirieren. Es gilt, passende Themen und Fragen zu entwickeln und an das eigene Unternehmen die Formate entsprechend anzupassen. Der Ausgestaltung sind dabei wenig Grenzen gesetzt. Wir von plant values wünschen ganz viel Spaß dabei und stehen bei Fragen unterstützend zur Seite!

Weiterführende Beiträge und Quellen:

Interne:

Externe:

Bildquellen:

  • pexels.com, Fotos von Cottonbro, A. Piacquadio sowie Shvets Production

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Nachhaltigkeits-Wissen und -Methoden

Ökologische Nachhaltigkeit in Kultureinrichtungen: Handlungstipps für Theater, Opern und Ausstellungsräume

Nicht nur aufgrund der Corona-Krise, sondern auch aus innerer Überzeugung hat sich der Wunsch nach mehr Klima-Bewusstsein und ökologischer Nachhaltigkeit in Kultureinrichtungen verstärkt.

Neue Initiativen für die Branche wie das Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit für Kultur und Medien und Pilotprojekte mit verschiedenen Institutionen helfen, um erste Messungen des ökologischen Impacts zu erhalten. Auch wenn die Notwendigkeit zum klimabewussten Arbeiten im Kreis der Kulturschaffenden schon lange bekannt ist, fehlt es doch für die ersten Schritte zur Umsetzung im eigenen Haus an konkretem Wissen (und oft auch der Zeit). 

Dieser Artikel gibt einen Überblick dazu, welche ökologisch relevante Felder in Kultureinrichtungen sind und konkrete Tipps, was verbessert werden kann.    

Inhalt:

Wieso beschäftigen sich Kultureinrichtungen mit Nachhaltigkeit?

Die stetig wachsende vom Menschen ausgehende Umwelteinwirkung und im Zuge dessen das Fortschreiten des Klimawandels sind das zentrale Problem dieses Jahrhunderts. Besonders die jüngere Generation fordert Politik und Wirtschaft derzeit deutlich dazu auf, den Wandel zum nachhaltigen Wirtschaften im Einklang mit der Natur zügig einzuleiten. Kultur kann als eine gesellschaftliche Instanz verstanden werden, die sich schon immer mit den drängenden Fragen der Zeit und den Werten künstlerisch befasst. Somit kann und muss sie sich damit auseinandersetzen, wie Menschen miteinander (über)leben. Kultur ist außerhalb des Elfenbein-Turms spannend, wenn sie zu den Fragen der Gegenwart sinnliche und kreative Überlegungen anstellt und vielleicht sogar Antworten findet.

Kulturorte sind in dieser Funktion auch Multiplikator, denn sie versammeln interessierte Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, die Anregung suchen. Neben der inhaltlichen Ebene, die Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit kreativ verarbeitet, spielt noch die sogenannte betriebsökologische Ebene eine Rolle. Kulturstätten sind mit ihren Gebäuden als öffentliche Besuchsorte, die zumeist durch Fördergeld unterhalten werden, quasi Umsetzungsobjekte, an denen für die Beschäftigen und Besucher*innen klimafreundliche Umstrukturierung erfahrbar wird. Und der Druck wird dahingehend zunehmen, dass Gesetze öffentliche Träger auf kommunaler und Landesebene stärker verpflichtet, Nachhaltigkeitsstrategien in ihren Einflußbereichen umzusetzen.

Ausstellungen haben ökologische Bedeutung in mehrfacher Hinsicht

Wo spielt ökologische Nachhaltigkeit eine Rolle in Kultureinrichtungen wie Theater, Oper oder Museum?

a) Die Kultureinrichtung selbst

In ökologische Nachhaltigkeit spielen eine Reihe von Dimensionen hinein, u.a. Wassernutzung und -verschmutzung, Biodiversität, Landveränderung, Stickstoff- und Phosphoreintrag in die Biosphäre und weitere. Kulturbetriebe haben durch ihr Betätigungsfeld im nicht-produzierenden Sektor meist größeren Einfluss durch den Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre. Diese entstehen vor allem über den Gebäudebetrieb und die Veranstaltungen. Treibhausgas-Ausstoß ist ein Gradmesser für Klimaeinwirkung, der sich auf einzelne Institutionen herunterbrechen und inzwischen gut bemessen lässt. Der internationale Standard des Greenhouse Gas Protocols hilft in Form von CO2-Emissionen zu quantifizieren, wie und in welcher Höhe emittierte Treibhausgase auf die Umwelt wirken.

Beispiel einer Klimabilanz: Ergebnis der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
Kunstgewerbemuseum im barocken Schloss, Quelle: Kulturstiftung des Bundes

Egal ob Theater, Museum oder Opernhaus – für eine Betrachtung lohnt es sich zunächst die Organisation inklusive der Gebäude (auch Lager) und der darin arbeitenden Menschen in den Blick zu nehmen. In diesem Abbildungsrahmen fallen dann als CO2-Quellen besonders ins Gewicht:

  • Energie zum Heizen und Kühlen, Stichwort Energieeffizienz
  • der hauseigene Fuhrpark (PKWs, Transporter, LKWs) für Transporte
  • Strombedarf im gesamten Gebäude für Technik, Licht usw.
  • Mobilität der Mitarbeitenden, also Geschäftsreisen und Anreise zur Arbeit
  • Anreise der Besucher*innen

Um die Relevanz der jeweiligen Bereiche zu verstehen, empfiehlt sich die Berechnung einer CO2-Bilanz, die die Gesamt-Emissionen erfasst. In unserem Blogbeitrag „3 Schritte zu einer CO2-Bilanz in Unternehmen“ haben wir erklärt, wie man diese erstellt. Auf der Basis der empirischen Ergebnisse lassen sich dann strategische kurz-, mittel- und langfristige Reduktionsziele und -maßnahmen für die Zukunft entwickeln. Das öffentlich initiierte Pilotprojekt mit 19 deutschen Kultureinrichtungen hat dies im Kultursektor 2021 erstmals gemacht und die oben beschriebenen Segmente als wichtig erkannt. Die Ergebnisse variierten dabei stark zwischen den teilnehmenden Institutionen.

b) Die Produktionen der Kultureinrichtung

Im Kerngeschäft des Kulturbetriebs, also den aufgeführten Stücken, Ausstellungen, Installationen, Workshops, fallen ebenso Klimabezogene Gesichtspunkte ins Gewicht. Diese sind als „Kerngeschäft“ maßgeblich für Nachhaltigkeit in der Kultureinrichtung. Neben dem oben genannten Punkten Strom/Technik sind es hier die eingesetzten Materialien für z.B. Bühnenbild, Kostüme oder die Ausstellungsgestaltung. Die Analyse betrachtet die Baustoffe wie beispielsweise Holz, Metall, Glas und vieles mehr, aber auch Kleidung und Requisiten. Die Liste lässt sich je nach spezifischer Veranstaltung fortführen.

Auch hier lassen sich CO2-Emmissionen je nach Material-Art und Menge quantifizieren, wobei der Transport und die Entsorgung zur Aufrechnung hinzugezählt werden. So gehen Bühnenbilder, die zwar aus CO2-lastigen Elementen wie lackierten Schaumplatten bestehen, aber nach der Nutzung gelagert und wiederverwendet werden, weniger schwer in das CO2-Ergebnis ein, als wenn diese Materialien am Ende im Müll landen. Ähnliches gilt für Kostümbilder. Die werden am Theater oder der Oper oft noch inhouse geschneidert und sparen dabei den großen Komplex sozialer Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsproduktion zumindest teilweise aus. Der Faktor Stoff-Herstellung mit implizierten Umweltproblemen durch Anbau- und Färbeverfahren in den Produktionsländern betrifft aber auch diese Kulturhäuser.

c) Inhalte: Klima als Kontext oder Content

Ein dritter ökologischer Ansatzpunkt für Nachhaltigkeit in der Kultureinrichtung ist nicht messbar und eher ‚weich‘, von der Bedeutung her aber trotzdem wichtig. In der erwähnten Funktion von Kultur als ‚Verarbeiter‘ von gesellschaftlichen Themen, vielleicht sogar als Katalysator von Veränderung, kann eine Kulturinstitution über die inhaltliche Ebene auf ihr Publikum wirken und bei jedem Einzelnen Reflektion anregen. Ökologische Fragestellungen als Teil der kreativen Auseinandersetzung zu verstehen, ist dabei nicht neu – dies tut Kunst und Kultur schon seit langem.

Allein die Dringlichkeit ist in diesem Jahrzehnt nochmal weitaus größer, wenn Deutschland kompatibel mit dem 1,5 Grad-Ziel werden soll und bis 2030 65% der Treibhausgase reduzieren will (im Vergleich zu 1990). Wie vorder- oder hintergründig sie Klimafragen in Stücken und Ausstellungen behandeln, bleibt allein den Kreativen überlassen.

Den Spielraum dafür weitreichend zu nutzen, wäre ein gutes Ziel für Kultureinrichtungen, die sich ökologischer aufstellen wollen.  

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13 konkrete Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit in Kultureinrichtungen

Was sind auf diesen Überlegungen aufbauend ganz praktische Maßnahmen, die angegangen werden können?

1. Energieeffizienz der Gebäude erhöhen: Dämmung und Technik

Durch schlecht oder ungedämmte Dächer und Wände sowie alte Fenster geht viel Energie für Wärme und Kühlung nach außen verloren. Sanierungsmaßnahmen in diesem Rahmen sind oft aufwendig und kosten viel Geld, sind aber ein wichtiger Baustein für sparsame Energienutzung. Auch veraltete Scheinwerfer und andere Technik verbrauchen oft viel mehr als Geräte nach modernen Standards.

Grüne Energie aus Solaranlagen
2. Erneuerbare Energien zur Wärmegewinnung installieren: Solaranlagen und Wärmepumpe statt Heizöl und Gas

Die Wärmeerzeugung direkt in den Gebäuden – wenn keine Fernwärme bezogen wird – auf erneuerbare Energien umzustellen oder zu ergänzen, ist für die Klimawirkung ein großer Gewinn. Aber die kurzfristige Umsetzung ist für Kultureinrichtungen möglicherweise nicht einfach. Fehlende finanzielle Mittel und Denkmalschutz-Vorgaben können hierbei eine große Hürde sein.

3. Zertifizierten Ökostrom beziehen

Einen Strom-Tarif zu wählen, der nicht auf Kohle- oder Gasverbrennung beruht, sondern auf Wind, Sonne, Wasserkraft oder Biomasse, ist hingegen eine schnell umgesetzte Maßnahme mit großer Wirkung auf das CO2-Ergebnis.

4. ‚Smarte‘ Verbrauchssteuerung: automatisierte Aus- und Einschaltung von Strom und Heizung

Automatisch gesteuerter Energiezufluss z.B. mit Zeitschaltuhren oder programmierbaren Thermostaten für Heizkörper hilft den Gesamtverbrauch in Gebäuden zu minimieren. Ebenso wirkt die Sensibilisierung der Mitarbeitenden für die Stromnutzung und der Check in allen Gebäudebereichen auf das Reduktionsziel hin.   

5. Expertise suchen: Energieberater*innen helfen

Die Entscheidung zur Solar-Anlage bespricht man am besten im Vorfeld mit Expert*innen aus der Energieberatung. Diese können auch bei allen Fragen zur verbesserten Energieeffizienz und Reduktionspotentialen behilflich sein und sind z.B. über die Verbraucherzentralen ansprechbar.

6. Fuhrpark aktualisieren: emissionsarme Hybride oder E-Fahrzeuge, E-Bikes für kurze Strecken
E-Bikes sind umweltfreundlicher Auto-Ersatz

Mit elektrischen Fahrrädern legt man im städtischen Umfeld heute kurze Dienst-Strecken sehr viel umweltfreundlicher zurück als im Auto. Für die Gesundheit ist gleichzeitig etwas Gutes getan. Für längere Distanzen und Transporte sind E-Autos oder Hybride (gerade in außer-städtischen Gebieten) eine Option im Fuhrpark Treibhausgase einzusparen. Über öffentliche Förderprogramme lassen sich diese Anschaffungen auch bezuschussen.

7. Mitarbeitendenanreise umweltfreundlich ermöglichen: Anreize zur ÖPNV-Nutzung oder Fahrrad

Die Arbeitswege der Mitarbeitenden gelten in einer CO2-Bilanz auch als Emissionen des Arbeitgebers, daher lohnen sich auch hier Verbesserungen. Attraktive Anreize bespricht man idealerweise mit dem Team und sammelt dort gemeinschaftlich Ideen. Möglichkeiten wären kostenlose jährliche Fahrrad-Inspektionen oder die Bezuschussung von ÖPNV-Tickets. Auch flexibel gestaltete Arbeitszeiten können Mitarbeitende dazu bewegen, öfter auf das Auto zu verzichten.

8. Besucher*innenanreise steuern: Parkplätze reduzieren, dafür ÖPNV-Kooperation schließen

Für die ökologische Nachhaltigkeit der Kultureinrichtung spielt auch das Verhalten der Besucher*innen eine wichtige Rolle. In der Stadt kann bei guter Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel weniger Parkplatzfläche ein Weg sein, positiv auf die klimafreundliche Anreise der Besucher*innen einzuwirken. Dabei sollte dieser Schritt gut argumentiert und nach außen kommuniziert werden, um Verständnis zu wecken. Kombinierte Veranstaltungstickets mit kostenloser ÖPNV-Nutzung haben sich gerade in den Städten schon bewährt. Auch in den ländlicheren Gegenden kann eine kluge ÖPNV-Kooperation neben der ökologischen Dimension noch wirtschaftlich sinnvoll sein. Durch z.B. engere Bus-Taktung zum Veranstaltungsort und entsprechende Werbung wird der Besuch attraktiver.

9. Künstlerische Produktion prüfen: Reduktion von Ressourceneinsatz und Abfall

Bauten für künstlerische Veranstaltungen jeder Art in der Planungsphase so effizient wie möglich zu kalkulieren, spart Geld und vermeidet unnötige Abfälle. Ökologisch problematische Materialien wie beispielweise Lacke, die giftig ausdünsten, ersetzt man am besten komplett. Für den Umstieg auf umweltfreundliche Varianten aus nachwachsende Rohstoffen, wie Pappe für Requisiten, braucht es Innovationsfreude, Motivation und Gebrauchs-Tests. Gleichzeitig lässt sich aber kreatives Potential neu ausschöpfen.

10. Wiederverwendungs-Rate erhöhen: durch Lagerung und Leihe weniger Neuanschaffung

Nicht alles muss für jede Theater-Produktion neu gebaut werden. Größere Bauteilen zu lagern, um sie bei der nächsten Produktion wiederzuverwenden, ist zuletzt etwas aus der Mode gekommen. Der Bundesverband für Kostüm- und Szenenbild aber unterstützt den neuen ökologischen Fokus seiner Branche und stellt hilfreiche Übersichten für Materialien und und Kostüme zusammen, die im Kulturbereich anwendbar sind.  

Gerade im Kostümbereich gilt das lang bewährte Prinzip der Fundus-Leihe weiterhin. Auch das wachsende Angebot an Second Hand-Läden kann Neuanschaffungen minimieren.

11. Eigenes Wissen erwerben: Weiterbildungskurse wie Transformationsmanager*in Nachhaltige Kultur

Expertise zu Ökologie und Nachhaltigkeit gibt es in den Kultureinrichtungen oft noch selten, auch wenn die Motivation häufig hoch ist. Trainings zum Transformationsmanager*in Nachhaltige Kultur können Wissen in den gesamten Sektor tragen. So lassen sich ganzheitliche Veränderungsprozesse anstoßen, die sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Institution orientieren.

12. Netzwerke formen: mit anderen Institutionen Erfahrungen und Wissen teilen

Ob die ersten Schritte zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit in der eigenen Kultureinrichtung bereits gegangen wurden oder noch bevorstehen – der Austausch mit Branchenkollegen ist ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel. Neue Anregungen, Best Practices, auch erlebte Fehler helfen allen in einem Netzwerk besser zu werden und motivieren dazu weiterzumachen. Einen bundesweiten Zusammenschluss für die Branche gibt es im Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit für Kultur und Medien.

13. Politische Ebene auffordern: Förderprogramme für die ökologische Umstrukturierung aktiv einfordern

Aus einem Branchen-Netzwerk heraus lässt es sich auch leichter Forderungen nach mehr Unterstützung für ökologische Maßnahmen an die Kommunal- und Landespolitik stellen. Und es ist wichtig, an diese Behörden Ideen für optimale Unterstützung zu richten. Immerhin werden dort werden die finanziellen Förderprogramme aufgesetzt, die umweltfreundliche Anschaffungen im Kultursektor überhaupt erst möglich machen.

Netzwerke unter Gleichgesinnten erleichtern die Arbeit an vielen Stellen

Da die meisten Kulturhäuser öffentlich finanziert sind, gibt es wenig eigenen Entscheidungsspielraum und Finanzen für substanzielle energetische Verbesserungen der Gebäude. Eine Lösung könnte darin liegen, in der eigenen Region die Nachhaltigkeitsstrategie der Kommune oder des Landes zu recherchieren. Auf dieser Grundlage lässt sich dann mit den öffentlichen Trägern in Verhandlung gehen.

Förderprogramme und politische Unterstützung für die Branchen-Bemühungen gibt es bereits für Museen und auch die Kulturstiftung des Bundes baut ihre Workshop-Angebote für mehr Nachhaltigkeit aus.

Die Kulturbehörden initiieren durchaus auch selbst Projekte, die Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein in der Kultur langfristig entwickeln sollen. Zum Beispiel am Europäischen Zentrum Hellerau, wo plant values in diesem Jahr bei einem Projekt zur Bildung nachhaltiger Entwicklung in Kunst und Kultur durch Seminare und Workshops mitwirken konnten.

Fazit

Auch die Kulturbranche kann an der gesamtgesellschaftlichen Anstrengung zur Erreichung der Pariser Klimaziele mitwirken. Dabei sollten die Kulturveranstalter ihre Gebäude, die eigenen Produktionsprozesse und die Inhalte auf den ökologischen Impact hin abwägen und Möglichkeiten zur Minimierung ausloten. Wenn die anschließend entwickelten Optimierungsmaßnahmen transparent nach außen kommuniziert werden, kann die erwähnte Multiplikator-Rolle von Kultur für das Themenfeld Ökologie und Klimaschutz im besten Sinne ausgefüllt werden.

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit. 
Strategie, Controlling und Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit. 

Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern: 

info@plant-values.de

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Anleitung für eine klimafreundliche Filmproduktion

Filme nehmen ihr Publikum mit in eine andere Welt, sie unterhalten, schockieren und bilden sogar manchmal. Deswegen waren sie in den schwierigen Zeiten des Lockdowns ein willkommener virtueller Weg raus aus dem eigenen Wohnzimmer. Da auch global gesehen Menschen immer mehr Filme und Serien konsumieren, ist die Herstellung von Medieninhalten zu einer signifikanten Größe des menschengemachten CO2-Ausstoßes angewachsen. In diesem Blogartikel geht es darum zu zeigen, wo CO2 entsteht und wie es sich in einer klimafreundlichen Filmproduktion verringern lässt.

Wieviel CO2 steckt im Film?

Ein 90-minütiger „Tatort“ kann bei der Produktion bis zu 100t CO2 (zum Vergleich: die deutsche Lebensweise verursacht pro Person durchschnittlich ca. 11,6t CO2 pro Jahr, Quelle: UBA) und mehr frei setzen. Anhand von umweltbewussten Handlungsgrundsätzen kann dieser Ausstoß aber enorm sinken. Der SWR produzierte als einer der ersten öffentlich-rechtlichen Sender einen ‚grünen‘ „Tatort“ mit nur 40t CO2 im Bilanz-Ergebnis. Wie klimafreundliche Filmproduktion gelingt und wo die großen Handlungsfelder liegen, wollen wir hier umreißen.

Die Handlungsfelder einer klimafreundlichen Filmproduktion 

Inhalt:

Ein gutes Drehbuch beginnt mit einer guten Story

1.  Im Drehbuch vorausdenken

Das Schreiben des Drehbuchs legt den Grundstein für klimafreundliche Filmproduktion. Darauf setzen wichtige Entscheidungen für die Filmproduktion und den Dreh auf. Wo spielt die Handlung? Wie oft wechselt der Drehort? Fliegen die Charaktere durch die Welt? Welche Art von Geschichte und Weltsicht vermittelt der Filmstoff?

Die Hauptrollen tragen Identifikationspotential für das Publikum. Daher ist nicht zu unterschätzen, wie sich Nachhaltigkeit als Ganzes im Film unterbewusst übermittelt, indem Rollen divers gezeichnet sind und die Charaktere Umweltbewusstsein als das ‚Normal‘ leben. Sie würden dann z.B. klimafreundliche Verkehrsmittel nutzen oder Coffee-to-Go nicht aus dem Wegwerf-Becher trinken. Noch präsenter wird das Thema, wenn Klimaschutz oder die Gegenwart des Klimawandels kreativ in den Vorder- oder Hintergrund einer Filmstory eingearbeitet ist.

2. Den Dreh umfassend durchplanen

Ist das Drehbuch fertig, beginnen die Planungen für die Umsetzung, also der Dreharbeiten.

Zu diesem Zeitpunkt wird im kreativen Prozess entschieden, wie aufwändig der Dreh ausfällt und somit (unbewusst) der Energieaufwand mit entsprechendem CO2-Ausstoß. Es gilt generell: so effizient wie möglich auf die tatsächliche Nutzung hin planen und mehr Zeit in die Team-Absprache investieren. Ansonsten passiert es, dass zum Drehtag ‚lieber zu viel als zu wenig‘ ans Set transportiert wird, weil die Vorabsprache fehlte.

Je nachdem, welche Option in den folgenden vier Produktionsbereichen genutzt wird, fällt der Energieverbrauch geringer aus als bei einer konventionellen Produktion. Weniger Energiebedarf bedeutet besser fürs Klima.

A) Reisen und Transport genau kalkulieren

Die Reisen und Unterbringung des gesamten Produktionsteams, der Schauspieler*innen und der kreativen Spitze sind eine der größten CO2-Quellen einer Filmproduktion. Dabei machen Flüge naturgemäß einen substantiellen Bestandteil aus und können stark auf eine klimafreundliche Produktion hin wirken, wenn sie auf das nötige Minimum beschränkt werden. Insbesondere Kurzstreckenflüge lassen sich durch Bahnfahrten im ICE ersetzen. Dazu braucht es allerdings auch die Bereitschaft des Teams. 

Für kurze Wege vom Hotel zum Set lassen sich Hybrid-PKWs oder Elektro-Autos mieten. Dadurch sinkt der Treibhausgasausstoß dieses Projektbereichs. Größere Fahrzeuge und LKWs zum Transport von Technik und Ausstattung sind derzeit noch kaum mit E-Antrieb in der Angebotspalette von Autovermietern erhältlich. Emissionsarme LKWs (CNG/LNG) sind im Hinblick auf ihren CO2-Ausstoß derzeit eine gute Alternative zum konventionellen Diesel.

Kein Film ohne Licht

B) Technik und Catering präzise abstimmen

Licht, Ton, Kamera und mehr

Auch eine klimafreundliche Filmproduktion ist in den meisten Fällen technikaufwendig, sowohl in der Schnittarbeit und Postproduktionsphase. Aber auch der Dreh benötigt neben Kameras und Tonaufnahmegeräten je nach Drehort (im Studio oder ‚on location‘) auch viel, viel künstliches Licht. Großformatige, lichtstarke Scheinwerfer, die einen Nachtdreh taghell ausleuchten können, benötigen dementsprechend viel Strom. Aber auch kleinere Lampen, platziert an unterschiedlichen Stellen des Sets zur kreativen Lichtgestaltung, ergeben in Gänze einen großen Stromhunger. Ein Dreh braucht selbstredend Kameras und Tontechnik, daneben auch Speichermedien und diverse weitere Technik. Dieser Energiebedarf wird am Set in der Regel mit wenig klimafreundlichen Diesel-Generatoren abgedeckt.

Problem: Generator

Diese sind nicht nur laut und erst ab einer bestimmten Auslastung wirklich effizient in der Energieumwandlung von Diesel zu Strom. Das größte Problem sind die Abgase – Stickoxide, Ruß und Kohlenstoffoxide, die zumeist ‚on location‘ stundenlang in die Umwelt gepustet werden. Leider oft unabhängig davon, ob der Generator gerade gebraucht wird oder nicht. Er läuft trotzdem. Wenn auch das Catering-Mobil für die Crew einen eigenen Generator braucht, verdoppelt sich die Belastung für Menschen am Set und die Umwelt 

Energiesparende Alternativen zum Generator

Im Markt für mobile Energiesysteme wachsen gerade Alternativen basierend auf (gekoppelten) Batteriesystemen heran, die im Idealfall Energie aus Öko-Strom vorhalten oder vor Ort durch Solar oder (Bio-)Gas neu geladen werden können. In Kombination mit energiesparender LED-Licht-Technik, einer guten Absprache und kreativem Neudenken gerade von Belichtung (z.B. Einsatz von Tageslicht) können in diesem Produktionsbereich eine Menge CO2 und andere schädliche Treibhausgase gespart werden. Dieses Umdenken weg von der Konvention braucht neben neuen Geräten aber zuerst eine motivierte Crew. Nur mit zusätzlichen Tests, dem entsprechenden Know-How und kreativer Zusammenarbeit aller fachlichen Expert*innen am Set wird eine neue Arbeitsweise auch gelingen.  

Klimafreundliches Film-Catering geht am besten ohne Fleisch

Catering mit umweltbewusster Verpflegung am Set

Gibt’s heute Schnitzel?

Im Catering kommt neben dem Generator selbstredend die Komponente Fleisch als CO2- intensives Lebensmittel hinzu. Die Reduktion von Fleischgerichten ist ein sensibles Thema, weil alle am Set davon betroffen sind und Verständnis nicht automatisch vorhanden ist. Dafür in einer klimafreundlichen Filmproduktion zu werben, lohnt sich unter dem Argument, dass vegetarisches Catering durch den geringeren Einsatz natürlicher Ressourcen und Flächen einen deutlich kleineren CO2-Fussabdruck hinterlässt.

Auch bei allen anderen Lebensmitteln sollte auf regionale, idealerweise auch bio-zertifizierte Produkte geachtet werden. Möglichst verpackungsfreie Nahrungsmittel, wiederverwendbares Geschirr sowie die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung sind weitere Grundüberlegungen für mehr Ökologie im Catering.

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C) Bei Set-Bau und Ausstattung den Abfall mitdenken

Das Reduzieren von Abfällen und Ressourceneinsatz durch innovative, umweltschonende Materialien sind auch Thema, wenn es um Bauten für klimafreundliche Filmsets geht.

Vor allem Wiederverwendung über Fundus für Kostüm, Requisiten und Set-Bauteile sparen im Vergleich zum Neukauf. Auch die Entsorgung fällt dann weg, wenn das geliehene Material wieder zurückgegeben werden kann. Die Weitervermittlung von neu gekauften, aber noch gebrauchsfähigen Materialien erschließen sich gerade einige junge Unternehmen als nachhaltigen Geschäftszweck. So z.B. Trash Galore, die große Platten, Holzlatten, Farbreste und ähnliches abholen und an kreative Projekte weiterreichen.

Was sind die Problemfelder im Material-Bereich?

Kleidung hat viele implizierte Risiken für Umwelt und Mensch durch:

  • giftige Färbeverfahren
  • Mißachtung von Menschenrechten in der Lieferkette, z.B. durch höchstprekäre soziale Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern
  • niedrige Recyclingfähigkeit der Stoffe

Kleidung, aber vor allem eingesetztes Material im Set-Bau sind durch toxische Lacke und Farben am Ende der Produktion nur noch als Sondermüll umweltgerecht zu entsorgen. Natürlich lässt sich nicht jedes Film-Set oder Kostümgarderobe aus Fundus-Fundstücken zusammenstellen. Hier lohnt sich die Suche nach klugen Innovationen bei den Baustoffen, die ökologisch und sozial verantwortungsvoll hergestellt werden und auf neuartigen Grundkomponenten wie Pilzen basieren. Siegel für sozial fair und umweltschonend produzierte Produkte gibt es in beiden Sparten. Dabei ist FSC-zertifiziertes Holz wohl am bekanntesten, wird aber nicht standardmäßig eingesetzt. Statt verklebtes Spannholz wie MDF zu verbauen, das sich schwierig entsorgen lässt, könnten Pappwaben- Platten eine mögliche Alternative sein. Wie bei der Technik ist auch hier das Prinzip des Know-Hows, der Motivation zum Testen und der Offenheit für kreative Experimente gefordert um das gemeinsame Ziel klimafreundlicher Film zu erreichen.

Klimafreundliche Filmproduktion inkludiert auch Postproduktion

D) Postproduktion energieeffizient leisten

Nach dem Dreh werden die digitalen Bilder geschnitten und durch visuelle Effekte ergänzt.

Dieser Schritt kann je nach Art des Films sehr zeit- und datenaufwändig sein. Gerade wenn viele Effekte im Bild einsetzt werden, steigen die Datenvolumina für Bearbeitung und Speicherung an. Wurde zusätzlich in hochauflösendem 4k, 6k oder 8k gedreht, braucht es für die weitere Gestaltung der Bilder immer leistungsstärkere Rechner und Server. Das wiederum bedeutet im Umkehrschluss mehr Energie und stets aktuelle Technik. 

Der umweltfreundliche Hebel liegt hier nun vor allem im Strombezug und der Energieeffizienz der Geräte. Bislang sind erst einige wenige Pioniere den Weg zur nachhaltigen Postproduktion aus persönlicher Überzeugung heraus gegangen. Damit zeigen sie, dass sich ökologischer Anspruch und professionelle Technikdienstleistung nicht gegenseitig ausschließen. Bewegte Bilder aus Tübingen haben beispielsweise konsequent ihre Kunden-Leistungen ökologisch ausgerichtet und arbeiten in einem klimafreundlichem Firmengebäude.

Es gibt genügend gute Gründe für klimafreundliche Filmproduktion

Es muss nicht teurer werden

Klimafreundlich zu arbeiten, lohnt sich in der Filmbranche nicht nur weil sich der ökologische Impact verringert. Neben weniger CO2, sinkendem Ressourceneinsatz und Abfallmengen, ist die finanzielle Ersparnis ein großes Plus. Wo weniger Material benötigt wird und durch frühe Planung und bessere Vor-Absprachen weniger ‚Sicherheits‘-Vorrat ans Set geschafft wird, sinken in der Regel auch die Gesamtkosten.    

Von klimafreundlich zu nachhaltig

Neben den ökologischen Aspekten ist die soziale Komponente des Filmdrehs heute immer wichtiger. Lange Arbeitstage, großer Druck, niedrige Bezahlung für Crew und Dienstleister sowie fehlende Familienvereinbarkeit machen das Berufsfeld zunehmend unattraktiv für Nachwuchskräfte. Deswegen sind positive Vorkehrungen zur Team-Zufriedenheit und guter Stimmung am Set ein weiterer Aspekt, der die Nachhaltigkeit des Produktionsprozesses um die soziale Ebene ergänzt. Motivierte Team-Mitglieder arbeiten nicht nur besser zusammen, sie sind auch für Folgeprojekte und damit langfristig zu begeistern

Die Nachfrage wächst

Netflix, Sky, die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender – sie spüren den steigenden Druck ihres Publikums zu mehr Klimabewusstsein und veröffentlichen inzwischen eigene Nachhaltigkeitsberichte oder schließen sich Brancheninitiativen wie dem Arbeitskreis „Green Shooting“ an. Dort wird seit einigen Jahren von Produktionsfirmen, Förderern, Sendern und Verbänden gemeinsam an ökologischen Prinzipien für die Branche gearbeitet. Somit werden also die Auftrag gebenden Sender und Plattformen ökologische Anforderungen an ihre Lieferanten, die Filmproduzent*innen, herantragen.

Die Filmförderung zieht nach

Und auch die staatlichen Fördermittel für Filmproduktionen werden absehbar an Umwelt-Kriterien gekoppelt. Dafür werden derzeit in Zusammenarbeit mit Experten ökologisch orientierte Standards entwickelt und in der Praxis getestet. Wer in Zukunft Filmförderung in Anspruch nehmen möchte, würde dann eine klimabewusste Arbeitsweise nachweisen müssen. In den nächsten Jahren wird somit in der deutschen Filmbranche der Weg zu klimafreundlichen Filmen und Serien Schritt für Schritt geebnet.

Wie beginne ich damit, meine nächste Filmproduktion klimafreundlich aufzusetzen?

Infos und Leitfäden online

Die beschriebenen Maßnahmen helfen dabei, die Herstellung einer Serie oder eines Films klimafreundlicher aufzusetzen. Das erfordert frühzeitige Planung, idealerweise ab dem Zeitpunkt des Schreibens. Weiteres Informationsmaterial und Leitfäden wurden im Arbeitskreis „Green Shooting“ und bei den regionalen Film Commissions zusammengetragen. Sie geben eine Handreichung für die Praxis und liefern außerdem wertvolle Dienstleisterlisten für die verschiedenen Drehregionen.

Green Consultants begleiten beratend

Sogenannte Green Consultants sind Experten auf dem Gebiet umweltschonender Herstellungsmethoden und begleiten Produktionsfirmen während der Projektlaufzeit. Seit kurzem gibt es in Deutschland Zertifizierungskurse für Green Consultants, da dieses Spezialwissen auch durch höhere Anforderungen in der öffentlichen Filmförderung jetzt stärker nachgefragt wird.

Langfristig nachhaltig arbeiten

Besser noch als der projektbezogene umweltbewusste Dreh ist die Erweiterung auf das gesamte Geschäftsmodell des produzierenden Unternehmens. Mit einem umfassend aufgesetzten Nachhaltigkeitskonzept lässt sich die Arbeitsweise einer Filmproduktionsfirma grundsätzlich strategisch auf Nachhaltigkeit in der ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimension ausgerichtet.  

Dadurch erhöhen sich Arbeitergeber-Attraktivität, Gesundheit und Motivation der Mitarbeitenden und letztlich auch die Produktivität. Einen Überblick geben wir in unserem Blogbeitrag „Der umfassende Leitfaden zum Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie“.

5. Fazit

Es gibt viele Ansatzpunkte bei einer Filmproduktion, klimafreundlich zu arbeiten und damit CO2 zu sparen. Diese reichen vom Drehbuch bis zur Postproduktion und bieten in den einzelnen Abteilungen durch gute Planung und alternative Materialien und Techniken großes Potential zur Reduktion negativer Umwelteinwirkung.

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit. 
Strategie, Controlling und Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit. 

Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern: 

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FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Social Business beantwortet

Social Business als Form des Wirtschaftens und Social Entrepreneurship als Haltung für Unternehmer*innen nehmen mehr und mehr Raum in der öffentlichen Diskussion als auch in der Gründungs-Szene ein.

Wir sind selbst in der Regionalgruppe Sachsen im Social Entrepreneurship tätig und haben bereits verschiedene Social Business in der Gründung und im Wachstum begleitet.

In diesem Beitrag wollen wir unser Wissen auf einen Blick zusammenbringen und die wichtigsten Fragen, Begriffe und Hintergründe rund um Social Entrepreneurship klären.

Inhalt des Beitrags
  • Begriffe rund um Social Entrepreneurship
  • Blick in die Praxis
  • Verbände und weitere Infos

Begriffe rund um Social Entrepreneurship

Was ist Social Business?

Social Business sind Unternehmen, die gesellschaftliche Probleme lösen. Orientierung dafür sind oftmals die 17 SDGs. Also Unternehmen, die sich für Meeres- oder Klimaschutz, für Bildung oder Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen einsetzen.

Darstellung der 17 SDG (c) https://www.un.org/sustainabledevelopment/ Hinweis: “The content of this publication has not been approved by the United Nations and does not reflect the views of the United Nations or its officials or Member States“

Im Unterschied zu klassischen Unternehmen steht dabei nicht der finanzielle Erfolg oder die Ausschüttung von Gewinnen an erster Stelle, sondern die Mittelverwendung für die positive Wirkung auf Mit- und Umwelt. Die Wirkungsorientierung ist Leitschnur des Handels und wird von Beginn an als Unternehmensziel festgeschrieben.

Was ist ein Social Startup?

Ein Social Startup ist ein Social Business im Aufbau. D.h. die Bezeichnung passt für die Phase vor, während und nach der Gründung.

Was ist ein Social Entrepreneur?

Ein „Social Entrepreneur“ ist entsprechend eine Person, welche im Sinne des Social Business Ansatzes unternehmerisch tätig wird.
„Social“ übersetzt heißt in diesem Zusammenhang sinngemäß „gemeinwohlorientiert“ oder für den gesellschaftlichen Mehrwert. Auch Green Startups können daher dazu zählen, da Umweltthemen auch die Gesellschaft betreffen.
Ein „Entrepreneur“ ist die unternehmerisch-tätige Person.

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Blick in die Praxis

Was sind Beispiele für Social Business?

Bekannte, teils deutschlandweit aktive Beispiele, sind:

HEYHO – Die soziale Müslirösterei: Menschen, die auf Grund derer Biografien sonst ohne echte Jobchance sind, können in der Bio-Müsli-Herstellung Arbeit und damit einen Weg zurück in die gesellschaftliche Teilhabe finden.

Ecosia: Die Web-Suchmaschine, die Bäume pflanzt und damit das Klima schützt.

Discovering hands: Menschen mit Sehbehinderung nutzen ihre Tastbegabung für die Früherkennung von Brustkrebs. Dadurch ergeben sich neue Jobmöglichkeiten und durch bessere Vorsorge sinkt das Gesundheitsrisiko.

Social Web macht Schule: Durch Präventionsarbeit wird ein sicherer und selbstverantwortlicher Umgang mit digitalen Medien, insbesondere sozialen Medien, eingeübt. Mittels Seminar- und Workshopangeboten werden Lehrpersonal und Schüler*innen zu Cybermobbing, Rechte am Bild, Gefahren durch Social Media usw. aufgeklärt.

SIRPLUS und Zur Tonne: Beide Initiativen haben der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Sirplus hat einen Onlineshop, wo genießbare, aber abgelaufene Lebensmittel gekauft werden können. Zur Tonne hingegen lädt zu Kochkursen, Workshops und Catering mit geretteten Lebensmittel ein, um dazu über das Problem zu informieren und Tricks zu zeigen, wie man gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen kann.

Quartiermeister Bier: Mit jedem Liter verkaufen Bier werden 10 cent an soziale, ökologische oder kulturelle Projekte in der Region gespendet. Die Projektregionen sind u.a. in bzw. um München, Berlin, Leipzig und Dresden.

Startnext: Mittels Crowdfunding bekommen Projekte und Startups mit gesellschaftlich positiver Wirkung Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.

Payactive: Ein Zahlungsdienstleister mit social payback. D.h. der erzielte Gewinn aus dem Angebot wird nicht ausgeschüttet, sondern fließt anschließend in soziale und ökologische Projekte.

Startnext, Payactive, Social Web macht Schule und Zur Tonne sind Beispiele für Social Business aus Sachsen. Bisheriger Hotspot für Social Entrepreneurship ist aber eindeutig Berlin. Darüber haben wir bereits im Februar 2020 geschrieben, als die Ergebnisse des Deutschen Social Entrepreneurship Monitor 2019 (DSEM19) veröffentlicht wurden.

Wer definiert, was ein Social Business ist?

In Deutschland gibt es im Vergleich zu anderen Ländern keine klare rechtliche Einteilung. In anderen Ländern wird mittels Rechtsform und klarer Definitionen dazu gesetzlich aufgezeigt, was zu gemeinwohlorientieren Wirtschaften zählt und wer sich Social Business nennen darf. 
Der deutsche Dachverband für Social Entrepreneurship (SEND e.V.) hat diese Lücke erkannt und eine eine Grundlage geschaffen. Sie haben folgende Definition erarbeitet:
„Das primäre Ziel von Social Entrepreneurship ist die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Dies wird durch kontinuierliche Nutzung unternehmerischer Mittel erreicht und resultiert in neuen und innovativen Lösungen. Durch steuernde und kontrollierende Mechanismen wird sichergestellt, dass die gesellschaftlichen Ziele intern und extern gelebt werden.“

Wo ist die Abgrenzung zur klassischen Wirtschaft und zu gemeinnützigen Organisationen?

Social Business werden zwischen klassischer Wirtschaft (gewinnorientierte Unternehmen oder Konzerne) und gemeinnützige Organisationen (NGO, gemeinnützigen Vereinen, Wohlfahrt) verortet.

Die Abgrenzung zum klassischen Wirtschaftsunternehmen ist, dass als primäres Ziel die Wirkung fürs Gemeinwohl (Social) steht. Die ist als Ziel des Unternehmens festgeschrieben.
Die Abgrenzung zur gemeinnützigen Organisation ist hingegen unschärfer. Hier ist die Kombination aus der Generierung eigener Einnahmen, durch Verkauf von Dienstleistungen und Produkten, und die Gewinnverwendung, zum Verfolgen des gemeinwohlorientierten Wirkens, entscheidend. Weiterhin sind Abgrenzugsmerkmale die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und der Antrieb durch eine gemeinwohlförderliche Mission.

Die Abgrenzung ist keinesfalls trennscharf. Der Übergang zur klassischen Wirtschaft und zu gemeinnützigen Organisationen ist oftmals flüssig. Schlussendlich gibt zahlreiche Ausprägung, was u.a. auf die fehlende Definition und Rechtsform zurückzuführen ist.

Welche Rechtsform gibt es für Social Entrepreneurship in Deutschland?

Viele und keine wirklich passende. In Deutschland gibt es derzeit keine Rechtsform speziell für Social Business. Social Business firmieren daher beispielsweise als gGmbH, UG, GbR oder in Kombination, beispielsweise als GmbH und Verein. Hier zeigt sich eine besondere Hürde in Deutschland, da diese rechtlichen Konstruktionen oftmals nicht ideal zum Social Business-Unternehmen passen und mit Mehraufwand in Verwaltung und Unternehmensführung verbunden sind.
Dennoch soll die fehlende Rechtsform nicht abhalten, ein Social Business aufzubauen. Viele Beispiele zeigen, dass auch mit gängigen Rechtsformen in Deutschland entsprechend gewirtschaftet werden kann.

Welche Rechtsformen gibt es international für Social Business?

Andere Länder sind schon weiter und haben für Social Entrepreneurs bereits eigene Rechtsformen geschaffen. Eine kleine Liste an Beispielen:
– USA: Low-profit Limited Liability Company (L3C) oder Benefit Corporation
– Großbritannien: Community Interest Company
– Frankreich: Société Coopérative d’intérêt Collectif (SCIC)
– Italien: Impresa Sociale

Wie wirken Social Businesses?

Ein Social Business kann in mehrere Richtungen wirken. Ein gesellschaftlicher Mehrwert kann folgendermaßen  geschaffen werden:
– Direkt einen Beitrag mit selbst erstellten Produkten oder Dienstleistungen schaffen
(Beispiele wären solidarische Öko-Landwirtschaften, nachhaltige Modeanbieter oder Anbieter von Bildungsleistungen oder medizinischen Dienstleistungen)

– Indirekt einen Beitrag leisten, indem Zulieferer gefördert werden
(Beispiel hier kann GEPA – The fair trade company sein. Sie treten als Importeur und Vermittler fair-erzeugter und -gehandelter Waren auf)

– Geld erwirtschaften, welches in Sozial- oder Umweltprojekte gespendet wird
(Beispiele wäre die ecosia Suchmaschine oder Quartiermeister-Bier, welche für Aufforstung bzw. Soziale Projekte Kapital generieren)

– Menschen Arbeit geben, welche benachteiligt sind auf dem regulären Arbeitsmarkt
(Beispiel wäre Heyho Müsli, welche gezielt Menschen einstellen, die es aufgrund ihrer Biografie schwer haben, einen Arbeitsplatz zu bekommen)

Damit einher geht oftmals die Senkung sozialer Kosten (Ausgaben der Sozialkasse z.B. für Arbeitslosengeld, Kosten für soziale Angebote, Entwicklungshilfe) bei gleichzeitiger Schaffung von wirtschaftlichen Erträgen (Erwirtschaften von Arbeitslohn, Gewinne für ökologische oder gesellschaftliche Aufgaben, Steuern für den Staat).

Verbände und weitere Infos

Gibt es einen gemeinsamen Verband oder eine Anlaufstelle für Social Business in Deutschland?

Ja! Der SEND e.V. ist das Social Entrepreneurshoip Netzwerk Deutschland. Um Social Entrepreneurs zu stärken, die Diskussion um Social Business-Ansätze und soziale Innovationen mit dem erforderlichen Nachdruck voranzutreiben, hat im Juni 2017 das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland als Dachverband gegründet. Inzwischen gibt es zahlreiche Regionalgruppen, u. a. in Sachsen. Link für Newsletter-Anmeldung

Wo finde ich mehr Beispiele, Infos und Berichte?

Einerseits natürlich auf der Seite des SEND e.V.. Hier wird u.a. regelmäßig eine Untersuchung der Szene unternommen und die Ergebnisse sind im Social Entrepreneurship Monitor veröffentlicht.
Aber auch andere berichten darüber. Hier haben wir zwei ausgewählte Beiträge, die das Thema näher bringen:
ZDF (28.06.2021): Social Business – schöne neue Wirtschaftswelt? TV-Beitrag über Beispiele und Funktionsweise
und DLF (13.11.2019): Soziale Startups: Wirtschaftlicher Gewinn ist nicht alles. Radio-Beitrag über Social Startups und Rechtsformen

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Steve Grundig
Themenbereich Unternehmenskultur

0170-1922404 | s.grundig@plant-values.de

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FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Klimabilanz in Unternehmen

Sie haben Fragen zur Berechnung Ihres CO2-Fußabdrucks? Wir haben die Antworten. Herzlich Willkommen zu unseren FAQs zur Klimabilanz in Unternehmen.

Was heißt klimaneutral?

Klimaneutral wird synonym verwendet für CO2-neutral und bedeutet, dass wir als Einzelpersonen, als Organisation oder Stadt oder Region unterm Strich keine CO2e-Emissionen verursachen. 
Klimaneutral zu sein heißt nicht zwangsläufig, dass keine Emissionen emittiert werden. Vielmehr geht es bei Klimaneutralität oder CO2-Neutralität darum, die Emission von Treibhausgasen zu vermeiden und zu reduzieren und restliche nicht vermeidbare zu kompensieren.

Wie wird mein Unternehmen klimaneutral?

Dies geschieht durch Suffizienz-, Effizienz- und Effektivitätsmaßnahmen.
Neben den vermeidbaren Emissionen entstehen meist auch Emissionen, die nicht vermeidbar sind. Diese können kompensiert werden. Hier ist die Wahl eines wirkungsvollen und nachvollziehbaren Kompensationspartners und -projekts entscheidend. (lesen Sie hier mehr zu Kompensation)
Nach der Vermeidung, Reduktion und Kompensation ist das Unternehmen in Summe klimaneutral. 

Was bedeutet CO2e?

CO2e-Emissionen umfassen dabei alle relevanten Treibhausgase, also neben dem am häufigsten vorkommenden Kohlenstoffdioxid – knapp 90 % der in Deutschland verursachten Treibhausgase entfallen auf CO2 – auch andere wie Methan und Lachgas, die u.a. in der Landwirtschaft entstehen.
CO2 wird Synonym bzw. als Kurzbezeichnung für CO2e verwendet. Gemeint sind häufig übergreifend alle Treibhausgase.

Welche Schritte sind nötig hin zu einer Klimabilanz in Unternehmen?

Wenn der CO2-Fußabdruck gemessen werden soll, müssen gewisse organisatorische und strukturelle Prozessschritte erfolgen. Hier lesen Sie unseren Blogartikel für eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung einer Klimabilanz in Unternehmen. Kurz und knapp zusammengefasst sind die Schritte:
1. Konsens der Geschäftsführung zum Vorhaben und Ressourcen zur Verfügung stellen 
2. Interne Kommunikation des Vorhabens mit Möglichkeiten für Rückfragen und aktiver Beteiligung am Projekt
3. Verantwortliche*n oder / und Projektteam bestimmen
4. Standard festlegen, an dem sich der Prozess orientiert, z.B. DIN EN ISO 14064-1 oder Greenhouse Gas Protocol
5. Systemgrenzen für die Klimabilanz im Unternehmen definieren zur Eingrenzung des Vorhabens und der Datenerhebung, das sind:
Organisatorische Systemgrenzen, das heißt welche Standorte, Tochterfirmen, etc. bezieht das Unternehmen in die CO2-Bilanzierung ein?
Zeitliche Systemgrenze, d.h. in welchem Jahr und Zeitraum erhebe ich die Daten? 
Operationelle Systemgrenzen, d.h. welche Emissionskategorien sind wesentlich und muss ich demnach erheben? 

Wie aufwendig ist die Erstellung einer Klimabilanz in Unternehmen?

Wie viele personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen nötig sind, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dazu zählen die Größe des Unternehmens, die Komplexität der Wertschöpfungskette, die Einbeziehung von Standorten und die Existenz von Daten. 
Je nachdem ergibt sich, welche und wie viele Bereiche sowie Tochterunternehmen erfasst werden müssen. 

Wo verursacht mein Unternehmen CO2-Emissionen?

Die Messung der unternehmerischen CO2-Fußabdrucks, auch CO2-Bilanz oder Klimabilanz in Unternehmen genannt, zeigt, in welchen Bereichen am meisten Emissionen emittiert werden. 
Entsteht der Großteil meiner Emissionen durch meinen Fuhrpark, Geschäftsreisen oder die Mobilität der Mitarbeitenden? Durch den Stromverbrauch, Heizung und Kühlung? Oder lassen sich meine Hauptemissionen auf Logistik oder den Gebrauch oder die Entsorgung meines Produkts zurückführen? 
Die CO2-Bilanz zeigt, in welchen Bereichen das Unternehmen CO2e-Emissionen verursacht.

Wie komme ich an die Daten für die Klimabilanz in Unternehmen?

In der Regel haben Unternehmen zahlreiche, vor allem unternehmensinterne Daten bereits vorliegen – insbesondere dann, wenn bereits Zertifizierungen vorliegen, wie die DIN ISO 14001, Umweltmanagementsysteme im Unternehmen eingeführt wurden oder im Rahmen gesetzlicher Vorschriften Daten erhoben werden. Aber selbst Unternehmen ohne diese Voraussetzungen haben gute Chancen.  Jedes Unternehmen kann zum Beispiel durch Rechnungen des Energielieferanten, Messungen der Zählerstände oder Tankbelege einfach gewisse Verbrauchsdaten prüfen und in CO2-Äquivalente umrechnen.

Bei welcher Art von Unternehmen ist die Klimabilanz wie komplex?

Die Klimabilanzierung für ein Fertigungsunternehmen ist tendenziell aufwendiger und komplexer als die für ein Dienstleistungsunternehmen.
Ein Richtwert: Ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen mit 500 Mitarbeitenden an 5 Standorten kann eine Klimabilanz mithilfe ¼ Stelle über eine Zeitdauer von 3 Monaten anfertigen. Wird entsprechende Software eingekauft, kann der zeitliche und personelle Aufwand sogar verringert werden. 
Produzierende Unternehmen haben nicht selten komplexe Lieferketten für Rohstoffe, Zwischenfabrikate und ausdifferenzierte Herstellungsverfahren. Diese Faktoren machen eine Klimabilanzierung hier aufwendiger und komplexer.

Welche Möglichkeiten der Messung des CO2-Fußabdrucks gibt es? 

Prinzipiell unterscheiden sich Klimabilanz für Unternehmen und Klimabilanz für Produkte oder Produktlinien. 
Die Klimabilanz für Unternehmen bezeichnet man auch als Corporate Carbon Footprint (CCF). Der CCF zeigt, welche Emissionen beim Unternehmen insgesamt und in welchen Bereichen anfallen. Der CCF eignet sich hervorragend zur Identifikation von CO2- Vermeidungs- und Reduktionspotenzialen mit dem Ziel der Klimaneutralität des gesamten Unternehmens.
Die Klimabilanz für Produkte nennt man auch Product Carbon Footprint. Sie eignet sich dafür, ein Produkt und dessen Lieferkette nach Emissionen zu durchleuchten, die Emissionen zu berechnen mit dem Ziel, einzelne Produkte klimaneutral zu stellen. 

Besteht die Möglichkeit einer Analyse der CO2-Emissionen in der gesamten Lieferkette? 

Die Klimabilanz kann auch unter Einbezug der gesamten Lieferkette durchgeführt werden. Dabei werden dem Unternehmen vorgelagerte sowie nachgelagerte Wertschöpfungsschritte betrachtet. Vorgelagert sind zum Beispiel der Einkauf von Produkten, Dienstleistungen, Anlagegütern sowie Logistik. Nachgelagert sind zum Beispiel die Weiterverarbeitung, der Gebrauch und die Entsorgung des hergestellten Produkts.
Die Emissionen der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette werden in verschiedenen Kategorien in Scope 3 GHG Protocol erhoben. Dafür sind die Daten von Lieferanten erforderlich. Hier sollte genügend Zeit für die Datenbeschaffung eingeplant werden. 
Sind die Daten nicht verfügbar, helfen Schätzungen und Annahmen, um die CO2e-Emissionen zu berechnen.

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Franziska Kramer
Themenbereiche: CO2-Bilanz, Nachhaltiger Tourismus

f.kramer@plant-values.de

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Klimaschutzprojekte – das Richtige richtig machen (Gastbeitrag von ClimatePartner)

Wenn Unternehmen für sich oder ihre Produkte Klimaneutralität erlangen wollen, müssen sie eine Reihe von inzwischen fest etablierten Schritten beachten: sie müssen ihre CO2-Emissionen berechnen, diese soweit wie möglich reduzieren und vermeiden und die noch unvermeidbaren Restemissionen über zertifizierte Klimaschutzprojekte ausgleichen. Dabei ist auch klar, dass Reduktion und Vermeidung stets die wichtigsten Etappen sind. Dennoch führt noch immer kein Weg daran vorbei, dass restliche Emissionen, die sich nicht weiter verringern lassen, ausgeglichen werden müssen. Doch was sollten Unternehmen hier beachten, wie lässt sich der Ausgleich von Emissionen wirkungsvoll und nachvollziehbar umsetzen?

Was bedeutet Klimaneutralität?

Damit Unternehmen und Produkte entsprechend der oben genannten Abfolge von Berechnung, Vermeidung und Ausgleich klimaneutral sind, müssen ihre unvermeidbaren CO2-Emissionen durch die Unterstützung international anerkannter Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. Dieser Prozess beruht auf dem Kyoto-Protokoll von 1997, hat auch unter dem Pariser Klimaschutzabkommen Bestand und ist bis heute im Wesentlichen unverändert. Er basiert auf der wissenschaftlichen Ableitung, dass Treibhausgase wie CO2 gleichmäßig in der Atmosphäre verteilt sind. Da unser Klima keine Grenzen kennt, ist es in der Tat egal, wo auf der Erde Treibhausgasemissionen erzeugt oder eingespart werden. Daher können Emissionen, die sich in einem Industrieland nicht vermeiden lassen, durch hauptsächlich in Entwicklungsländern angesiedelte Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden.

Zudem ist eine lokale anrechenbare Kompensation von Emissionen in Deutschland bis dato nicht möglich, da die Bundesregierung noch keinen Prozess zur Berücksichtigung von nationalen Emissionsminderungszertifikaten im deutschen Emissionsinventar definiert hat. 

Ein Zweck – unterschiedliche Technologien

Klimaschutzprojekte unterstützen Maßnahmen, mit denen der Ausstoß von Emissionen verringert wird und leisten einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der globalen Erwärmung. Dies kann durch Waldschutz, Aufforstung oder den Ausbau von erneuerbaren Energien erreicht werden. Darüber hinaus fördern Klimaschutzprojekte eine nachhaltige Entwicklung in den Regionen, in denen sie angesiedelt sind, zum Beispiel durch die Verbesserung der Versorgung mit sauberem Trinkwasser oder durch den Ausbau der lokalen Infrastruktur, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder den Erhalt der Artenvielfalt.

Unter den verschiedenen Maßnahmen zum Klimaschutz gewinnen solche, die sich auf den Schutz der Wälder konzentrieren, zunehmend an Bedeutung. Immer öfter wird dabei aber auch Kritik laut, wenn solche Projekte nicht sinnvoll aufgestellt oder glaubhaft überprüft sind, was schnell auch ihren grundsätzlichen Nutzen in Frage stellt. Daher ist es wichtig, dass solche Projekte strengen Prüfungen, regelmäßigen Auditierungen und qualitativen Zertifizierungen unterliegen.

Ein zentraler Mechanismus im Waldschutz ist REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation), der 2008 von den Vereinten Nationen initiiert wurde. REDD+ zielt darauf ab, CO2-Emissionen zu vermeiden, die mit der Abholzung von Wäldern verbunden sind. Statt aus dem Abholzen von Bäumen zu kommerziellen Zwecken Profit zu schlagen, wird der Waldschutz zu einem neuen Geschäftsmodell und verbessert zudem die Lebensbedingungen für die lokale Bevölkerung. Darüber hinaus trägt der Erhalt von Wäldern nicht nur zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei, sondern schützt auch Gewässer, stabilisiert Niederschlagssysteme und wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt und die lokalen Gemeinden aus.

Standards und Anforderungen

Eine der wichtigsten Anforderungen für Klimaschutzprojekte ist die der Zusätzlichkeit. Sie müssen daher auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein, um rentabel arbeiten oder würden überhaupt existieren zu können. Außerdem muss ihr Beitrag zur CO2-Reduktion in der Atmosphäre langfristig gewährleistet und klar messbar sein. Zudem dürfen die durch ein Projekt eingesparten CO2-Emissionen und generierten Zertifizierungen nur einmal zum Ausgleich anderer CO2-Emissionen verwendet werden. Die entsprechenden Zertifikate werden dann stillgelegt und können nicht erneut verkauft werden. Dies geschieht über die offiziellen Register der jeweiligen Standards.

Projekte müssen neben den oben genannten allgemeinen Anforderungen auch international anerkannte Standards erfüllen. Es gibt mehrere strenge Standards für die Zertifizierung und Verifizierung, z. B. den „Gold Standard“ oder den „Verified Carbon Standard“ (VCS). Die durch die Projekte erzielte Emissionsreduktion wird zudem von unabhängigen Dritten überwacht und jährlich rückwirkend verifiziert. Da es keinen Effizienzmaßstab für Klimaschutztechnologien gibt, ist es wichtig, transparent sichtbar zu machen, dass alle Klimaschutzprojekte, die die oben genannten Kriterien erfüllen, auf ihre eigene Art und Weise voll wirksam sind.

Will man also bei Projekten die unterschiedlichen Technologien in ihrer Wirksamkeit vergleichen und dabei das potenzielle Level der Emissionsminderung oder -reduzierung messen, sollten eher der Umfang eines Projekts als seine Technologie betrachtet werden. Zum Beispiel spart ein kleines Aufforstungs- oder Wiederaufforstungsprojekt weniger Emissionen pro Jahr ein, als ein großes Waldschutzprojekt vermeiden könnte. Dasselbe gilt für Projekte im Bereich erneuerbare Energien oder Energieeffizienz: Kleine Wasserkraftwerke können bis zu 10.000 tCO2e/Jahr einsparen, während große Wasserkraftwerke, Wind- oder Solarparks mehr als 200.000 tCO2e/Jahr einsparen können. Die Erfahrung zeigt, dass je größer ein Projekt ist, desto kosteneffizienter im Allgemeinen der Betrieb ist. Außerdem müssen wir neben den Auswirkungen der CO2-Einsparung oder -vermeidung auch die sozialen und ökologischen Auswirkungen eines Projekts betrachten. Je mehr Menschen erreicht werden können und je mehr Leben verbessert werden können, desto besser.

Diese Beispiele zeigen, dass die Bewertung und die Auswahl von Klimaschutzprojekten idealerweise aus mehreren Perspektiven erfolgen sollte. Was die offizielle Standardisierung und Zertifizierung betrifft, so gehört der Gold Standard zu den führenden Standards in Bezug auf die Qualität eines Klimaschutzprojekts. Er wurde unter Beteiligung des WWF und 40 weiterer NGOs entwickelt und stellt besonders strenge Anforderungen an die Zusätzlichkeit, die nachhaltige Entwicklung und die Einbindung der lokalen Bevölkerung. Allerdings sollte ein Projekt nicht allein nach seinem Standard bewertet werden. So müssen alle Projekte unter dem Verified Carbon Standard (VCS) die bereits oben genannten vier wesentlichen Kriterien für Klimaschutzprojekte erfüllen. Darüber hinaus leisten sie aber auch einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung für die lokale Bevölkerung und die Ökosysteme, insbesondere solche, die zusätzlich nach dem Climate, Community and Biodiversity Standard“ (CCBS) oder Social Carbon Standard zertifiziert sind.

Passend zu den Werten des Unternehmens

Es ist auch wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, welche Werte ein Unternehmen unterstreichen möchte, wenn es ein Klimaschutzprojekt unterstützt. Das kann eine Verbindung zwischen den Produkten eines Unternehmens (z.B. Bekleidung und Textilien), der Produktionsmethode (z.B. Landwirtschaft, Fischerei etc.) und den entsprechenden Gegenstücken auf der Projektseite sein. Je mehr ein Projekt an den Werten eines Unternehmens ausgerichtet ist, desto authentischer ist das Engagement und desto besser kann es nicht nur intern, sondern auch nach außen kommuniziert werden.

Das Gute zählen – die Wirkung messen

Um ein Projekt neu zu initiieren, müssen vor dem eigentlichen Projektstart viele administrative Aufgaben berücksichtigt werden. Dazu gehört die Erstellung eines so genannten Project Design Document (PDD), das die detaillierte Berechnung von Emissionsreduktionen und Nachhaltigkeitswirkungen beinhaltet. Außerdem müssen vor Ort Partnerorganisationen eingebunden werden, Kooperationsverträge ausgehandelt werden, der Standard zur Durchführung des Projekts definiert werden, und vieles mehr. Zwischen der ersten Projektidee und der ersten Ausgabe von Emissionsgutschriften ist daher ein Zeitraum von durchschnittlich fünf Jahren einzuplanen.

Ein weltweit anerkannter Maßstab, mit dem sich die Wirkung von Projekten messen lässt, sind die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs). Sie reichen von der Bekämpfung von Armut und Hunger über die Verbesserung von Bildung oder die Schaffung von Arbeitsplätzen bis hin zur Verbreitung von sauberer und bezahlbarer Energie.

Die in einem Projekt erzielten tatsächlichen Emissionsreduktionen müssen darüber hinaus ständig überwacht und regelmäßig von unabhängigen Dritten, wie TÜV, SGS etc. verifiziert werden. Erst nach dieser Verifizierung dürfen die Emissionsminderungszertifikate ausgestellt und auf dem Markt verkauft werden. Die Überwachungs- und Verifizierungsberichte werden auf den Websites der öffentlichen Register veröffentlicht. Inzwischen zertifizieren der Gold Standard oder Verra (für VCS-Projekte) auch die SDG-bezogenen Wirkungen, so dass z.B. auch Zertifikate für Gesundheitsgutschriften erworben werden können.

Fazit

Die Initiierung und die Durchführung von Klimaschutzprojekten, in denen eine sinnvolle Arbeit messbare Ergebnisse für den Klimaschutz und die Erreichung der SDGs erbringt, bedarf höchster Sorgfalt, viel Erfahrung und Wissen sowie gute Kontakte zwischen den Organisatoren hier und den Partnern vor Ort. Für Unternehmen, die den Weg der Klimaneutralität gehen wollen, ist daher die sorgfältige Wahl entsprechender Partner von besonderer Bedeutung.

Sie müssen darüber hinaus aber auch verstehen, dass die durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten erlangte Klimaneutralität lediglich ein Baustein sein kann hin zu umfassender Emissions-Reduktion und -Vermeidung. Immerhin: die hiermit begonnenen Schritte führen genau in diese Richtung.

Über ClimatePartner

ClimatePartner bietet Unternehmen Lösungen für Klimaschutz und ermöglicht so, dass Produkte und ganze Unternehmen klimaneutral werden. Das Team aus über 200 Mitarbeitenden weltweit hilft, CO2-Emissionen zu berechnen und zu reduzieren, Klimaschutzstrategien umzusetzen und CO2-Emissionen durch Klimaschutzprojekte auszugleichen.

Bildquelle Titelbild: climatepartner.com/1057

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3 Schritte zu einer CO2-Bilanz im Unternehmen

Viele Unternehmen fragen sich, wie sie ihre Klimawirkung messen und eine CO2-Bilanz erstellen können. Tatsächlich kann dies zu einer Herausforderung werden, sind Daten nicht erfasst und das Know-How nicht vorhanden. Überforderung und Komplexität von Aufgaben und Unternehmen verleiten schnell dazu, die erste Motivation versanden zu lassen.

Die gute Nachricht ist: In diesem Blogbeitrag zeigen wir eine Struktur, mit der es jedes Unternehmen schafft, eine CO2-Bilanz zu erstellen. Herzlich Willkommen zu unserer Schritt-bei-Schritt-Anleitung für den Fußabdruck eines Unternehmens.

Inhalt:

  1. Die CO2 -Bilanz im Unternehmen vorbereiten
  2. Systemgrenzen für die CO2-Bilanz im Unternehmen definieren
  3. Erhebung und Berechnung der Daten

1.  Die CO2-Bilanz im Unternehmen vorbereiten

Wie schafft man gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche CO2-Bilanzierung?

Nachhaltigkeit als Thema im Unternehmen starten

Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche CO2-Bilanz in Unternehmen ist, dass Klimaschutz oder gar Nachhaltigkeit bereits ein Thema sind. Dies setzt eine Kommunikation nach innen (und ggf. sogar nach außen) voraus. So kann Akzeptanz gegenüber diesbezüglichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten geschaffen werden. Zusätzlich entsteht das Bewusstsein zu nachhaltiger Entwicklung im Unternehmen. Im nächsten Schritt steht dann Motivation und Training auf der Tagesordnung: Jede Aktivität, jede Maßnahme, jedes Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn es Menschen gibt, die motiviert und fähig sind, diese umzusetzen. Wie man Mitarbeitende für Nachhaltigkeit sensibilisiert und befähigt, schreiben wir in einem neuen Blogartikel im Mai 2021.

Wettbewerber und Kundenanforderungen überprüfen

Spannend ist es darüber hinaus Wettbewerber auf deren Klimaaktivitäten zu untersuchen, um zu verstehen, wo sich das eigene Unternehmen im Vergleich zum Benchmark bezüglich Klimaschutz positioniert. Abhilfe schaffen kann eine einfache Ja-Nein-Beurteilung:

Checkliste:

  • Einzelmaßnahmen zu Klimaschutz
  • Klimastrategie oder
  • Klimabericht oder CO2-Bilanz

Darüber hinaus gilt es Kundenanforderungen zu überprüfen, zum Beispiel dahingehend, ob Kund*innen klimarelevante Daten nachfragen oder gar obligatorisch fordern.

Risikoanalyse als Entscheidungsgrundlage für die Messung des CO2-Fußabdrucks

Eine gute Vorarbeit vor Erstellung einer CO2-Bilanz in Unternehmen kann außerdem eine Risikoanalyse sein. Welche Klimarisiken und -potenziale bestehen für das Unternehmen und welche potenziellen können entstehen? Welche Folgen haben die Risiken für das Unternehmen? Ist mit einer lokalen oder globalen und mit einer kurz- oder langfristigen Wirkung zu rechnen? Die Risikoanalyse kann ohne großen Aufwand mithilfe von einfachen Matrizen durchgeführt werden. Sie kategorisieren die Risiken in zum Beispiel physische Risiken, wie die Bedrohung der globalen Lieferkette durch Extremwetterereignisse, oder regulatorische Risiken, wie die Verschärfung der EU-Emissionshandel-Regularien, nach Kriterien, wie Dauer der Wirkung, Lokalität der Wirkung, Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit des Risikos. Die Risikoanalyse kann also Transparenz schaffen über die Notwendigkeit, die Gründe und die Ziele für eine CO2-Bilanzierung. Darüber hinaus gibt sie erste Hinweise, in welchen Bereichen des Unternehmens ggf. besonders hohe Risiken oder Potenziale liegen, welche es in den Scopes zu berücksichtigen gilt.

Best Practice: Einfache Risikoanalyse-Matrize zur Vorbereitung einer erfolgreichen CO2-Bilanz im Unternehmen

Legitimation und Konsens der Geschäftsführung

Weitere wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Erstellung einer CO2-Bilanz in Unternehmen wie für jede andere Maßnahme auch ist die (ökonomische) Legitimation. Ohne das Go des Managements geraten noch so engagierte Bestrebungen ins Stocken. Der Aufwand muss einem Nutzen gegenüberstehen. Gerade bei kleineren Unternehmen ist eine CO2-Bilanzierung nur praktikabel, wenn diese mit vertretbarem Aufwand durchführbar ist. Daher ist es sinnvoll zu hinterfragen, wieso und inwieweit der Fußabdruck gemessen werden soll. Warum macht eine CO2-Bilanzierung Sinn und steht sie in einem angemessenen Aufwand-Nutzen-Verhältnis? Wenn die Ziele einer CO2-Bilanz im Unternehmen klar sind, wird der erhoffte Nutzen klar und kann gegen den Aufwand abgewogen werden.

Ziele der CO2-Bilanz im Unternehmen identifizieren

Die Ziele ergeben sich aus den Analysen von Wettbewerb, Kundenanforderungen und Risiken, denn die Analysen zeigen, wie wichtig oder gar obligatorisch eine CO2-Bilanz für das Unternehmen ist. Dient der Fußabdruck eher der internen Steuerung oder dem externen Wettbewerb? Ist die Berechnung intrinsisch oder extrinsisch motiviert? Verlangen Gesetzesgrundlagen oder Kund*innen eine CO2-Bilanz, ist schnell klar, dass diese obligatorisch und aus extrinsischen Gründen durchzuführen ist . Intrinsische Ziele können sein, die eigenen Emissionen zu analysieren und zu reduzieren und zur Erreichung der globalen Klimaziele 2030 beizutragen.

Prozessstandard für eine CO2-Bilanz im Unternehmen festlegen

Hat das Unternehmen die Entscheidung zur Erstellung einer CO2-Bilanz getroffen, ist zu überlegen, ob bzw. welcher offizielle Standard zur Berechnung des Fußabdrucks angewendet werden soll. Für nicht berichtspflichtige Unternehmen ist dies nicht obligatorisch und die Berechnung kann ohne einen Standard erfolgen. Es hat jedoch Vorteile, wie die Glaubwürdigkeit und Transparenz für Kunden, Investoren und andere Stakeholder, aber auch die Kompatibilität und Vergleichbarkeit mit dem Benchmark. Daher ist selbst bei kleinen, nicht berichtspflichtigen Unternehmen die Anwendung eines offiziellen Standards zu empfehlen.  International anerkannt ist beispielsweise das Greenhouse Gas Protocol. Auch die DIN EN ISO 14064 ist ein anerkannter Standard zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks. Nach dieser können Unternehmen ihre Berechnung durchführen und durch den TÜV prüfen und zertifizieren lassen.

Vorhaben kommunizieren

Wir empfehlen, das Vorhaben eine CO2-Bilanz im Unternehmen zu erstellen intern zu kommunizieren. Dies bedarf keinem großen Prozess. Es reicht z.B. ein kurzer Zeit-Slot in einem Company-Meeting oder die Kommunikation mittels Mail oder Newsletter. Die Vorteile sind offensichtlich: Die Mitarbeitenden fühlen sich eingebunden und haben die Möglichkeit zu kritischen Rückfragen. Die erhöht die Akzeptanz und Motivation der Unterstützung im CO2-Bilanzierungs-Prozess. Das ist insbesondere bei der Datensammlung und -erhebung von Vorteil, in welche häufig mehrere Mitarbeitende involviert sind.

Je nach Umfang kann das Unternehmen das Vorhaben (später) auch extern kommunizieren, z.B. mittels Erklärung für den Klimaschutz oder Verankerung im Leitbild des Unternehmens.

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2.  Systemgrenzen für die CO2-Bilanz im Unternehmen definieren

Welche sind die Systemgrenzen, innerhalb derer das Unternehmen die Emissionen messen sollte?

Systemgrenzen verstehen 

Doch was heißt es nun, Emissionen zu erheben? Welche Bereiche im Unternehmen sollen in der CO2-Bilanz betrachtet werden, zu welchem Zeitpunkt und bis zu welchem Grad sollen welche Emissionen einbezogen werden? Wo liegen also die Grenzen, die sogenannten Systemgrenzen? Mit Systemgrenze ist gemeint, welche Bereiche des Unternehmens und der Wertschöpfungskette in die Bilanzierung einbezogen werden sollen und welche nicht. So kann z.B. festgelegt werden, dass nur eine von drei Rohstofflieferketten einbezogen wird, weil dort wahrscheinlich die meisten Emissionen entstehen.

Es ist unabdingbar Systemgrenzen festzulegen, um nicht in einem Chaos der Datenerfassung und -auswertung zu enden. Systemgrenzen sind zeitlicher, organisatorischer und operationeller Natur.

Übersicht der Systemgrenzen für die CO2-Bilanz eines Unternehmens als Beispiel. (eigene Darstellung (c)plant values)

Zeitliche Systemgrenze festlegen = Basisjahr

Der Zeitraum legt fest, für wann die Emissionen erhoben werden sollen. Meist werden die Emissionen für den Zeitraum von einem Jahr erhoben und dann mit den Folgejahren verglichen. Bei einer Erhebung über viele Folgejahre hinweg ist auch ein rollender Durchschnitt möglich. Wichtig ist, ein Basisjahr für die CO2-Bilanz im Unternehmen festzulegen. Dafür sollte das Unternehmen ein möglichst normales, durchschnittliches Jahr wählen ohne außergewöhnliche Geschäftsereignisse oder größere Störungen im Geschäftsablauf (wie Corona, Fusionen, Verkauf von Geschäftssparten).

Organisatorische Systemgrenzen bestimmen = Standorte

Welche Standorte und Tochterfirmen sollte das Unternehmen in die CO2-Bilanz einbeziehen? Bei kleineren Unternehmen mit einfachen Besitzverhältnissen ist diese Systemgrenze einfach festzulegen. Komplexer gestaltet sich die Beantwortung der Frage bei größeren Unternehmen mit vielen Standorten und differenzierten Rechtsformen und Besitzverhältnissen. Hier ist zu entscheiden, inwieweit die Emissionen der bestimmten Standorte prozentual in die CO2-Bilanzierung einbezogen werden. Dazu wählen entweder den Equity share approach, den Financial control approach oder den Operational Control approach. (mehr dazu im Greenhouse Gas Protocol A Corporate Accounting and Reporting Standard)

Operationelle Systemgrenzen definieren = Emissionskategorien

Operationelle Systemgrenzen verstehen

Die operationellen Systemgrenzen werden im Greenhouse Gas Protocol definiert. Üblicherweise werden die Emissionen in die Scopes 1, 2 und 3 unterteilt. Im Folgenden stellen wir die Scopes vor, um sie greifbar und verständlich zu machen:

  1. Scope 1 (obligatorisch): Direkte Emissionen aus Quellen, die direkt vom Unternehmen kontrolliert werden:
    • Verbrennung in stationären Anlagen (z.B. Heizanlagen)
    • Mobile Verbrennung (z.B. Fuhrpark)
    • Leckagen (z.B. Klimaanlagen)
  2. Scope 2 (obligatorisch): Indirekte Emissionen, die aus der Verbrennung für die Bereitstellung von Strom, Wärme oder Dampf resultieren.
  3. Scope 3 (optional): Emissionen, die das Unternehmen verursacht, die das Unternehmen aber nicht kontrolliert, z.B.
    • Vorgelagerte Wertschöpfungskette, wie eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Mitarbeitermobilität oder Abfallaufkommen
    • Nachgelagerte Wertschöpfungskette, wie Transporte, Gebrauch, Weiterverarbeitung und Entsorgung verkaufter Produkte
Einteilung der Emissionen nach Scopes (eigene Darstellung, angelehnt an das Greenhouse Gas Protocol)
Operationelle Systemgrenzen: Verpflichtende und freiwillige Berechnung

Scope 1 und Scope 2 sind obligatorisch zu berichten laut Greenhouse Gas Protocol, es sei denn es entstehen keine oder nur verschwindend geringe Emissionen in diesen Kategorien (In diesem Falle ist dies bestenfalls zu begründen). Darüber hinaus sind die Kategorien in Scope 3 nicht verpflichtend zu berichten. Hier ist es wichtig zu überlegen, welche Kategorien sinnvoll mit in die CO2-Bilanz im Unternehmen einbezogen werden sollten. Am besten wägt das Unternehmen diese Entscheidung danach ab, welche Emissionen es in welchen Bereichen erwartet und welchem Aufwand der Datenbeschaffung diese gegenüberstehen. Konkret heißt das, dass Kategorien mit hohen Emissionen und damit hoher Relevanz einbezogen werden sollten.

Operationelle Systemgrenzen: Emissionsschwerpunkte in Scope 3 identifizieren

Es ist also wichtig, eine kurze qualitative Einschätzung über die Emissionsschwerpunkte des Unternehmens zu treffen. (s. Abb.) Wo fallen die meisten Emissionen an? Aus den Emissionsschwerpunkten leitet sich ab, welche Kategorien bilanziert werden sollten. Werden hohe Emissionen erwartet, sind diese Kategorien in der CO2-Bilanz im Unternehmen zu berechnen. So zum Beispiel fallen die Emissionsschwerpunkte eines Online-Shops in Scope 3 in die vor- und nachgelagerte Logistik (3.4; 3.9) und in Leasing von Serverinfrastruktur (3.8), während sie bei einem Beratungsunternehmen vermutlich in Geschäftsreisen (3.6) und Mobilität der Mitarbeitenden (3.7) liegen.

Kategorien mit erwartet geringen Emissionen brauchen nicht berücksichtigt werden bzw. sind optional.

Tipp: Im ersten Jahr ist die Datenbeschaffung mit viel Aufwand verbunden, deswegen sollte man sich auf die wichtigsten (organisatorischen und operationellen) Kategorien beschränken und die CO2-Bilanzierung schrittweise in den Folgejahren erweitern.

Best Practice: Erste qualitative Bewertung der Emissionsschwerpunkte im Unternehmen (eigene Darstellung (c)plant values)

Vorhaben organisatorisch verankern

Nun hat das Unternehmen die Systemgrenzen für die CO2-Bilanz festgelegt. Anhand dessen kann grob abgeschätzt werden, mit wieviel personellem und zeitlichem Aufwand zu rechnen ist. Wird die Bilanzierung erstmalig durchgeführt und nur ein Hauptstandort einbezogen sowie auf die wichtigsten Scopes begrenzt, kann selbst in einem mittelständischen Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden ¼  Stelle über eine Zeitdauer von 3 Monaten ausreichend sein. In jedem Falle sollte ein*e Koordinator*in diese Stelle innehaben und verantwortlich für die Datenbeschaffung und -erfassung sein. Bei größeren Unternehmen mit ausdifferenzierten Rechts- und Eigentumsverhältnissen und Bilanzierungen vieler Kategorien ist mit höherem Aufwand zu rechnen. Hier kann neben eine*r Koordinator*in ein kleines Projektteam ernannt werden. In jedem Falle ist es ratsam, den Prozess bei einer verantwortlichen Person oder Abteilung zu verorten, um einen reibungsfreien Ablauf zu garantieren.

3. Erhebung und Berechnung der Daten

Welche Daten müssen erfasst und in CO2-Äquivalente umgerechnet werden?

Vorhandene Daten für die Messung des CO2-Fußabdrucks nutzen

Die festgelegten Systemgrenzen, in denen Emissionen gemessen werden sollen, zeigen, welche Aktivitäts- bzw. Emissionsdaten erhoben werden müssen. Liegen keine direkten Emissionsdaten vor, können diese aus den Aktivitätsdaten berechnet werden. Teils geschieht das durch einfache Umrechnung, teils müssen Annahmen oder Schätzungen getroffen werden. Dabei muss das Rad nicht unbedingt neu erfunden werden. Welche Daten liegen bereits durch bestehende Managementsysteme, Controlling oder Tools vor? Sogar ganz einfache Datenquellen, wie Rechnungen von Energielieferanten, liefern wichtige Daten. Die folgende Liste hilft dabei, einen Überblick zu bekommen, in welchen Systemen im Unternehmen bereits Daten zur Erstellung der CO2-Bilanz vorliegen können.

Datenquellen zur Berechnung von CO2-Emissionen

  • Controlling-Tools
  • Managementsysteme
    • z.B. zur Buchung von Geschäftsreisen
  • Rechnungen
    • z.B. von Energielieferanten
  • Zertifizierungen bzw. spezifische Managementsysteme
    • DIN EN ISO 14001, 9001, 16001, 50001
    • EMAS
    • CDP
    • Ökoprofit
  • Beratungsleistungen
    • Energieberatung
  • Projektbeteiligung
    • LEEN – 30 Pilotnetzwerke
    • B.E.E. – Betriebliches Energie-Effizienz-Programm
    • Sonstige
  • Teilnahme am Emissionshandel – In dem Falle liegen CO2-Werte aus emissionshandelspflichtigen Anlagen bereits vor.

Daten für den CO2-Fußabdruck erfassen und dokumentieren

Die Koordinator*in ist nun verantwortlich dafür die Daten von den unterschiedlichen Abteilungen und Ansprechpartnern zusammenzutragen. Es ist äußerst hilfreich dafür ein einheitliches Tool zu verwenden. Dies kann auch eine einfache Excel-Tabelle sein. Hier werden dann die jeweiligen Scopes bzw. Emissionskategorien, die Datenquelle, aus der die Daten entstammen, die Ansprechpartner bzw. angefragte Abteilung und die Datenqualität, also ob die Daten auf einer Messung, Berechnung oder Schätzung basieren, erfasst.

So zum Beispiel können Unternehmen die Daten für Scope 2.1 „Emissionen aus gekauftem Strom“ erfassen:

Best Practice: Einfache Datenerfassung in Excel für die CO2-Bilanz in Unternehmen

Qualität der CO2-Bilanz im Unternehmen garantieren

Die Erfassung und Berechnung der Daten für die CO2-Bilanz im Unternehmen orientieren sich an den Prinzipien der Relevanz, Konsistenz, Genauigkeit, Transparenz und Vollständigkeit. Erfahrungsgemäß sind jedoch nicht alle Daten in entsprechender Qualität vorhanden. So zum Beispiel liegen bei Scope 3.6 Geschäftsreisen häufig nur die Reisekostenabrechnungen vor, ohne dass Streckenkilometer aufgeschlüsselt sind. Es ist gängige Praxis, die Kosten- bzw. finanziellen Aktivitätsdaten mittels Annahmen und Schätzungen in Emissionsdaten umzurechnen (z.B. Bahnkosten insgesamt / Durchschnittskosten pro Bahnfahrt * Emissionsfaktor pro Bahnfahrt). In diesem Falle ist die Bilanzierung zwar vollständiger, jedoch auch ungenauer. Das Zusammentragen der Daten dient also auch dazu, Datenlücken zu identifizieren und zu schließen und somit eine hohe Konformität mit den Berichtsprinzipien zu erreichen.

CO2-Daten berechnen

Sind die Aktivitätsdaten erfasst, z.B. der Strom in kWh, werden diese in CO2-Äquivalente umgerechnet. Am einfachsten und schnellsten erfolgt diese Umrechnung mittels offiziellen Emissionsfaktoren. In diesen ist bereits die Klimawirksamkeit der verschiedenen Klimagase (Global Warming Potentials) berücksichtigt und eine eigene, weitaus kompliziertere Berechnung ist nicht nötig.

Emissionsfaktoren festlegen

Beim Strom zum Beispiel kann man den Emissionsfaktor des Strommix der Stromrechnung entnehmen, den der Stromlieferant gemäß §42 EnWG die Menge an CO2 in Gramm bzw. Kilogramm pro Kilowattstunde ausweisen muss.

Bei anderen Kategorien, wie z.B. Scope 3.6 Geschäftsreisen, können wissenschaftlich errechnete Emissionsfaktoren zur Anwendung kommen. Im deutschen Markt gängige und anerkannte Datenbanken für Emissionsfaktoren sind beispielsweise GEMIS, die IPCC Leitlinien und ProBas. Für die Berechnung von Scope 1.3 Emissionen flüchtiger Gase aus beispielsweise Klimaanlagen eignen sich die Tools des Greenhouse Gas Protocol.

Für Mobilitätsdaten in Scope 1.2 Fuhrpark und Scope 3.6 Geschäftsreisen, wie die Umrechnung von gefahrenen Bahnkilometern in CO2-Äquivalente, eignet sich auch das mobitool (ecoinvent) hervorragend.

CO2-Bilanz im Unternehmen kontinuierlich fortführen und erweitern

Für die erfolgreiche Fortführung des erlangten Wissens, ist es sinnvoll eine Dokumentation der Erhebung, insbesondere über Schätzungen und Annahmen, durchzuführen. Dies ist ganz im Sinne der Greenhouse-Gas-Protocol-Prinzipien, die unter anderem eine Konsistenz für die Berechnung des Corporate Carbon Footprints vorsehen. Sind die Grenzen einmal festgelegt, sollten nachfolgende Erhebungen dieselben Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen aufzeigen. Ändert sich z.B. aufgrund von Erweiterung der Bilanzierung unter Einbezug weiterer (wesentlicher) Emissionskategorien oder aufgrund von besserer Datenqualität die Berechnungsmethodik, sollte das Unternehmen auch das Basisjahr neu berechnen wenn möglich (wenn nicht, bedarf es einer Erklärung). Dies bedient gleichermaßen die Forderung eines transparenten, genauen und konsistenten Zeitvergleichs bei den CO2e-Emissionen als auch zwischen Standorten.

Fazit

Die CO2-Bilanz fasst die Emissionen eines Unternehmens zusammen. Es gibt viele Wege und Möglichkeiten eine CO2-Bilanzierung durchzuführen. Um erfolgreich zum Ziel zu gelangen, empfehlen wir im 1. Schritt die CO2-Bilanzierung gut vorzubereiten, indem das Unternehmen Ziele identifiziert und das Vorhaben intern kommuniziert. Im 2. Schritt definiert das Unternehmen die Systemgrenzen für die Messung des CO2-Fußabdrucks. Dies hilft einer reibungsfreien, transparenten und glaubwürdigen Abfolge des Prozesses. Im 3. Schritt erfolgt die Erhebung und Berechnung der Daten. Hierbei dürfen nebst Messungen und Hilfsmitteln wie Emissionsfaktoren auch Schätzungen und Annahmen zurate gezogen werden. Eine Dokumentation dieser (Daten, Datenquellen, Annahmen, Schätzungen, Emissionsfaktoren) ist unbedingt ratsam, um die Konsistenz der Berechnungen auch in den Folgejahren zu gewährleisten. Im Resultat zeigt die CO2-Bilanz, in welchen Unternehmensbereichen die meisten Treibhausgase entstehen. Somit deckt die CO2-Bilanz im Unternehmen Potenziale zur Minimierung der Klimawirkung auf und ist somit wichtigste Grundlage für Geschäftsentscheidungen in Bezug auf Klimaschutz.

Synonyme für CO2-Bilanz eines Unternehmens (oder als Prozess CO2-Bilanzierung) sind Klimabilanz, CO2-Fußabdruck eines Unternehmens oder Corporate Carbon Footprint.

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Franziska Kramer
Themenbereiche: CO2-Bilanz, Nachhaltiger Tourismus

f.kramer@plant-values.de

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