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Praxiseinblick: Integration von Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie bei den Stadtwerken Norderstedt

Die Stadtwerke Norderstedt Gruppe besitzt bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie. Im Zuge der Überarbeitung ihrer Unternehmensstrategie sollen beide ineinander integriert werden. Der Prozess ist kein trivialer, aber die Aussicht auf eine enge Verzahnung ist die Arbeit wert.

Wir haben die Stadtwerke Norderstedt gefragt, was ihre Motivation war, worauf es bei dem Prozess ankommt und was sich für sie damit ändern wird.

Warum habt ihr euch dazu entschieden Unternehmensstrategie und Nachhaltigkeitsstrategie zu integrieren?

Bereits 2013 haben wir in unserer Unternehmensstrategie den Grundsatz der Nachhaltigkeit verankert und 2017 ein Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen eingerichtet. Damit begann auch die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Seit 2018 berichten wir freiwillig nach den Richtlinien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Im Rahmen der Neuausrichtung unserer Unternehmensstrategie im vergangenen Jahr wurde uns klar, dass wir beide Strategien miteinander vereinen müssen, um unser Ziel, uns in den kommenden Jahren zu einem nachhaltigen Unternehmen zu entwickeln, erreichen können.

Was ändert das künftig für eure Prozesse und Entwicklung?

Wir haben Nachhaltigkeit als eine Leitidee unserer Unternehmensstrategie definiert und damit fest in unserem Selbstverständnis verankert. Das bedeutet, dass wir unsere Unternehmensentwicklung an nachhaltigen Kriterien ausrichten. Was sich einfach anhört, ist ein tiefgreifender Veränderungsprozess, an dem alle Mitarbeitenden mitwirken müssen. Wir müssen also immer wieder prüfen, ob unsere Entscheidungen und Prozesse die verantwortungsvollste, ressourcenschonendste, sozial verträglichste und wirtschaftlich sinnvollste Alternative darstellen oder ob wir einen anderen Weg wählen müssen. Wir werden unsere Prozesse und Entwicklung also stetig hinterfragen und anpassen. Und genau das wird uns weiterbringen, davon sind wir überzeugt.

Welche Hürden galt oder gilt es zu überwinden?

Die nachhaltige Ausrichtung eines kommunalen Versorgers ist kein Selbstgänger, auch wenn kommunale Unternehmen bereits durch ihren Auftrag viele Grundsätze vor allem der sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit verfolgen. Die größte Aufgabe ist es, die Menschen zu überzeugen und mitzunehmen. Das sind die Mitarbeitenden ebenso wie die Kundinnen und Kunden, unsere Partnerinnen und Partnern und die städtische und regionale Gemeinschaft, in der wir agieren. Das Bewusstsein nach innen und außen dafür zu schaffen, dass wir uns alle auf den Weg zu einem nachhaltigen Handeln und Wirtschaften begeben müssen, wenn wir nachfolgenden Generationen die gleichen Chancen und eine lebenswerte Zukunft geben wollen. Diese Herausforderung möchten wir gerne annehmen.

Was habt ihr auf dem Weg zu dieser integrierten Strategie gelernt?

Wir haben sehr viel über uns selbst gelernt, über unsere Strukturen, über unsere Denk- und Arbeitsweisen. Wir sind uns aber auch über unsere Werte und Stärken und über das Potential unserer Unternehmensgruppe in besonderer Weise bewusst geworden. Wir wissen nun viel besser als vorher, wie wir uns verändern wollen und müssen und welche Chancen und Risiken die kommenden Jahre bergen.

Wie sehen eure nächsten Schritte aus?

Die Unternehmensstrategie mit der integrierten Nachhaltigkeitsstrategie geht im Frühjahr dieses Jahres in die Umsetzung. In den ersten zwei Jahren wollen wir gemeinsam lernen, mit der Strategie zu arbeiten. Wir organisieren gerade einen Strategietag sowie verschiedene weitere Dialogformate zum Start der Strategieumsetzung. Außerdem planen wir natürlich den gesamten Roll-out der Unternehmensstrategie, ohne die Kolleginnen und Kollegen in ihrer Gestaltungsfreiheit zu sehr einzuschränken – denn letztlich sollen alle ihre Ideen für eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie und damit Weiterentwicklung unserer Unternehmensgruppe einbringen können.

Wir danken dem Team von plant values für die großartige, jederzeit kompetente Beratung und Begleitung bei der Entwicklung unserer Nachhaltigkeitsstrategie und Neuausrichtung unserer Unternehmensstrategie. Und wir freuen uns, dass wir auch in den kommenden zwei Jahren weiter zusammenarbeiten werden. Ohne euch wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen!

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit.
Strategie, Controlling und Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit.

Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern:

info@plant-values.de

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Praxiseinblick Wesentlichkeit und DNK-Bericht: Interview mit All for One und Unite

Wir wollen einen Praxiseinblick in die Erarbeitung einer Wesentlichkeitsanalyse und die Erstellung eines DNK-Berichts geben. Dafür haben wir unsere Kunden, die All for One Group SE und die Unite Network SE gefragt, welche Erfahrungen sie in dem Prozess gemacht haben und anderen mitgeben wollen. Es geht unter anderem um den Nutzen einer Wesentlichkeitsanalyse, Überraschungen auf dem Weg und was ihnen ein Nachhaltigkeitsbericht heute bringt.

All for One: Wesentlichkeitsanalyse und DNK-Bericht bei einem IT-Dienstleister

Über die All for One Group

WIR STEIGERN DIE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT UNSERER KUNDEN IN EINER DIGITALEN WELT, so lautet unsere Mission.

In dieser Mission und selbstgestellten Aufgabe geben wir mit 2.500 Expertinnen und Experten der All for One Group SE täglich unser Bestes und unterstützen unsere mehr als 3.000 Kunden aus Deutschland, Österreich, Polen und der Schweiz in der Unternehmenstransformation und der Digitalisierung aller Geschäftsbereiche. Unsere Handlungsfelder reichen dabei von Cybersecurity über New Work, Customer & Employee Experience oder Data & Business Analytics bis hin zu Machine Learning und Managed Services. Wir verfügen als börsennotierte Consulting- und IT-Gruppe über eine hohe Prozess- und Branchenexpertise verbunden mit tiefem Technologie-Know-how. Unsere Kunden sind vorwiegend im (gehobenen) Mittelstand und der Fertigungsindustrie zu Hause. Unser großes Portfolio besteht aus marktführenden Lösungen und Services auf Basis von SAP, Microsoft & IBM, die unternehmensweit – und über die Grenzen hinweg – zum Einsatz kommen und auf die Wettbewerbsstärke unserer Kunden einzahlen.

Was hat Euch die Wesentlichkeitsanalyse gebracht?

Durch die Wesentlichkeitsanalyse können wir sehen, welche Nachhaltigkeitsaspekte für uns wirklich relevant sind. Sie hilft uns zu priorisieren, welche Themenfelder wir wirklich angehen müssen. Gerade im Moment gibt es sehr viele Initiativen und Möglichekiten sich bei Thema Nachhaltigkeit einzubringen, dass birgt die Gefahr, dass man sich auf viele Themen gleichzeitig stürzt, auch wenn sie vielleicht gar nicht so relevant sind. Zugleich zeigt sie uns auch, bei welchen Nachhaltigkeitsaspekten wir schon etwas tun, also wirksam sind und in welchen wir bisher noch nicht wirken. Das schafft auch gegenüber unseren Stakeholdern Transparenz und Klarheit. Ein weiterer Punkt ist, dass die Wesentlichkeitsanalyse die Ausrichtung unserer Nachhaltigkeitsstrategie beeinflusst und wir unsere Ziele aus der Analyse ableiten werden.

Was war vielleicht überraschend für Euch am Prozess der Berichterstattung?

Überraschend für uns war der Umfang, über den wir dann letztendlich doch berichtet haben. Wir sind zu Beginn nicht davon ausgegangen, dass wir doch schon so einiges tun in den verschiedenen Nachhaltigkeitsaspekten. Gleichzeitig haben wir in dem Prozess viele Anknüpfungspunkte für unsere Kunden erkennen können. Die wir jetzt aufgreifen werden, um unsere Kunden auf dem Weg zur Nachhaltigkeit zu unterstützen. Ein weiterer Punkt ist, dass wir von unseren Mitarbeiter eine große positive Rückmeldung bekommen haben, mit viel Unterstützungsbereitschaft für die anstehenden nächsten Schritte, mit der wir so nicht gerechnet haben. Für uns, die All for One, geht es jetzt eigentlich erst richtig los: Ziele festlegen, Maßnahmen bestimmen und ergreifen, wie z.B. Green Finance, CO2 Reduktion, externe Partner für unsere Kunden einbinden, etc.

Welche Erkenntnis oder Empfehlung würdet Ihr anderen Unternehmen mitgeben?

Der Aufwand sollte nicht unterschätzt werden. Es war dann gerade zum Schluss kein geringer Aufwand sämtliches Zahlenmaterial zusammenzutragen. Eine weitere Erkenntnis ist auch, dass man sich bei der Berichtserstellung sehr genau an den vorgegebenen Fragen orientieren und nicht zu freie Texte erstellen sollte. Darüber hinaus hat uns die Begleitung durch Plant Values sehr geholfen. Sowohl bei der Erstellung der Wesentlichkeitsanalyse, als auch bei der Zusammenstellung der wesentlichen Inhalte für den Bericht. Auf jeden Fall können wir sagen, dass gerade bei der ersten Berichterstattung der Blick von außen, einem externen Berater, sehr hilfreich in dem Prozess ist. Besonders das Sparring, der Austausch hat uns auch für die Ergreifung nächsten Schritte sehr geholften.

Unite: Ein DNK-Bericht für eine B2B-E-Commerce-Plattform

Über Unite

Wir bei Unite vernetzen die Wirtschaft für nachhaltiges Business. Unsere wegweisende B2B-Plattform vereint Einkäufer und Anbieter zu gegenseitigem Nutzen. Unsere digitalen Lösungen machen Beschaffung, Einkauf und Vertrieb sowie Abwicklung und Zusammenarbeit einfach und effizient.

Unite Lösungen umfassen den Spotmarket, das Procurement Portal (Mercateo) und Financial Services (in Partnerschaft mit einem autorisierten E-Geld-Institut), eingebettet in die Unite Plattform.

Mit der skalierbaren und flexiblen Infrastruktur unserer Plattform erleichtern wir Geschäftsbeziehungen und unterstützen deren Beständigkeit und die Ausfallsicherheit von Lieferketten. Unser ständig wachsendes Ökosystem umfasst Einkäufer, Lieferanten, Hersteller, Dienstleister, Technologiepartner und Netzwerke.

Unser starkes Fundament ruht auf der fundierten Erfahrung von Mercateo mit dem B2B-Marktplatz und auf seiner Geschichte die im Jahr 2000 begann. Fairer Wettbewerb, vertrauensvolle Partnerschaften und europäische Datenhoheit bestimmen unser Handeln.

Wir gestalten den B2B-Handel neu und stärken die regionale Wirtschaft, indem wir mehr Wert schaffen und teilen. „For better business and a better world.“

Unser Hauptsitz befindet sich in Leipzig, Deutschland. Mehr als 700 Menschen arbeiten in 15 Ländern für Unite. Im Jahr 2020 erzielte unser Unternehmen einen Umsatz von 343 Millionen Euro. Mehr Informationen finden Sie unter unite.eu.

Aus welchen Gründen habt ihr euch entschieden einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen?

Wir bei Unite vernetzen die Wirtschaft für nachhaltiges Business, schaffen gemeinsamen Wert für all unsere Plattformteilnehmenden und pflegen langlebige Beziehungen zu unseren Kunden und Partnern. Nachhaltigkeit ist nicht nur Teil unseres Geschäfts, sondern wird auch als Unternehmenswert aktiv gelebt. Aus einer intrinsischen Motivation heraus haben sich Mitarbeitende von Unite zu einem Betrieblichen Gesundheitsmanagementteam und einem Team für ökologische Nachhaltigkeit zusammengeschlossen und in vielen Projekten gesellschaftliches Engagement gezeigt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist wichtiger denn je. Wir wollten herausfinden, wo genau wir stehen im ESG-Bereich. Der Nachhaltigkeitsbericht hat uns die Möglichkeit eröffnet, unsere ESG-Aktivitäten in strukturierter Weise zusammenzutragen und Weiterentwicklungspotentiale zu identifizieren. Wir möchten uns nicht auf Erfolgen ausruhen, sondern uns stetig verbessern. Durch die Veröffentlichung des Berichts machen wir all diese Informationen transparent, sowohl für unsere Kolleg*innen als auch für externe Marktteilnehmende.

Wie hat euch der Bericht nach DNK-Standard im internen Nachhaltigkeitsmanagement geholfen?

Der Bericht nach DNK-Standard hat uns verdeutlicht, welche Themen wesentlich sind und wo große Hebel bestehen, um einen nachhaltigen Beitrag zu leisten. Die Aufteilung in verschiedene Kriterien hat deutlich gezeigt, wie umfangreich eine ganzheitliche ESG-Betrachtung ist und welche Themenschwerpunkte einem Nachhaltigkeitsmanagement zugerechnet werden können. Aus diesem Grund haben wir klare Verantwortlichkeiten festgelegt: es gibt eine Person für die Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten unserer Geschäftstätigkeit, eine andere für Nachhaltigkeit in Bezug auf den Geschäftsbetrieb und eine weitere für Compliance-Themen. Diese arbeiten als Team eng zusammen, um Themen weiter voranzutreiben.

Durch den Aufbau des Berichts nach DNK ist unser Status-Quo strukturiert in Zusammenarbeit mit den verschiedensten Unternehmensbereichen erfasst. Gleichzeitig wurde klar, in welchen Gebieten wir noch Defizite haben und uns neue Ziele setzen müssen. Die Festlegung von Zielen, Indikatoren und Maßnahmen führt zu einem Commitment aller beteiligten Unternehmensbereiche und einem stärkeren Bewusstsein für die Bedeutung von Nachhaltigkeit.

Welche Erkenntnis oder Empfehlung würdet ihr anderen Unternehmen mitgeben?

Wer im Unternehmen noch kein aktives Nachhaltigkeitsmanagement etabliert hat, wie es bei uns der Fall war, sollte auf einen externen Berater zurückgreifen, um herauszufinden, welche die wesentlichen Themen für das eigene Unternehmen sind. Ansonsten besteht die Gefahr, Themen weiterzuentwickeln, die keine Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt haben.

Wir haben in diesem Prozess auch gelernt, dass Kommunikation extrem wichtig ist. Viele sehen das Thema Nachhaltigkeit als einen Mehraufwand, ein Einwand, der durchaus an der ein oder anderen Stelle berechtigt ist. Hier hilft es, zuzuhören und ausführlich Gründe dafür zu nennen, warum eine neue Richtung und Prozessänderung sinnvoll ist.

Eine gute Möglichkeit, Kolleg*innen abzuholen ist es, sie in Workshops zu integrieren und auf ihr Know-how und ihre Ideen zurückzugreifen.

Ein Learning, an das wir uns ständig selbst erinnern müssen, ist langfristig zu denken. Auch wenn etwas in diesem Moment als nicht realistisch in der Implementierung erscheint, sollte man Schritte wagen und Ziele verfolgen.

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit.
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2 Social Startups zu ihren Gründungen: Campeleon und stadt:wirken

Wir haben zwei der Social Startups, mit denen wir gearbeitet haben, nach ihren Erfahrungen gefragt: Welche Erfahrungen haben sie bei der Gründung gemacht? Wie unterscheidet sich die Gründung eines Social Startup von einem normalen? Und was würden sie anderen mitgeben?

Campeleon: flexibler und nachhaltiger Camper-Ausbau

Was gründet ihr und was ist das Besondere daran? Welchen Teil zur Lösung für eine nachhaltigere Welt möchtet ihr damit beitragen?

Wir sind Campeleon und entwickeln smarte und flexible Möbelmodule für Campervans. Das Besondere an unseren Modulen ist, dass sie immer wieder neu angeordnet oder ausgetauscht werden können. So kann der Van stets an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Das macht unsere Camper zu echten Lebensbegleitern.

Begonnen hat die Geschichte mit unserem Gründer Nico, der natürlich leidenschaftlicher Camper ist. Jeden Sommer ging es für ihn und seine Familie mit dem Reisemobil in den Süden. Nur eine Sache nervte Nico: es gab keine Möglichkeit, ein Baby bequem und vor allem sicher schlafen zu legen. Ständig musste improvisiert werden, da kam ihm die „Erleuchtung“. Es muss einen Camper geben, der auf die individuelle Lebenssituation seiner Besitzer:innen maßgeschneidert ist. Egal ob zu zweit, mit Kindern, mit Fahrrad oder Hund – der Camper muss sich an seine Nutzer:innen anpassen, nicht andersherum. Damit war die Idee für Campeleon geboren, ein Camper-Chamäleon sozusagen.

Schnell ging es dann auch in die Umsetzung. Dabei war uns von Anfang an klar, dass wir der Vanlife-Welt mit unserem Ausbausystem einen bewussten Umgang mit Mensch und Natur vermitteln wollen. Natürlich ist Reisen niemals komplett nachhaltig, aber man kann doch eine Menge in diese Richtung tun. Gerade deshalb ist uns die Modularität, Langlebigkeit und Reparierbarkeit unserer Module so wichtig. Wenn man sie nicht mehr benötigt, können sie einfach in einem anderen Fahrzeug verbaut werden. Auch bei der Produktion und der Auswahl unserer Materialien geben wir unser Bestes, so ressourcenschonend wie nur möglich zu arbeiten. Mit Plant Values haben wir uns genau dafür einen kompetenten Partner an die Seite geholt.

Wie unterscheidet sich die Gründung eines Social Startups deiner Meinung nach von anderen?

Bei der Gründung eines Social Startups ist der Ausgangspunkt ein anderer. Das, was unser Team seit Beginn antreibt, ist die Vision, einen aktiven Beitrag zu bewusstem Reisen zu leisten. Gewinnmaximierung spielt dabei nicht die größte Rolle, sondern unserem Team einen sicheren und sinnstiftenden Arbeitsplatz zu bieten. Gerade in der Anfangszeit haben wir uns deshalb besonders viel Zeit genommen, um unsere gemeinsamen Werte auszuformulieren. Aus diesen Werten wurden Richtlinien, die uns seitdem in der Entwicklung unseres Unternehmens begleiten. Beispielsweise steht ein Nachhaltigkeits-Passus auch in allen Arbeitsverträgen ganz oben.

Zu einer sinnstiftenden Tätigkeit gehört für uns auch, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jedes Teammitglied wahrgenommen und wertgeschätzt fühlt. Nur so kann jede:r seine/ihre individuellen Stärken optimal einbringen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für den langfristigen Erfolg eines Social Startups.

Welche Erkenntnisse oder Empfehlungen wollt ihr anderen Gründer*innen mitgeben?

Traut euch, eure Ideen und Projekte mit der Welt zu teilen! Auch wenn noch nicht alle Details ausgereift sind, der Austausch mit anderen für Inspiration und Feedback ist essentiell. Wir haben selbst oft die Erfahrung gemacht, dass das gar nicht so einfach ist, schließlich wollen wir immer unser Bestmögliches geben und streben nach Exzellenz bei der Entwicklung unserer Produkte. Doch auch hinter jedem Zwischenschritt steckt enorm viel Herzblut – das ist es wert, geteilt zu werden!

Wir empfehlen euch außerdem: Behaltet den Fokus! Unser Team sprudelt nur so vor Ideen. Das ist auch gut so, schließlich sind wir alle motiviert bei der Sache und wollen die Campingbranche auf den Kopf stellen. Doch gerade am Anfang ist es wichtig, Ressourcen zu bündeln, um voranzukommen und dazu gehört eine gute Planung. Wir haben uns für einen agilen Strategieprozess entschieden – wir kommen regelmäßig in einem Strategiemeeting zusammen und legen den Fokus und unsere Ziele für das nächste Quartal fest. Das hilft, unser Ziel besser im Auge zu behalten, ohne neuen Ideen den Raum zu nehmen.

Unter 4 Augen vom Startup zum etablierten Unternehmen – Gibt es etwas, was ihr etablierten Unternehmen mitgeben wollt?

Es lohnt sich, Dinge zu hinterfragen. Gerade in der Campingbranche haben wir oft das Gefühl, dass an veralteten Standards festgehalten wird und Innovation dadurch wenig Raum hat. Wir finden es viel spannender herauszufinden, wie wir etwas verbessern können. Das soll nicht heißen, dass wir nicht von etablierten Unternehmen lernen können. Wir sind ein Teil eines riesigen Partner:innennetzwerks und freuen uns über jedes Feedback und jede Erfahrung. Gerade in diesem Austausch können alle Beteiligten profitieren – die jungen von den etablierten Unternehmen, aber eben auch andersherum.

stadt:wirken – Koproduktive Stadtentwicklung

Was gründet ihr und was ist das besondere daran? Welchen Teil zur Lösung für eine nachhaltigere Welt möchtet ihr damit beitragen?

Wir sind ein Zusammenschluss von begeisterten Stadtmacherinnen und setzen uns für partizipative und koproduktive Stadtentwicklung ein. Dafür haben wir die GbR stadt:wirken gegründet. Wir wollen mit unseren Dienstleistungen das komplexe Feld der Stadtentwicklung für alle zugänglich und verständlich machen sowie die Entwicklungs- und Planungsprozesse in die Breite öffnen, damit jede*r die Chance hat, bei der Umgestaltung des eigenen Lebensumfeldes wirklich aktiv teilzuhaben. Wir setzen uns dafür ein, dass Bürger*innen befähigt werden, Verantwortung für ihr Lebensumfeld zu übernehmen. Mit unserer Arbeit sprechen wir direkt das SDG 11 an und setzen uns auf einer lokalen Ebene für die nachhaltige Entwicklung von Städten und Gemeinden ein.

Wir sind überzeugt: erst durch diese aktive Mitwirkung wird städtischer Raum lebendig, nachhaltig und resilient. Und dafür braucht es kreative, spielerische und niederschwellige Formate & Methoden – darauf haben wir Bock!

Wie unterscheidet sich die Gründung eines Social Startups eurer Meinung nach von anderen?

Die Vision unseres Tuns spiegelt sich in unserem Gründungsprozess: wir schauen, was vor Ort gewollt und gebraucht wird und passen darauf unsere Dienstleistungen an. Wir gehen mit den vorhandenen Ressourcen schonend und solidarisch um, seien es Materialien (Stichwort: Materialvermittlung), Zeit von unseren Partner*innen oder überhaupt unser Netzwerk: es ist ein Geben & Nehmen, ein sich-Mitdenken, was uns prägt und was wir weiter etablieren wollen. Das zeigt sich z.B. darin, dass wir kein Risikokapital eingeworben haben: wir wollten uns eigenständig und resilient durch die Markt-Nachfrage etablieren – das hat, mit Hilfe einer solidarischen Finanzspritze aus dem Netzwerk, gut funktioniert. Oder darin, dass wir nicht auf Gewinnmaximierung aus sind, sondern Lohn nach dem Bedarfsmodell auszahlen und Überschüsse an unser Netzwerk, soweit möglich, weitergeben. Es klingt alles etwas visionär und ideell und es ist auch nicht unbedingt einfach, weil das Risiko, nicht ausreichend Lohn auszahlen zu können, besonders jetzt zu Beginn hoch ist. Gleichzeitig braucht es im heutigen System wohl dieses Visionäre, um vorwärts zu kommen.

Welche Erkenntnisse oder Empfehlungen wollt ihr anderen Gründer*innen mitgeben?

Wir arbeiten seit Beginn mit dem Full-Circle-Leadership-Modell, was uns eine agile, hierarchiefreie und dadurch sehr bereichernde Zusammenarbeit ermöglicht und sich keine eigenartigen, unverhältnismäßigen Routinen eingeschlichen haben. Und wir sind sehr überzeugt von unserem bedarfsorientierten Lohnmodell, wodurch der Lohn nicht einfach nach irgendeinem Standard an das Team ausgeschüttet wird, sondern sich realistisch an die individuellen Lebenslagen des Teams anpasst. Dadurch ergibt sich auch die Chance, durch den übrigen Gewinn andere Projekte zu unterstützen (also in Zukunft, wenn wir dann Gewinn haben). Auch kommt bei unserem ganzen Business-Talk die persönliche Komponente nicht zu kurz. Wir nehmen uns besonders zu Beginn der Woche ein bisschen Zeit raus, wo wir über persönliche Situationen und unsere momentane Befindlichkeit reden. Ansonsten, das Übliche: Geduld, eine gute Öffentlichkeitsarbeit, Durchhaltevermögen bei der Kaltakquise und noch mehr Geduld. Und eine Gründungsberatung durch plant values 😉

Das Team von stadt:wirken sorgt mit für eine partizipative und nachhaltige Entwicklung in Städten und Gemeinden: Anna Betsch, Sarah Urban und Marie Neumann

Wir arbeiten mit Unternehmen an Nachhaltigkeit.
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Bei komplexen Themen wie diesem beraten wir, sind Sparringspartner oder Impulsgeber. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren oder es sogar selbst angehen wollen, schreiben Sie uns gern:

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Eine Workation planen: Tipps und Erfahrungen

In diesem Blogartikel wollen wir erklären, was eine Workation ist und worauf es bei der Workation Planung ankommt. Dabei geben wir Tipps. Wir zeigen auch, was für Vorteile eine Workation für Teamarbeit und das Unternehmen bringt. Danach zeigen wir, wie es sich in gelebte Unternehmenskultur einfügt.

Zum Abschluss gibt es dazu noch einen persönlichen Erfahrungsbericht vom plant values Teams. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Inhalt des Beitrags:

Workation: Wo sich Arbeit und Urlaub treffen…

Workation besteht aus den englischen Worten Work (Arbeiten) und Vacation (Urlaub). Zusammen gesetzt die Workation, wobei auch die Schreibweise mit C möglich ist, also Workcation.

Workation (oder eben Workcation) beschreibt den Zeitraum, wenige Tage bis Wochen, in der man alleine oder im Team unterwegs ist. Dabei wechselt man bewusst die Umgebung, um produktiv zu arbeiten aber ebenfalls in ausgleichende und vor allem gemeinschaftliche Erholung zu wechseln.

Die Betonung liegt dabei auf Work, der Arbeit. Es ist daher kein Ersatz zum Urlaub oder freien Tagen. Sie ist als Abwechslung zum Arbeitsalltag zu verstehen.

Nicht nur Teams in Unternehmen können eine Workation wahrnehmen, sondern auch Solo-Selbstständige oder Einzelpersonen. Typisch wäre, dass dabei eine Abschlussarbeit geschrieben, ein Kunstprojekt verfolgt oder eine geschäftlicher Auftrag erledigt wird. So kann der Arbeitsalltag in eine angenehmere Umgebung verlagert werden. Interessant ist das Konzept vor Allem für Menschen mit hoher Flexibilität, die zudem mobiles Arbeiten etabliert haben. Dies schließt sich an die Überlegungen der Work-Life-Balance an.

In diesem Artikel beziehen wir uns auf Workation für Teams. D.h. Kolleg*innen, Mitglieder einer Organisation oder eine Gruppe von Gleichgesinnten aus verschiedenen Unternehmen. Typische Gruppen für eine Workation könnte ein ganzes Startup Team oder alle Organisationmitglieder eines kleinen Unternehmens sein. Für Mittelstand, größere Unternehmen oder Konzerne ist eher eine Abteilung, eine Arbeitsgruppe oder das Führungskräfteteam.

Wissen und Methoden zu Nachhaltigkeit ins Postfach

Mit unserem Newsletter senden wir Ihnen alle zwei Monate gebündelt Best Practices, neue Entwicklungen und praxisfähige Methoden.

Für die Workation Planung: Ziele festlegen

Workation können verschiedene Ausrichtungen, abhängig von der Zielsetzung, haben. Typische Themen für eine Workation sind:

  • Arbeit an strategischen Themen
  • Arbeit an Vision und Mission des Unternehmens, was im direkten Zusammenhang mit Unternehmenswerten und dem Zweck (Purpose) des Unternehmens steht
  • fachliche Schulung (z.B. Erlernen der Basics von Nachhaltigkeit, dem Programmieren oder neuer Technologieanwendungen)
  • methodische Weiterbildung (z.B. Üben von Moderationstechniken oder das Anwenden von Sustainable Design Thinking in Workshops).
  • gemeinsame Arbeit an einem Projekt
  • Teambuilding zur Stärkung des Teamgefühls

Es können sich dabei ebenso mehrere Themen vereinen. Die einzelnen Sessions sind dann entsprechend auszurichten, sodass sowohl über Strategie gesprochen wird, die Teilnehmer*innen fachlichen Input mitnehmen und zudem am Teambuilding arbeiten. 

Andersherum kann die Workcation ein eigenes Motto bekommen, z.B. „Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen“ oder „Fehlerkultur etablieren“. Daran orientiert sich in der Folge das Reiseziel und die ausgesuchten Freizeitaktivitäten. Damit erreicht man eine ganzheitliche Betrachtung von einem Fokusthema.

Vorteile einer Workation

Der Vorteil ist, dass bewusst Zeit und Raum gegeben ist, um sich mit den gewählten Themen auseinanderzusetzen. Dabei können Teilnehmende außerhalb eines vollen Terminkalenders und alltäglichen Ablenkungen wie Anrufen und Emails, sowie außerhalb der gewohnten Arbeitsumgebung unbefangen agieren. So ist man befreit von liebgewonnenen, aber auch von ablenkenden Alltagsroutinen. Perfekt, um sich mit freiem Geist neuen Inhalten zu widmen. Oder mit Distanz einen Blick aufs Ganze zu erlangen.

Die Führung kann damit auch Themen bewusst setzen. Diese bekommen folglich eine große Aufmerksamkeit, die Führung kann somit deren Priorität im Unternehmen unterstreichen.

Gerade die Möglichkeiten, über neue Informationen nochmals nachzudenken, ist ein großer Mehrwert. Die Inhalte können verarbeitet und einordnet werden. Daraus werden sich neue Impulse ergeben. Es kann individuell entschieden werden, ob man alleine am Strand reflektiert oder beim Spaziergang im Wald mit Kolleg*innen darüber redet. Wichtig ist, dass in der Planung dafür wirklich ausreichend Zeit und Raum mitgedacht werden.

Die Bewegung an der frische Luft tut gut. Damit kann sich das Sauerstoff-geflutete Gehirn mit frischer Energie und voller Aufmerksamkeit danach der nächsten Arbeitssession widmen.

Die Teammitglieder sollen die Möglichkeit bekommen, sich außerhalb vom Arbeitskontext kennen zu lernen. Es bietet sich besonders an, unterwegs mehr über die einzelnen Personen zu lernen. Zum Beispiel, warum Sie im Unternehmen sind, was deren Lebensträume sind, was ihre tägliche Motivation ist. Durch das Kennenlernen wächst das Team enger zusammen. Man fühlt sich mit den Kolleg*innen persönlicher verbunden. Außerdem wird es leichter, auf Eigenarten der anderen Charaktere einzugehen oder auch bei Schwierigkeiten Verständnis zu zeigen. Dabei hilft es, Hintergründe zu kennen, z.B. das ein Teammitglied gerade familiäre Probleme hat oder sich neben der Arbeit ehrenamtlich für ein Herzensthema engagiert.

Unsere Tipps für eine gute Workation Planung

Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Möglichkeiten für die Planung einer Workation. Ob man in der Planung der Agenda einen Tag freizeitlich und den folgenden als einen Arbeitstag plant oder ob man den Tag halb mit Arbeit, halb mit Freizeit gestaltet, ist schlussendlich nicht entscheidend. Wichtig ist jedoch, dass überhaupt genug Zeit für Entspannung und Aktivitäten außerhalb des Arbeitskontextes gegeben sind. Das gehört von Anbeginn einplant! Ansonsten könnte man ebenso einfach nur ein anderes Büro aufsuchen und dort einen engen Terminplan abarbeiten.

Was sonst noch wichtig ist in der Planung einer tipptopp Workation, haben wir hier zusammengetragen:

Für die Vorbereitung der Workation:

  • Langfristig Planen und Entscheidungsmöglichkeiten geben, sodass sich alle auf einen passenden Termin und Ort einigen können. Die Vorlaufzeit ist entsprechend wichtig, um andere Arbeiten langfristig einzutakten oder gegebenenfalls Inputs, Workshops oder Feedback fundiert vorzubereiten.
  • Global denken, regional reisen: Für die Workation bietet sich eine Anreise als Gruppe mit dem Zug an. In Deutschland gibt es bereits viele Angebote für Workation. Zudem spart es im Vergleich zu Flug- oder Fernzielen Reisezeit und -kosten – und für das Klima ist es sowieso besser.
  • Budget und Zeiten mit allen Seiten abstimmen: Klärt, welche Kosten von wem übernommen werden und wie viele Tage in der langfristigen Planung geblockt werden sollen. Ebenso muss klar kommuniziert sein, bis wann Rückmeldung und feste Zusagen nötig sind.
  • Agenda gemeinsam erstellen: Stimmt ab, welche Themen mit welchem Zeitumfang besprochen werden sollen. Klärt, wer für die inhaltliche und methodische Vorbereitung zuständig ist. Plant ebenso Raum zu geben und Zeiten freihalten, um spontane Themenwünschen aus der Gruppe aufzunehmen und diskutieren zu können.

Zur Durchführung einer Workation:

  • Gemeinsame Anreise planen, sodass es bereits auf dem Hinweg gemeinsame Zeit gibt. Wir empfehlen den Zug, dann kann man am besten mit Gruppen zusammensitzen.
  • Der Abend der Ankunft dient dem Check-In und es kann direkt eine erste Reflektion (Rückblick) auf die letzten Monate erfolgen. Dabei darf auch kritisches Feedback zum Team, zum Unternehmen oder zu Einzelpersonen geäußert werden, sofern das unter der Einhaltung von ausgemachten Feedback-Umgangsregeln erfolgt. (Hier oder Hier erklärt)
    Das hat zwei Vorteile: Die Session, welche womöglich am meisten Konfliktpotential hat, ist direkt zum Anfang gesetzt, um mögliche Spannungen zu lösen oder Probleme anzusprechen. Das Angesprochene kann dadurch in weiteren Sessions mitgedacht und gemeinsam an Lösungen gearbeitet werden.
  • Die Räumlichkeiten und Urlaubsort nutzen: Nicht nur in Seminarräumen sitzen, sondern auch rausgehen! Diskussionsrunden dürfen auch der Zwischenstopp auf einer Wanderung sein, am Lagerfeuer oder am Strand in der Sonne stattfinden.
  • Freizeitaktivitäten sollen Möglichkeit geben, dass die Menschen sich austauschen und besser kennenlernen. Vor allem jene, die sonst nicht so viel miteinander zu tun haben. Dafür bieten sich Gruppenaktivitäten wie gemeinsame Wanderungen, eine Bootstour oder ein Lagerfeuer an. Passende Aktivitäten fürs Teambuilding zum Schaffen gemeinsamer Erfolgserlebnisse sind bspw. gemeinsames Geocaching, Teamparcours in Kletterparks, Paddeltouren und einfach Spiele, bei denen man als Team für das Lösen von Aufgaben zusammenarbeiten muss.
  • Anstatt Caterings zu bestellen oder Restaurantbesuche zu planen, kann in kleinen Teams auch gemeinsames Kochen oder Grillen stattfinden. Workation Gastgeber haben normalerweise eine Küche oder einen Grillplatz parat.

Zum Abschluss der Workation und danach:

  • Gemeinsamer Ausklang und Reflexion der Workation: Typische Fragen sind dabei u.a. was die Teilnehmenden aus der Workation mitnehmen und was sie sich beim nächsten mal anders wünschen. Diese Rückmeldung gibt wertvolle Tipps für die nächste Workation Planung.
  • Nachwirken lassen: Es ist für alle Seiten spannend, sich nach ein paar Wochen nochmal zu erinnern und nachzuhaken, was die Ergebnisse und Erkenntnisse der Workation gewesen sind. Und natürlich zu schauen, inwiefern Vorsätze oder Ziele verfolgt werden oder wo noch Hemmnisse liegen, die gemeinsam überwunden werden müssen.

Ort und Ausstattung der Workation planen

Die Workation im Gesamten, d.h. der Ort, die Räume mit Ausstattung, Freizeitaktivitäten usw., können in Eigenregie organisiert sein. Ferienwohnung oder Hotelzimmer zur Übernachtung, Anmieten von Seminarräumen (z.B. in Coworking-Spaces oder Kulturräume), Besorgen der entsprechenden Arbeitsmaterialien, das Sicherstellen von benötigten Internetanschlüssen für alle und das Buchen benötigter Moderator*innen oder einer Schulungsleitung. Ebenso kann individuell ein Freizeitprogramm auf die Beine gestellt werden. Dies bietet maximale Flexibilität, aber auch hohen Organisations- und Abstimmungsaufwand.

Es gibt inzwischen Komplettangebote von speziellen Coworking-Spaces. Diese bieten neben Räumlichkeiten zum kollaborativen Arbeiten, Moderation und Schulungen eben auch Übernachtungsmöglichkeiten sowie Grillplätze und eine Küche zur Selbstversorgung.

Drei Beispiele für Workcation Angebote sind:

Gerade diese Orte bieten verschiedene Arbeitsplätze und Gruppenräume mit Ausstattung. Oftmals steht direkt ein Pool an Moderator*innen für Methodik oder Expert*innen für Fachthemen zu Verfügung. So können die Teilnehmenden während der Workation durch Fachvorträge neues Wissen erlangen oder methodisch geschult werden. Zu Sessions kann eine Moderation hinzugezogen werden, sodass Gesprächsformate professionell begleitet werden.

Uns ist bewusst, dass eine Workation in vielerlei Hinsicht Ressourcen des Unternehmens beansprucht. So können die Kosten für größere Gruppen auf Reisen rasch mehrere tausend Euro betragen. Die Mitarbeitenden sind ein paar Tage außerhalb ihrer eigentlichen Arbeit gebunden. Dabei pausiert die Wertschöpfung im Kerngeschäft für das Unternehmen. Warum es dennoch sehr lohnenswert ist, sich dem Thema zu stellen, erklären wir im folgenden Abschnitt zur Unternehmenskultur.

Workation als Teil der gelebten Unternehmenskultur

Wir wollen im Folgenden die Workation im Kontext von Unternehmenskultur betrachten. Dazu zunächst einmal, welche Dimensionen dabei zu beachten sind:

Mini-Exkurs:
  • Unternehmenskultur beschreibt die dauerhaften, oftmals informellen „Regeln“ und Umgangsformen, welche sich aus Werten und gelebter Praxis speisen.
    Der Geist der Organisation.
  • Damit in Wechselwirkung steht die Unternehmensstruktur, welche formelle Prozesse, festgelegte Hierarchien, Entscheidungsabläufe sowie Ablauf- und Aufbauorganisation umfasst.
    Die Verfassung oder die Gesetze der Organisation
  • Sowohl Struktur als auch Kultur von Unternehmen wirken auf die Individualebene, den einzelnen Menschen im Unternehmen. Sie geben ihnen Orientierung und Verhaltensvorgaben. Andersherum wirkt der Mensch als Teil der Organisation auf Strukturen und Kultur ein, kann diese mit Leben füllen oder sie (langfristig) verändern. Eine typische Beobachtung ist, dass die Einzelperson sich der umgebenden Kultur anpasst und die vorgegebenen Verhaltensweisen und Werte übernimmt. Oder sie verlässt die Organisation, wenn dauerhaft keine Passung zwischen Unternehmenskultur und dem Menschen besteht.
  • Das Zusammenspiel der Dimensionen in vereinfachter Kurzform: Passen Menschen, Strukturen und Unternehmenskultur zusammen, werden diese sich gegenseitig bestärken. Das Unternehmen wird es einfacher haben, seine Ziele zu erreichen. Die Motivation der Mitarbeitenden bleibt dauerhaft hoch. Die Resilienz der Organisation bei Krisen steigt, ebenso die Innovationsfähigkeit. Und die Identifikation mit Zielen macht das Unternehmen dauerhaft attraktiv für Organisationsmitglieder. Sie kann ebenso ansprechender für Jobsuchende wirken. Dies heißt in der Konsequenz: Geringere Kosten im Recruiting, hohe Motivation, mehr Innovationen und höhere Erträge durch produktive Mitarbeitende. 
Zurück zur Workation:

Diese kann ein festes Element der Unternehmensstruktur sein. Mit dem Eintakten in die Jahresplanung werden Ressourcen wie Zeit, Budget, interne Wissensressourcen etc. bereitgestellt. Die Workation bekommen einen festen Platz in den Unternehmensprozessen.

Im Sinne der Unternehmenskultur kann sie ein Format sein, um das Füreinander-Arbeiten zu lernen. Ebenso kann der offene und kritische (aber respektvolle!) Umgang eingeübt werden. Das etabliert eine gesunde Diskussionskultur auf Augenhöhe. Darüber hinaus ist es auch ein Zeichen der Wertschätzung, dass die Meinung gehört wird und dass man nicht nur in einem Arbeitskontext gemeinsame Zeit verbringt.

Auf individueller Ebene wird den Menschen Raum gegeben, sich methodisch oder fachlich weiterzubilden oder gemeinsam an Ideen zu arbeiten. Jede*r kann seine Sicht und seine Erfahrung einfließen lassen kann. Damit einher geht, dass die Identifikation mit dem Unternehmen steigt. Das Verständnis für Ziele wird geschärft. Schlussendlich werden die Teilnehmenden motivierter und fokussierter aus der Workation hinaus gehen.

Somit kann die Workation als Mittel zur Etablierung und Stärkung einer positiven Unternehmenskultur verstanden werden. Die Workation selbst ist ein Strukturelement. Sie wirkt im Idealfall positiv auf die Menschen. Es könnte als eine Art interner Stakeholderdialog verstanden werden.

Kritischer Blick: Workation haben Konfliktpotential

Abschließend blicken wir kritisch darauf, was schief gehen kann: Womöglich werden schwere Konflikte zwischen Menschen deutlich, da sie sich nach Feierabend nicht aus dem Weg gehen können oder ermutigt werden, ihre ehrliche Meinung zu sagen. Das kann verletzend wirken. Vorhandene Strukturen erweisen sich womöglich als unzureichend oder blockierend. Darüber hinaus können Menschen merken, dass sie nicht zur Organisation und den Zielen passen. Diese Erkenntnis kann stark demotivieren.

Aus diesen festgestellten Problemen kann jedoch wiederum Motivation geschöpft werden, um an Lösungen zu arbeiten. Besser so herum, als Probleme auf Dauer zu vertuschen, bis es zur Explosion mit größerem Schaden kommt. Die Pointe ist, dass regelmäßige Formate des Feedbacks, des Austauschs und des Redens auf Augenhöhe präventiv wirken. Kritische Entwicklungen werden frühzeitig(er) aufgedeckt, wodurch Probleme nicht erst bis zur Unlösbarkeit heranwachsen.

Ein paar Don’ts der Workation Planung:

Was ist wichtig, damit die Workation für alle Beteiligten erfolgreich wird? Wie werden nun die gesetzten Ziele verfolgt und die Workation ein Teil guter Unternehmenskultur? Das haben wir im Folgenden zusammengesammelt:

  • Workation ist kein Urlaub.
  • Es sollte nicht nur Arbeit in anderen Räumen sein. Unbedingt sind individuelle Freizeitgestaltung und ausreichend Zeit zum Ausruhen einzuplanen! Stressige Tage und volle Terminkalender gibt es so schon oft genug.
  • Die Agenda sollte nicht ohne Rückmeldung der Beteiligten diktiert werden, sondern die Möglichkeit bieten, eigene Vorschläge einzubringen.
  • Die Teilnahme soll freiwillig sein. Mitarbeitenden, die an einer Workation nicht teilnehmen können oder wollen, sollen andere Möglichkeiten eingeräumt werden, ihre Meinung zu äußern oder an der Entwicklung des Unternehmen zu partizipieren.
  • Die Workation ist ein tolles Element für eine moderne und offene Unternehmenskultur. Es ist aber eben auch nur einer von verschiedenen Ansätzen. Es ist auch kein Allheilmittel und wirkt sicher nicht bei einmaliger Anwendung.
  • Eine Workation soll ein Beitrag zur besseren Unternehmenskultur sein. Wobei das nicht auf Kosten der Umwelt oder Gesellschaft passieren soll. Ganz im Sinne eines nachhaltigen Tourismus kann schon bei der Planung eine umweltfreundliche Anreise, Unterbringung, Essensversorgung und sozialverträgliches Freizeitprogramm vor Ort mitgedacht werden.

Wenn diese Punkte Beachtung finden, dann steht einer guten Workation als Teil einer positiven Unternehmenskultur nichts mehr im Wege.

Wie wir unsere letzten Workations gestaltet haben, wollen wir mit Euch in unserem Erfahrungsbericht teilen.

Methoden und Best Practice zu Nachhaltigkeit ins Postfach

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Best Practice: Unser persönlicher Workation Erfahrungsbericht

Das plant values Team macht einmal pro Jahr gemeinsam Workation.
Wir planen uns mit vielen Monaten Vorlauf 2,5 bis 4 Tage ein, an denen wir das Daily Business ruhen lassen. Dann müssen eure Anfragen per Mail oder Telefon auch ein bisschen länger auf Rückmeldung warten – sorry dafür!

Wir verbinden dabei verschiedene Themen: Feedbackrunde, Strategiefragen, Jahresrückblick und -ausblick sowie die Neuausrichtung unserer Geschäftsaktivitäten. Die Agenda erstellen wir gemeinsam und jede*r kann Wunschthemen einfließen lassen. Gleiches gilt für die Freizeitgestaltung. Einzige Regel: Keine operative Arbeiten oder Diskussionen zu laufenden Projektarbeiten.  

Die Workation nutzen wir für Rückblick und Reflexion. Wichtiger Teil ist dabei die Feedbackrunde. Diese setzen wir in der Agenda immer an den Anfang. Dabei geben wir konstruktives Feedback zu uns selbst, Teammitgliedern und der Teamarbeit bei plant values. Hierbei kommen auch die unangenehmen Themen und Fehlentwicklungen auf den Tisch. Wir benennen klar die erkannten Probleme. Klingt hart für einen Auftakt in Urlaubsumgebung, bringt aber viel: Ist ein Problem ausgesprochen, können wir daran gemeinsam arbeiten und finden in den Tagen der Workation Lösungen, die für alle passen. Das lohnt sich wirklich. Wir gehen schlussendlich stets sortierter und motivierter in die folgende Zeit. Ein bisschen wie ein reinigendes Gewitter, auf das wieder Sonnenschein folgt.   

Abwechslung zwischen Teamarbeit und gemeinsamer Teamaktivität

Wichtig ist uns, dass sich intensive Arbeitssessions mit gemeinsamer Freizeit abwechseln. So können einzelne Aspekte der Strategiediskussion nochmal besprochen werden. Dabei gibt aber ebenso die Zeit, einfach über Hobbies, das Ehrenamt, gemeinsame Pläne oder Anderes in der Welt zu reden – und dabei viel Spaß zu haben.

Vorheriges Jahr sind wir in Görlitz gewesen. Wir haben zum Arbeitsausgleich u.a. eine Führung im Kühlhaus Görlitz gemacht, sind mit dem Rad zum Baggersee gefahren und haben abends den Tag mit hausgebrautem Bier ausklingen lassen.

Letzten Sommer auf Rügen waren wir Kajak fahren, um Gedanken schweifen zu lassen. Wir haben lange Wanderungen an der Ostsee genutzt, um uns über Lebensträume und persönliche Ziele für die kommende Jahre auszutauschen.

Wir haben dabei die Agenda oftmals so gestaltet, dass wir zum Tagesbeginn rund vier bis fünf Stunden intensiv zusammen Arbeiten und danach in die Freizeit übergehen. Später, z.B. am Ostseestrand sitzend, können nochmal kleine Themen oder Einzelaspekte in 30 bis 60 Minuten-Sessions beredet werden.

Ebenso sind gemeinsames Frühstücken und Kochen oder Grillen am Abend wichtige Bestandteile. 

Abschluss und Nachwirken

Zum Abschluss pflegen wir eine Reflexionsrunde mit den Fragen: Was sind unsere nächsten Ziele? Was haben wir aus der Workation mitgenommen? Wie ist die gemeinsame Reise an sich gewesen? Das Feedback hilft uns konsequenterweise die nächste gute Workation zu planen.

Die Ergebnisse der Diskussionen und der Sessions werden in einem gemeinschaftlichen Protokoll laufend notiert. Nach dem Ende der Workation wird dieses von allen Beteiligen vervollständigt, sodass nichts verloren geht. Nach einigen Wochen, spätestens zum nächsten Strategietreffen, können wir uns zurückerinnern und überprüfen. Was ist bereits umgesetzt? Wo dürfen wir uns noch gegenseitig unterstützen, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen?
Damit hat die Workation für uns ein dauerhaftes Nachwirken.

Viel Spaß bei eurer Workation

Unsere Erfahrungen mit dem Konzept sind überaus gut und wir können es sehr weiterempfehlen. Wir hoffen, dass unsere Tipps euch neue Ideen und Impulse geben und wir bald auch von eurem Team eine (digitale) Postkarte aus der Workation erhalten!

Planen Sie die nächsten Schritte zu Nachhaltigkeit?

Fragen Sie mich zu einem kostenlosen Informationsgespräch an.
Ich stehe mit Rat und Freude bereit.

Steve Grundig
Themenbereich Unternehmenskultur

0170-1922404 | s.grundig@plant-values.de

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Beispiele und Referenzen

Zukunftsstadt Dresden: Vorbild für die Transformation von Gesellschaften

Seit 2015 begleitet plant values den Prozess und die Akteure rund um das Projekt Zukunftsstadt Dresden.

Dresden auf dem Weg zur Zukunftsstadt

In diesem Blog-Beitrag zeichnen wir die Entwicklung der „Zukunftsstadt Dresden“ nach und geben einen Gesamtüberblick über den Prozess. Wir zeigen, wie dieser sich in eine gesamtgesellschaftliche Transformation hin zur Nachhaltigkeit einfügt. Wir erklären, wie  plant values das Projekt Zukunftsstadt begleitet und geben einen Ausblick zu weiteren Schritten.

Dazu liefern wir Tipps zum Weiterlesen und verlinken die Projekte mit weiteren Hintergrundinfos.

In unserem Beitrag legen wir gezielt den Fokus auf die Rolle von Unternehmen. Denn von einem sind wir überzeugt: Eine Transformation der Stadtgesellschaft hin zur nachhaltigen Zukunftsfähigkeit funktioniert nur, wenn möglichst viele Akteure mitgedacht werden – explizit auch Akteure der Wirtschaft. Das umfasst öffentlichen Unternehmen über kleine und mittelständische Betriebe (KMU) sowie Konzerne bis hin zu Gründer*innen und Startups, die mitgenommen werden sollen.

Zukunftsstadt Dresden kurz erklärt

Das Projekt Zukunftsstadt ist ein Städtwettbewerb vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF):

„Bei dem Projekt geht es darum, Ideen und Visionen für die Zukunft Dresdens zu entwickeln und zu erproben. Ziel des Wettbewerbs ist es, gemeinsam mit Bürger*innen, Wissenschaft, lokaler Politik, Wirtschaft und Verwaltung eine ganzheitliche und nachhaltige Vision 2030+ für Dresden zu entwerfen, den Weg dorthin zu planen und in Form von Projekten umzusetzen. Die Umsetzung erfolgt in Reallaboren, also mit wissenschaftlicher Begleitung (Erprobungsbereiche im öffentlichen Raum). Durch erfolgreich angeschobene bzw. umgesetzte Projekte erlangt Dresden den Status einer „Zukunftsstadt“ mit Vorbildcharakter.“

Vorstellung der Zukunftsstadt auf Dresden.de

Dabei wurde bereits ein weiter Weg zurückgelegt. Hier ein kurzer Rückblick:

  • 2015 startete der bundesweite Aufruf, sich als Stadt, Kreis oder Gemeinde für eine nachhaltige Zukunft zu positionieren. Dresden war eine von 51 Bewerbenden deutschlandweit. In Beteiligungsworkshops für Bürger*innen wurde in dieser Startphase ein Zukunftsbild für Dresden 2030 erarbeitet.
  • 2016 wurden 23 Städte um detaillierte Konzepte gebeten, Dresden kam weiter und final in die Endauswahl. Die Ausarbeitung des Zukunftsbildes wurde fortgesetzt, u.a. mittels gezielter Einbindung von Unternehmen als wichtiger Teil der Stadtgesellschaft.
  • 2018 wird Dresden eine von acht Zukunftsstädten deutschlandweit und damit vom BMBF gefördert. Für die 8 Städte stehen über 10 Mio. EUR Förderung zur Verfügung.
  • Was über die Jahre mit enormer Beteiligung der Stadtgesellschaft vorangetrieben wurde, mündete 2019 in 8 Pilotprojekte, welche aktuell in der Umsetzung sind.
  • 2020 endet die erste Reihe von Pilotprojekten. Damit einher geht die Auswahl neuer Pilotprojekte, um weiterhin Innovation in Reallaboren zu testen.

In den innovativen Pilotprojekten gilt es, zukunftsfähige Konzepte und nachhaltige Innovationen zu erproben. Akteure der nachhaltigen Entwicklungen (Sustainable Change Agents) sollen Erfahrungen sammeln, sollen befähigt, ermutigt und unterstützt werden –  egal ob in Arbeitsgruppen, Vereinen oder Unternehmen der Stadt.

„Das „Projekt Zukunftsstadt Dresden“ entwickelte mit Dresdner*innen ein Nachhaltigkeitsbild, auf dessen Grundlage die Gründung von innovativen Bürger*innenprojekten angeregt wurde. In zahlreichen regelmäßigen Workshops wurden und werden die Bewohner*innen befähigt ihre eigenen nachhaltigen Projekte zu konzipieren und umzusetzen. Dabei erhalten sie von der Stadt eine engmaschige Beratung und finanzielle Unterstützung.“

Rico Schwibs, Projektleiter Zukunftsstadt Dresden 

Reallabor für nachhaltige Innovationen und eine gesunde und friedliche Stadtgesellschaft

Auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Stadtgesellschaft ist es von hoher Bedeutung, die verschiedenen Akteure der Stadt (Stakeholder) einzubinden. Dies passiert mittels offenen Beteiligungsformaten, z.B. Workshops zur Erarbeitung von Zukunftsbildern für Mobilität oder Arbeitswelten. Darüber hinaus wird jeden Monat mittels Projektwerkstätten der Austausch zur Umsetzung von Projektideen angeboten. 

Die ganzheitliche Nachhaltigkeit umfasst drei Dimensionen, neben der ökologischen und der ökonomischen auch die soziale bzw. gesellschaftliche. Durch die Beteiligung verschiedener Akteure treffen verschiedene Sichtweisen und Interessen aufeinander, die einerseits zu Konflikten führen, jedoch eine Weiterentwicklung von Ideen gleichfalls stark beflügeln.
Durch Beteiligungsverfahren wird ein gemeinsames Zukunftsbild ausgearbeitet, welches Orientierung gibt. Dazu lernen die Beteiligten das Lösen von Konflikten und das Integrieren verschiedener Sichtweisen. Dies sind zentrale Schlüsselfähigkeiten für das offene, friedliche und nachhaltige Miteinander im künftigen Dresden und wird in Zukunft der Stadtgesellschaft, öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen, Vereinen, der Stadtpolitik usw. zu Gute kommen.

Man könnte auch schreiben: Hierbei handelt es sich um einen gigantischen, stadt-weiten Stakeholderdialog mit der anschließenden Entwicklung einer gemeinsamen Vision.
Ebenso kann man festhalten, dass die Arbeit an einer nachhaltigen Stadtgesellschaft im Kern die Arbeit an der Lösung gesamtgesellschaftlicher Interessenkonflikte ist.

Nachhaltigkeit erleben, Innovationen erproben, Pilotprojekte verwirklichen

Neben den Beteiligungsprozessen hin zu einem visionären Zukunftsbild der Stadt Dresden im Jahr 2030 werden auch konkrete Ansätze erprobt. In Pilotprojekten wird in Dresden gezeigt, wie beispielsweise…

  • ein Stadtteil mittels cleverer Bepflanzung und Bildungsangeboten essbar wird
  • ein autofreie Innenstadt funktioniert
  • der Verbrauch von Neuwaren und Rohstoffen reduziert werden kann mittels einer Materialbörse, welche Austausch und Wiederverwertung ermöglicht
  • wie Lebensmittelverschwendung reduziert werden kann
  • wie sich Unternehmen nachhaltig transformieren können
  • (alle Projekte und deren Vorstellung auf zukunftsstadt-dresden.de )

Der große Vorteil ist, dass die scheinbar ferne Zukunft im Jahr 2030 und die utopische Vision einer nachhaltigen Stadtgesellschaft in konkrete Ansätze – im Hier und Heute – übersetzt werden. Menschen kommen ins Handeln. Sie denken aktiv über ihren Beitrag oder die Rolle ihrer Organisation nach und werden somit zum aktiven Gestaltenden der Zukunft. Die Akteure sammeln in den Pilotprojekten Erfahrung und Wissen rund um die nachhaltige Entwicklung, werden zu Expert*innen des Wandels. Sie können zum Vorbild für andere Menschen, Organisationen und Unternehmen werden. Im Idealfall entstehen Best Practice Ansätze und die beteiligen Personen bekommen ein Gefühl der Selbstwirksamkeit. Damit wird die Grundlage gelegt, um den schier unendlichen Herausforderungen der Nachhaltigen Entwicklung zu begegnen. Die Akteure des Wandels bekommen Werkzeuge und Sicherheit im Umgang mit den Fragen der Nachhaltigkeit, welche sich im Laufe der nächsten Jahre jede*r in der Gesellschaft stellen muss.

Dies fügt sich gut ein in den Gesamtprozess, wenn man der Forschung um Transformationsprozessen folgt: Wenn Gesellschaften in Wandel kommen durch sogenannte Schockereignisse, z.B. Humanitäts- und Klimakrisen, entstehen Handlungsräume und Zeitfenster. Bisher stabile Gesellschaftssysteme öffnen sich für Veränderungen. Dann braucht es jene (nachhaltige) Innovationen, jene Erfahrungen und jene Expert*innen, die diesen Raum füllen und Antworten liefern auf die neu aufkommenden Fragen. Das ermöglicht, eine Fortentwicklung hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu schaffen.

Diese eigene Darstellung von plant values ist angelehnt an Geels und Schot „Multi-Level perspective on transitions“ (2007). Inspiriert wurde dies u.a. vom Beitrag im tjg am 15.März 2020 von Dr. Markus Egermann vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), welche den Prozess der Zukunftsstadt Dresden ebenfalls begleiten. Daran angelehnt  haben wir in der plant values academy vom 16.04.2020 ausführlicher gesamtgesellschaftliche Transformationsansätze erklärt. Hier haben wir aufgezeigt, warum Experimentierräume und die Ausbildung von neuen Expert*innen sowie die Erfahrungen solcher Reallabors sowie die Erprobung von Innovationen wichtig sind für eine nachhaltigen Entwicklung. Mehr dazu in unserem Blogbeitrag zur academy.

plant values begleitet Transformationsprozesse

Teammitglieder von plant values beim Beteiligungsworkshop der Zukunftsstadt Dresden im Jahr 2015

Das Team von plant values führte in der ersten Phase im Jahr 2015 rund ¼ aller Beteiligungsformate durch und hatte damit maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Zukunftsbildes. In der nächsten Phase im Jahr 2017 ging es um die Weiterentwicklung dieses Bildes, u.a. um die Perspektive von  Unternehmen. Dazu führte plant values Interviews mit Vertreter*innen der Wirtschaft und konnte somit in Rückkopplung auch Impulse aus dem Zukunftsstadtprojekt zurück in Dresdens Unternehmen geben.

Das Ergebnis des Prozesse stellt ein umfassendes, detailliertes Zukunftsbild von Dresden, wie die Stadt im Jahr 2030 aussehen soll, dar: Geprägt von einem respektvollen, nachbarschaftlichen Miteinander entwickelt sich eine resiliente Stadtgesellschaft, welche ihre Entwicklung an den globalen Nachhaltigskeitszielen (SDG) der United Nations orientiert. Damit passt sich Dresden in die Anforderung des BMBF ein, Vorbildcharakter für nachhaltige Stadtentwicklung zu sein. 

Seit 2019 läuft die Umsetzung der Pilotprojekte. Dabei begleitet plant values als Partner vom sukuma arts e.V. die Transformation von Dresdner Unternehmen. Zunächst wird mit dem tjg Dresden („theater junge generation“) gearbeitet und ein nachhaltiger Theaterbetrieb der Zukunft erprobt. In Folge können die Erfahrungen und das gewonnene Wissen genutzt werden, das Schauspielhaus dauerhaft nachhaltig und zukunftsfähig auszurichten.

Auftaktveranstaltung im tjg Dresden zum Jahresbeginn 2020: Dabei waren Vertreter*innen von sukuma arts e.V. (Projektleitung), TU Dresden (Beforschung) sowie Toni Kiel und Steve Grundig von plant values

Ein nächstes Pilotprojekt wird ab Herbst 2020 mit einem weiteren Akteur der Stadtgesellschaft, der Stadtentwässerung Dresden GmbH, erfolgen. Auch hier sollen nachhaltige Unternehmensprozesse bereits heute erlernt und erlebbar gemacht werden, um damit eine nachhaltige Unternehmensentwicklung zu bestärken.

Welche Schritte dafür im Einzelnen gemeinsamen entwickelt und gemeinsam mit den jeweiligen Belegschaften gegangen werden, wird im Blog zu dem Zukunftsstadt-Pilotprojekt anschaulich dokumentiert.

plant values ist überzeugt, dass schlussendlich Nachhaltigkeit als zentraler Kern in den jeweiligen Unternehmen und Organisationen zu verankern ist. Ebenso sollte sich die Unternehmensentwicklung an einem Leitbild der Nachhaltigkeit orientieren. Das kann bspw. vom Zukunftsbild für ein Dresden im Jahr 2030 inspiriert sein.
Schlussendlich ist die Herausforderung, dass jede Organisation eine auf sie individuell zugeschnittene Strategie finden muss, um zur nachhaltigen Entwicklung der Stadtgesellschaft beizutragen.

Unternehmerische Nachhaltigkeit erproben, etablieren und (weiter)entwickeln

Der Ansatz, bestehende Unternehmen hin zum nachhaltigen Wirtschaften zu transformieren, wird flankiert von dem Ansatz neue Initiativen und neue Unternehmen, z.B. als Social Startups oder grünen Gründungen, zu etablieren. Haben sich in der Phase der Pilotprojekte Ideen als praktikabel erwiesen, kann ein Weg sein, daraus ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Damit kann die Idee weiterwachsen und dauerhaft wirken.  In dieser Phase kommen neue Herausforderungen auf die Zukunftsstadtpioniere zu: Wie generiere ich Einnahmen, um weiter in meine Idee zu investieren, welche Ausgaben sind zu kalkulieren? Welche Kund*innen spreche ich wo mit welchen Botschaften an? Welche Rechtsform passt zu dem Vorhaben? Wie kann ich meine Organisation auch nach innen nachhaltig und sozial-verträglich konzipieren? Diese Prozesse unterstützt und begleitet plant values mittels Vorgründungsberatung und Coaching in der Aufbauphase und nach der Gründung.

Dabei können Pilotprojekte ganz im Sinne eines Green Business oder Social Business gedacht werden. Die positiven ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen werden verstetigt, indem unternehmerisch gehandelt wird. Das heißt, es wird ein Geschäftsmodell entwickelt, welches gleichzeitig positiv auf Gesellschaft und Umwelt wirkt, dabei entstehende Aufwände (für Personal, Material usw.) dennoch selbst erwirtschaftet.

Grüne Gründungen, Social Startups und nachhaltige Geschäftsideen komplettieren die Unternehmenslandschaft in Dresden. Sie stellen ein weiteres wichtiges Puzzleteil hin zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung dar.

Aktuelle Entwicklung und weitere Ausblick

Momentan läuft die Bewerbung und die Auswahl weiterer Pilotprojekte, welche anschließend umgesetzt werden dürfen. Zum jetzigen Zeitpunkt (Mai 2020) besteht eine gewisse Unsicherheit, wie es mit Dresdner Haushaltssperre und der Entwicklung der Corona-Krise weitergeht. Dennoch bleiben die Akteure und Projektpartner aktiv und treiben die nachhaltige Stadtentwicklung voran. Ebenso gibt es weiterhin Angebote zum Austausch. Auch lohnt sich ein Blick auf die Website Zukunftsstadt Dresden oder auf twitter, wo regelmäßige Updates erfolgen: https://twitter.com/zukunftsstadtdd

Wir hoffen, mit diesem Blogbeitrag konnten wir direkt noch mehr Menschen und Organisationen inspirieren, interessieren und motivieren, gemeinsam den Weg zur Zukunftsstadt Dresden zu gehen.

Weiterführende Links:

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plant values begleitet Startups und Unternehmen für eine nachhaltige Transformation

plant values: Wir unterstützen öffentliche Institutionen und etablierte Unternehmen bei der nachhaltigen Transformation ihrer Geschäftsmodelle und begleiten Grüne und Social Startups und Jungunternehmen beim Aufbau eines ganzheitlich nachhaltigen Unternehmens. Unser Ansatz ist es, unsere Partner zu befähigen eine eigenständige, kontinuierliche Transformation zu vollziehen bzw. dauerhaft nachhaltiges Wirtschaften zu etablieren. 

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Wesentlichkeitsanalyse Stadtwerke Norderstedt

Wesentlichkeitsanalyse für die Stadtwerke Norderstedt

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